Privatisieren, aber richtig

Wenn der Staat schon seine AUA-Aktien loswerden will – warum ausgerechnet zum ungünstigsten Zeitpunkt? Von Franz C. Bauer

Jede Zeit hat ihre Glaubenssätze. Wer im Altertum anzweifelte, der Pharao sei vielleicht doch nicht der Abkömmling der Götter, durfte sich (im günstigsten Fall) als Pyramidenbauer verwirklichen. Wer im Mittelalter die Meinung vertrat, die Erde sei vielleicht doch nicht der Mittelpunkt des Universums, riskierte damit ein eher wärmendes Ende. Wer derzeit die Meinung vertritt, man solle Unternehmen, an denen der Staat beteiligt ist, nicht privatisieren, läuft damit Gefahr, als Sonderling (oder als Kommunist, was im wirtschaftswissenschaftlichen Establishment wenig Unterschied macht) belächelt zu werden – eine Art intellektueller Hinrichtung.

Womit wir bei der AUA wären. Etwa 42,8 Prozent der heimischen Airline gehören dem Staat, und dieser will das Aktienpaket laut Ministerratsbeschluss loswerden. Ganz freiwillig kam diese Entscheidung nicht, denn das AUA-Aktienpaket wird ja nicht wegen anhaltender Erfolge und des erzielbaren lukrativen Preises angeboten, sondern eher weil der Großaktionär offenbar jedes Vertrauen in die Fähigkeit des Managements verloren hat, den verfahrenen Karren selbst wieder aus dem Dreck zu ziehen.

Das sind natürlich keine besonders erbaulichen Voraussetzungen für so einen Verkauf. Jeder potenzielle Käufer kann sich ausrechnen, dass die Zeit für ihn und gegen die AUA und deren Verkäufer spielt. Je länger man wartet, desto billiger wird’s. Doch der Staat muss verkaufen – er wurde dazu von AUA-Boss Alfred Ötsch einigermaßen eindringlich aufgefordert. Auf der AUA-Bilanzpressekonferenz forderte Ötsch bis Oktober die völlige Privatisierung der Fluglinie, sonst müsse „Zündstufe zwei“ eingeschaltet werden, und es komme zu „allen Grausamkeiten“, die man sich vorstellen könne: Redimensionierung, Verkauf von Flugzeugen, Personalabbau. Interessant wäre es jetzt zu hören, was sich Herr Ötsch so von einem „Partner“ erwartet. Etwa, dass er unrentable Strecken weiter betreibt? Oder überflüssiges Personal (soweit vorhanden) behält? Vielleicht gar die nicht benötigten Flugzeuge in Schwechat einmottet? Zu „allen Grausamkeiten“ kommt es natürlich auch, wenn ein „Partner“ einsteigt. Dass dieser nicht sofort versuchen wird, seine Kosten für den Einstieg rasch zurückzuverdie­nen, glauben nicht einmal die Politiker. Also forderten sie eine „österreichische Lösung“ für den Staatsanteil: Österreichische Unternehmen sollen die Sperrminorität vom Staat über­nehmen.

Und was sollen sie dann damit machen? Wird es einen Vorstand einer Aktiengesellschaft geben, der auf der Hauptversammlung seinen Aktionären erklärt, er habe AUA-Aktien aus „staatspolitischem Inter­esse“ gekauft und damit gegen das Aktiengesetz verstoßen? Was muss in den Köpfen politisch Verantwortlicher vorgehen, die glauben, Unternehmen gehen Investments aus staatspolitischer Räson ein? Was wäre die aus Sicht der Steuerzahler sinnvollste Lösung? Wohl eher nicht, AUA-Aktien am absoluten Kurs­tief zu verkaufen, sondern erst einmal die Braut herauszuputzen und dann ohne Eile einen passenden Partner (könnte ja auch eine lockere Lebensgemeinschaft sein) zu suchen. Also: nicht privatisieren, sondern sanieren und danach ohne Druck entscheiden. Immerhin hängt an der Airline auch die Attraktivität des Standorts Ostösterreich. Aber der Staat (konkreter: der den Hauptaktionär vertretende ÖIAG-Chef Michaelis) verfolgt den Niedergang der AUA bereits seit Jahren, ohne – wie das jeder private Großaktionär getan hätte – effiziente Gegenmaßnahmen zu initi­ieren. Vielleicht stimmt der ökonomische Glaubenssatz vom Privatisieren ja doch.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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