Österreichs härteste Unternehmer: Das Erfolgsduo Ronny Pecik und Georg Stumpf

Die erstaunliche Geschichte, wie Ronny Pecik und Georg Stumpf mit smarten Börsetricks und Milliardenkrediten Schweizer Weltkonzerne kaperten und Milliardäre wurden.

„Das Leben bildet eine Oberfläche,
die so tut, als ob sie so sein müsste,
wie sie ist. Aber unter ihrer Haut treiben
und drängen die Dinge.“

Robert Musil

Wenn Ronny Pecik verreisen muss, so wie vorletzte Woche zu aufstrebenden, quirligen asiatischen Metropolen wie Bangkok, Taipeh und Schanghai und ins sonnige Phuket, dann warten bei seinem Abflug vierzehn Piloten auf ihn und fünf Privatjets: zwei Challenger 300, je eine Challenger 604 und 605 und schließlich ein Global Express 12, seine zwölfsitzige Lieblingsmaschine, Stückpreis 50 Millionen Dollar. Alle Flugzeuge stammen von der Firma Bombardier, in deren Floridsdorfer Werk in der Donaufeldstraße der junge Pecik einst eine Ausbildung zum Starkstromelektriker genoss, nachdem er die vierte Klasse Gymnasium mit sieben „nicht genügend“ verbockt hatte. Ja, der charmante 100-Kilo-Mann, ein Menschenfischer, der gewiss Eskimos Kühlschränke verkaufen könnte, ist der lebendig gewordene Wunschtraum aller Schulversager: Ronny Pecik schaffte nie die Matura, aber er hat es in 44 Lebensjahren aus kleinsten Verhältnissen auf ein sagenhaftes Vermögen von 2,4 Milliarden Euro gebracht.

Für diejenigen, die jetzt im Mittelteil nicht ganz aufgepasst haben: 2,4 Milliarden.

Das alleine wäre schon eine erstaunliche Geschichte, die es zu erzählen gilt, wäre da nicht auch noch sein Kompagnon Georg Stumpf, der vom Wiener Millennium Tower aus oder von seinem Office in der Londoner Bruton Street aus das Treiben der Zwerge zu ebener Erde messerscharf analysiert. Stumpf, ein im Übrigen durchaus höflicher Mann, wirkt auf den ersten Blick wie die genaue Antithese zu Pecik: ein kühler Zahlenfuchs, der ein bisschen A wie der Mathematikprimus der Klasse aussieht und jedes Wort vorsichtig abwiegt, überall der Beste, selbst beim Golfen, wo er es in jungen Jahren wie selbstverständlich zum österreichischen Meister brachte. Anders als der Lehreralbtraum Ronny Pecik, der in seinem hellen Innenstadtbüro am Wiener Franz-Josefs-Kai 47 gerne die Börsenkurse feiert, wie sie steigen, am liebsten mit einem Glas Champagner von Moët & Chandon, so wie erst neulich am 7. März, als Pecik durch den Verkauf eines billig und diskret erworbenen Packerls – nicht Böhler-Uddeholm-, sondern Sky-Europe-Aktien – stattliche zwölf Millionen Euro Körberlgeld verdiente. Schon wieder eine andere Geschichte eigentlich, auf die wir noch kommen werden.

Ungleiches Duo. Das Besondere an Georg Stumpf wiederum ist: Er hat es erstens schon mit 29, als Ronny Pecik noch genau 6800 Schilling pro Monat als EDV-Wart in der Länderbank verdiente, auf ein Vermögen von 200 Millionen Euro gebracht, und er besitzt jetzt mit 34 in der gemeinsamen Firma Victory Industrie Beteiligung AG, so wie sein Partner Ronny, ebenfalls 2,4 Milliarden Euro. Stumpfs umfangreicher Immobilienbesitz, zum Beispiel in Berlin und in London, ist da jetzt nicht mitgezählt. Auch dies eine bemerkenswerte Geschichte, aber noch nicht genug.

Dieses höchst ungleiche und verdammt smarte Geschäftsduo befindet sich seit drei Jahren auf einem aggressiven Eroberungszug in der friedlichen Schweiz. Ihr Vehikel dabei ist eine Wiener Industriebeteiligungs AG, die Stumpf und Pecik je zur Hälfte über Privatstiftungen gehört und deren Name Programm ist: Victory. Bei den auf Ruhe und Diskretion bedachten Eidgenossen brachten die beiden smarten Wiener im Nadelstreif fast Unglaubliches zustande: Über listige, feindliche Takeovers, gegen den Willen der bisherigen Eigentümer, übernahmen Pecik & Stumpf zuerst den traditionsreichen High-Tech-Maschinenbauer Oerlikon (6400 Beschäftigte) und dann den noch größeren Weltmarktführer bei Textilmaschinen, die Saurer AG (10.000 Mitarbeiter); bei zwei weiteren Firmen kämpfen die beiden gerade um die Macht, bei dem Telekom-Ausrüster Ascom AG (3500 Beschäftigte), wo sie offiziell schon 24 Prozent halten, und bislang verdeckt bei der Sulzer AG (10.400 Beschäftigte), wo ihr Aktienpaket bereits über 25 Prozent betragen soll.

So ein paar Firmennamen lesen sich leicht und flugs, aber ein genaueres Hinschauen macht staunen. Stumpf und Pecik kontrollieren inzwischen einen Weltkonzern: Die OC-Oerlikon-Gruppe wird Ende dieses Jahres – mit 20.000 Mitarbeitern in 170 Fabriken in 32 Ländern – 5,5 Milliarden Euro Umsatz und 600 Millionen Euro Gewinn machen. Letzteres ist jedenfalls die Zielvorgabe fürs Management, und darüber wacht der Präsident des Verwaltungsrates von OC Oerlikon, Georg Stumpf. De facto ist Stumpf damit der eigentliche Chef des Unternehmens, denn der Aufsichtsrat eines Unternehmens heißt in der Schweiz nicht nur Verwaltungsrat, er agiert auch wesentlich aktiver als hierzulande.

Eine beachtliche Karriere für einen 34-Jährigen, der im Schatten eines übermächtigen Vaters immer schon besser und schneller sein und höher hinaus wollte. Das Studium an der Wiener Wirtschaftsuniversität absolvierte er in der Rekordzeit von vier Semestern. Als 22-Jähriger erhielt er von seinem Vater Georg Stumpf senior, einem aus dem Banat stammenden Wiener Bauunternehmer mit besten politischen Verbindungen, eine Million Schilling als Startkapital. Mit 29 hatte er daraus ein geschätztes Vermögen von über 200 Millionen Euro gemacht. Dieses bravouröse Meisterstück gelang mit dem Bau des 202 Meter hohen Millennium Towers in Wien, des höchsten Gebäudes Österreichs – der Stephansdom misst vergleichsweise mickrige 136 Meter. Die Baukosten lagen bei 145 Millionen Euro, der deutsche Immobilienfonds MPC langte für 380 Millionen Euro zu.

Familiärer Background. Man kann an diesem beeindruckenden Hochglanzbild natürlich auch kratzen: Tatsächlich wäre das Projekt ohne Kapital und Einfluss der Familie für den tüchtigen, aber durchaus skrupellosen Junior kaum zu realisieren gewesen. Der Wiener Gemeinderat hatte eine maximale Bauhöhe von 120, allerhöchstens 140 Metern vorgesehen. Stumpfs Gesetzesbruch blieb folgenlos, vielleicht auch weil Franz Vranitzky zu den engen Freunden der Familie zählt. Stumpf junior wurde allerdings miserable Bauqualität und das chronische Nichtbezahlen von Rechnungen vorgeworfen. Von Architekt Gustav Peichl stammt das Bonmot, Stumpf junior zahle grundsätzlich erst, nachdem er geklagt wird.

Stumpf junior erfuhr auch Niederlagen. Sowohl seine Telefonfirma MCN wie auch sein Plan, Autos übers Internet zu verkaufen, erwiesen sich als Flops. Und auch der lukrative Turmdeal, der ihn reich machen sollte, hing an einem seidenen Finanzierungsfaden und am letztlich unberechenbaren Immobilienzyklus. Je nach Sichtweise besaß Georg Stumpf geniale Weitsicht, oder er hatte einfach Glück, dass der Immobilienmarkt und Immobilienfonds kräftig anzogen.

Heute kann sich Georg Stumpf als Business-Jet einen Airbus A 319 leisten und hat einen Bugatti in der Garage, seine Schwestern Kathi und Gabi gelten als Stammgäste Wiener Jetset-Events. Es hätte auch anders kommen können.

Der 44-jährige Ronny Pecik wiederum hat einen unglaublichen Aufstieg hinter sich, vom Starkstromelektriker bis zum Multimillionär im Jahr 2003 (siehe großes Interview auf Seite 38). Innerhalb der letzten drei Jahre machte er daraus ein Vermögen von 2,4 Milliarden Euro. Auch Pecik wäre beinahe gestolpert, als er im Jahr 2000 Vorstand der RBB-Bank wurde, die inzwischen Capital Bank heißt, wo ein Grazer Manager mit Derivativen 350 Millionen Schilling verspielt und damit die Bank beinahe versenkt hatte. Auch bei ihm hätte alles anders kommen können.

Warum diese beiden unterschiedlichen Charaktere so gut miteinander können, erklärt Niki Lauda, der mit beiden gut vertraut ist, so: „Die zwei sind einfach ein perfektes Team. Stumpf ist ein Zahlenfuchs, der verblüffend gut rechnen kann, und Pecik ist einer mit einer unheimlich schnellen Auffassungsgabe und der Fähigkeit, Strategien zu entwickeln.“

Kampf um Oerlikon. Was sich jetzt bei Böhler-Uddeholm anbahnt, erlebte der Schweizer Traditionskonzern Oerlikon 2005. Ausländischen Investoren, in diesem Fall österreichischen, war eine feindliche Übernahme gelungen. Einen Tag nachdem Georg Stumpf und Ronny Pecik beim Schweizer Konzern Unaxis die Macht übernommen hatten, wurden fast alle Divisionsleiter ausgewechselt, wichtige Führungskräfte gefeuert und aufgefordert, innerhalb von drei Stunden ihren Arbeitsplatz zu räumen. Von wegen österreichische Gemütlichkeit.

Der Konzern hatte seit den neunziger Jahren schon eine Leidensgeschichte hinter sich, was nicht nur an schlechten Managern lag, sondern auch an einer eidgenössischen Besonderheit. Die Geschichte lehrt, dass große Vermögen am ehesten durch drei Dinge verloren gehen: Revolutionen, Kriege und unfähige Erben. Kein Land in Europa kann auf eine so lange Friedenszeit zurückblicken wie die Schweiz; auch an Revolutionen mangelte es durchaus. Dies führte dazu, dass es in der Schweiz eine Reihe von Industriellenfamilien gibt, die im Wesentlichen nur mehr die Dividenden ihres vor etlichen Generationen gegründeten Unternehmens beziehen, aber kein eigentliches industrielles Interesse besitzen. Wie bei irgendwelchen Landgütern, die von ihren Eignern nur selten besucht werden, werden dann die Verwalter zu den eigentlichen Hausherren, die Manager können schalten und walten, solange die Dividenden fließen. Der einstige Personalchef von Oerlikon berichtete, er habe den Vertreter der früheren Eigentümerfamilie Anda-Bührle, Gratian Anda, noch kein einziges Mal im Werk gesehen.

Die Maschinenfabrik Oerlikon wurde 1876 in einem Vorort von Zürich gegründet, der Oerlikon heißt, so wie die Andritz AG im Grazer Vorort Andritz. Zu den Gründern gehörten die beiden genialen Herren Charles Brown und Walter Boveri, die sich später selbstständig machten und Brown Boveri gründeten. Die ursprüngliche Oerlikon ging pleite und wurde 1906 neu gegründet. In den dreißiger Jahren kamen die Forschungsfirma Contraves und die Flugzeugfirma Pilatus dazu, später noch viele Töchter. Ende der neunziger Jahre verkaufte die Industriellenfamilie Anda-Bührle, deren Oberhaupt Hortense Bührle und ihr Sprecher, der Züricher Privatbankier Gratian Anda, die Rüstungsfirma Contraves und auch gleich den Namen Oerlikon. Deshalb trug der Konzern bis 2005 den zungenbrecherischen Namen Unaxis.

Unaxis ist ein Mischkonzern mit etlichen Tochtergesellschaften, der 2004 auf drei Sparten ruhte: Beschichtungen (zum Beispiel für Dieselmotoreinspritzdüsen), Vakuumpumpen und Komponenten wie zum Beispiel Halbleiter. Das einst stolze Unternehmen war durch krasses Missmanagement in die Schieflage geraten und fuhr 2004 einen Rekordverlust von 378 Millionen Euro ein. Der Aktienkurs stürzte daraufhin innerhalb eines Jahres um vierzig Prozent ab, gleichzeitig betrugen die Barbestände des Konzerns 800 Millionen Euro.

Das rief risikofreudige Investoren auf den Plan. Einer hieß Mirko Kovats.

Die erste Swiss Connection. An dieser Stelle ist eine Rückblende erforderlich. Mirko Kovats hatte schon 2003 im Zuge der Übernahme von 19 Prozent der VA-Tech-Aktien mit einer Swiss Connection begonnen. Ein ehrgeiziger Abteilungsleiter der Schweizer Raiffeisen-Zentralbank in St. Gallen namens Felice De Grandi stellte für Kovats und seinen Mitinvestor Ronny Pecik, damals mit 45 Prozent Partner an Kovats A-Tec-Holding und Miteigentümer der M&A-Bank1), eine Menge Geld auf; einen Kredit in Höhe von 55 Millionen Euro. Gute Taten werden belohnt: Herr De Grandi ist längst nicht mehr bei Raiffeisen, sondern an Victory beteiligt.

Im Zuge des VA-Tech-Deals, der Kovats und Pecik durch den Verkauf ihrer Aktien an Siemens zum doppelten Preis rund 141 Millionen Euro einbrachte, machte der einstige Diskothekenbesitzer die Bekanntschaft eines ehrgeizigen Managers namens Thomas Limberger. Der hatte als Chef von General Electric beim VA-Tech-Verkauf mitgeboten. General Electric kam bekanntlich damals nicht zum Zug, und so ging Limberger als Vorstand zu Oerlikon. Dort fungierte er, wie Kritiker meinen, alsbald als trojanisches Pferd für Kovats, Pecik und Stumpf. Jedenfalls erwiesen sich Kovats und seine Mitinvestoren über alle Oerlikon-Interna als bestens informiert.

Der ungewöhnlich niedrige Aktienkurs des angeschlagenen Oerlikon-Konzerns hatte aber nicht nur Kovats & Co angelockt, sondern auch den größten Einzelaktionär, die Schweizer Industriellenfamilie Anda-Bührle, die gemeinsam 21 Prozent an Unaxis hielt. Als im Oktober 2004 die Oerlikon-Aktie nur noch die Hälfte dessen wert war, zu dem sie noch wenige Monate vorher notiert hatte, beschloss Gratian Anda, Bankier und Familiensprecher, die Mehrheit am Konzern so günstig wie nie zu übernehmen, um dann, wie vermutet wird, durch die teilweise Zerschlagung des Konzerns einen Teil des Kapitals wieder zurückzuholen.

Doch der reiche Familienbankier erwies sich als allzu zögerlich, als der Kurs der Unaxis-Aktie plötzlich auf wundersame Weise wieder anstieg. Letzteres lag daran, dass Pecik, Stumpf und Kovats inzwischen klammheimlich Unaxis-Aktien zukauften. Im April 2005 hielt ihre Wiener Firma Victory bereits 34 Prozent an Unaxis – in Form von Aktien und Optionen. Bei der darauffolgenden Generalversammlung im Mai verbreitete Kovats Furcht und Schrecken und machte das Unaxis-Management zur Sau. Originalton Kovats: „Ich bin fassungslos, dass der Verwaltungsrat überhaupt noch wagt, hier aufzutreten. Das hilflose Gestammel interessiert mich nicht. Ich habe das Gefühl, ich bin hier in der KPdSU.“

Die Schweizer scheitern. Die Schlacht war nun voll im Gang. Anfang Mai 2005 hielt die Victory schon 43 Prozent der Unaxis-Aktien. Nun bekam es die Industriellenfamilie Anda-Bührle mit der Angst zu tun. Bislang hatte sie mit 21 Prozent Anteil das Unternehmen kontrolliert. Das konnte man jetzt vergessen, und eine eigene Mehrheitsübernahme schien zu teuer geworden. Ende Mai 2005 verkaufte die Industriellenfamilie. Das Trio Kovats, Pecik und Stumpf hatte hoch gepokert und die unerhörte Summe von einer Milliarde Franken als Kredit aufgenommen, aber ihre Firma Victory hatte für rund 1,2 Milliarden Franken den Schweizer Traditionsbetrieb Unaxis übernommen. Noch am selben Tag wurde Thomas Limberger Unaxis-Boss und warf seine nunmehrigen Ex-Kollegen hinaus. Die Industriellenfamilie Anda-Bührle, in der Schweiz so bekannt wie bei uns die Meinls, Turnauers oder Kahanes, hatten das Spiel verloren. Georg Stumpf sieht das rückblickend so: „Die Familie war schon auf dem Rückzug. Wenn man in die Bank und Holding der Familie, die Ihag in Zürich, hineingeht, wird einem das sofort klar: Da sieht man wertvolle Gauguins und kostbare alte Meister, da hängen riesige Vermögenswerte einfach an der Wand. Die generelle Ausrichtung des Denkens ist dort ein bisschen eine andere als bei heutigen Unternehmern üblich. Die Ihag wollte natürlich dennoch das Sagen bei der Unaxis behalten. Aber je weiter wir unsere Position aufbauten, umso mehr sah auch die Familie Anda-Bührle, dass sie auf verlorenem Posten stand. Den Kampf gegen uns hätte sie verloren, das war offensichtlich. Es blieb ihr nur mehr, entweder als Verlierer auszusteigen oder mit uns quasi einen Schulterschluss zu machen und zu unseren Konditionen zu verkaufen, um so noch gesichtswahrend aus der Sache herauszukommen.“

Mirko Kovats und seine Co-Investoren Georg Stumpf und Ronny Pecik hatten danach ihre Probleme miteinander. Die polternde Art, mit der sich Kovats in der Schweiz zum Buhmann aufbaute, missfiel seinen Mitinvestoren. Nach dem gelungenen Coup ging die zur Schau gestellte Eintracht perdu. Im November 2005 kam es zu einem tiefen Bruch. Die nunmehr wieder unter OC Oerlikon firmierende Firma hatte einen hochdefizitären Hochtechnologiezweig für Displays, der in einem Jahr 170 Millionen Franken Verlust gemacht hatte. Ein Konkurrent, Applied Materials, wollte den Bereich für vierzig Millionen Euro kaufen. Kovats wollte verkaufen, konnte sich aber bei Stumpf und Pecik nicht durchsetzen, die eher das große Potenzial sahen. Als Kovats auch noch ohne Absprache öffentlich die Fusion der Oerlikon mit seiner A-Tec andachte, war besonders für Georg Stumpf das Fass voll. Er sagt heute zu Kovats nur mehr kryptisch: „Seine Präsenz war, bin ich der Meinung, auch hinreichend genügend.“

Kovats geht. Am 31. Jänner dieses Jahres zog man die Konsequenzen: Kovats stieg aus, Georg Stumpf und Ronny Pecik übernahmen zu gleichen Teilen seinen 15-Prozent-Anteil an Oerlikon. Für Kovats, dessen A-Tec-Konzern 2005 bei 722 Millionen Euro Umsatz nur 25 Millionen Gewinn gemacht hatte, erwies sich der Schweizer Ausflug dennoch als überaus lukrativ: Er war um 160 Millionen Euro reicher geworden.

Ronny Pecik und Georg Stumpf wiederholten alsbald denselben Coup noch einmal und schnappten sich um 1,6 Milliarden Euro den Weltmarktführer für Textilmaschinen, die Schweizer Saurer AG. Um die Unternehmen Ascom und Sulzer wird gerade gekämpft (siehe „Swiss Monopoly“ auf Seite 36). Angefeuert von der wilden Übernahmeschlacht, verfünffachte sich der Kurs der Unaxis/Oerlikon-Aktie.

Innerhalb von drei Jahren wurden Georg Stumpf und Ronny Pecik so Euro-Milliardäre. Ihre Wiener Victory Industrie Beteiligung AG hält ein Vermögen von 4,758 Milliarden Euro, davon liegen 600 Millionen cash bereit. Die Verbindlichkeiten liegen bei 848 Millionen Euro.

Und während in der Schweiz bei Ascom und Sulzer noch wilde Übernahmeschlachten toben – so hat bei Ascom der Präsident des Verwaltungsrates seinen CEO glatt gefeuert, weil dieser sich mit Ronny Pecik zu einem Gespräch getroffen hatte –, hat Pecik bei einem Glas Wein in seinem Lieblingslokal Fabios schon wieder neue Pläne: „Ich würde mich gerne an einem österreichischen Weingut beteiligen. Ich glaube, dass sich unsere Weinbauern wesentlich besser verkaufen könnten.“

Von Karl Riffert

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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