Nie wieder Stress! Wie Sie sich
von Ihrer Stressbelastung befreien

Auf viele Menschen wird der Arbeitsdruck durch die Wirtschaftskrise immer stärker. trend zeigt, wie Sie die persönliche Stressbelastung messen können, wie Sie es schaffen, sich im Alltag davon zu befreien, und wie Manager mit Stress umgehen.

Von Thomas Martinek

Halb acht Uhr morgens im Büro von Casinos-Austria-General Karl Stoss. Ein kleines Grüppchen hat sich eingefunden, um den ­Manager mit einer Feier zu überraschen. Er hat Geburtstag. Rasch werden noch die Kerzen auf der Torte angezündet, die Brötchen gerichtet, dann geht die Tür auf. Die Überraschung gelingt. Stoss freut sich über das falsch gesungene „Happy Birthday“. Doch während sich die Gratulanten über Torte und Lachsbrötchen hermachen, blättert Stoss in seinen Unterlagen. Die launige Runde bewundert noch das Geburtstagsgeschenk, einen Original-Schwimmanzug des US-Stars Michael Phelps, da bricht der Jubilar schon wieder auf – Aufsichtsratssitzung. „Und wo feierst du am Abend?“, wird Stoss schnell gefragt. „In Innsbruck, bei einer Sitzung des Olympischen Comités.“
Dann ist er weg.

Stress ist unter Spitzenmanagern ein Alltagsphänomen. Er gehört zu ihrem Job wie der BlackBerry. Bei einer im September 2009 im Auftrag des Wirtschaftsforums der Führungskräfte (WdF) durchgeführten Studie gaben knapp 60 Prozent der 300 befragten Manager an, unter Stress zu leiden. Bei vielen hat sich durch das schlechtere Geschäft während der Wirtschaftskrise der Druck noch erhöht. Doch erfahrene Top-Leute wissen zumeist damit umzugehen. Roland Graf vom WdF: „Manager arbeiten praktisch immer an ihrem Limit, wissen aber auch genau, dass noch mehr Einsatz dann zu schweren gesundheitlichen Schäden führen würde.“ Eine schlüssige Interpretation. Auch die vom trend zum Thema Stress befragten Spitzenmanager gaben an, selbst bei noch so intensiver Arbeitsbelastung auf ihre Freiräume zur Erholung nicht zu verzichten. „Sonst bleibt Wesentliches im Leben, also letztendlich man selbst, auf der Strecke“, sagt Casinos-Chef Stoss.

Wachsendes Stressempfinden
Die Leute in den Vorstandsetagen sind meistens in der Lage, sich ihre Freiräume zu organisieren. Erhöht hat sich der Stress vor allem im mittleren Management, auf der Ebene der Abteilungsleiter und bei den ganz gewöhnlichen Arbeitnehmern. Dort verdichtet sich durch die Folgen der Krise die Arbeit oft zu einem gewaltigen Brocken mit dem spezifischen Gewicht von Blei. Abteilungen werden zusammengelegt, in vielen Fällen ein Teil der Mitarbeiter gekündigt. Die Verbleibenden müssen die Mehrarbeit erledigen. Die Angst vor dem persönlichen Scheitern steigt, die Furcht davor, das geregelte Leben aus dem Griff zu verlieren, der Familie nicht mehr genug bieten zu können. Es ist diese psychische Belastung, weniger die rein zeitliche, die den ungesunden Stress auslöst. Die Zahl derer, die Rat von Experten oder Behandlungen brauchen, wächst. Die Ärztin Regina Hochmair ­beschäftigt sich in der darauf spezialisierten Privatklinik Bad Pirawarth mit Stress- und Burn-out-Patienten: „Wir merken derzeit ­einen Anstieg von Patienten, die aufgrund der Krise vermehrt ­unter Stress stehen und ihn nicht mehr bewältigen können.“

Die ersten Anzeichen von Stress zeigen sich durch geringere Konzentrationsfähigkeit oder Probleme, die richtigen Worte zu finden; durch Vergesslichkeit, Muskelverkrampfungen, Herzrasen oder Atemnot. Gestresste Menschen leiden unter Schlafstörungen, ihr ­Immunsystem ist stark geschwächt, was zu häufigen Infektionskrankheiten führt. Das sexuelle Bedürfnis lässt nach. Macht sich dann noch innere Resignation breit, ist man auf dem besten Weg, ein Burn-out-Kandidat zu werden.
Vom Stress zur Krankheit ist es ein schleichender Weg. Wie weit man auf diesem schon fortgeschritten ist, kann man mittels eines Schnelltests feststellen. Der im trend abgedruckte Test etwa wurde von Werner Stangl erstellt, einem Professor am Institut für Pädagogik und Psychologie der Johannes Kepler Universität in Linz. Je nach Grad der persönlichen Betroffenheit wird zu entscheiden sein, ob ein Fachmann konsultiert werden muss – oder „Selbsttherapie“ im Alltag ausreicht: etwa durch Atemübungen im Büro, Mentaltraining oder regelmäßige Aussprachen in der Partnerschaft oder am Arbeitsplatz. Ein bewusster Umgang mit Methoden zum Stressabbau wird in der Mehrzahl der Fälle schon wirken.

Rein physiologisch ist Stress eine vollkommen normale Reaktion des menschlichen Körpers. „Stress ist die Würze des Lebens“, formulierte das sein Entdecker, der aus Österreich stammende Arzt Hans Selye. Denn Stress an sich ist keine Krankheit, sondern die Bezeichnung für einen natürlichen Vorgang im Körper, der schon den Menschen in der Steinzeit das Überleben gesichert hat. Vereinfacht erklärt: Droht Gefahr, werden Atmung und Herzschlag schneller, die Blutgefäße verengen sich, der Blutdruck steigt. Der Lunge wird mehr Luft zugeführt. Der Mensch ist kampfbereit. Er steht unter Strom. Was so simpel klingt und sich in Sekunden ­abspielt, geht auf eine komplexe Reaktion im menschlichen ­Gehirn zurück, bei der die Stresshormone Adrenalin und Cortison ausgeschüttet werden.

Aber: Tritt dieser Zustand zu häufig auf, schädigt das die Gesundheit. Eines der besten Beispiele der Natur, was ein Zuviel von Adrenalin und Cortison in einem Organismus anrichten kann, ist der Laichzug der Lachse: Auf ihrem Weg vom Ozean zu den Laichgründen in entlegenen Quellgebieten durchqueren sie Strudel, Wirbel und überwinden sogar kleine Gefälle. Die sehr stressige, mehrere Tage andauernde Leistung der Lachse ist nur durch ständige Ausschüttung von Adrenalin und Cortison möglich. Doch am Ende ihres Weges – nachdem die Fische gelaicht haben – ist ihr Organismus durch das ständige Vorhandensein der beiden Hormone verschlissen. Die meisten Lachse verenden.

Jeder kann sich Zeit nehmen. Die Schlussfolgerung, wie man trotz Stress, der zur Bewältigung von Aufgaben notwendig ist, keine gesundheitlichen Schäden davonträgt, ist naheliegend: Anspannung muss von Entspannung unterbrochen werden. Stressexpertin Hochmair erklärt: „Erholungsphasen sind für den menschlichen Organismus ungemein wichtig.“ Die nehmen gar nicht so viel Zeit in Anspruch und sind auch mit dem Berufsalltag in Einklang zu bringen. Auch die meisten Top-Manager verzichten bewusst nicht auf Stresspausen. Der Generaldirektor der UniCredit Bank Austria, Willibald Cernko, gibt ein ganz klares Bekenntnis dazu ab: „Ich nehme mir bewusst eine Auszeit für meine Erholung. Es reichen schon zwei Stunden der Entspannung. Manager, die sagen, sie haben keine Freizeit, machen etwas falsch – oder sie lügen.“

Testen Sie hier ihre persönliche Stressbelastung!

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