Neues Spiel
<i>Von Reginald Benisch</i>

Die Welt geht nicht unter, jetzt werden bloß die Karten neu gemischt. Kein Zweifel, die Ära des schrankenlosen Liberalismus ist Geschichte. Oder haben Sie in letzter Zeit gehört, dass jemand lautstark nach „weniger Staat“ ruft? Das Pendel schwingt eindeutig in die Gegenrichtung, und der Staat mischt bereits kräftig mit – vorderhand im Finanzsektor.

Den Politikern ist es durchaus recht, dass sie endlich wieder helfen und eingreifen dürfen. Schließlich hat man sie ja in den Jahren der liberalen Marktwirtschaft stets daran gehindert. Wie viel Interventionismus und Staatswirtschaft uns bevorstehen, lässt sich noch nicht abschätzen. Die Menschen in den Reformländern Osteuropas stellen eben mit Bestürzung fest, dass nach der kommunistischen Planwirtschaft nun auch die kapitalistische Marktwirtschaft Konkurs angemeldet hat. Und die österreichische Sozialdemokratie ist noch völlig perplex, dass dem früher so heftig bekämpften Turbokapitalismus nun plötzlich der Saft ausging.

Zugegeben, das Ende des Liberalismus kommt ziemlich abrupt, aber die Ausrede, man hätte das unmöglich voraussehen können, halte ich für ziemlich schwach. Aufmerksame Beobachter hatten bereits im Sommer 2005 deutliche Anzeichen für einen bevorstehenden Gezeitenwechsel erkannt, und zwar in den USA: Der Hurrikan Katrina hatte eben die Stadt New Orleans verwüstet, doch das Krisenmanagement der Vereinigten Staaten versagte kläglich, und die Amerikaner gerieten wegen der peinlich-hilflosen TV-Auftritte von Präsident George W. Bush in Rage. Laut Umfragen fand damals auf breiter Basis ein radikaler Meinungsumschwung statt: Die Mehrheit der Amerikaner verlangte besseren Schutz – und einen aktiveren Staat.

Zweistellige Gewinnmargen sind kein Naturgesetz
Seit dem heurigen Sommer verlangt das die ganze Welt – allen voran die großen Zampanos der Finanzbranche, die lautstarken Verfechter des Liberalismus, die angeblich ebenfalls völlig überrascht wurden, weil sie entweder nicht wussten, was sie tun (also nicht wirklich kompetent waren), oder es sehr wohl wussten, aber meinten, sie könnten das Spiel noch weiter betreiben.

Mittlerweile ist jedenfalls klar: Das alte Spiel ist aus, jetzt werden die Karten für ein neues verteilt – und dafür gelten neue Regeln. So ist zum Beispiel Schluss mit billigem Geld. Die Zeiten, da man suboptimale oder gar fragwürdige Investitionen irgendwie, jedenfalls aber zinsgünstig, finanzieren konnte, sind vorbei. Das ist schmerzhaft, bis man sich daran gewöhnt, aber es bringt die Wirtschaft sicher nicht um. Und noch etwas: Dass Gewinnmargen zweistellig sein müssen, ist kein Naturgesetz.
Entscheidend ist vielmehr, dass sie stabil bleiben.

Nachhaltiger Unternehmenserfolg gehört aufgewertet
Deshalb schlage ich vor, die Maximierung von Quartalsgewinnen auf die Liste politisch inkorrekter Praktiken zu setzen und stattdessen den nachhaltigen Unternehmenserfolg als Ziel aufzuwerten. Es kommt einfach auf die Rahmenbedingungen an, und damit ergibt sich eine große Aufgabe für den Staat. Vorderhand gilt es allerdings, eine möglichst sanfte Notlandung der havarierten Weltwirtschaft hinzulegen.
Und da geht es vor allem darum, ja nicht in eine Deflation zu geraten – eine gefährliche Fluglage, aus der man nur schwer wieder herauskommt. Experten raten in diesem Fall, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, also durch Inflation, die sich aber erfahrungsgemäß leichter bekämpfen lässt.

Und wie soll man sich nun als Geldanleger aufstellen, um für alle Fälle gewappnet zu sein? Am besten zweifelsohne breit diversifiziert. Also nicht das ganze Geld auf Sparkonten parken oder in Form von Goldbarren im Tresor verstecken, sondern auch in Staatsanleihen und in Aktien solider Unternehmen investieren. Auf diese Weise reduziert man nicht nur das Risiko – man ist auch rechtzeitig wieder dabei, wenn die Krise zu Ende geht und sich neue Chancen auftun. Denn eines sollte man trotz Dauerbeschuss mit Katastrophenmeldungen nicht vergessen: Auch vor dem Zeitalter des grenzenlosen Liberalismus konnte man durch kluge Veranlagung durchaus schöne Renditen erzielen.

Von Reginald Benisch

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