Neuer Job? Gefällt mir.
Wie Personaler Social Media einsetzen

Wie bist du an den Job bei der Telekom gekommen? Über Xing. Woher weißt du, dass die AUA neues Bodenpersonal sucht? Von deren Facebook-Seite. Und wo hast du von der Lehre bei Spar gehört? Auf Twitter. – Der Boom der sozialen Netzwerke verändert die Jobsuche. Wie sich über virtuelle Kanäle Karriere machen lässt.

Von Vanessa Voss

Die Kamera ist direkt auf die junge Frau gerichtet. Maria Plasser, 23 Jahre alt, sitzt entspannt auf einem Stuhl, die Hände liegen auf ihrem Schoß. Noch einige Sekunden bleiben ihr, sie holt tief Luft, dann beginnt die Aufnahme. „Mit einem Lebenslauf auf Papier kann ich nicht zeigen, wie ich wirklich bin“, beginnt sie ihre Ansprache. „Ich möchte mich daher mit diesem Video bei Ihnen bewerben.“ Zweieinhalb Minuten dauert die Eigenpräsentation. In fließendem Englisch berichtet die junge Magistra von ihren beruflichen Erfahrungen, aber auch von ihren Erwartungen an ihren künftigen Arbeitgeber. In Deutsch schließt sie: „Ich würde mich freuen, wenn Sie mich zu einem Vorstellungsgespräch einladen.“

Eine Aufforderung, der fast alle Firmen nachkamen, die Plasser von ihrem Praktikumsplatz in Taiwan aus angemailt hatte – ihren filmischen Lebenslauf im Anhang. „Das Video war ein superwichtiger Türöffner für mich“, sagt sie. Ihren ersten Arbeitsvertrag unterschrieb sie beim Steuerberater Deloitte in Wien.

Über das Netz gefunden.
Der Trend, sich per Video zu bewerben, schwappt aus den USA allmählich zu uns herüber. Einige Kandidaten stellen ihre Kurzbiografie sogar direkt nach dem Dreh auf YouTube, weil sie hoffen, auf dem virtuellen Videokanal von Personalern gefunden und zu einem spannenden Job eingeladen zu werden. Bei ihnen hat sich bereits rumgesprochen, was derzeit auf allen einschlägigen Personalkongressen im deutschsprachigen Raum diskutiert wird. Die Rede ist von den Karriere-Tools Online- Plattformen und soziale Netzwerke. Diese dienen hauptsächlich immer noch der privaten und beruflichen Beziehungspflege. Über Xing kontaktiert man den ehemaligen Arbeitskollegen, mit dem es immer so lustig im Büro war, und über Facebook schreibt man seine aus den Augen verlorene Jugendliebe an. Doch da viele Menschen mittlerweile mehr Zeit mit ihren Freunden online verbringen als von Angesicht zu Angesicht, drängen auch immer mehr Unternehmen in diese Welt. Hier fischen sie nach kaufräftigen Kunden – und immer öfter auch nach klugen Köpfen. Denn im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter reicht es heute nicht mehr aus, auf Bewerbungen zu warten.

Für Arbeitnehmer, die noch Jahre oder Jahrzehnte bis zur Pension vor sich haben, eröffnen sich neue Karrierewege. Über Facebook lassen sich schon heute Jobs finden, die sonst nirgendwo annonciert werden, mit dem richtigen Xing-Profil lassen sich Headhunter ködern, die sonst nur Top-Manager in ihre Datenbank aufnehmen, und wer über profunde Web-2.0-Kenntnisse verfügt, dem stehen sogar neue Berufe offen wie der des Social-Media-Managers.

Nie mehr Bittsteller.
Wir befinden uns auf „Allianz Karriere in Österreich“. Dabei handelt es sich nicht, wie man meinen könnte, um den sehr konventionellen Internetauftritt der Versicherung. Unter diesem Namen eröffnete die Personalabteilung vor rund einem Jahr eine thematische Facebook-Seite. Seitdem kümmert sich ein kleines Team um die rasch wachsende Fangemeinde, postet offene Stellen, lädt Erfahrungsberichte von Mitarbeitern hoch, informiert über die nächsten Karriere-Events an Hochschulen und – das ist ein großer Bonus – beantwortet Fragen in Echtzeit. Am 10. März um 23.20 Uhr schreibt ein Student namens Alex: „Liebes Allianz- Team! Ich studiere im 4. Semester Publizistik und wollte fragen, ob ich mit meinem Studium eine Praktikumsstelle bekommen kann.“ Die Antwort gibt ihm der für die Einstellung neuer Mitarbeiter zuständige Michael Bilina am nächsten Morgen höchstpersönlich – und zwar in Form seiner e-Mail-Adresse für das Bewerbungsschreiben.

In dieser Offenheit liegt für mögliche Mitarbeiter in spe eine große Chance. Denn sie können mit dem Arbeitgeber ihrer Wahl jederzeit in einen Dialog eintreten. Das wäre noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen. Damals behandelten die Unternehmen ihre Bewerber wie Bittsteller um einen Arbeitsplatz. Heute duzen sie ihre „Fans“.

Auf Empfehlung.
Neben der Allianz sind erst kürzlich weitere Unternehmen mit eigenen Karriereportalen online gegangen. Unter ihnen sind der Wirtschaftsprüfer PwC wie auch T-Mobile. „Wir setzen als Arbeitgeber stark auf Social Media“, sagt Joachim Burger, Geschäftsführer für den Bereich Personal, und erwartet schon bald zahlreiche Nachahmer. „Bei innovativen Unternehmen wird dieser Kanal ein fixer Bestandteil in der Personalarbeit sein.“

Aktuell gibt es rund 80 Karriere-Seiten im deutschsprachigen Raum mit rund 150.000 Fans. Besonders engagiert sind deutsche Konzerne. Ein Blick auf deren Profile zeigt, was auch hierzulande möglich ist. So bietet die Deutsche Telekom eine Art Personalsuche 2.0 auf ihrer Facebook-Seite an. Mit ihr lassen sich ausgewählte Stellenausschreibungen an den eigenen Bekanntenkreis weiterleiten oder als Status-Update an die eigene Pinnwand hängen. Die Idee dahinter ist, dass Jobs vor allem über persönliche Empfehlungen der Mitarbeiter besetzt werden. Dies soll durch die neue Applikation in Facebook, einer Gemeinde mit rund 16 Millionen Fans in Deutschland, beschleunigt werden.

Kanal-Treue.
„Ich bin viel auf Social-Media-Plattformen unterwegs. Da habe ich mir gedacht, warum dort nicht auch nach einem Job suchen“, erzählt Daniela Scheuchenpflug. Sie gab in der Facebook- Suche die Schlagwörter „Karriere“ und „Österreich“ ein – und erhielt als ein Ergebnis die Themen-Seite der Allianz angezeigt, wo eine Stelle für ein Sommerpraktikum ausgeschrieben war. Scheuchenpflug, 27 Jahre alt, Studentin an der WU Wien, bewarb sich – und erhielt den Praktikumsplatz. Aus dem Reinschnuppern während der Semesterferien ist mittlerweile ein Nebenjob geworden. An einigen Tagen pro Woche kümmert sie sich um die Karriereanliegen der Facebook-Fans. „Mir macht der Job großen Spaß, weil man so viel ausprobieren kann“, sagt sie.

So offen wie Scheuchenpflug reagieren aber längst nicht alle Bewerber auf die Unternehmen im sozialen Netz. Denn Facebook gilt nach wie vor als eine Plattform für private Zwecke. Dass sich dort nun auch Arbeitgeber präsentieren, sieht die Fangemeinde eher verhalten. Das geht aus einer Umfrage unter 600 deutschen Studenten hervor. Sie bewerten die Ansprache durch Unternehmen über Facebook lediglich mit einem Durchschnittswert von 3,1 auf einer zehnstufigen Skala. Deutlich besser schneidet das Businesswerk Xing ab, dessen Wert bei 9,0 liegt. Die Akzeptanz durch die Kandidaten gilt als Knackpunkt für das Karrierepotenzial jedes Kanals.

Unerwartet gefunden.
Dass ein aussagekräftiges Xing-Profil ein Turbo für die Karriere sein kann, diese Erfahrung hat Clemens Böhmer gemacht. Dabei war dies gar nicht seine Absicht. „Ich wollte mich mit meinen internationalen Freunden vernetzen“, erzählt der 33-Jährige. „Dass mich dann Headhunter über mein Profil gefunden haben, war eher eine Überraschung“, gibt sich Böhmer bescheiden. Dabei ist er ein Kandidat, dessen Lebenslauf namhafte Unternehmen schmücken. Über Xing wird ihm daher nicht nur einmal ein neuer Job angedient, sondern dieses Modell wiederholt sich. Auch sein jüngster Aufstieg zum Assistenten des Telekom-Austria-Chefs Hannes Ametsreiter gelingt ihm über das Businessnetzwerk. „Ich erhielt eine kurze Nachricht, dass es eine neue, spannende Herausforderung für mich gibt“, erinnert sich Böhmer. Er antwortet wenige Stunden später, natürlich ebenfalls über Xing.

Während sich der Dienst eher für Jobs im deutschsprachigen Raum eignet, sollten sich Kandidaten mit internationalen Ambitionen lieber auf dem englischsprachigen Pendant LinkedIn registrieren. Beide Plattformen stehen bei Personalberatern hoch im Kurs. Denn selbst eine gut gepflegte interne Datenbank kann nie so aktuell sein wie die von den Kandidaten in Eigenregie aktualisierten Profile. „Xing stellt eine deutliche Erweiterung unserer eigenen Quellen dar“, gibt Florens Eblinger von Eblinger & Partner unumwunden zu. Die Unternehmen hingegen entdecken die Möglichkeiten der direkten Rekrutierung über soziale Netzwerke erst zögerlich. „Das ist eine Kultur, die in Österreich nicht üblich ist“, sagt Franziska Schmid, Personalbereichsleiterin der Unito-Gruppe, zu der der Versandhändler Otto gehört.

Bezwitschert.
Der Kurznachrichtendienst Twitter muss sein Karrierepotenzial erst noch entfalten. Das hängt auch damit zusammen, dass sich hier bislang nur einige wenige Unternehmen mit Jobportalen versuchen. Seit einem Jahr postet der Handelsriese Spar regelmäßig offene Stellen für sämtliche Positionen vom Lehrling bis zum Regionaldirektor. „Wir haben bisher erst eine Handvoll Mitarbeiter über Twitter gefunden“, sagt Sprecherin Nicole Berkmann. „Das ist sehr wenig, wenn man bedenkt, dass wir aktuell rund 100 offene Stellen haben.“ Dabei ist dieser Kanal so praktisch. Kandidaten können den Tweet „@SPARJobsAT“ abonnieren und sich bequem über frei werdende Stellen bezwitschern lassen.

Wer nicht auf das Angebot seines Wunscharbeitgebers warten will, kann auch selbst aktiv werden und seine Jobsuche über sein Profil posten. Vielleicht ist ja gerade ein Personaler auf Twitter unterwegs und findet an dem Offert Gefallen. Im schlimmsten Fall sind es 140 vergeudete Zeichen, denn mehr bringt man auf einem Tweet ohnehin nicht unter. Der Aufwand ist also überschaubar. Und das nicht nur bei Twitter. Gerade die Einfachheit und Effektivität der Jobsuche via soziale Netze lassen erwarten, dass sich diese Recruiting-Schiene rasch und dauerhaft etablieren wird.

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