Mühlstein für den Höllenhund:
Schlechte Erwartungen für Cerberus:

Eine Milliarde Vorsorge für Wertberichtigungen, Hilfe vom Staat, fehlende Aggressivität im Kundengeschäft, Entwertung durch die Finanzkrise: Die Aussichten des Bawag-Eigentümers Cerberus, die Bank mit fettem Profit wiederverkaufen zu können, sind dramatisch geschwunden.

Von Bernhard Ecker

Gutes oder schlechtes Omen? Der erste Arbeitstag von Regina Prehofer als Vorstandsdirektorin in der Bawag PSK war der 15. September 2008. Der Tag, an dem die US-Investmentbank Lehman Brothers kollabierte und die Bankenwelt völlig aus den Fugen geriet. Geldinstitute gelten seither als die Krisenbranche schlechthin. Andererseits: In den Tagen und Wochen nach dem Lehman-Crash kam es zur größten Bewegung von Spareinlagen seit Auffliegen des Bawag-Skandals im Herbst 2005. Sparer eröffneten hektisch Zweit- und Drittsparbücher bei diversen Banken, um Ersparnisse über 20.000 Euro in Sicherheit zu bringen. Viele Anleger schaufelten außerdem Geld von Aktienfonds in biedere Sparbücher.

2005 zogen die Kunden der damals im Eigentum des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) stehenden Bank fast vier Milliarden Euro in Richtung Konkurrenz ab. Dieses Mal scheint der Bawag PSK die Trendumkehr auf den ersten Blick gelungen zu sein. Prehofer freut sich über absolute Zuwächse von 1,2 Milliarden Euro, auch dank überproportionaler Steigerungen bei der PSK und der Online-Tochter Easybank: „Es hat sich gezeigt, dass die Kunden uns vertrauen.“

Die Bank Austria war der große Verlierer der Umschichtungswelle. Sie konnte im Unterschied zu Raiffeisen, Sparkassen und Volksbanken ihre Marktanteile nicht ausbauen (siehe Grafik rechts). Ein simpler Zahlenvergleich offenbart jedoch, dass auch der Einlagenstand der Bawag von 15,6 Milliarden Euro wenig spektakulär ist: Vom Niveau vor dem Karibik-Skandal – über 18 Milliarden Euro – ist die Bank, seit Ende 2006 im Eigentum des US-Fonds Cerberus, noch weit entfernt. Und von Aufholjagd kann keine Rede sein: Sie hat nur minimal Marktanteile gewonnen. Der Abstand zu den Siegern hat sich sogar vergrößert.Übertönt werden die kleinen Frohbotschaften aus dem operativen Geschäft ohnehin vom Umstand, dass die Bawag PSK rund 500 Millionen Euro vom Staat aufnehmen und Vorstandschef David Roberts ein „giftiges“ Bündel an strukturierten Krediten in einer Art interner Bad Bank parken muss. Die neuerliche Staatshilfe für die einstige ÖGB-Bank ist auch in Brüssel ein Thema. Diese spekulativen Papiere stammen zum allergrößten Teil aus der Zeit vor dem Cerberus-Einstieg und sind der Grund für den Jahresverlust von über 300 Millionen Euro. Von den ursprünglich 3,7 Milliarden Euro dürften solche Kredite im Volumen bis zu 2,5 Milliarden noch immer in der Bilanz schlummern. Für knapp eine Milliarde Euro wurde nun vorgesorgt. Hannes Androsch, der ein Prozent an der Bawag PSK besitzt, relativiert die Verluste zwar: „Jetzt putzt die Bank ihre schlechten Assets aus – aber das ist im Vergleich zu Hypo Alpe-Adria, Volksbank oder den drei großen Instituten minimal. Und die müssen noch dazu wegen ihrer Ost-Kredite zittern.“ Dennoch: Die PR-Ansage, dass zwischen der
„alten“ und der „neuen“ Bawag keine Verbindung mehr besteht, hat sich als Seifenblase erwiesen.

Richtig ist: Mit sieben Milliarden Euro Liquidität ist die Bawag durchaus flüssig. Aber hat sie – drei Jahre, nachdem sie mit einer Staatshaftung über 900 Millionen Euro vor dem Konkurs gerettet werden musste – eine tragfähige Perspektive? Kann das Geschäftsmodell der vergleichsweise kleinen Bank ohne Auslandsaktivitäten längerfristig funktionieren? Kommt Haupteigner Cerberus, benannt nach dem dreiköpfigen Hund aus der griechischen Mythologie, mit Gewinn wieder raus? Das alles bleibt weiter unklar.

Cerberus braucht jedenfalls Geld: Noch sind keine Details zur Allianz der Beteiligung Chrysler mit dem Interessenten Fiat bekannt. Den seinerzeitigen Kaufpreis von 5,5 Milliarden für den US-Autokonzern wird der Investor aber nie zurückverdienen. Obendrein sollen die Amerikaner jetzt auch noch an Opel interessiert sein. Die anderen 32 Cerberus-Beteiligungen werden wohl noch stärker danach abgeklopft werden, ob sie bald Geld abwerfen können.

Die Bawag PSK hat schon einiges an Geld abgeworfen. Vom eingesetzten Kapital in Höhe von 3,2 Milliarden Euro hat Cer­berus durch den Verkauf des Lotterien-Anteils, eines Immobilien-Pakets oder der Klaviermanufaktur Bösendorfer bereits wieder 1,4 Milliarden Euro in die Kassen gespült (siehe Tabelle auf Seite 52). Bis zu 250 Millionen dürften mit der Veräußerung der restlichen Immobilien und der Stiefelkönig-Filialen noch lukriert werden. Allerdings: „Aus den Beteiligungsverkäufen hat kein Geld die Bank verlassen“, bestätigt Androsch frühere Aussagen von David Roberts. Und im Gegenzug für die Hilfe des Staats soll Cerberus sogar selbst rund 250 Millionen Euro zuschießen. In Summe also mehr Last als Erleichterung für den Eigentümer. Ob und wann Cerberus eine Sonderdividende zugeführt werden soll, ließ Roberts auf trend-Anfrage offen.

Sicher ist: Der Wert von Banken ist im Zuge der Finanzkrise dramatisch gesunken. Erste Bank und Raiffeisen International halten an der Börse nur noch bei einem Drittel ihres Werts vor drei Jahren. Vor diesem Hintergrund hat die Österreichische Post AG ihren 5-Prozent-Anteil an der Bawag PSK in der Bilanz 2008 von 80 auf 40 Millionen Euro abgewertet: was eine Gesamtbewertung von nur noch 800 Millionen Euro für die Bank ergibt. Und auch wenn 3,43-Prozent-Aktionär Generali seinen Anteil nach wie vor mit 120 Millionen Euro in den Büchern führt (Gesamtbewertung: 3,5 Milliarden): Es wird viele Jahre dauern, bis eine solche Marke erreicht werden kann – falls es je dazu kommt.

Schlechte Aussichten für einen Finanzinvestor wie Cerberus, der sein Investment nach einigen Jahren mit möglichst zweistelligen Renditen wieder loswerden will. Wer der Käufer sein könnte, ist ohnehin ein Rätsel: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bawag PSK von einem ausländischen Anbieter übernommen wird, „hat sich in den letzten Monaten noch einmal reduziert“, meint etwa Peter Bosek, Privatkundenvorstand bei der Erste Bank Österreich. Expansionslustige Player wie die Royal Bank of Scotland etwa sind im Zuge der Finanzkrise selbst verstaatlicht worden. Und alle österreichischen Kandidaten – neben Raiffeisen und Erste Bank wohl auch die Bank Austria – hätten ein kartellrechtliches Problem. Dass es schwierig werden könnte, überhaupt einen Käufer zu finden, „ist aber zum Glück nicht unser Problem“, meint Bosek.

Der Ausstieg via Börse liegt nicht nur wegen der unberechenbaren Finanzmärkte in weiter Ferne. Auch eine Börsen-Story muss die Bawag PSK erst einmal erzählen können. Androsch sieht sie in der Unbelastetheit nach dem großen Aufräumen in der Bilanz: „Wir haben jetzt keine größeren Risken mehr.“ Das bisherige Ziel, bis 2012 börsenfit zu sein und einen Gewinn von 500 Millionen Euro zu erwirtschaften, wurde laut trend-Informationen intern jetzt nach hinten verschoben. Noch vor einem Jahr hatte Roberts in Aussicht gestellt, dies „ein oder zwei Jahre“ früher zu erreichen.

Froh sind die Bawag-Manager, dass sie ihre Ostbankentöchter zeitgerecht losgeschlagen haben. Auch dass das angekündigte Geschäft mit Autofinanzierungen der Cerberus-Beteiligung GMAC – einer maroden Tochter von General Motors – nie begonnen wurde, erweist sich als Segen. Die Strategie, durch Provisionen aus dem Verkauf von Wertpapieren neben dem Zinsgeschäft einen zweiten, stabilen Ertragsbringer aufzubauen, wurde jedoch von der Finanzkrise überrollt. Die Provisionserträge waren 2008 rückläufig.

Bleiben also nur das stinknormale Einsammeln von Spareinlagen und das Kredit-Business. Dieses jahrelang als unsexy geltende Basisgeschäft erlebt zwar gerade eine Renaissance. Aber nur wenn die Bawag PSK, die Nummer fünf am Markt, es schafft, der Konkurrenz aggressiv Marktanteile abzuringen, ist sie eine attraktive Braut. Die 4300 Mitarbeiter sollten das Institut zur „kundenfreundlichsten Bank Österreichs“ machen, tönt Roberts. Aber das sind noch inhaltslose Sonntagsreden. An den Marktanteilen lässt sich wenig Vorwärtsdrang ablesen.

Dementsprechend gelassen reagiert die Konkurrenz. Erste-Bank-Mann Bosek sagt: „Als Mitbewerber merken wir in Wien Raiffeisen stark, aber die Bawag PSK gar nicht.“ Im Gegenteil: Waren zu ÖGB-Zeiten die Kampfpreise der Bawag bei Spar- und Kreditzinsen weithin gefürchtet, so hat sich das geändert. „Die Bawag hat die Preisführerschaft aufgegeben“, urteilt Ralph Müller, der das Privatkundengeschäft der Bank Austria verantwortet. Dazu passt die Einschätzung von Georg Kraft-Kinz, Privatkundenvorstand der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien: „Ich erkenne eine deutliche betriebswirtschaftliche Orientierung der neuen Bawag.“ Mit anderen Worten: Was früher in der Karibik hätte erwirtschaftet werden sollen, muss jetzt aus dem Kerngeschäft kommen.

Regina Prehofer kämpft überdies mit dem Umstand, dass die Nachfrage von Privathaushalten nach Krediten derzeit schwächelt. Die größte Hoffnung der Bawag liegt deswegen im Firmengeschäft: Das Kreditvolumen an Unternehmen ist 2008 von acht auf 9,1 Milliarden Euro geklettert (plus 14 Prozent). „Damit sind wir die Bank, die in dieser Sparte in Österreich am stärksten gewachsen ist. Durch unsere hohe Liquidität haben wir eine gute Ausgangsbasis – wir stehen sicher nicht auf der Kreditbremse“, erläutert Prehofer, die aus der Bank Austria kommt.

Überraschend gut ist die Bawag auch nach der ÖGB-Ära noch immer bei Betriebsratskrediten und über Betriebe organisierten Sparvereinen aufgestellt (siehe Kasten). Hier konnte sie ihre Vormachtstellung hinüberretten. Die Überlegung von Prehofer: Nach ihrem Termin beim Betriebsrat sollen die Bawag-Verkäufer gleich auch noch den Chef als Kunden gewinnen. Ansprechen will Prehofer Firmen jeder Größe; für Bargeld-Branchen wie den Einzelhandel soll das dichte Bawag-Filialnetz als Vorteil angepriesen werden. Bisher stammt rund ein Drittel der Bawag-Erträge aus dem Corporates-Bereich. Ziel für 2009: ein neuerliches Plus von mindestens 20 Prozent.

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