Mit dem Strom fahren: Neue Generation
haucht elektrischen Bikes wieder Leben ein

Auf einem Elektrofahrrad zu sitzen galt bislang als unsportlich und altbacken. Eine neue, ausgereifte Generation von E-Bikes hat das Senioren-Image aber überwunden. Sie sind nun auch für die breite Masse interessant und eine ökologisch sinnvolle Alternative zum Auto. Vor allem in den Städten.

Von Peter Sempelmann

Der sportliche, durchtrainierte junge Mann auf dem Carbon-Rennrad, der aussieht, als wäre er der Bruder von Lance Armstrong, kann es nicht fassen. Er tritt noch etwas fester in die Pedale, um den grau melierten Herrn mit Wohlstandsbauch, der eben ganz locker und freundlich grüßend auf einem Mountainbike an ihm vorbeigeradelt ist, wieder einzuholen. Mit letzter Anstrengung schafft er es in der nächsten Kehre. Die Freude über den kleinen Triumph kurz vor dem Fuscher Törl auf der Großglockner Hochalpenstraße währt aber nicht lange. Schon bei der darauf folgenden Steigung ist der in die Jahre gekommene Hobbyradler wieder an seiner Seite. Der junge Mann glaubt zu halluzinieren, bis er den Akku am Rahmen des Mountainbikes entdeckt und zu lachen beginnt. Der hartnäckige Herausforderer, der soeben mir nichts, dir nichts an ihm vorbeigezogen ist, sitzt auf einem Elektrobike.

Staunen werden bald immer mehr Möchtegern-Rennradfahrer, die jährlich tausende Kilometer im Sattel sitzen. Denn: „Elektrobikes sind derzeit der Radfahrtrend schlechthin“, erklärt Florian Größwang, Marketingleiter von Intersport Eybl. An den gesamten Verkaufszahlen gemessen, ist der Anteil der E-Bikes derzeit zwar noch relativ bescheiden. Bisher hat erst eines von hundert verkauften Fahrrädern einen zusätzlichen kleinen Elektroantrieb. Größwang rechnet jedoch fest damit, dass die E-Bikes bald eine markante Größe im Handel sein werden: „Die Verkaufszahlen haben sich heuer gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt, und die Tendenz geht steil nach oben.“

Unterstützt wird der Trend zum Elektrofahrrad durch eine neue Generation optisch ansprechender und technisch ausgereifter Geräte. Sie haben auch bei echten Experten wie Mountainbikern oder Stadtflitzern die Nachfrage nach E-Bikes angekurbelt. „Bisher hatten diese das Image eines Fortbewegungsmittels für Alte und Behinderte. Das ändert sich jetzt“, erklärt Martin Oberhuber, E-Bike-Spezialist vom Fachhändler Mountainbiker. „Die neuen Räder sprechen jetzt ganz andere Kundenschichten an. Zum Beispiel Businessleute, die nicht verschwitzt zur Arbeit kommen wollen oder weniger Trainierte, die bei längeren Radtouren mithalten wollen.“

Mit etwas Verspätung kommt damit der Boom auch nach Österreich. In den Niederlanden oder in Norddeutschland, wo das Land zwar flach ist, dafür aber den Radlern fast immer ein rescher Wind ins Gesicht bläst, hat mittlerweile jedes zehnte neu gekaufte Fahrrad einen Elektromotor. In Deutschland sind die Verkaufszahlen innerhalb der letzten drei Jahre von 25.000 auf 100.000 gestiegen. Heuer könnten noch viermal so viele E-Bikes abgesetzt werden. Die deutlich höheren Verkaufspreise bringen dem Handel außerdem kräftige Umsatzzuwächse. Gute Pedelecs, so der Fachterminus für Räder, deren Motoren nur dann Leistung abgeben, wenn man auch selbst in die Pedale tritt, sind kaum unter 2000 Euro zu haben. „Der Pedelec-Anteil am Gesamtumsatz im Fahrradgeschäft liegt in den Niederlanden schon bei 47 Prozent“, weiß Rolf Lemberg, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie- Verbands.

Der Elektroantrieb besteht bei diesen vornehmlich im urbanen Raum verwendeten Fortbewegungsmitteln grob gesagt aus drei Teilen: dem Elektromotor, der entweder in der Kurbelwelle der Pedale oder in der Hinterradnabe eingebaut wird; dem Akku, der entweder am Rahmen oder am Gepäckträger untergebracht ist; und drittens einer Steuerung am Lenker, mit der die Leistung des Elektromotors in mehreren Stufen dosiert werden kann. Einen Gasgriff, der das Fahrrad ähnlich wie Mopeds ganz ohne Treten in Bewegung setzen würde, sucht man hingegen bei den Pedelecs vergeblich. Wer fahren will, muss auch selbst kurbeln. Einzige Ausnahme ist die bei einzelnen Modellen vorhandene Unterstützung für ganz steile Passagen, die das Rad, auch ohne zu treten, auf fünf bis sechs km/h bringt, also in etwa auf Schrittgeschwindigkeit.

Der Effekt des Elektroantriebs ist für alle, die zum ersten Mal auf einem E-Bike sitzen, überraschend. Sobald die Pedale bewegt werden, beginnt auch schon der Motor zu arbeiten. Je nach gewählter Unterstützung macht sich das bloß als ein leichter Schub oder als regelrechter Turbostoß bemerkbar. Plötzlich ist es gleichgültig, ob das Gelände flach wie in Holland oder extrem steil ist. Man radelt entspannt und locker dahin, kann sich den Fahrtwind um die Nase pfeifen lassen und kommt auch dann nicht ins Schwitzen, wenn das Rad voll bepackt ist und noch ein Anhänger mit zwei Kindern drinnen hinterhergezogen wird.

Aus gesetzlichen Gründen ist die E-Unterstützung auf 25 km/h beschränkt. Sonst wären für die leise dahinflitzenden Räder nämlich Nummernschilder und Versicherungen obligat. Wer schneller fahren möchte, muss die eigenen Muskeln mehr anstrengen. E-Bikes sind auch noch extrem energie- und kostensparend. Sie verbrauchen im Durchschnitt etwa 0,4 kWh bei einer Akkuladung, was absolut vernachlässigbare Energiekosten von rund 0,04 Cent pro Kilometer bedeutet.

Die flotten Pedelecs sind nicht nur für Privatpersonen interessant. Auch Tourismusregionen und Gemeinden sehen die umweltschonenden Räder zusehends als interessante Ergänzung ihrer Angebotspalette, als Schnittstelle zwischen der privaten und der öffentlichen Mobilität. Im Nationalpark Hohe Tauern wurde in diesem Sommer ein Pilotversuch mit 15 Elektrorädern gestartet, die von Touristen ausgeliehen werden können, um damit zum Beispiel das Rauriser oder das Krimmler Achental zu erkunden. Im nächsten Jahr will die Nationalparkverwaltung das derzeit noch auf den Raum Mittersill beschränkte Projekt auf die gesamte Nationalparkregion ausweiten und dafür rund 60 weitere Räder anschaffen.

Ein zweites Pilotprojekt hat die steirische Region Weiz-Gleisdorf in Kooperation mit der Forschungsgesellschaft Mobilität (FGM) und Magna Marque als Technologiepartner ins Leben gerufen. Mit Magna Marque ist auch der Stronach-Konzern ins E-Bike-Geschäft eingestiegen. Er hat der Initiative 150 Räder zur Verfügung gestellt, die von den Gemeindebediensteten auf ihren täglichen Wegen verwendet und von Bürgern gegen eine kleine Leihgebühr ausgeliehen werden können. Auch in Weiz- Gleisdorf hat man große Pläne. Im nächsten Jahr will man mit dem Aufbau eines Verleihnetzes für Touristen sowie von Solartankstellen zum Aufladen der Akkus beginnen.

Magna Marque hat das kanadische Unternehmen BionX, das einen neuen, leistungsfähigen Motor für E-Bikes entwickelte, übernommen. Einer der ersten großen und renommierten Kunden Magnas ist der oberösterreichische Fahrradhersteller KTM, der mit jährlich 175.000 verkauften Drahteseln mit Abstand wichtigste Fabrikant im Lande. Auch in Mattighofen sind an die Zukunft der E-Bikes große Erwartungen geknüpft. Im November wird KTM acht neue Modelle, darunter ein Mountainbike, ein Crossbike und zusätzlich ein neues Line-up an Citybikes, in den Handel bringen. Der BionX-Antrieb und vor allem auch das neue Design der E-Bikes machen Unternehmenschefin Carol Urkauf-Chen sehr optimistisch. „Wir positionieren damit das Elektrofahrrad neu. Als ein durchaus sportliches Fahrzeug mit einem intelligenten Antrieb und einer Motorsensorik, die deutlich mehr Fahrvergnügen bringt, als das bisher der Fall war.“

Weitere Verbreitung garantieren Technologiesprünge in der Entwicklung der Akkus. Bisher waren E-Bikes mit einem Gewicht von fast 30 Kilo und einer Reichweite von unter 50 Kilometern außerhalb des Stadtgebiets nur bedingt einsetzbar. Mit der neuesten Akkutechnologie, die von KTM in Verbindung mit dem BionXAntrieb eingebaut wird, konnten die Reichweiten der E-Bikes fast verdoppelt und gleichzeitig das Gewicht des Stromspeichers auf rund vier Kilo halbiert werden. Aktuell sind damit Fahrstrecken von bis zu 90 Kilometern realistisch.

Das Ende der Fahnenstange ist damit noch nicht erreicht. Die nächsten Akkugenerationen versprechen noch mehr Leistung bei noch weniger Gewicht, sollen aber natürlich mit den heute verkauften Rädern kompatibel sein. „Wer in etwa fünf Jahren einen neuen Akku einbaut, wird staunen, welche enorme Leistungssteigerung es dann wieder geben wird“, ist sich Josef Spießberger, der Geschäftsführer von KTM, sicher. Er wagt auch eine Prognose für die Zukunft der E-Bikes im Fahrradhandel: „Bislang wurden in Österreich pro Jahr maximal 5000 bis 8000 E-Bikes verkauft. Bald könnten es 20.000 und mehr sein.“ Das würde einen Marktanteil von acht bis zehn Prozent bedeuten. Und dieses Szenario ist keine unrealistische Erwartung.

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