Michael Tojner: Mister 300 Prozent

„Ich habe von meinem Vater etwas mitbekommen, und das heißt, man investiert nur in etwas, wo man in fünf Jahren sein Geld zurückhat. Und in fünf Jahren sein Geld zurückhaben heißt im Endeffekt nichts anderes als ein Cash-Flow-Multiple von fünf.“ Michael Tojner

Unter den Geldmachern hat Michael Tojner nicht gerade eben den bescheidensten Ansatz. „Fürs Verdoppeln des Kapitals sind wir nicht angetreten“, sagt der Installateurssohn und WU-Absolvent, der schon mit 23 seine erste Schilling-Million verdiente. Ziel ist für Tojner stets die Verdreifachung des Einsatzes. Seine alchimistische Formel praktiziert er mit seiner Firma Global Equity, die ihm mehrheitlich gehört. Auch hier ist das Vermehrungsvehikel jeweils ein Fonds, wobei allerdings Kleinanleger unerwünscht sind. In der Regel sind es fünf Großinvestoren ab zwei Millionen Euro und an die zehn kleinere, die bei Tojner ihr Geld in einen Topf werfen.

So wie andere Leute vielleicht Bilder oder Briefmarken kaufen Tojner und seine Crew Firmen, die sie dann nach fünf oder mehr Jahren entweder lukrativ verscherbeln oder an die Börse bringen. Nach dem alten Markowitz-Prinzip wird das Investorenkapital stets auf mehrere Investments verteilt. Erweist sich eines von rund zehn Unternehmen als Highflyer, ist das eingesetzte Kapital zurückverdient, so Tojners Kalkül. Performt ein zweites ordentlich, wird richtig gut verdient. Kommt ein dritter Highflyer hinzu, kann das Kapital in Summe verdreifacht werden.

Rund fünfzig Unternehmen hat Tojner seit 1997 gekauft, darunter so bekannte wie Efkon, Bene, das Dorotheum (gemeinsam mit Christoph Dichand) und zuletzt Varta. Sieben Investments erwiesen sich als Totalflops. Wurde ursprünglich nur auf riskante Jungfirmen aus demVenture-Bereich gesetzt, investiert Tojner jetzt auch zunehmend in mittlere Industrieunternehmen. Als erfolgreichstes Investment erwies sich die von Tojner mit drei Millionen Euro mitgegründete Bwin. Das eingesetzte Kapital verzehnfachte sich, allerdings kletterte nach dem Ausstieg bei 25 der Kurs noch auf 95.

Für die gekauften Firmen beginnt mit dem Einstieg von Tojners Global Equity meist eine Rosskur mit extremen Vorgaben. Erwartet wird eine jährliche Umsatzsteigerung von fünfzig Prozent und eine Rendite von dreißig Prozent.

„Das ist natürlich für das Management nicht immer lustig, wenn es heißt: Wenn wir nicht performen, nehmen sie uns die Firma weg und tauschen uns aus, aber so ist es“, sagt Tojner, privat ein durchaus höflicher und umgänglicher Mensch. „Wir haben das Geld unserer Investoren und müssen daraus etwas machen. Wir wollen in dem Geschäft nicht die sehr Netten sein.“

So finden sich in den Verträgen dann Klauseln, die Tojners Anteile an den gekauften Firmen automatisch erhöhen, so das Management bestimmte Latten nicht erreicht. „Eine typische Wachstumsfinanzierung fängt ja so an, dass eine Firma fünf Millionen umsetzt, und sie soll auf 50 kommen. Das ist im Endeffekt drei, vier Jahre, dann ist sie dort, wo sie verkauft wird oder an die Börse geht. Diese Aufgabe muss das Management erfüllen.“

Ehrgeizige Ziele sind typisch für Tojner, der bei Damen als Feschak gilt und fünf Kinder von drei Frauen hat.

Bereits als Student (Betriebswirtschaft und Jus) gründete er seine erste Firma, indem er den Businessplan aus einer Seminararbeit in die Realität umsetzte. Die banale Idee: Eisverkauf an besonders belebten Plätzen. Tojner schwatzte einer Bank einen 300.000-Schilling-Kredit ab und überzeugte den Verwalter von Schloss Schönbrunn, mit ihm ins Geschäft zu kommen. Alsbald besaß der WU-Student vier mobile Eiswagen in Schönbrunn und weitere am Kahlenberg, in Laxenburg und im Schloss Belvedere. Bis zu zwanzig Studenten verkauften für den Jungunternehmer in der Hochsaison bis zu 5000 Tüten am Tag. So kam es, dass Tojner noch vor dem Magistertitel die erste Million geschafft hatte.

Auch nach dem Studium wählte Tojner nicht die gesicherte Angestelltenkarriere, sondern wurde Mixerverkäufer.

„Bekannte schüttelten den Kopf, aber ich hatte einfach den unbändigen Trieb, Unternehmer zu werden.“ Gemeinsam mit seinem Studienfreund Manfred Bodner (heute Bwin-Boss) gründete er einen kleinen Versandhandel mit einem wirklich guten Namen: „Trend“. Die Geschäftsidee: Nach der Wende war der ungarische Forint konvertibel geworden und der Konsumhunger der Ungarn groß. Die beiden Jungentrepreneure verkauften mittels einer Inseratenkampagne 40.000 chinesische Mixer nach Ungarn. Tojner war 27 und hatte schon einen Versandhandel mit Sitz in der Wiener Neubaugasse und in Budapest, der zeitweise bis zu einhundert Mitarbeiter beschäftigte, aber auch Bankverbindlichkeiten in Höhe von dreißig Millionen Schilling. Dann sackten die Umsätze plötzlich dramatisch ab. Tojner: „Die Quelle AG war auf den ungarischen Markt gekommen und machte uns fertig. Mit Glück konnten wir gerade noch rechtzeitig an Neckermann verkaufen. Gewinnen und Verlieren liegen bei einem Unternehmer immer knapp beisammen.“ Die Neckermänner berappten siebzig Millionen Schilling, was bedeutete, die beiden Jungunternehmer, die gerade noch mit einem Fuß in der Pleite standen, waren auch nach Abzug aller Schulden mehrfache Schilling-Millionäre.

Tojners heutige, 1998 gegründete Firma Global Equity war ursprünglich eine Meinl-Beteiligung. „Ich war damals noch knapp dreißig, als ich den Versandhandel verkaufte. Das hat Herr Meinl beobachtet. Ich wollte ins Venture-Capital-Geschäft, und dann hat die Meinl Bank gesagt, okay, wir platzieren so einen Fonds. So ist diese Beteiligung entstanden.“ 2001 kaufte Tojner die Meinl-Anteile an seiner Firma wieder zurück. „Es gibt sonst immer wieder Interessenkonflikte zwischen Eigenkapital und Fremdkapital.“ Tja, wie wahr.

Alles in allem versucht Tojner mittlerweile an die 450 Millionen Euro Investorengelder rasant zu vermehren. Seine Firma verdient dabei nicht schlecht. Acht bis neun Millionen Euro wurden im Vorjahr an Management-Fees erlöst. Darüber hinaus gibt es lukrative Gewinnbeteiligungen. „Wir schütten acht Prozent vorab an die Investoren aus, und an den Gewinnen darüber hinaus nehmen wir mit zwanzig Prozent teil.“

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente