Mann des Monats: Martin Huber

Der ÖBB-Chef steht seit Monaten im Kreuzfeuer der Kritik. Nun spitzt sich die Diskussion um seine Ablöse zu. Auch die, die ihn bislang unterstützt haben, gehen spürbar auf Distanz.

Offiziell ist es eine ganz normale Aufsichtsratssitzung. Das Thema steht nicht einmal auf der Tagesordnung. Doch je näher der 26. Februar rückt, desto nervöser werden alle Beteiligten. Während Bahn-Chef Martin Huber in die Offensive geht und im trend-Gespräch sogar den Rechnungshof angreift (siehe Kasten „Die Vorwürfe“ auf Seite 12), zeigen sich diejenigen, die ihn bis jetzt gedeckt haben, zunehmend reserviert. „Er hat einen Vertrag und genießt das Vertrauen“, meint ÖBB-Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker zur Causa Huber, „und wie es weitergeht, wird man sehen.“ Ungewohnt kühl auch die Stellungnahme aus dem Ministerbüro: „Solange die zwei Untersuchungsberichte nicht vorliegen, halten wir uns raus“, meint Andrea Feigl, Sprecherin von Verkehrsminister Werner Faymann, „momentan steht der Minister voll und ganz hinter Huber.“

Die zwei Berichte, die Feigl anspricht, sind die von Pöchhacker bestellten Gutachten über mögliche dienstrechtliche Verfehlungen des Bahnchefs und die verunglückten Swapgeschäfte der Bahn. Bei Redaktionsschluss des trend schien es allerdings nicht so, als ob diese Berichte noch rechtzeitig zur
Sitzung fertig würden. Vermutlich wird das Präsidium am 26. Februar deshalb nur den Stand der Causa referieren und einen eigenen Sonderaufsichtsrat
vorschlagen.

Ist hier, wie das ÖVP-Verkehrssprecher Helmut Kukacka formuliert, „eine rote Jagdgesellschaft am Werk, die es nie verwunden hat, dass der Kern ihres politischen Besitzstandes, die ÖBB, von einem ÖVP-nahen Manager geführt wird“? Oder geht es in dieser Causa, wie SPÖ-Rechnungshofsprecher Günther Kräuter sagt, um „sittlich und moralisch zu verurteilende“ Privatgeschäfte eines Managers im staatsnahen Bereich und um „ein erschütterndes Sittenbild der Ära Gorbach-Kukacka, das nun Stück für Stück aufgearbeitet werden muss“?

Faktum ist, dass Bundeskanzler Alfred Gusenbauer den umstrittenen Bahnchef lieber heute als morgen los wäre. Faktum ist auch, dass Hubers Performance bislang nicht überzeugend war. Er hat es nicht zustande gebracht, die ÖBB aus den politischen Schlagzeilen zu bringen. Das Unternehmen steuert trotz der jüngsten Finanzzusage des Bundes ins finanzielle Desaster. Lediglich der Zeitpunkt, wann das Eigenkapital endgültig aufgebraucht ist, wurde nach hinten verschoben. Und ein griffiges Strategiekonzept fehlt.

Das Einzige, was bei der Bahn seit Jahren gut funktioniert, ist der Güterverkehr. Das geht allerdings auf die Kappe eines Mannes, der vermutlich Hubers schärfster Konkurrent um den ÖBB-Chefposten wäre, wenn er das anstreben würde – nämlich Gustav Poschalko. Der langjährige Güterverkehrschef, der im Herbst gemeinsam mit Peter Klugar in den ÖBB-Holdingvorstand gehievt wurde, gilt selbst in ÖVP-Kreisen als fachlich unumstritten. „Wenn er wollte, würde er auch die ÖVP-Stimmen bekommen“, sagt ein Insider. Doch Poschalko will Huber gar nicht beerben. Kein Wunder. Immerhin befindet sich der Logistik-Spezialist bereits im 67. Lebensjahr.

Falls Huber tatsächlich abmontiert wird, dürfte Poschalko allerdings gar nichts anderes übrig bleiben. Dann würden die ÖBB vermutlich bis auf Weiteres unter seiner Führung von einem Zweier- oder Dreiervorstand geführt.
Huber selbst ist überzeugt, die aktuellen Vorwürfe unbeschadet zu überstehen. Er kann sich sogar vorstellen, sich für eine weitere Amtsperiode zu bewerben, um die Reformprojekte, die begonnen wurden, „auch zu Ende zu bringen“. So weit will aber nicht einmal Freund Kukacka gehen: „Eine Verlängerung Hubers steht derzeit überhaupt nicht zur Diskussion.“

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