Mann des Monats: Alexander Wrabetz

Der ORF-General kann sich nur kurz im EURO-Quoten­hoch sonnen. Im Juli wird ihm ein Rechnungshofbericht Einsparungen nahelegen – er beginnt schon vorher damit.

Er war einer der wenigen Österreicher, die nach der 0:1-Niederlage Österreichs gegen Deutschland am 16. Juni jubeln konnten. Die Quoten waren nämlich ein Volltreffer. 2,2 Millionen Österreicher sahen in der zweiten Halbzeit auf ORF 1 zu, wie Michael Ballack die Deutschen ins Viertelfinale schoss. Das sind mehr Zuseher als beim WM-Finale 2006 – und ein Wert, den selbst Dauerbrenner wie Villacher Fasching oder Hahnenkammrennen seit Jahren nicht mehr erreichen.

Für ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz , dem in den letzten eineinhalb Jahren die Marktanteile nur so weggebröckelt sind, ein Grund durchzuatmen: Dank wohl geschürter Begeisterung und durchwegs professionell aufbereiteter Fußballkost wird der öffentlich-rechtliche Sender Anfang Juli über prächtige Marktanteile im EURO-Monat Juni berichten können – zur Monatsmitte lag der Wert bei 43,2 Prozent.

Vermutlich ist es das letzte Mal für lange Zeit, dass der ORF solche Flughöhen erreicht. Nur mit Events der Sonderklasse sind noch Quoten wie zu Monopolistenzeiten erzielbar – die sind aber wegen der explodierenden Rechtekosten auf die Dauer nicht leistbar. Im zweiten Halbjahr wird es deswegen wieder bergab gehen. Selbst das offizielle Ziel von 40 Prozent Marktanteil – an dem sich etwa die Prämien der Geschäftsführung bemessen – ist kaum realistisch. Auch wenn Wrabetz, ganz in EUROphorie, meint: „Die Chance lebt.“

Fürs Erste muss sich der 48-jährige ORF-General aber dem Kos­tensenken zuwenden. Die Einnahmen im ersten Quartal waren unter Plan, der Konkurrenzdruck der deutschen Werbefenster drückt gewaltig auf die Werbepreise und damit auf die Erlöse. Übers Jahr gesehen, droht ein Verlust von zehn Millionen Euro – obwohl seit Anfang Juni dank zehnprozentiger Gebührenerhöhung deutlich mehr Geld in die Kassen der Anstalt gespült wird. Der Schluss daraus ist ebenso banal wie unglamourös: Erträge steigern, Kosten senken.

Zupass kommt Wrabetz dabei ein für Juli erwarteter Bericht des Rechnungshofs über die ORF-Gebarung, in dem niedrige Produktivität, mangelnde Strategie und suboptimale Auslastung der Technik bekrittelt werden. Noch vor der offiziellen Präsentation des Papiers geht der ehemalige Chefkaufmann in die Offensive: „Knapp 50 Einzelprojekte“ hat er nach eigenen Angaben schon definiert, um die Einnahmen zu erhöhen und die Ausgaben zu drosseln. Am 23. Juni unterrichtete er die 91 Betriebsräte seines Hauses über seine Sparvorschläge.

So will er etwa Kamerateams in Zukunft – wie in den Landesstudios bereits mit Erfolg praktiziert – verstärkt zur One-Man-Show schrumpfen. Arbeitszeitflexibilisierung heißt ein anderes Zauberwort: Wrabetz drängt darauf, Überstunden und Stehzeiten zu minimieren. Schließlich wird über die Auslagerung von ganzen Teilbereichen, etwa der Technik, diskutiert werden. Mit 50 Millionen Euro sollen die Einsparungen laut trend-Informationen im Jahr 2009 zu Buche schlagen. Der ORF-Boss will die Zahl nicht kommentieren, bestätigt aber die Notwendigkeit des Sparpakets.

Wieder einmal übt sich der von einer Regenbogenkoalition im August 2006 auf den Schild gehobene SPÖ-nahe Manager in der Kunst des Multitaskings. Denn neben dem verschärften Marktdruck der Konkurrenz und dem Schnüren eines Sparpakets schwebt noch ein anderes Schwert über dem Küniglberg: der Ausgang eines EU-Verfahrens über die Finanzierung des ORF, das die künftigen Online-Aktivitäten beschränken könnte. In Deutschland hat das eben dazu geführt, dass ARD und ZDF in Zukunft nur noch erlaubt werden soll, ihre Online-Auftritte mit sendungsbezogenen Inhalten zu füllen. Und Wrabetz ist realistisch genug, um zu erkennen, dass „Entscheidungen in Deutschland immer bestimmte Auswirkungen auf Gesamteuropa haben“. Seinen Tipp, wer die EURO gewinnt, hat der fußballbegeisterte Generaldirektor dennoch nach der Vorrunde von Deutschland auf Holland geändert. Das Offensivspektakel der Niederländer würde beim Finale vielleicht ähnlich viele Zuseher vor die Schirme locken wie beim Match Österreich gegen Deutschland, „auch wenn das schwer zu toppen ist“. Ein Sieger des Sportspektakels steht für ihn aber ohnehin fest: „Natürlich der ORF.“

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