Making yip

Sarah Palin ist der beste Marketing-Gag der ­Republikaner seit Ronald ­Reagan. Angelika Hager über die Autounfall-Aura von Miss Barracuda.

Gab es eigentlich einen US-Wahlkampf vor Sarah Palin? Zumindest nicht, was den Unterhaltungswert betrifft. Der „rasende Hosenanzug“ alias Hillary Clinton wirkt im Vergleich zu „Miss Barracuda“, so ihr Beiname im Basketballteam der Wasilla High School, so spannend wie eine Packung abgelaufener Zucker. Sarah Palin, 44, Gouverneurin des rauen Bundesstaats Alaska und vormals Bürgermeisterin des 5000-Seelen-Vororts von Anchorage, Wasilla, gehört zu jener Spezies von öffentlichen Menschen, die man gemeinhin unter dem Label Autounfall-Prominenz zusammenfassen könnte. Eigentlich schaudert es einen beim Hinschauen; man ist aber völlig hilflos, seinen Blick auch nur irgendwie abzuwenden. Hierzulande fallen etwa die Lugners oder Fiona Swarovski in diese Kategorie, die sich mit ihrem Vorschlag für Gemüseaufzucht am Klopfbalkon als Strategie gegen die zurzeit so verdammt „seriöse“ Wirtschaftskrise kürzlich wieder in unser Herz gespielt hat. Sarah Palin ist in jedem Fall der beste Marketing-Gag der Republikaner seit Ronald Reagan. „Sie funktioniert deswegen so gut, weil sie wie eine Figur aus den ‚Simpsons‘ wirkt“, konstatierte der Wiener Werber Christian Satek unlängst bei einem Abend­essen. Und in der Tat: Palin wirkt mit ihrem oszillierenden Bauchladen an biografischen Abstrusitäten wie eine Larger-­than-life-Figurine aus dem Think Tank eines auf der Basis billiger Designerdrogen funktionierenden Autorenteams, dem längst alles egal ist. „Hat John McCain seine Krankenschwester mit in den Wahlkampf gebracht, auf dass sie ihm die Doughnut-Krümel aus den Mundwinkeln klopft?“, mutmaßten die Humoristen anfangs, als sie noch keine Ahnung hatten, welches Schlaraffenland für ihre Schaffenskraft sie da eben betreten hatten. Yip, yip – diesen Ausdruck der Zustimmung brachte Sarah Palin übrigens nach ihrer Antrittsrede auf die Frage, ob sie sich fachlich für das Amt der Vizepräsidentin gerüstet fühle. Der ­Sarah-Faktor bringt zwar eine Hausse für die Satire, lässt den Feminismus allerdings in einen schwarzen Abgrund blicken.

„Sarah Barracuda lässt Barack Obama wie ein Mädchen aussehen“, sorgt sich die kolumnistische Kampfmaschine des linksliberalen Amerikas, Maureen Dowd. Da wollte Obama gegen sein Pussy-Image wie ein Mann auftreten und schlitterte dabei weit unter Stammtisch-Niveau. In Anspielung auf Palins Lieblingswitz („Was ist der Unterschied zwischen einer Hockey-Mum und einem Pitbull? – Lippenstift.“) ließ er sich auf einer Wahlveranstaltung zu der Entgleisung verleiten, dass „man einem Schwein zwar Lippenstift auftragen kann, aber es trotzdem ein Schwein bleibt“. Paradoxon am Rande: Die Liga der Pitbull-Freunde sieht ihre Lieblinge wiederum durch Palins Scherzchen diffamiert und will ihr die Unterstützung verweigern.

Wäre die fünffache Hockey-Mum, die ihre Politkarriere zwischen Milchpumpe, BlackBerry und Lachsfang schmeißt und von ihrer Teenager-Tochter demnächst zur Großmutter gemacht wird, auf zivilisationstauglicher Höhe, könnte sie eine neue Ära der Emanzipation einläuten, die Hillary und Michelle Obama ziemlich altbacken aus der Wäsche schauen ließe. Doch mit einem Weltbild, das auf der Vermengung von Adam, Eva und dem Teufel mit den Dinosauriern fußt, sowie ihrer Hardliner-Linie gegen Abtreibung und Homosexualität bleibt Palin eine simpsoneske Karikatur. Gesetzt den Fall, dass John McCain am ersten Tag seiner durchaus möglichen Amtszeit an einer Brezel erstickt, wie Maureen Dowd befürchtet, wird der Cartoon allzu real. Und nirgends ein Notausgang.

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