Magna-Europa-Chef Apfalter im Interview

Magna-Europa-Chef Günther Apfalter über Vollauslastung bei Magna Steyr in Graz, Verluste in europäischen Fabriken und wie er mit Politik und Medien umgeht.

trend: Bald werden Sie den Mini Paceman für BMW in Graz fertigen. Wann wird die Fahrzeugfertigung wieder die Vollauslastung von 250.000 Stück erreichen?

Apfalter: Im Management sehen wir es als unsere Aufgabe an, uns wieder diesen Stückzahlbereichen zu nähern. Je früher, umso besser. Man kann die 250.000 auch als investitionstechnische Kapazitätsgrenze betrachten. Allerdings muss man die Vorlaufzeiten in Betracht ziehen, die bei Gesamtfahrzeugprogrammen zwei Jahre oder mehr betragen. Auch die konjunkturellen Rahmenbedingungen sind ein Unsicherheitsfaktor.

Kommen auch neue Hersteller, etwa aus Fernost, zu Ihnen?

Mit dem chinesisch-israelischen Joint Venture Chery Quantum entwickeln wir derzeit Fahrzeuge. Sollte es in der Folge zu Fertigungsaufträgen kommen, streben wir natürlich an, mit einer Art Graz II in die aufstrebenden Märkte zu gehen, ob das nun China, Mexiko oder Russland ist. Auch in diesem Bereich gibt es natürlich Vorlaufzeiten zwischen möglicher Auftragsunterzeichnung und Fertigungsbeginn.

Sie sind nach der Krise als einziger namhafter Auftragsfertiger übrig geblieben. Das sollte doch Ihren eher schwachen Margen guttun.

Unsere Kunden, die Autohersteller, wissen genau, wie sich das Thema Gesamtfahrzeugbau wirtschaftlich darstellt. Das ist im Komponentengeschäft etwas anders. Darum werden sich die Margen im Bereich Gesamtfahrzeugentwicklung und -produktion nicht rasend verbessern.

Im zweiten Quartal hat Magna Europa einen Verlust eingefahren, allein vier Werke werden dieses Jahr einen Verlust von rund 200 Millionen Dollar produzieren. Warum?

Wir haben 98 Produktionsstandorte in Europa. Wenn hier vier einen Verlust einfahren, ist das für uns ernst und muss „Ich war zum Zeitpunkt des Rücktritts meines Vaters als Voest-General in einem prägenden Alter.“ Günther Apfalter, Magna in strukturierter Form gelöst werden. Eines dieser Werke wurde inzwischen veräußert, ein anderes wird geschlossen. Gleichzeitig sind wir dabei, neue Standorte zu eröffnen – in Russland, in Rumänien oder in der Türkei.

Magna-CEO Don Walker führt das aber auch darauf zurück, dass in Europa in der Krise Preisverträge geschlossen wurden, unter denen Sie jetzt noch leiden – und dass in einigen Werken wegen der späteren Überauslastung Qualitätsprobleme aufgetaucht sind.

Das mag für einzelne Standorte zutreffen. Jetzt geht es aber darum, die Situation der betroffenen Werke zu verbessern – und das kann einige Monate dauern.

Haben die Nordamerikaner die Krise besser gemanagt? Gab es in Europa Fehler?

Nein, weder noch. Die Situation war unterschiedlich – und einen Konflikt hat es nie gegeben.

Mit Frank Stronach haben Sie ein Joint Venture im Elektroauto-Bereich. Wollen Sie hier auch einmal ganze Fahrzeuge bauen – oder werden Sie nur Teile liefern?

Wir entwickeln und fertigen ja derzeit schon Komponenten für Batteriemodule oder Elektroantriebe. Natürlich wären wir auch bereit, komplette E-Fahrzeuge zu produzieren, wenn ein Kunde das wünscht, abhängig vom konkreten Fahrzeugprogramm, dem Volumen und der Laufzeit.

Sie scheinen eine ausgeprägte Skepsis gegenüber Politik- und Medienbetrieb zu haben – auch weil Sie die Erfahrungen Ihres Vaters im Hinterkopf haben?

Ich war mit 25 Jahren, zum Zeitpunkt des Rücktritts meines Vaters als Voest-Generaldirektor, bestimmt in einem prägenden Alter und habe aus diesen Erfahrungen viel gelernt. Eine Skepsis in Richtung Politik oder Medien habe ich aber keineswegs – dennoch würde ich mich nicht als klassischen Seitenblicke-Typen bezeichnen.

Sie müssen jetzt mit Politikern gemeinsam auftreten, mit Technologieministerin Bures in Alpbach, mit Umweltminister Berlakovich in seinem „Öko-Team der besten Köpfe“ …

Innovation ist eines der Kernthemen für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich. Daher arbeite ich an derartigen Initiativen aus wirklicher Überzeugung mit. Wir können nicht nur ein Standort für Mittelstands- und Tourismusbetriebe sein.

Freundschaften mit Politikern wird man bei Ihnen aber eher nicht entdecken.

Mein Freundeskreis ist sehr ausgewählt, da gibt es keine oberflächlichen Bekanntschaften. Ich betreibe beispielsweise auch viele Sportarten, in denen es sehr wichtig ist, dass man sich aufeinander verlassen kann – ob das nun Bergsteigen, Klettern oder Skitouren sind.

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