Land der Starken

Vor einem halben Jahr noch Krisenstimmung, und heute brummt die Wirtschaft – trotz Subprimes, AUA, Telekom und der Regierung. Von Thomas Martinek

Die Meldung der Wirtschaftsforscher kam aus trübem Himmel: Das Wirtschaftswachstum ist in Österreich im ersten Quartal mit 3,5 Prozent deutlich höher ausgefallen als erwartet. Hmm. Gab es da nicht vor einem halben Jahr so etwas wie eine weltweite Finanzkrise? Standen da nicht schwarze Gewitterwolken über der heimischen Wirtschaft? Lagen die Barometerwerte für Österreichs Industrie nicht bei: Die Luft ist draußen; mit der Prognose: Tendenz weiter fallend?

Ja. Und jetzt geht’s uns besser als zuvor. Trotz teuren Benzins, trotz teurer Lebensmittel, trotz steigender Mieten. Spinnen die Wirtschaftsforscher?
Wohl kaum. Wirtschaftsforscher sind weise, ehrenwerte Menschen, die ihre Prognosemodelle mit Zahlen füttern, um dann nach einem komplizierten Berechnungsdurchgang ein Ergebnis zu erhalten, das sie gerne hören möchten. Zum Beispiel, dass die von derivativen Spekulationsgeschäften aufgeblähte Finanzwirtschaft beim Platzen ihrer Kaugummiblase die davon abgekoppelte Realwirtschaft in den Abgrund reißen wird. Und diese Ergebnisse werden dann schön schulmeisterlich auf höchstem Standard tiefrosarot bedrohlich präsentiert.

Die Wirklichkeit sieht – dem Land sei Dank – anders aus. Um in der unwirklichen Analysesprache der Ökonomen zu bleiben: Die Bauwirtschaft und der Export sind für diese überraschenden und erfreulichen, wirklichen Wirtschaftszahlen verantwortlich. Was übersetzt so viel heißt wie: Die hunderten, tausenden österreichischen Betriebe, die als Einzelunternehmer oder mit zehn, zwanzig, vielleicht hundert Mitarbeitern unterhalb der statistischen Wahrnehmungsgrenze erfolgreich Geschäfte machen, haben dieses nicht erwartete Wachstum der gesamten heimischen Wirtschaft zustande gebracht. Sie alle haben mit ihrem unternehmerischen Streben, ihrer Kraft, ihrer Stärke sich gegen die prognostizierte Krise gestemmt, haben einfach erfolgreich Geschäfte gemacht. Haben trotz schlechter wirtschaftlicher Stimmung ihre Kunden überzeugt. Wenn schon nicht auf den derzeit schwierigen US-Märkten, dann zumindest im osteuropäischen und immer stärker im asiatischen Raum. Haben trotz eines für Kleinunternehmer in Österreich steuerlich noch immer nicht förderlichen Umfelds Gewinne erzielt.
Und das ganz im Gegensatz zu dem, was von Österreichs Wirtschaft nach außen hin wahrgenommen wird: Der AUA beispielsweise, die den Eindruck vermittelt, in diesem Land wird mit einer der stärksten nationalen Marken, mit einem der wichtigsten Infrastrukturbetriebe, in etwa so verantwortungsvoll umgegangen wie mit einer leeren Bierdose. Oder der Telekom Austria, die der Staat, um das Budget aufzubessern, an die Börse gebracht hat, obwohl sie aufgrund zu vieler Mitarbeiter eigentlich noch nicht börsenreif war.

Würden jene Unternehmen, die für die überraschend gute Entwicklung unserer Wirtschaft verantwortlich sind, so geführt werden wie so manche pseudoprivatisierten Unternehmen, wären die vor einem halben Jahr erwarteten Wirtschaftszahlen für unser Land heute tatsächlich so trübe wie angekündigt. Aber Österreichs wirtschaftlicher Erfolg ist von starken, echten, eigenverantwortlich handelnden Unternehmern getrieben. Das kann anscheinend nicht einmal die Regierung verhindern. Obwohl – um wieder zur Analyse der Wirtschaftsforscher der ökonomischen Befindlichkeit unseres Landes zurückzukehren – der private Konsum tatsächlich schwach ist; eine Bremse für weiteren Aufschwung darstellt. Aber das wird kein Gusi-Hunderter ändern, keine Preisbeschränkungen bei Lebensmitteln oder Mieten. Das kann alleine durch erfolgreiche Unternehmen und ihre davon profitierenden Mitarbeiter verbessert werden. Das Beste für die heimische Wirtschaft wäre also, die Regierung bleibt in ihrem Hohen Haus; lässt die vielen kleinen, mittleren Unternehmer dieses Landes ungestört arbeiten – sie sind stark genug dafür.

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