Kurt Stiassny: Mister Private Equity

„Wir finanzieren eigentlich nicht Unternehmen, sondern Köpfe. Auch wenn ein Unternehmen an sich großes Potenzial hat, bleibt das Management das Wichtigste.“ Kurt Stiassny

„Wachsen kann bald jemand“, sagt Kurt Stiassny. „Dabei Geld zu verdienen, das ist die Kunst.“ Stiassny muss es wissen, denn kaum einer kennt das lukrative, aber trickreiche Geschäft mit dem Ein- und Ausstieg bei fremden Firmen so gut wie er.

Als Chef der Unternehmensinvest AG kaufte und verkaufte der WU-Absolvent, Ex-Steuerberater und Ex-CA-Angestellte in mehr als sechzehn Jahren 27 Unternehmen, darunter Riesenbrocken wie die Andritz AG. Sechs Börsengänge betreute Stiassny, und in Summe hätten die UIAG-Eigner eigentlich zufrieden sein können. Stiassny verdoppelte das eingesetzte Eigenkapital von rund 35 Millionen Euro und zahlte seinen Aktionären insgesamt an die fünfzig Millionen Euro an Dividenden aus. Manch einer hielt Stiassny sogar für den Eigentümer der UIAG. Und tatsächlich konnte der umtriebige und als knallharter Verhandler bekannte Manager viele Jahre lang nach Belieben in der UIAG schalten und walten. Die ursprüngliche Gründerin Creditanstalt hatte sich nach und nach zurückgezogen, um Konflikte zwischen Eigen- und Fremdkapital zu vermeiden. Am Ende hielt die CA-Nachfolgerin nur mehr zehn Prozent an der UIAG. Kurt Stiassny wäre wohl noch heute UIAG-Boss, zählte er nicht einen Megaflop zu seiner Biografie, der sich Libro nennt. Einige Banken zogen sich aus der UIAG zurück, und der nicht an mangelndem Ego leidende KTM-Eigner Stefan Pierer wurde Mehrheitsaktionär. So kam es, dass Kurt Stiassny Ende April seine Koffer packte oder packen musste, je nach Kameraperspektive.

Michael Tojner wiederum erkannte eine einmalige Chance. Er machte Stiassny nicht nur zum Partner der im Mai gegründeten Fondsgesellschaft Buy-Out Central Europe, sondern holte damit fast die komplette UIAG-Mannschaft an Bord: „Kurt Stiassny und ich kannten uns von verschiedenen Projekten sehr gut, und da war ein gegenseitiges Vertrauen. Und ich glaube, dass ich den Kurt dann überredet habe, in die Selbstständigkeit zu gehen. Mit 57 Jahren ist das der letzte Abdrücker. Wir haben am 15. Mai angefangen. Nach sechs Wochen, was ein irrer Erfolg ist, haben wir 100 Millionen an Investorengeldern zusammengehabt.“

Tatsächlich hat Stiassnys „neue UIAG“ derzeit vierzig Investoren, darunter Privatleute wie Andritz-Chef Wolfgang Leitner, Christoph Dichand, Ex-Mayr-Melnhof-Boss Michael Gröller, aber auch Firmen wie die Berndorf AG und Banken wie die Oberbank, die Bank für Tirol und Vorarlberg und auch die Constantia-Privatbank als Treuhänderin mit 17 Prozent.

Erstmals wird Stiassny nun groß an seinen Investments mitverdienen können. Neben der Managementgebühr wird die Buy-Out Central Europe mit zwanzig Prozent an allen Gewinnen beteiligt sein, die acht Prozent Performance übersteigen. Wäre das bei der UIAG schon so gewesen, wäre der langjährige Harley-Davidson-Fahrer, der jetzt lieber zum Einkaufen mit einem langsamen Motorroller unterwegs ist, heute wohl wesentlich reicher. Stiassny: „Die Kollegen in anderen Private-Equity-Gesellschaften, die, wie international üblich, selbst beteiligt waren, sind heute wesentlich reicher als ich. Kein Bedauern, es war einfach so. Sonst wäre die Gründung der UIAG gar nicht gelungen. Die UIAG hat ja den Markt in Österreich erst aufbereitet für Eigenkapitalfinanzierungen zu einem Zeitpunkt, wo niemand geglaubt hat, dass Private Equity in Österreich funktioniert.“

Die banale Erkenntnis von „no risk, no fun“ gilt bei allen Investments mit hohen Renditeerwartungen, aber ganz besonders beim Private-Equity-Geschäft. Das beginnt schon damit, dass in der Regel drei bis vier Monate um interessante Unternehmen gebuhlt und verhandelt wird, und am Ende kann dann auch ein anderer Investor zum Zug kommen.

Tatsächlich ist Kurt Stiassny gerade während der trend-Recherchen dabei, seinen ersten Deal als Unternehmer abzuschließen. Wird der Verkäufer, ein deutscher Finanzinvestor, noch heute unterschreiben? Es geht um ein Tiroler Traditionsunternehmen mit 150 Millionen Euro Jahresumsatz, die Tiroler Röhren- und Metallwaren AG und ihre deutsche Mutter in Wetzlar. „Wir planen eine Börseneinführung, denn wir sehen großes Potenzial“, sagt Stiassny aufgeregt zwischen mehreren Telefonaten. Die Tiroler produzieren Spezialrohre für die Wasserversorgung von Städten und für Zuleitungen für Schneekanonen. Stiassny sieht vor allem in Osteuropa, speziell in Russland, enorme Wachstumschancen. Die Beschäftigten wissen noch nichts von ihrem Glück. Endlich der entscheidende Anruf: Der deutsche Eigner verkauft einen 75-Prozent-Anteil. Na also. That’s moneymaking.

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