Kühne Pläne: Wie mächtige Händler das Überleben von Opel sichern wollen

Wie Europas mächtigster Opel-Händler das Überleben der Marke sichern will. Und was eine Insolvenz für die Kunden bedeuten würde.

Von Ingrid Dengg

Verunsicherte Kunden? Nein. Davon will Albert Still, dessen AVAG-Gruppe ein Viertel der gesamten Opel-Verkäufe in Österreich bestreitet, ganz und gar nichts wissen: „Der neue Insignia läuft blendend. Bereits jetzt gibt es europaweit 75.000 Bestellungen. Das ist beinahe so viel wie die gesamte Jahresplanung von 100.000.“ In Deutschland sorgt die Abwrackprämie für einen ungeahnten Höhenflug. Und auch hierzulande, wo es die Verschrottungsprämie erst ab April geben soll, gibt es Anzeichen der Erholung. Still: „Nach Einbrüchen im Dezember und Jänner verzeichnen wir seit Februar auch in Österreich leichte Zuwächse.“

„Die Fahrzeugsubstanz ist gut, die Technik passt“ , meint auch der deutsche Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer. Und ein allzu großes Risiko würden Kunden selbst im Fall einer Opel-Pleite nicht eingehen. „Das größte Risiko“, so Dudenhöffer, „ist der Wiederverkaufswert der Fahrzeuge, der im Fall einer ­Insolvenz drastisch sinken würde. Das Servicenetz hingegen scheint mir nicht gefährdet zu sein, das ist ein lukratives Geschäft.“ Dasselbe dürfte auf die Ersatzteilversorgung zutreffen. Still: „Die Teile werden großteils von Zulieferern und nicht von Opel selbst gefertigt. Und bei Rover hat man gesehen, dass die Teile­versorgung auch fünf Jahre nach der Insolvenz noch perfekt funktioniert.“

Manche dieser Zulieferer – und vor allem die Händler – dürfte es im Fall einer Opel-Pleite allerdings selbst heftig erwischen (siehe auch Story auf Seite 104). Still zum Beispiel, der rund drei Viertel seines Konzernumsatzes von 1,2 Milliarden Euro mit GM-Konzernmarken macht, hätte einen gigantischen Abwertungsbedarf bei seinen Neuwagenbeständen zu verkraften. Kein Wunder, dass der Augsburger, der sich aus Altersgründen eigentlich schon in den Aufsichtsrat seines Familienunternehmens zurückgezogen hat, in den letzten Wochen ungeahnte Aktivitäten entwickelt und quer durch Europa tourt. Sein Plan: Als Vizepräsident des europäischen Opel-Händlerverbands will er alle 4000 Händler in 25 Ländern dazu vergattern, pro verkauftem Neuwagen 150 Euro in einen Rettungsfonds zu zahlen, der sich an einer vom GM-Mutterkonzern losgelösten Opel-Gesellschaft beteiligen soll. Die deutschen Händler haben den Plan bereits abgesegnet. Bis Mitte Mai will Still die Sache europaweit unter Dach und Fach gebracht haben.

Und sein persönlicher Plan B für den Fall , dass die Sache mit der Herauslösung von Opel doch nicht klappt? „Das würde ­bedeuten, dass wir uns ein weiteres Volumenfabrikat zulegen würden“, meint er leicht gequält, „wir denken da an einen deutschen, französischen oder koreanischen Hersteller.“

Mag sein, dass Still intakte Chancen hat, auch den Worst Case zu überleben. Auf viele kleine und mittlere Händler trifft das nicht zu. „Die Kfz-Betriebe werden zurzeit von den Banken kräftig in die Mangel genommen“, berichtet Gerhard Lustig, Chefredakteur des Branchenmagazins „Auto & Wirtschaft“. Neue Kredite werden notorisch abgelehnt, und teils sogar bestehende Kreditlinien mit dem Argument einer Neubewertung der Firmenwerte fällig gestellt. „Ein Drittel der Betriebe“, fürchtet Lustig, „wird das nicht überleben.“

Fotos: Michael Rausch-Schott

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente