Krisenschutzgebiete für Anleger

Die US-Bankenkrise zieht weltweit immer größere Kreise. Ein eindeutiges Ende ist für viele Experten nicht in Sicht. trend zeigt Ihnen, wie Sie Ihrem Geld am besten eine Verschnaufpause gönnen.

Es begann mit einem „schwarzen Montag“. Am 14. September verzeichneten die Aktienmärkte den schlimmsten ­Tagesverlust seit dem Crash zur Jahrtausendwende. Der Dow Jones ging gleich um 4,4 Prozent in die Knie, noch stärker mussten die europäischen Börsen Federn lassen. Grund für den panischen Abverkauf waren wieder einmal die Hiobsbotschaften aus dem Finanzsektor jenseits des Atlantiks. Diesmal schlug die Keule gleich dreimal zu: Erstens geriet die größte US-Sparkasse, die Washington Mutual, ordentlich ins Wanken. Zweitens plagte sich auch der weltweit zweitgrößte Versicherer, die AIG-Gruppe, mit einem dicken Minus und wurde in letzter Sekunde von der US-Notenbank gerettet. Den Kampf verloren hat drittens indessen die US-Investmentbank Lehman Brothers. Die Verluste von rund drei Milliarden Euro und weitere erwartete Abschreibungen von um­gerechnet knapp sieben Milliarden Euro waren einfach zu viel. Lediglich die Filetstücke schnitt sich die britische Barclays heraus. Der Rest des Konzerns muss nun zusperren. Und das hat auch ­Folgen für die heimischen Versicherer.

So haben die Allianz , die Generali und die Wüstenrot Garantieprodukte begeben, bei denen ausgerechnet Lehman Brothers als Garantiegeber geradestehen sollte. Jetzt bemühen sich die ­Assekuranzen freilich um Schadensbegrenzung. Dabei will man nicht nur finanzielle Einbußen vermeiden. Auch das Vertrauen der Anleger soll nicht verspielt werden. Schließlich ist die Lage ernst: „Wir erleben derzeit die schwerste Finanzkrise der vergangenen 50 Jahre“, bringt es Georg Kraft-Kinz, Vorstandsdirektor der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, auf den Punkt. Ein Ende ist derzeit laut Experten nicht in Sicht, auch wenn es zwischenzeitlich zu Erholungen kommen kann. Friedrich Mostböck, Chefanalyst bei der Erste Bank, zur Lage: „Die Turbulenzen sind noch nicht ausgestanden, eine Entwarnung gibt es derzeit nicht.“ Vorsichtshalber habe man schon im vierten Quartal des Vorjahrs die ­Aktien­gewichtung im Musterportfolio stark zurückgefahren und das meiste in Cash umgeschichtet. „Wir wollten eben ganz sichergehen“, so Mostböck. Seiner Einschätzung zufolge dürfte aber die heimische Finanzbranche im Vergleich zu anderen Ländern relativ unbeschadet aus der Krise kommen, da es hier eine sehr starke Ausrichtung nach Osteuropa gebe „und weniger eine Verknüpfung in die USA“, fügt der Chefanalyst hinzu. Dennoch glaubt Mostböck, dass auch die letzten drei Monate in diesem Jahr noch sehr unruhige Börsenwochen werden dürften.

Zu Recht sind deshalb wieder sichere Anlagen gefragt, mit denen man in Ruhe erst einmal die weitere Entwicklung abwarten kann. Tatsächlich bieten derzeit viele Sparprodukte so hohe Zinsen wie schon seit Jahren nicht mehr. Aber auch mit einer Anlage an den Rentenmärkten kann man die Krise gut durchtauchen. „Auf Sicht der nächsten drei bis sechs Monate würde ich Bundesanleihen aus dem Euroraum mit einer Laufzeit von rund zehn ­Jahren empfehlen“, rät Gottfried Steindl, Volkswirt bei der RZB. ­Diese bieten derzeit eine Rendite von rund 4,1 Prozent „und haben zudem weiteres Kurspotenzial nach oben“, fügt der Volkswirt hinzu (siehe Tabellen „Erntezeit“ und „Platzhalter“ für einen Überblick von Anleihen und Rentenfonds). Der Grund: Je mehr sich die Krise verschlimmert, desto häufiger schichten Anleger Geld in den sicheren Hafen um. Die wachsende Nachfrage heizt die Kurse an.

Weiters prophezeit der RZB-Profi demnächst einige Zinssenkungen seitens der EZB. Bis spätestens Mitte 2009 könnte der Leitsatz um insgesamt 0,75 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent gesenkt werden, glaubt Steindl. Auch das treibt die Kurse von Anleihen nach oben. Denn bestehende fix verzinste Wertpapiere zahlen dann einen besseren Zinssatz als neue, die nach der Senkung mit einem niedrigeren Kupon emittiert werden. Zuletzt haben die Notenbanker freilich die Zinsen unverändert bei 4,25 Prozent belassen. Zu groß ist noch die Sorge über die Entwicklung der Teuerungsrate. (Mit der gleichen Begründung hat übrigens auch die US-Notenbank vorerst keine Senkung durchgeführt.) Tatsächlich lag die Jahresrate im Juli mit 4,2 Prozent weit über dem Ziel von zwei Prozent. Das scheint sich aber zu ändern. Seit seinem Hoch im Juli hat der Ölpreis, Haupttreiber der Inflationsrate, stark nachgegeben. Deshalb rechnet die Deka Bank für das Gesamtjahr 2008 mit einer Inflationsrate von 3,5 Prozent. Im kommenden Jahr dürfte sie sogar auf 2,5 Prozent schrumpfen.

Dazu kommt noch ein weiterer Faktor , der für eine lockerere Zinspolitik sorgen dürfte. „Die Notenbanker können schließlich die stockende Wirtschaft nicht ganz außer Acht lassen“, gibt sich Steindl besorgt. Zuletzt hat die EU-Kommission das Wirtschaftswachstum in der Eurozone für heuer auf 1,3 Prozent nach unten revidiert. Im kommenden Jahr könnte es noch geringer ausfallen, meint die RZB. Tiefere Zinsen und damit güns­tigere Kredite sollten helfen, die Konjunktur wieder anzukurbeln. Das wäre zudem für viele private Haushalte ein positives Signal, dass das Schlimmste in Sachen Teuerung vorbei sein dürfte. „Viele empfinden nämlich eine viel höhere Inflationsrate, auch wenn die offiziellen Statistiken eine andere Sprache sprechen“, weiß Ulrich Kater, Chefvolkswirt von der Deka Bank. Deshalb würden sich seiner Meinung nach private Haushalte ärmer fühlen, als sie es tatsächlich sind, und sich beim Konsum zu sehr zurückhalten. „Das Angsthorten ist einer der Hauptkiller des Wirtschaftswachstums in diesem Jahr“, erklärt der deutsche Volkswirt.

Nichtsdestotrotz könnte jetzt der ideale Zeitpunkt sein, ein Sparbuch oder eventuell auch ein Online-Konto mit guten Zinsen zu eröffnen, wenn man erst einmal das weitere Geschehen an den Börsen abwarten möchte. „Wer sein Geld mehr als ein paar Monate parken will, sollte sich Fixzinsen auf ein Jahr vereinbaren“, empfiehlt Steindl von der RZB. So kann man die ungewöhnlich hohen Zinsen am Geldmarkt festhalten und wäre nicht von den kommenden möglichen Senkungen betroffen. Tatsächlich erleben die Banken derzeit eine wahre Renaissance bei den klassischen Sparprodukten, wie Kraft-Kinz von der RLB NÖ-Wien bestätigt. Dass dabei immer mehr Web-Banken den Markt mit Kampfkonditionen überfluten und damit die traditionellen Sparbücher teils überbieten, beunruhigt Kraft-Kinz nicht. „Das ist ein ganz anderes Geschäftsmodell. Wir ver­suchen, unsere traditionellen Sparbücher im Rahmen einer kompletten Beratung mit einzubinden, die man bei einer Online-Bank nicht bekommt“, so der RLB-Vorstandsdirektor.
Zudem sollte man sich die einzelnen Angebote genau anschauen. So bietet etwa die ING-DiBa Bank 4,5 Prozent Jubiläumszinsen per annum für jene, die sich bis Ende September 2008 für das Angebot entscheiden. Dieser Satz wird aber nur bis Jahresende bezahlt, nicht für zwölf Monate. Und so bekommt der Sparer nicht die vollen 4,5 Prozent, auch wenn er das Geld ein Jahr lang bei der ING-DiBa ruhen lässt, sondern nur anteilig für den besagten Zeitraum gutgeschrieben. Danach gilt der Basiszins, der aktuell bei 3,5 Prozent liegt.

Für großes Aufsehen sorgte im vorigen Monat der Markteintritt der isländischen Kaupthingbank. Hier können Sparer derzeit 4,85 Prozent per annum auf täglich fälliges Geld bekommen. Zusätzlich gilt im Falle einer Pleite nicht die österreichische (20.000 Euro pro Sparer), sondern die isländische Einlagensicherung. Diese liegt bei 20.887 Euro pro Sparer und ist laut Kaupthingbank immer garantiert, egal, wohin sich der Wechselkurs der isländischen Krone gegenüber dem Euro bewegt. Insgesamt sind Sparprodukte eine kostengünstige Möglichkeit, Geld zu parken. „Zudem sind sie ein einfaches Produkt und damit eine erfrischende Alternative zu den oftmals immer komplexeren Finanzanlagen“, meint Günther Rausch, Produktmanager aus dem Bereich Einlagen bei der Erste Bank. Ein Buch habe zudem den Vorteil, dass man es problemlos weiterschenken kann – sofern ­weniger als 15.000 Euro darauf liegen: „Hier reicht einfach ein ­Losungswort.“

Von Raja Korinek

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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