Krisengewinner: Unternehmer, die von
der Krise profitieren und Erfolge feiern

Und es gibt sie doch: Unternehmen, die von der Wirtschaftskrise profitieren, Erfolge feiern und sich nicht über mangelnde Auslastung beklagen können. trend präsentiert eine Auswahl der Gewinner.

Von Peter Sempelmann

Die Wintermonate sind für Immobilienmakler normalerweise eine etwas ruhigere Zeit. „Was ist aber jetzt schon normal?“, fragt der auf die Wienerwaldregion spezialisierte Makler Wolfgang Mörtl, während er einem Interessenten ein Grundstück mit herrlicher Aussicht auf die umliegenden Wälder zeigt. „Das Interesse an guten Objekten war trotz des vielen Schnees den ganzen Winter über enorm, und es wurde auch deutlich mehr gekauft als in den Vorjahren.“

Für das eben begonnene Frühjahr erwartet der Makler anhaltend gute Geschäfte. „Die Wirtschaftskrise lässt die Leute vermehrt in Grund und Boden investieren. Es gilt die Devise Grundbuch statt Sparbuch“, sagt er. Bernhard Felderer, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), bestätigt diese Ansicht: „Jetzt glaubt niemand daran, mit Spekulationen reich werden zu können. Inves­toren und Anleger suchen daher einfache und sichere Anlageformen. Das für viele Sicherste ist, in Immobilien zu investieren.“

Während viele Wirtschaftszweige und Industrien mit massiven Geschäftseinbrüchen leben und teils um das nackte Überleben kämpfen, profitieren also die Immobilienmakler von der Krise. Und sie sind nicht die Einzigen. Möbelhersteller, die Computerspielbranche, Fahrradhersteller, die Produzenten von innovativen Heizsystemen und sogar Schokoladefabrikanten wie die Wiener Confiserie Heindl freuen sich über zweistellige Umsatzzuwächse und gute Gewinne. „Die Konsumenten haben ja wegen der gesunkenen Preise jetzt sogar mehr Geld zur Verfügung, sie geben es nur anders aus“, erklärt IHS-Chef Felderer, und für die Meinungsforscherin Sophie Karmasin sind die Verschiebungen im Konsumverhalten geradezu typisch für Krisenzeiten: „Krisen verstärken den Trend zur Ratio und Analyse. Die Konsumenten hinterfragen den Nutzen und den Wert von Produkten erheblich mehr und überlegen genauer, wofür sie ihr Geld ausgeben.“ Nachhaltige Produkte wären daher jetzt auch besonders gefragt. Karmasin: „Neue elektronische Produkte verlieren dagegen deutlich an Bedeutung.“

Bernhard Reikersdorfer , Geschäftsführer von RE/MAX Austria, kann österreichweit eine stark gestiegene Nachfrage nach Immobilien bestätigen. Gefragt seien derzeit vor allem kleinere Eigentumswohnungen mit 50 bis 70 Quadratmeter Wohnfläche in zentraler Lage sowie Baugrundstücke ohne Bauzwang. Reikersdorfer: „In der zweiten Jahreshälfte gab es eine deutlich höhere Nachfrage nach Immobilien als Anlageform als in den Jahren davor. Dieser Trend hat sich in den ersten Monaten des Jahres weiter verstärkt. Anleger nutzen in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise vermehrt die Immobilie als sichere Geldanlageform.“

Das manifestiert sich auch in den Geschäftsergebnissen der Makler. Das vierte Quartal 2008, in dem die Wirtschaftskrise voll auf Europa und Österreich übergegriffen hat, war für RE/MAX Österreich das beste seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1999. Der Dezember 2008 sogar der Monat mit dem höchsten je erzielten Provisionsumsatz, und auch im Jänner gab es ein deutliches Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Wer Immobilien kauft, richtet sie auch ein. Eine logische Folge ist daher, dass der Möbelhandel derzeit einen deutlichen Auftrieb verspürt. „Uns kommt dabei auch der Trend zum Cocooning zugute“, weiß Georg Emprechtinger, Chef des Edelmöbelherstellers Team 7 aus Ried im Innkreis, „die Leute gehen weniger aus und ziehen sich in die eigenen vier Wände zurück. Dort wollen sie es schön und gemütlich haben. Deshalb wird jetzt mehr in hochwertige Möbel investiert.“ Angesichts der guten Verkaufszahlen der vergangenen Monate geht Emprechtinger davon aus, dass Team 7 das Vorjahresergebnis 2009 um gut 15 Prozent übertreffen wird.

Die Kika/Leiner-Gruppe hat ähnliche Erwartungen. Geschäftsführer Paul Koch erklärt: „In Österreich ist die Nachfrage trotz der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen überraschend robust. Der positive Verlauf des Jahresendgeschäfts hat sich auch zu Beginn des Jahres fortgesetzt. Wir verzeichnen in vielen Bereichen Zuwächse, hierzu zählt klar der Hochwertbereich.“

Das Cocooning belebt aber nicht nur die Geschäfte der Möbelhersteller. Die Konsumenten geben vielleicht weniger Geld für abendliche Freizeitaktivitäten oder für Kurzurlaube aus, den Wunsch nach Unterhaltung gibt es aber freilich trotzdem. Computer- und Videospiele verkaufen sich daher so gut wie nie zuvor. „In unserer Branche spricht man vom ,Staycation‘-Effekt. Die Menschen machen Urlaub zu Hause, suchen Ablenkung und spielen eben mehr zu Hause“, sagt Albert Seidl, Vorstand des österreichischen Videospieleherstellers JoWooD, „ein Spiel, das 14,99 oder 19,99 Euro kostet, bietet wochenlange Beschäftigung und Faszination, nicht wie ein Kinobesuch, der nach zwei Stunden wieder vorüber ist.“ Schon im dritten Quartal 2008 konnte JoWooD seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 8,7 Prozent auf 18,6 Millionen Euro steigern, und für 2009 rechnet Seidl gar mit einem neuen, absoluten High Score: „Alle unsere Ergebnisse und Prognosen liegen klar über dem Vorjahr. Wir werden am Ende um 15 bis 20 Prozent darüber liegen.“

Ähnliche Erwartungen hat der mit der „Ski-Challenge“ weit über Österreich hinaus bekannt gewordene Online-Spielespezialist Greentube. Angesichts der Zugriffssteigerungen von bis zu 60 Prozent und des stark gestiegenen Interesses der Wirtschaft, Online-Spiele als Werbeplattformen zu nutzen, rechnet Firmenchef Eberhard Dürrschmid mit einem guten, zweistelligen Wachstum. „Wir haben bei der ,Ski-Challenge‘ in dieser Saison 330 Millionen Rennen abgewickelt. Das sind x Milliarden Ad-Impressions. Wir sind jetzt für die Werbe­industrie ein ernst zu nehmender Partner“, sagt Dürrschmid, der für die Zukunft sehr optimistisch ist: „Online-Spiele sind jetzt als Medium anerkannt und werden daher weiterhin sehr stark wachsen.“

Noch etwas überraschender als die Krisenfestigkeit der Spielehersteller erscheinen die guten Geschäftsergebnisse beim ober­österreichischen Fahrradhersteller KTM. „Die Krise ist bei uns nicht zu bemerken, eher im Gegenteil“, meint Eigentümerin Carol Urkauf-Chen, „wir steuern dieses Jahr auf einen neuen Unternehmensrekord zu.“ Zum Ende des Wirtschaftsjahres konnte KTM einen Umsatz von 70 Millionen Euro verzeichnen, ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und für die laufende Periode zeichnet sich angesichts der ausgezeichneten Auftragslage ein neuer Rekord ab. KTM-Geschäftsführer Josef Spießberger erklärt: „Die Krise ist für uns als Vollsortimenter und anerkannter Qualitätsanbieter in vielen Bereichen eine Chance. Gerade im Bereich der City- und Trekkingräder oder mit dem E-Bike können wir ergiebige Umsatzpotenziale erschließen.“

Zusätzlich belebt wird das Geschäft der Fahrradhersteller durch den anhaltenden Trend zur sanften Mobilität und zum Outdoor-Sport. Bei Intersport liegt die Zuwachsrate in diesem Segment bei 14 Prozent, und Armin Degasperi, Marketingleiter des Vorarlberger Fahrradherstellers Simplon, meint: „Die positive Tendenz der letzten Jahre geht weiter. Die Leute sparen vielleicht bei großen Investitionen wie Autos, aber nicht im Freizeitbereich.“

Auf die Kostenbremse steigen die Konsumenten dagegen bei den normalen Haushaltsausgaben. Sie kaufen nicht weniger, aber günstigere Produkte ein. Das kommt Diskontern wie Hofer oder Lidl ebenso zugute wie den Herstellern, die hinter den von Rewe oder Spar kreierten Eigenmarken stehen. Beim Geschirrspülmittelhersteller Claro, in dessen Mondseer Werk auch die Produkte der Rewe-Hausmarke Clever produziert werden, laufen deshalb schon um 25 Prozent mehr Geschirrspültabs vom Band als im Vorjahr. „Das ist natürlich eine tolle Sache“, freut sich Firmenchef Josef Dygruber, der auch bei der eigenen Marke Claro ein deutliches Umsatzplus spürt. „Unsere Produkte sind um rund 15 Prozent günstiger als die des Marktführers Calgonit. Das ist aktuell ein besonderer Wettbewerbsvorteil.“

Von einem ähnlichen Preisvorteil profitiert derzeit auch McDonald’s. 2008 konnte das Unternehmen ein Plus von 11,1 Prozent beim Umsatz erzielen, und für 2009 wird ein anhaltend ­positiver Trend erwartet. Mit seinen Ein-Euro-Angeboten ist McDonald’s ein echter Preisbrecher im Land. Ham- oder Cheeseburger sind damit billiger als jede Leberkäsesemmel und bei der gegenwärtigen Krisen- und Sparmentalität ein guter Umsatzbringer. „Die Produkte verkaufen sich zwar seit dem Tag ihrer Einführung hervorragend, aber wo immer wir jetzt ein neues Restaurant aufsperren, leiden darunter die Anbieter im Umkreis“, sagt Österreich-Chef Andreas Schwerla, der sich aber nicht nur der güns­tigen Preise wegen als Gewinner sieht. „Wir haben zuletzt viel investiert und mit den McCafés neue Kundenkreise erschlossen. In Krisenzeiten sind außerdem eine starke Marke und ein gut eingeführtes Image essenziell. Davon profitieren wir jetzt.“

Christian Wernhardt , Chef des Kärntner Unternehmens Embatex, das Recycling-Toner für Drucker und Kopierer anbietet, profitiert dagegen davon, dass jetzt auch Unternehmen sparen, wo immer es möglich ist. Er konnte deshalb schon einige Großkunden wie Magna neu gewinnen und ein Umsatzplus von gut 20 Prozent verbuchen. Und weil auch bei Dienstreisen massiv gespart wird, sind auch Videokonferenzlösungen gefragt wie nie. Martin Fortmüller, Chef des auf Videokonferenzsysteme spezialisierten Wiener Unternehmens Eltax, erklärt etwa: „Das Geschäft entwickelt sich prächtig. Im KMU-Bereich hat es um über 50 Prozent zugenommen, und es wächst weiter.“

Margarete Schramböck , Geschäftsführerin des auf Netzwerk- und Collaboration-Lösungen spezialisierten Unternehmens NextiraOne, hat ebenfalls ein deutliches Nachfrageplus registriert: „Die Firmen wollen die Kosten reduzieren. Dabei geht es nicht nur darum, die Reisekosten zu senken, sondern auch die Effizienz in der Zusammenarbeit zu steigern. Videokonferenzlösungen und die GSM-Integration in firmeninterne Systeme für mobiles Zusammenarbeiten sind dabei besonders wichtig und daher derzeit auch sehr gefragte Lösungen, die schöne Umsätze bringen.“

Und weil viele in Krisenzeiten guten Rat suchen und Letzterer teuer ist, blüht derzeit auch das Geschäft der Krisenberater. Kommunikationsexperte Wolfgang Rosam: „Es herrscht eine große Verunsicherung. Das Bedürfnis nach externem Support ist so groß wie nie, unser Geschäft läuft so gut, dass wir gar nicht mehr alle Anfragen annehmen können.“ In dreißig Jahren habe er keine vergleichbare Situation erlebt. Rosam: „Mir wäre es trotzdem lieber, wir hätten etwas weniger Geschäft und stattdessen keine Krise. Aber da müssen wir jetzt durch.“

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