Kredit mit Fangnetz. Wie Sie sich gegen das Risiko steigender Zinsen absichern können.

Von Franz C. Bauer

Wenn es um Geldanlage geht, geben sich die Österreicher gern konservativ: Sparbuch, Bausparen und Lebensversicherungen führen seit Jahrzehnten die Hitliste der Anlageformen an. Risiko? Nein danke. Ganz anders sieht die Sache aus, wenn die Rede auf Kredite kommt. Erst waren es die Fremdwährungskredite, die es vor allem Häuslbauern angetan hatten. Die Chance auf niedrigere Zinsen als im Euro trieb Zehntausende in höchst riskante Devisengeschäfte – eine glatte Spekulation. Für die Banken war das ein gutes Geschäft, denn die Zinsaufschläge blieben gleich, zusätzlich konnte man noch fette Fremdwährungsprovisionen kassieren. Für Kreditnehmer waren die Franken- und Yen-Kredite dagegen oft ein Verlustgeschäft. Erst nach einigen scharfen Mahnungen durch die Oesterreichische Nationalbank stellten die Geldinstitute den aktiven Verkauf von Fremdwährungskrediten ein.

Doch schon drohen den Kreditnehmern Belastungen durch die nächste Spekulation – und derer ist sich kaum jemand bewusst. Spekulation ist nämlich nicht unbedingt mit einer aktiven Entscheidung zugunsten riskanter Geschäfte verbunden. Bisweilen reicht schon bloßes Nichthandeln, um sich in Gefahr zu begeben: Bei Krediten mit variablen Zinsen – der derzeit populärsten Finanzierungsform – tickt eine Zeitbombe. Gudrun Egger, Analystin der Erste Bank, erklärt, warum das so ist: „Die Europäische Zentralbank hat mit ihrer Leitsatzerhöhung im März die schrittweise Normalisierung der Zinspolitik eingeleitet.“ Eine harmlos klingende Diagnose, die freilich nichts Gutes verheißt.

Paradiesisch.
Mit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 begannen für Kreditnehmer nämlich paradiesische Zeiten. Um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, senkten die Zentralbanken weltweit Schritt für Schritt die Zinsen – so auch die Europäische Zentralbank EZB. Bis auf ein Prozent ging der Leitzins – jener Zinssatz, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der EZB Geld leihen können – zurück. Indirekt bestimmt dieser Zentralbanksatz auch die Zinsen für Privatkredite: Verbilligt die Notenbank das Geld, dann folgen die Zinsen, die Geschäftsbanken einander gegenseitig verrechnen – der so genannte Euribor –, üblicherweise mit kurzem Abstand. Der Euribor (in der Regel für dreimonatige Ausleihungen) ist aber exakt jener Zinssatz, an dem sich variabel verzinste Kredite orientieren. Hinzu kommt noch ein bonitätsabhängiger Aufschlag, quasi die Gewinnspanne der Bank.

Von rund 4,5 Prozent vor der Krise ging der 3-Monats-Euribor bis auf unter 0,7 Prozent zurück. Doch seither geht es bergauf. Kreditnehmer bekommen dies bereits zu spüren: Die Raten für variabel verzinste Kredite ziehen – momentan noch fast unmerklich – an. Doch das kann sich ändern. „Wir rechnen heuer mit insgesamt drei Zins­erhöhungen durch die Europäische Zentralbank“, prognostiziert Gerhard Rehor, Vorstandsmitglied der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien. Für ihn ist klar: „Kredite werden teurer!“ Wie teuer, lässt sich freilich nicht prognostizieren. Da Immobilienfinanzierungen üblicherweise lange Laufzeiten aufweisen, Zinsprognosen aber kaum mehr als ein Jahr berücksichtigen, bleibt ein beachtliches Fragezeichen. „Langfristig ist vieles möglich“, warnt Zinsanalystin Egger. Und was „vieles“ bedeutet, zeigt ein Blick auf den Chart: Zinsen bis über zehn Prozent sind da durchaus drinnen. Um sich dagegen abzusichern, gibt es zwei Möglichkeiten: den Abschluss eines Fixzinskredits und die Vereinbarung einer Zinsobergrenze, eines so genannten „Cap“, den Raiffeisen auch durch Optionsscheine darstellen kann.

Scheinbar billig.
„Der Cap hat den Vorteil, dass Kreditnehmer in Phasen niedrigerer Zinsen die günstigere Ratenbelastung haben. Bei Fixzinsvereinbarungen hingegen wird die höhere Rate schon vom Start weg fällig“, erklärt Rehor. Jedenfalls sind aber beide Varianten derzeit teurer als ein variabler Kredit. In einem Szenario nur geringfügig steigender Zinsen kommt die Variante mit Zinsobergrenze günstiger. Doch bereits moderat höhere Zinsen lassen die Sache ganz anders aussehen: Für das Rechenbeispiel wurde ein Szenario moderat steigender Zinsen gewählt, und hier kommt der Fixzinskredit bereits etwas günstiger.
Die niedrigste Kreditrate weist bei derzeitigem Zinsniveau das variabel verzinste Darlehen auf, das somit für Kreditnehmer, die hier mit keinen Änderungen rechnen, die günstigste Variante darstellt – zumindest unter der Voraussetzung, dass sich am im Rechenbeispiel angenommenen Szenario moderat steigender Zinsen nichts ändert. Steigen die Zinsen stärker, wird’s aber viel teurer. Raiffeisen-Vorstand Rehor zum scheinbar billigen variablen Kredit: „Ich persönlich wäre nicht bereit, so ein Risiko einzugehen.“

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