Karriereplanung: Lebensläufer

Ein Ziel, ein Weg, ein Erfolg! Gibt es die schnurgerade Laufbahn –wie auf dem Reißbrett entworfen? Oder ist Karriere ein Zufallsprodukt?

Es wird immer schwerer, eine Karriere in konkreten Schritten planen zu können“, findet Harald Himmer, Vorstandsvorsitzender der Alcatel-Lucent Austria AG. „Insbesondere in einer Branche wie der Telekommunikation, die einem ständigen Wandel unterzogen ist.“

Die Meinung des Top-Managers steht im deutlichen Widerspruch zu jener derjenigen, die sich für beruflichen Erfolg zuständig fühlen. Die eigene Karriere sollte man nicht dem Zufall überlassen, sondern gezielt und systematisch vorgehen, lautet das Credo der Personalberater. Schließlich wird bei der Anschaffung eines neuen Autos oder der Einrichtung einer Küche alles genau geplant, in ihre berufliche Laufbahn stolpern dagegen viele wie in einen Last-Minute-Trip: Hauptsache weg, egal, wohin! Aber beruflicher Erfolg fällt einem nur selten in den Schoß.

„Man muss wissen, was man will, welche Stärken und Schwächen man hat, und sollte entsprechend eine Strategie entwickeln“, empfiehlt Peter Oswald, Vorstandsvorsitzender der Mondi Packaging AG.

Niemand würde freiwillig einem Hobby nachgehen, das ihm nicht liegt. Aber viele üben Tätigkeiten aus, für die sie völlig ungeeignet sind, weil sie entweder ihre Stärken nicht erkennen oder sie nicht einsetzen können. Davor soll nach Oswalds Ansicht eine Karrierestrategie schützen: „Strategie heißt ein durchdachtes Set von Entscheidungsmaximen, die man dann auf eine gegebene Situation anwendet.“

Einen exakten Karriereplan will er darin nicht sehen: „ Nein, das wäre langweilig. Exakt ist im Leben nichts! Weil sich die Umstände zu sehr ändern. Deshalb ist es wichtig, für Neues offen zu sein, sich bietende Gelegenheiten zu erkennen und beim Schopf zu ergreifen. Man soll an das Glück des Tüchtigen glauben.“ Trotz aller Offenheit und Bereitschaft für glückhafte Überraschungen sollte jedoch das Ziel feststehen. „Also Karriere an sich kann schon manche Überraschung bringen. Das Berufsziel muss aber mittelfristig geklärt sein, ist also planbar“, meint Elfriede Gerdenits, Geschäftsführerin der business coaching partners. Wo, wann und zu welchen Konditionen sich dann die Traumposition genau bietet, dafür sieht Gerdenits schon weniger Planungsmöglichkeit: „Ein zu starkes Einschränken kann hier sogar hinderlich sein, weil ich möglicherweise Chancen übersehe, die etwas links oder rechts von meinem großen Plan liegen.“ Wichtig ist in jedem Fall die Abstimmung des Berufszieles auf die eigenen Interessen und Stärken. „Daraus ergibt sich eine ungefähre Richtung, in die man dann einen Schritt nach dem anderen gehen kann“, so der Businesscoach.

Die eigenen Fähigkeiten und Talente kommen nur dann zum Tragen, wenn man die richtige Aufgabe hat. „Innerhalb großer Unternehmen ist eine transparente Karriereplanung einfach wichtig, damit die Mitarbeiter wissen, dass ihr nächster Schritt auch weiterbildungsmäßig unterstützt wird“, erklärt Infineon-Vorstandsvorsitzende Monika Kircher-Kohl. Sie selbst gesteht allerdings, bar jedes Karriereplanes gewesen zu sein: „Ich hatte überhaupt keinen Plan, außer dass ich etwas inhaltlich Sinnvolles gestalten wollte.“ Und das glaubte sie zunächst am ehesten in der Politik umsetzen zu können, doch „in der Politik sind Karrieren noch weniger planbar als in einem Unternehmen“, ist die frühere Kärntner SPÖ-Politikerin überzeugt.

Der ÖVP-nahe Böhler-Uddeholm-Vorstand Claus Raidl, Wirtschaftsberater des ehemaligen Kanzlers Wolfgang Schüssel, hält Karriereplanung in jedem Bereich für schädlich: „Menschen, die sich in ihrer persönlichen Karriere fixe Ziele setzen, agieren nur mehr verkrampft, weil sie unter allen Umständen dieses gesetzte Ziel erreichen wollen und nicht offen sind für andere Möglichkeiten.“

Das Aushecken eines peniblen Planes, samt Teilekatalog für dessen Umsetzung, schreckt Berater und Manager gleichfalls ab. „Karriere ist nicht wie am Reißbrett planbar“, weiß Johanna Fitz, Geschäftsführerin der Personal- & Managementberatung Eblinger & Partner. „Befragen wir erfolgreiche Manager und Managerinnen am Zenit ihrer Karriere, wie ihr Weg in diese Position verlaufen ist, nennen sie einen Mix aus geplanten und ungeplanten Faktoren.“ Unter die planbaren Faktoren fallen die Wahl der Ausbildung und die Weiterbildungsschritte. Doch auch dafür benötigt man wenigstens eine vage Vorstellung, wohin die Reise gehen soll.

„Das Wichtigste ist, eine klare Vorstellung von den eigenen Zielen und Fähigkeiten zu haben. Je genauer ich weiß, was ich will, was ich kann und was mir Spaß macht, desto konkreter kann ich meine Karriere oder mein berufliches Selbstverwirklichungsprojekt planen“, ist Agata Danis, Unternehmensberaterin und Wirtschaftscoach, überzeugt. Wobei weniger die einflussreiche Position das große Ziel sein sollte als die Möglichkeit, seine individuellen Fähigkeiten zum Einsatz zu bringen. „Dass manche Karrieristen ihren Weg nach oben generalstabsmäßig planen und das Ziel auch erreichen, ist eine Tatsache. Aber war der Weg ein schöner? Die Zielerreichung befriedigend? Oder weint man den verpassten Chancen nach?“, fragt Personalberaterin Fitz, denn sie ist überzeugt, dass eine Traumkarriere nicht ausschließlich durch das Erreichen einer mächtigen, hierarchisch hohen und gut dotierten Position definiert sein sollte, sondern „durch Erfüllung seiner Berufung und die tägliche Freude an der Aufgabe“.

Aber selbst jenem, der sich zu höchsten Weihen berufen fühlt, empfiehlt schon Johann Wolfgang von Goethe, nicht schnurstracks und im Sprint den Vorstandsgipfel zu stürmen. „Steile Gegenden lassen sich nur durch Umwege erklimmen“, weiß der Herr Geheimrat. Und der Herr Wirtschaftsrat Raidl pflichtet ihm bei, denn: „Das direkte Anstreben fixer Ziele führt oft zu charakterlichen Verkrümmungen.“ Gerade auf den Umwegen – den Karriereserpentinen – erhält der Adept das charakterliche Rüstzeug für die dünne Gipfelluft.

Selbst junge Karrieristen sollten daher offen bleiben für Angebote, die sie vermeintlich vom Weg abbringen, Möglichkeiten für Umwege oder andere Wege nicht ausschlagen, „kurz gesagt: sich dem Fluss des Lebens beziehungsweise dem Fluss der Karriere anvertrauen“, empfiehlt Fitz. „Denn die Wirtschaft braucht flexible und ambitionierte Mitarbeiter, keine starren Planerfüller.“

Da sich die Arbeitswelt schneller ändert, als ein Mensch sie durchlaufen kann, müssen Pläne ohnedies ständig den neuen Gegebenheiten angepasst werden, die klassische Karriereplanung verlangt nach der Beimischung einer ausgiebigen Portion Flexibilität. „Wichtig ist es, eine Ich-Vision zu haben“, aber das reicht, glaubt Unternehmensberaterin Danis, denn das Berufsleben bringt immer wieder Überraschungen mit sich, „die es zu genießen und zu meistern gilt, das macht das Leben aufregend und lebenswert“. So empfand es auch Alcatel-Vorstandschef Himmer: „Ich habe immer mit Freude, Ambition und Leidenschaft die mir übertragenen Aufgaben erfüllt. Den nächsten beruflichen Schritt habe ich dabei oft erst im Sichtflug erkannt.“

Aber auch die Balance aus Anpacken mit aktiven Macherqualitäten und Lockerlassen und Abwartenkönnen will gelernt sein. Dies gelingt umso leichter, je besser man die Mechanismen, Gesetze, Spielregeln und Strukturen kennt, nach denen Unternehmen funktionieren. „Niemand kann planen, wo er in zwanzig Jahren steht, nicht einmal in zehn und nicht einmal in fünf Jahren“, ist Mondi-Boss Oswald überzeugt. „Aber man kann sich sorgfältig überlegen, wie man einen Track-Record aufbaut, welche Erfahrungen man sammelt und welche Art von Position und Aufgabe man anstrebt.“ Denn bevor man auf eine Leiter steigt, sollte man sich wenigstens vergewissern, ob sie an der richtigen Wand lehnt. Das gilt auch für die Karriereleiter.

Von Martina Forsthuber

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