So machen Sie richtig Karriere

Unbezahlte Praktika, Aushilfsjobs und befristete Verträge bremsen den Berufseinstieg und verzögern die Karriere. Die Generation Praktikum läuft eher Gefahr, in eine endlose Warteschleife als auf das Sprungbrett zum Traumjob zu gelangen. Der optimale Start will daher sorgfältig vorbereitet sein. trend führt Sie in sieben Schritten zum Erfolg und sagt Ihnen, auf welche Netzwerke und Talenteschmieden es ankommt, wie wichtig Ihre Online-Reputation ist und warum Sie auch an Ihrer Persönlichkeit arbeiten sollten.

Für die Karriere hat Emanuel Riccabona schon so manchen Kompromiss geschlossen. Nach dem Politikstudium heuert er beim Berater McKinsey an, obwohl er nicht gerne die ganze Woche unterwegs ist. Aber der gute Ruf des Unternehmens und die Möglichkeit, in kurzer Zeit viele Firmen von innen kennen zu lernen, sind ihm dann doch wichtiger. Nach einem knappen Jahr wechselt er zum Schnäppchen-Portal Groupon, obwohl ihm das Geschäftsmodell unsympathisch ist. Aber die neue Stelle verspricht erste Personal- und Umsatzverantwortung. „Wer Karriere machen will, muss rational entscheiden, welche Jobs ihn weiterbringen können“, sagt der 27-Jährige, der seit Anfang März als Manager beim Kristallkonzern Swarovski arbeitet.

Noch vor zehn Jahren reichte ein Abschluss in Rechtswissenschaften oder Betriebswirtschaft aus, um einen ersten Job bei einer Bank, in einer Kanzlei oder einem großen Industrieunternehmen zu bekommen. Dort konnte der junge Uni-Absolvent dann sein Können unter Beweis stellen und stieg normalerweise im Lauf des Berufslebens weiter auf – bis zur Pension mit Anfang sechzig. Heute muss selbst mancher BWLer über hundert Bewerbungen schreiben, bis er eine Zusage erhält. Und dass diese dann ausgerechnet von seinem Wunsch-Arbeitgeber kommt, ist wohl eher die Ausnahme. Im Schnitt suchen Uni- und Fachhochschulabsolventen 5,3 Monate nach einem Job. Manche brauchen allerdings ein Jahr und mehr, um Beschäftigung zu finden. Und dabei handelt es sich immer öfter lediglich um eine befristete Stelle oder um ein unbezahltes Praktikum.

Zeigen Sie Persönlichkeit!

In den Gesprächen mit Personalchefs wird vor allem deutlich, dass ein ausgezeichneter Kandidat jemand ist, der über viele Qualifikationen verfügt: Ein einschlägiges Studium, das mit einem guten Notendurchschnitt in überschaubarer Dauer absolviert wurde. Erste berufliche Erfahrungen, die sich durch Praktika und Jobs nachweisen lassen. Englischkenntnisse, die so gut sind, dass sie sich im Job anwenden lassen. Und Auslandserfahrungen sind natürlich auch gerne gesehen.

„Aber es gibt nicht die Checkliste, die man abhaken kann, wenn ich das und das gemacht habe, werde ich Generaldirektor“, sagt Georg Horacek, Personalchef des Ölkonzerns OMV. Er hat immer wieder Bewerbungsgespräche mit Kandidaten geführt, die einen Eins-a-Lebenslauf hatten, aber nicht das hielten, was sie versprachen. „Manche waren fünfmal im Ausland, aber wenn man mit ihnen redet, hat man das Gefühl, sie sind nie aus Ottakring rausgekommen“, so der HR-Manager. Die Persönlichkeit muss das Angeeignete widerspiegeln, das zeigt sich auch in den Stellenanzeigen.

Dort tauchen in unterschiedlichen Kombinationen Bündel an Eigenschaften auf, die die Kandidaten mitbringen sollen: Teamfähigkeit, selbstständiges Arbeiten, Flexibilität, Ausdrucksstärke, Eigenverantwortung. Da nicht jeder mit diesen so genannten Soft Skills gesegnet ist, bieten Institute Kurse und Lehrgänge zur Persönlichkeitsbildung an, vom einfachen Rhethoriktraining bis hin zur „Social Skills Licence“, der Lizenz zur Karriere in jedem sozialen Umfeld.

Elisabeth Hull, Personalchefin beim Wirtschaftsprüfer und Steuerberater PricewaterhouseCoopers (PwC), befragt Bewerber ganz gezielt nach ihren Aktivitäten außerhalb des Büros. Sie interessiert die Mitgliedschaft im Sportverein genauso wie ein Ehrenamt: „Aus fast allem, was man macht, kann man etwas Sinnvolles lernen. Ich will wissen, ob das jemandem bewusst ist.“

Stellen Sie schon während des Studiums die Weichen!

Sich ausschließlich auf die Uni zu konzentrieren, kann sich ein Aufsteiger heute kaum noch leisten. Denn gute Noten alleine bringen nichts, wenn die Kontakte in jene Unternehmen fehlen, die einen nach dem Abschluss beschäftigen könnten. Als Steigbügel dienen hier sowohl Netzwerke an den Universitäten als auch fachübergreifende Plattformen. „Students4excellence“ wird von mehreren Top-Unternehmen getragen, die für ihre Mitglieder regelmäßig Kennenlern-Veranstaltungen organisieren.

Elisabeth Wagner, 23 Jahre alt und Bachelor-Absolventin der WU, schätzt die Initiative aber auch noch aus einem anderen Grund: „Es ist eine tolle Möglichkeit, Leute kennen zu lernen, die auch Karriere machen wollen.“ Derzeit bewirbt sie sich um ein Master-Studium an einer renommierten Business School in der Schweiz, in Spanien oder in England. Von der Kombination aus Top-Adresse und Spracherfahrung verspricht sie sich einen starken Start ins Berufsleben.

Damit dürfte sie richtig liegen. Denn Personaler schätzen es, wenn Bewerber Auslandserfahrung und Sprachkenntnisse vorweisen können. „Sehr gute Bewerber haben zumindest ein Semester im Ausland studiert“, sagt Gundi Wentner, Partnerin bei Deloitte Consulting. Sebastian Bittner hat gleich ganz im Ausland studiert. Vier Jahre lang büffelte er an der Universität von Yantai Wirtschaft, perfektionierte quasi nebenbei seine Chinesisch-Kenntnisse und lernte die Kultur des Landes kennen. Ein Wissen, das ihn zu einer begehrten Arbeitskraft macht. Ein deutsches Unternehmen beauftragte ihn, in China eine Auslandsniederlassung aufzubauen. Mit gerade mal 28 Jahren wurde er General Manager und verantwortlich für über 200 Mitarbeiter.

Achten Sie auf Ihre Sichtbarkeit!

Die Wahl des Einstiegsjobs beeinflusst wesentlich den Karriereverlauf. „Wichtig ist, dass man rasch ein gutes Maß an Eigenverantwortung bekommt und dass man dem Management zeigen kann, was man auf dem Kasten hat“, sagt OMV-Personalchef Horacek. Besonders leicht fällt dies als Vorstandsassistent. Der enge Kontakt zum Management macht sich schnell bezahlt. Nach zwei bis vier Jahren qualifizieren sich Vorstandsassistenten oftmals schon für den nächsten Posten. Kein Wunder also, dass zahlreiche Vorstände in Top-Unternehmen am Beginn ihrer Karriere diesen Job innehatten. Andreas Brandstetter, studierter Politologe, begann beispielsweise 1997 als Assistent des Generaldirektors. Heute ist er Vorstandschef der Uniqa Versicherung.

Dass sich eine strategische Jobauswahl lohnt, zeigt auch der Lebenslauf von Tina Deutsch. Die 30-Jährige stieg über ein spezielles Förderprogramm nach ihrem Uni-Abschluss beim Ölkonzern Shell ein. Dort blieb sie knapp zwei Jahre, dann wechselte sie zur Bawag, um dort nach einem Jahr die Leitung der internen Kommunikation zu übernehmen. „Ich habe dadurch eine Sichtbarkeit bekommen, die mir in anderen Positionen nicht zuteilgeworden wäre. Und mit dieser Sichtbarkeit kann man wichtige Themen vorantreiben.“ Heute arbeitet Deutsch als Managerin bei Deloitte Consulting und berät Unternehmen in strategischen Personalfragen.

Lassen Sie sich fördern!

Christina Hammertinger-Bischof hatte Glück, sie wurde auf ihrem Karriereweg unterstützt. „Meine Chefs haben mich sehr gefordert, aber auch stark gefördert. Sie erkannten meine Interessen und meine Neugierde“, sagt die Henkel-Kommunikationsmanagerin. Ihr fiel es dadurch leichter, beruflich voranzukommen. Wem nicht so viel Aufmerksamkeit zuteilwird, der muss sich aktiv im Unternehmen nach Förderprogrammen erkundigen. Insbesondere internationale Konzerne, aber auch mittelständische Unternehmen entwickeln junge Mitarbeiter in so genannten Talenteschmieden. Wer hier aufgenommen wird, erfährt über Monate, manchmal sogar über mehrere Jahre eine spezielle Schulung.

Beim Elektronikkonzern Siemens trägt sie den Titel „Move“ und umfasst mehrere Förderbereiche von der Persönlichkeitsbildung bis zur Fachkompetenz. In jeden Kandidaten investiert Siemens 9600 Euro. Die Teilnahme an dem Programm geht zwar nicht mit einer automatischen Beförderung einher. Aber „bei jeder Besetzung wird die Talenteliste herangezogen und überlegt, wer könnte eine freie Position besetzen“, sagt Siemens-Personalchef Karl Lang. Und noch einen weiteren Vorteil erwähnen die Teilnehmer, nämlich das so entstandene Netzwerk im Konzern, das ihnen auch nach Beendigung der Talenteschmiede eine wichtige Hilfe im Job ist. Wer ein entsprechendes Programm beim Ölkonzern OMV durchläuft, bekommt sogar eigens einen Coach zur Seite gestellt. Dieser berät in allen Karrierefragen.

Auf den Rat von Karriereprofis hat auch der Swarovski-Manager Riccabona bei seinen Jobwechseln vertraut. Da er schon während seines Studiums zahlreiche Praktika absolvierte und in Netzwerken aktiv war, kennt er mittlerweile hochrangige Manager großer Unternehmen, mit denen er sich regelmäßig berät: „Ich rate jedem, möglichst frühzeitig Kontakte in die Wirtschaft zu wichtigen Managern zu knüpfen.“

Schärfen Sie Ihr Profil!

Zeigen Sie, neben Ihrer breiten Allgemeinbildung, Mut zur Vertiefung in einem Spezialgebiet. Ein MBA in General Management taugt kaum noch, um sich von den Karrieremitbewerbern abzuheben. Ein Special-MBA hingegen schärft die beruflichen Konturen und vereint die Vorzüge eines Business-School-Abschlusses mit jenen einer ganz gezielten Spitzen-Fachausbildung. „Das Master-Programm der TU Wien für Erneuerbare Energie in CEE ist einfach maßgeschneidert“, freut sich etwa der Teilnehmer Norbert Bock.

Wer sich in einem Fachgebiet gut auskennt, sollte dies auch im Internet kundtun. Gerade bei qualifizierten Jobs achten Personaler zunehmend darauf, welche Spuren der Bewerber im Netz hinterlassen hat. Über einen Blog oder Vorträge lässt sich die Expertise herausstellen. Auch Mitgliedschaften in Expertengruppen und ein dichtes Kontaktnetz in der Branche eignen sich, um sich eine Online-Reputation aufzubauen.

Nur wer die Regeln kennt, nach denen heute Karriere funktioniert, wird nicht als ewiger Praktikant enden. trend hat sich daher bei den Personalchefs der großen Unternehmen und unter den jungen Managern umgehört, die bereits erste berufliche Erfolge vorweisen können.

Alles über Traineeprogramme, Netzwerke, Soft Skills und Talenteschmieden: Wie Sie in sieben Schritten den Weg ganz nach oben finden.

Von Martina Forsthuber und Vanessa Voss

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