Mein eigenes Geschäft!

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Gerade in krisenhaften Zeiten will der Sprung ins Unternehmertum wohlüberlegt sein. Franchise bietet den Vorteil eines erprobten Geschäftsmodells. Die bekanntesten Systeme wie McDonald’s sind kaum erschwinglich. Deshalb lohnt ein Blick auf die Gebühren von Newcomern besonders - ab 1000 Euro kann’s losgehen.

Roman Patzelt fiel sofort auf, was fehlte: Kinderbrillen. Der Wiener war über zehn Jahre lang für die Optikerkette Fielmann in Österreich tätig gewesen und wagte vor einem halben Jahr den Weg in die Selbstständigkeit - als erster Franchisenehmer der aus Holland stammenden Optikerkette eyes + more in Österreich. Das Unternehmen setzt auf modische Brillen zu Fixpreisen - wie der Mitbewerb für Erwachsene. Doch Patzelt machte darauf aufmerksam, dass Kinderbrillen in Österreich ein gutes Geschäft sind. Erkannt, gesagt, getan: Schon bald wird es eine eigene eyes+more-Kollektion für die kleinen Kunden geben. "Das System ist noch so jung, dass ich mich einbringen kann“, schwärmt der 39-Jährige.

Wie er wagen immer mehr Österreicher den Sprung in die Selbstständigkeit unter dem Dach eines Franchisesystems. Die Zahl der Franchisenehmer hat in den letzten fünf Jahren um rund 25 Prozent auf knapp 7000 zugelegt. Die Motive sind vielfältig: Mangelnde Karrierechancen oder schlicht Frust lassen immer mehr Angestellte darüber nachdenken, den lang gehegten Traum vom Unternehmertum zu realisieren. Bereits selbstständige Einzelkämpfer suchen mehr Vernetzung mit Kollegen und wollen sich auf das konzentrieren, was sie wirklich gut können. Ein erfolgreiches Franchisesystem kann dabei helfen. Für junge Leute ist die Selbstständigkeit im Netzwerk schon fast normal, meint die Franchiseexpertin Waltraud Martius: "Einer neuen Generation von Unternehmern, die keine Egoisten mehr sein müssen, fällt es leichter zu kooperieren.“

Die Grundidee ist simpel: Der Erfinder des Systems, der so genannte Franchisegeber, stellt gegen Bezahlung eine im Idealfall bewährte Geschäftsidee, ein Konzept, Marke und laufende Betreuung zur Verfügung. Der Franchisenehmer setzt die Idee beim Kunden um, im eigenen Geschäft oder als Dienstleistung.

Zwischen 1000 und 50.000 Euro muss ein hoffnungsvoller Unternehmer üblicherweise mitbringen. Das umfasst Einstiegsgebühr und gefordertes Eigenkapital. Der Rest der Anfangsinvestitionen - etwa für eine Ladeneinrichtung - kann über Kredit finanziert werden. Marinela Mirea, die als Franchisenehmerin der polnischen Kosmetikkette Inglot soeben den ersten Shop in Österreich eröffnete, rechnet nach etwa drei Jahren das Investment zurückverdient zu haben.

Zu den 400 aktuellen Systemen in Österreich kommen regelmäßig neue hinzu - insbesondere aus dem Ausland. Das Unternehmen HomeTime hat beispielsweise die Masterfranchiserechte für die lettische Naturkosmetikkette Stenders erworben und will das Konzept nun in Österreich ausrollen. Und Joachim Richling, Geschäftsführer der ProRest Gastronomiebetriebe in Wien, verhandelt derzeit über die Masterfranchiserechte der französischen Burger-Kette Quick. Wenn die Gespräche Anfang Dezember erfolgreich verlaufen, könnte schon bald das erste Restaurant eröffnen. "Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich es in diesem Geschäft mit einem übergewichtigen Mitbewerber zu tun habe“, sagt Richling.

Billig = teuer?

Er meint natürlich McDonald’s, das erfolgreichste Franchisekonzept der Welt. 1954 vom US-Amerikaner Ray Croc bei der Fast-Food-Kette eingeführt, ist die Marke längst zum Kult geworden, sie beschäftigt Tausende Franchisenehmer auf der ganzen Welt. Doch wer etwa in Österreich eine eigene Burger-Braterei unter dem Logo mit dem gelben M starten möchte, steht auf verlorenem Posten. Nicht nur, dass die wenigen noch zu vergebenden Standorte erst bestehenden Franchisenehmern angeboten werden, auch die als Anfangsinvestition erforderliche Summe von 750.000 Euro schreckt eine Vielzahl an Interessenten ab. Für die Eröffnung eines OBI-Baumarkts oder eines L’Osteria-Restaurants braucht es ebenfalls mehrere hunderttausend Euro Eigenkapital.

Doch nicht überall sind die Eintrittshürden so hoch. Es gibt auch Systeme, die um wesentlich weniger zu haben sind - und dennoch über eine gewisse Erprobtheit verfügen. trend hat eine Auswahl von Franchiseideen recherchiert, die weniger als 50.000 Euro Eigenkapital erfordern (siehe Tabelle).

Wie aber kann man feststellen, ob sich beispielsweise mit dem extrem niedrigschwelligen Handwerkerkonzept "Ehemann zu mieten“ auch eine Existenz gründen lässt? Wie kann man erkennen, ob hohe laufende Gebühren den Startvorteil zunichtemachen? Oder ob ein Geschäft auch nachhaltig rentabel ist?

Kapitalbedarf

Dazu muss man erst einmal die Gebührenmodelle verstehen, bei denen im Wesentlichen zwischen den Einstiegskosten und den laufenden Gebühren unterschieden wird. Wer sich für ein Modell mit eigenem Standort entscheidet, auf den kommen darüber hinaus noch einige Investitionen zu, die aber für viele Unternehmerneulinge schwer zu kalkulieren sind. Die auf Franchisethemen spezialisierte Wiener Anwältin Sylvia Freygner hat dafür eine gute Faustregel parat: "Die Investitionen ins Anlagevermögen sollen in einem vernünftigen Verhältnis zum Umsatz stehen: Idealerweise ein Fünftel eines Jahresumsatzes, die Obergrenze sehe ich bei der Hälfte, geht man von einem hohen Deckungsbeitrag in den ersten Jahren aus.“ Bei projektierten 500.000 Euro Umsatz sollen Ladenbau, Architektur etc. also nicht mehr als 250.000 Euro kosten - "und da sollte die Warenerstausstattung dabei sein“, so Freygner.

Bei diesen Größenordnungen müssen viele passen. Immer mehr Systeme gehen deswegen dazu über, ihr Modell zu differenzieren - in eine Schmalspurversion für kleines Geld bis hin zum Komplettprogramm. Dazu gehört auch Ronny Kokert, Gründer von Shinergy, einer Schule für asiatische Kampfkunst. Wer bei ihm Shinergy als Nebenjob betreiben möchte, kann sich in Fitnesscenter oder Turnsäle stundenweise einmieten und dort Kurse geben. Die Kosten für die Ausrüstung beziffert er mit rund 1200 Euro. Franchisenehmer, die im Hauptjob tätig werden wollen, können eine eigene Schule gründen. Hier belaufen sich die Investitionskosten dann aber auf einen höheren fünfstelligen Betrag.

Noch eine Ausnahme am Franchisemarkt ist das Konzept von Perfect Nails. Die Nagelstudio-Kette stellt ihren Franchisenehmern einen komplett ausgestatteten Laden zur Verfügung, die erste Nagellack-Kollektion inklusive. Die geringen Einstiegshürden sind aber verbunden mit höheren laufenden Systemkosten.

Neu versus etabliert

Eine der unternehmerischen Fragen schlechthin - das Verhältnis zwischen Risiko und Ertragschancen - stellt sich beim Franchising in abgewandelter Form. Ein junges System mit noch keinem oder wenigen Partnern birgt trotz aller Vorplanungen eine höhere Gefahr zu scheitern als ein seit Jahrzehnten am Markt befindliches. Eine Idee, die im Nachbarland perfekt aufgeht, funktioniert in Österreich nicht automatisch. Waltraud Martius, Chefin der Salzburger Unternehmensberatung Syncon, empfiehlt deshalb eine ausführliche Selbstanalyse, bevor man sich für ein bestimmtes System entscheidet: "Wenn man eher der Pionier ist, bin ich bei einem jüngeren System gut aufgehoben. Ein traditioneller Unternehmertyp wählt hingegen vielfach ein erprobtes System.“

Ersteres hat auch den Vorteil, dass man bei den Gebühren größeren Verhandlungsspielraum hat. Der Salzburger Manfred Bliem etwa, erster Franchisepartner des niederösterreichischen Büromöbel-Konzepts Bcomplete, musste beim Start vor vier Jahren noch nicht die 7000 Euro Eintrittsgebühr hinblättern, die heutige Einsteiger bezahlen müssen. Bliem hat schlicht den Nachweis erbracht, dass Bcomplete funktioniert: Inzwischen gibt es schon fast 25 Partner in Österreich und Deutschland. eyes+more-Mann Patzelt hat ähnliche Vorteile daraus geschöpft, dass er der Erste seiner Art in Österreich ist - und dass er der Zentrale darüber hinaus wertvolles regionales Know-how liefern kann: Schließlich weiß er aus seiner Arbeitserfahrung in der Branche eine ganze Menge über günstige Standortlagen und Kundenfrequenzen in Wien. Expertin Freygner findet überhaupt, "dass junge Systeme zu Beginn des Aufbaus keine Eintrittsgebühr verlangen sollten“.

Kaum Spielraum

Wer sich für Franchising entscheidet, kann zwar selbstständiger agieren als in einem Angestelltenverhältnis. Aber natürlich ist der eigene Handlungs- und Entscheidungsspielraum begrenzt. Weder kann ein Franchisenehmer das Unternehmenslogo ändern noch das Sortiment oder die Preise nach seinen Vorstellungen gestalten. Carina Dworak, Betreiberin eines Fitnessclubs der Marke Mrs. Sporty in Wien und verantwortlich für die Auswahl neuer Franchisenehmer in Österreich und weiteren Ländern, hält daher Personen für besonders geeignet, die in der Lage und willens sind, die Vorgaben des Systems umzusetzen: "Bei uns sind die Leute erfolgreich, die umsetzungsstark sind.“ Wer sich hingegen lieber damit befasst, alles anders zu machen, für den ist Franchising suboptimal. Mitgestalten kann man zuweilen in speziellen Gremien. Bei Mrs. Sporty setzen sich die 15 erfolgreichsten Franchisenehmer in Deutschland und Österreich einmal im Monat zusammen und besprechen, wie sich der Fitnesszirkel weiterentwickeln lässt oder das Ernährungsprogramm ankommt.

Dass man sich als Franchisenehmer über Marketing, Produkte und Preise keine Gedanken machen muss, sieht Michael Wukovits als großen Vorteil an. "Ich habe ein Geschäftsmodell gesucht, das ich nebenbei machen kann, da ist Franchising ideal“, sagt der 29-jährige Gastronom, der zusammen mit seiner Frau ein Kultur-Café in Bad Waltersdorf betreibt und diesen Sommer einen tea-licious-Shop als Franchisenehmer im Shoppingzentrum Seiersberg bei Graz eröffnete.

Wer auf solche hippen Trends setzt, geht allerdings hohe Risiken ein. Zum einen muss er harte Konkurrenz fürchten - inzwischen gibt es Bubbletea auch bei McDonald’s. Zum anderen sind gerade die Bestimmungen im Lebensmittelbereich sehr strikt. Bei Bubbletea kam im Sommer der Verdacht auf, er könnte gesundheitsschädlich sein - für Neo-Franchiser wie Wukovits ein herber Rückschlag, weil die Kunden plötzlich ausblieben.

Klar ist deshalb: Ganze Branchen, die eben noch gewachsen sind, können rasch auch wieder schrumpfen. So hängt über den Anbietern von Schüler-Nachhilfe, von denen es in Österreich mit Schülerhilfe, Lernquadrat und Abacus gleich drei große Systeme gibt, das Damoklesschwert einer flächendeckenden Ganztagsschule. Die wird derzeit diskutiert und ließe den Bedarf nach nachmittäglicher Betreuung durch Private schrumpfen. Lernquadrat-Entwickler Konrad Zimmermann hofft zwar darauf, dass die Dinge am Ende weniger heiß gegessen werden, als sie gekocht wurden: "Die Österreicher wissen: Versprechungen von Ministern treffen nicht immer ein.“ Doch zugleich entwickelt er sein System weiter; in Diskussion ist etwa Nachhilfe am Samstag, um für den Worst Case gerüstet zu sein.

Blick über die Grenze

Die mittelfristige Entwicklung der Rahmenbedingungen im eigenen Land zu erkennen ist ebenso wichtig wie Trends, die aus dem Ausland kommen. Marinela Mirea hat die Kosmetikkette Inglot bei einem Dubai-Urlaub entdeckt. Körperpflege und Fitness sind Branchen, die in den letzten Jahren besonders stark gewachsen sind. Auf weitere Boombranchen der Gegenwart - Energieberatung und Gartenplanung - setzen neue Konzepte wie Energiedetektiv oder Servicegärtner, die bei der Franchisemesse Ende November präsentiert werden. Und eine in Zukunft immer stärker gefragte Dienstleistung ist die Hauskrankenpflege: Auch in diesem Bereich, vor einigen Jahren noch wegen der Vielzahl von illegalen Pflegediensten diskutiert, haben inzwischen Franchisesysteme Fuß gefasst, etwa das aus der Schweiz stammende Konzept Home Instead, das derzeit einen Masterfranchisenehmer für Österreich sucht.

Beim großen Nachbarn Deutschland gibt es bereits zwei weitere Anbieter im Pflegebereich. Solche Newcomer bieten Franchisenehmern häufig um wenig Geld den Eintritt in Zukunftsmärkte. Doch natürlich gilt auch, was Susanne Seifert, Chefin des Österreichischen Franchiseverbands, betont: "Nur auf den Preis zu schauen bringt wenig. Ein Franchisenehmer sollte das Pferd von der anderen Seite her aufzäumen und zuerst einmal klären, wo seine inhaltlichen Interessen liegen, bevor er sich an ein System bindet.“

Beim Brillen-Kinderkollektion-Erfinder Roman Patzelt stand die Branche von Beginn an ohnehin fest. Nun sucht er bereits fieberhaft nach seinem zweiten Standort: Donauzentrum und SCS stehen auf seiner Wunschliste ganz oben. "Die Standortsuche ist das Einzige, was mir Kopfzerbrechen bereitet“ - in wirtschaftlich unsicheren Zeiten klingt das nach Luxusproblem.

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