Magister, nein danke!

Magister, nein danke!

Nicht jedem liegt es, sich nach der Matura noch mehr Wissen an einer Hochschule anzueignen. Das ist kein Drama, denn mittlerweile gibt es zahlreiche Wege, direkt in Zukunftsbranchen einzusteigen.

Unter den Lehrlingen beim Stahlkonzern Voestalpine war Brigitte Eblinger eine Ausnahme. Sie war zwei Jahre älter als ihre Kollegen und besaß ein Maturazeugnis. "Ursprünglich wollte ich Musikerin werden, Querflöte war meine Leidenschaft“, sagt sie. Doch der Leistungsdruck und die Konkurrenz, die ihr am Musikgymnasium in Linz begegneten, ließen sie ihren Berufswunsch überdenken. "Da ich ein Stück weit finanzielle Unabhängigkeit haben wollte, habe ich mich für eine Lehre zur Industriekauffrau entschieden“, so die 25-Jährige, die seit ihrem erfolgreichen Abschluss vor fast drei Jahren in der Personalabteilung der Voest-Tochter Böhler-Uddeholm arbeitet.

Matura, was nun? Diese Frage stellen sich jedes Jahr 40.000 Schülerinnen und Schüler in Österreich. Der Großteil beantwortet sie, indem er an einer Universität oder Fachhochschule inskribiert. Aber noch einmal jahrelang Unmengen von Stoff zu lernen ist nicht jedermanns Sache. In diesem Fall gibt es zahlreiche Möglichkeiten, direkt im Beruf durchzustarten . Dies umso mehr, als in Zeiten des Facharbeitermangels beruflich versierte Leute gefragter sind denn je.

Lehre trotz Matura

Die Lehre gehört zu den noch eher zögerlich gewählten Wegen. Dabei bietet sie eine Art Jobgarantie - zumindest in zukunftsträchtigen Branchen. Denn kein Betrieb verabschiedet sich freiwillig von einem viel versprechenden Jugendlichen, nachdem er mehrere zehntausend Euro in ihn investiert hat. Ein Umstand, der mit dafür verantwortlich ist, dass Österreich, wo rund 40 Prozent der Pflichtschüler einen Lehrvertrag unterschreiben, eine relativ niedrige Jugendarbeitslosigkeit hat. Mit 8,9 Prozent liegt sie deutlich unter dem EU-Schnitt von 22,5 Prozent. Nur Deutschland schneidet aktuell noch besser ab.

"Der Wirtschaft gehen aufgrund der demografischen Entwicklung die 16-jährigen Lehranfänger aus. Für Unternehmen ist es daher interessant, Maturanten für eine berufliche Ausbildung zu gewinnen“, sagt Thomas Mayr, Chef des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (IBW). Kein Wunder also, dass Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl erst kürzlich via trend ( Nr. 10/2012 ) mit der Forderung nach einer Express-Lehre aufhorchen ließ. Ein intensives Praxisjahr reicht seiner Meinung nach, um als Maturant den Lehrabschluss zu bekommen. Bisher dauert die Ausbildung in der Regel drei Jahre, kann aber in Absprache mit dem Arbeitgeber verkürzt werden. Eine Möglichkeit, von der Eblinger bei der Voestalpine Gebrauch machte. Ihre Lehrzeit zur Industriekauffrau betrug nur anderthalb Jahre.

Wer ebenfalls in kurzer Zeit zu einer Ausbildung kommen will, kann auch ein Kolleg besuchen. "Gerade für AHS-Maturanten ist das eine gute Gelegenheit, um eine abgeschlossene berufliche Qualifikation zu erreichen“, sagt Monika Neuhauser, Chefin der SAB-Ausbildungsberatung. Kollegs seien in allen Fachbereichen zu finden, in denen es auch berufsbildende höhere Schulen gibt. "Sehr gefragt sind Kunst- und Designkollegs, weil es dort im tertiären Bereich nicht so viele Möglichkeiten gibt oder die Hochschulen sehr strenge Auswahlkriterien haben.“

Boomende Branchen

So wichtig Interessen und Fähigkeiten für die Jobwahl sind, den Arbeitsmarkt sollte man bei seiner Entscheidung nicht außer Acht lassen. Denn wer sich für den Berufseinstieg in einer wachsenden Branche entscheidet, wird sich wesentlich leichter tun, dank seiner erworbenen Fähigkeiten aufzusteigen. Aus der von der Wirtschaftskammer beauftragten Beschäftigungsprognose geht hervor, dass bis 2015 rund 184.600 neue Arbeitsplätze in Österreich entstehen werden, ein Drittel davon im Gesundheits- und Sozialwesen.

Eine immer älter werdende Bevölkerung, medizinisch-technischer Fortschritt und ein steigendes Gesundheitsbewusstsein lassen diese Branche kräftig wachsen, insbesondere im Pflegebereich. Wie angenehm es ist, umworben zu werden, erfahren Absolventen der Gesundheitsschulen bereits heute. Sie finden in kürzester Zeit einen Job oder können sogar aus mehreren Angeboten wählen. Zudem gibt es für sie neue Möglichkeiten, sich auch neben dem Job fortzubilden. Dazu gehört etwa das Online-Studium Pflegewissenschaft und -praxis an der Paracelsus Universität Salzburg.

Als weitere Zukunftsbranchen gelten der Tourismus und die Elektrotechnik beziehungsweise Elektronik. Wer dort über eine Lehre einsteigen will, sollte sich zum Elektroinstallationstechniker, Elektromaschinentechniker oder zum Mechatroniker ausbilden lassen, empfiehlt das Arbeitsmarktservice.

Extraprogramm

Im Handel finden Maturanten spezielle Angebote vor allem bei großen Unternehmen. Während sie bei der Supermarktkette Billa ein fünfmonatiges Ausbildungsprogramm durchlaufen, um dann die Leitung einer Filiale zu übernehmen, bietet Peek & Cloppenburg, das in Österreich mit einem Dutzend Modehäusern vertreten ist, den Beruf des Handelsfachwirts (Hafi) an. Die Ausbildung sieht vor, in drei Jahren gleich drei Abschlüsse zu machen: Einzelhandelskaufmann, Handelsfachwirt und die interne Prüfung zum Abteilungsleiter. Nikolaus Beninda, 28, arbeitet seit bestandener Hafi-Ausbildung als Abteilungsleiter bei P&C auf der Kärntner Straße in Wien, wo er für Strickwaren zuständig ist. Seine Karrierechancen schätzt er als sehr gut ein: "Ich durfte gleich nach der Ausbildung mit einem internen Einkäufer-Abteilungsleiter-Seminar beginnen, um auf meine nächste Position hinzuarbeiten.“

Dass man sich ständig weiterbilden muss, ist für viele junge Erwachsene heute eine Selbstverständlichkeit. Marie Leitner, die die Glasfachschule Kramsach besuchte und seitdem als Konstrukteurin bei Waagner-Biro in Wien arbeitet, hat sich sogar entschieden, doch noch an die Uni zu gehen: "Ich möchte berufsbegleitend studieren, um in meinem sehr technischen Job auf einem hohen Niveau arbeiten zu können.“

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