"Erholung lässt sich nicht erzwingen“

Mediziner Egon Humpeler im Interview über den idealen Urlaub.

trend: Brauchen wir eigentlich Urlaub?

Humpeler: Urlaub ist eine wichtige Gesundheitsmaßnahme. Der Mensch braucht Pausen, sowohl kürzere bei der täglichen Arbeit als auch mehrere freie Tage an einem Stück. Wir haben in mehreren Studien nachgewiesen, dass sich Urlaub sehr positiv auf die Gesundheit, etwa den Blutdruck, den Stoffwechsel und die Blutfette, auswirkt und auch zu einer positiveren Lebenseinstellung führt.

trend: Wie macht man richtig Urlaub?

Humpeler: Das Wichtigste ist, sich ehrlich zu überlegen, was einem Freude macht: Sind es sportliche Aktivitäten, ist es das Kennenlernen neuer Städte und neuer Menschen oder das ruhige Lesen am Strand? Weiters ist eine gewisse Planung notwendig: Wann gibt es welche Aktivitäten? Was soll gemeinsam mit dem Partner oder der Familie unternommen werden, was für einen Freiraum möchte ich für mich alleine haben? Der dritte Schritt zu einem gelungenen Urlaub heißt: Runter mit dem Erwartungsdruck. Glückseligkeit lässt sich nicht erzwingen, Erholung auch nicht.

trend: Muss man verreisen, um sich zu erholen?

Humpeler: Nein, auch zu Hause ist ein Urlaub möglich. Aber auch dafür sollte man planen, was man machen möchte.

trend: Gibt es eine ideale Mischung zwischen Aktivität und Faulenzen?

Humpeler: Grundsätzlich neigen wir dazu, zu viel in die zur Verfügung stehende Zeit hineinzupacken. Diese Gefahr besteht auch für den Urlaub. Im Zweifelsfall gilt: Weniger ist besser. Ein Anhaltspunkt ist, dass der Urlaub ein Kontrast zum Alltag sein sollte. Wer körperlich sehr angestrengt arbeitet, dem wird Ruhe gut tun; wer den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, sollte sich mehr bewegen. Es ist klinisch nachgewiesen, dass Bewegung unsere Gesundheit fördert und ein wirksames Mittel gegen Burn-out ist. Aber bitte nicht zu viel Aktionismus, sonst ist der Urlaub am Ende die Fortsetzung des stressigen Alltags unter verschärften Bedingungen.

trend: Viele Experten sagen, dass ein Urlaub zwei bis drei Wochen dauern sollte, darunter bringt er nichts an Erholung. Haben kürzere Urlaube gar keinen Erholungseffekt?

Humpeler: Lange Zeit haben die Mediziner die Meinung vertreten, dass ein gelungener Urlaub drei Wochen braucht. Aber das ist in der heutigen Arbeitswelt realitätsfern. Auch eine Woche Urlaub hat einen Erholungseffekt und ist besser als gar keine Ferien. Wir starten daher im Herbst mit einer neuen Studie, die die Wirkung von Kurzurlauben untersucht. Ich halte es für möglich, dass ein regelmäßiger Kurzurlaub alle zwei bis drei Monate ähnlich positive Auswirkungen hat wie ein längerer Urlaub im Sommer.

trend: Und wie urlaubt der Freizeitexperte Humpeler selber?

Humpeler: Na ja, meine Frau sagt immer, ich predige Wein und trinke Wasser. Ich habe eine große Praxis in Bregenz, daher sind meine Urlaube auch eher kurz. Aber ich gehe immer wieder zwischendurch in die Berge, vor allem auf den Pfänder, da kann ich zurückschalten und wieder zu mir kommen. Und angesichts des gewaltigen Bergpanoramas ringsherum wird mir bewusst, dass viele Dinge nicht so wichtig sind, wie man glaubt. Das ist meine Pause.

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