Kameratest: Spieglein, Spieglein in der Hand

Sie sind die besten Fotoapparate für Amateure und Semiprofis, die derzeit erhältlich sind: die neuesten Spiegelreflexkameras von Canon, Nikon & Co. Vier Profifotografen testeten die fünf Top-Modelle – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Die Location, ein Fotostudio in Wien-Neubau, war den Profifotografen zwar vertraut, nicht aber die Rolle, die sie einnehmen sollten. „Ich bin schon seit Jahrzehnten nicht mehr fotografiert worden“, gesteht trend-Fotografin Heidi Michel-Debor. Was für ein Versäumnis! Im Profistudio ihres Kollegen Thomas Schauer wird das nachgeholt. Und so nebenbei unterziehen vier Spitzenfotografen bei dem Shooting die neuesten Spiegelreflexkamera-Modelle einem intensiven Test.

Auf dem Tablett liegen die Canon EOS 40D, die Nikon D300, die Olympus E-3, die Panasonic Lumix DMC-L10 und die Sony Alpha 700. „Die wichtigsten Funktionen findet man bei allen neuen Modellen erstaunlich schnell“, so Gastgeber Schauer, „bis man aber wirklich alle Extras beherrscht, dauert es sicher einige Zeit.“

Die jüngste Generation semiprofessioneller Digicams hat einen wahren Schub an Komfort, Technik, Leistung und Bildqualität gebracht. „Das analoge Zeitalter in der Fotografie ist endgültig zu Ende“, sagt Porträtspezialist Lukas Ilgner und bekommt die Zustimmung aller Kollegen, wenn auch mit Wehmut besonders an die alten Mittelformatkameras erinnert wird. Themen wie eine zu lahme Auslöseverzögerung oder die mühsame manuelle Sensorreinigung sind bei den digitalen Testkandidaten Vergangenheit.

Bis auf die Panasonic Lumix schaffen auch alle Kameras zumindest fünf Bilder pro Sekunde. Die neue Nikon D300 bringt es mit optionalem Multifunktionsgriff sogar auf acht Bilder pro Sekunde. Davon träumte der ambitionierte Hobbyfotograf bislang, um den besten Moment bei sportlichen Events festhalten zu können. Als für Sportfotografen am bes­ten geeignet kristallisiert sich aber die Canon EOS 40D her­aus, die in der Grundausstattung mit 6,5 Bildern pro Sekunde sogar noch etwas schneller als die deutlich teurere Nikon ist. Die Canon verfügt noch dazu über einen extrem schnellen Autofokus. „Mir war die Canon vom ersten Schuss an sympathisch“, erklärt Heidi Michel-Debor. Thomas Schauer hingegen missfiel das „etwas schrottige“ Gehäuse, das zum Teil noch aus Kunststoff gefertigt ist. Angetan waren die Tester vor allem von den vielseitigen Einsatzmöglichkeiten; dank eigener Motivprogramme etwa für Sportfotos, Porträts oder Nachtaufnahmen kommen auch Amateure ohne Erfahrung zu sehr guten Ergebnissen.

Auf derartige Hilfen hat Nikon bei der D300 als einziger Hersteller völlig verzichtet. Die neue Nikon gefiel den Profis, die schwere, große, gut in der Hand liegende Kameras bevorzugen, am besten. trend-Fotograf René Prohaska konnte sich aber auch für die Olympus E-3 erwärmen. „Die hat ein tolles Sucherbild und ein bewegliches Display, das im Vergleich zur Lumix auch bei schräger Betrachtung noch gut zu sehen ist.“ Kritik übten dafür die anderen Tester an den unübersichtlichen Displayinformationen und Bedienelementen der E-3. „Sie lässt sich nicht intuitiv bedienen, die vielen Informationen überfordern eher“, so Ilgner.

Unisono erstaunt waren die Tester von den relativ günstigen Preisen der neuen Kameras, die im Handel ohne Objektiv um rund 1000 Euro (Canon EOS 40D) bis 1650 Euro (Nikon D300) zu haben sind. Vor einem Jahr hatten Modelle mit diesen Leistungsdaten noch fast das Doppelte gekostet. In Sachen Bildqualität, Ausstattung und selbst Verarbeitung (teils staub- und spritzwassergeschützt) können sie oft schon mit der Profiklasse mithalten.

Wirklich neu ist, dass nun alle Kameras – außer der Sony Alpha 700 – Live View bieten. Damit soll der bisherige Nachteil von Spiegelreflex- gegenüber Kompaktkameras, nämlich dass das Motiv nur durch den Sucher anvisiert werden kann, behoben werden. Live View bietet die Möglichkeit, das Bild des Suchers auf dem oft schwenkbaren Display zu zeigen. Der Nachteil: Das übliche Autofokussystem ist nicht mehr so einfach einsetzbar, und die Handhabung ist laut den Testern etwas kompliziert. Nikon, Olympus und Panasonic bieten deshalb ein zusätzliches System zur Scharfstellung an, das aber nicht ganz so schnell und präzise arbeitet. Dafür waren die Fotografen begeistert, dass es nun möglich ist, mittels Lupenfunktion Bildausschnitte noch vor der Aufnahme am Display zu vergrößern und exakt manuell scharf zu stellen.

Generell sehr positiv wurden die neuen Displays und Sucher beurteilt. „Alle Sucherbilder sind deutlich besser geworden, und die Displayqualität hat die der Profimodelle nun überholt“, meint trend-Fotograf René Prohaska. Die Monitore sind bei den Modellen von Canon, Nikon und Sony mit drei Zoll sehr groß geraten. Sony und Nikon bieten eine Auflösung von 920.000 Bildpunkten, während die anderen Kameras nur 207.000 bis 230.000 Bildpunkte haben. Die Olympus E-3 und Panasonic Lumix verfügen dafür über ein klapp- und drehbares Display, das sich wiederum bestens für den Live-View-Betrieb eignet, um aus völlig neuen Perspektiven fotografieren zu können. „Mit dem Display der Olympus kann man sogar Selbstporträts machen“, freut sich Prohaska und grinst in seine Testkamera.

Neben der Nikon waren die Tester vor allem von der Sony Alpha 700 angetan. Solide Verarbeitung, ergonomische Handhabung, ein sehr farbechtes Display waren einige der genannten Pluspunkte.Den geringsten Anklang fand die Panasonic Lumix, die den Profis zu klein und leicht war und einen „schwammigen“ Auslöser hat.

Eine große Hilfe gegen verwackelte Bilder bieten die neuen Bildstabilisatoren, die direkt in der Kamera (bei Sony und Olympus) oder in den Objektiven eingebaut sind. Olympus beansprucht für sich, das effektivste, direkt ins Kameragehäuse integrierte System zu haben. Dadurch sind unter anderem die Optiken (ohne Bildstabilisatoren) günstiger. Laut Olympus können nun sogar bis zu fünf (üblich waren bislang drei bis vier) Lichtwertstufen kompensiert werden.

Bis auf den Gastgeber Schauer, der schon seit sieben Jahren digital fotografiert, haben die Tester erst vor ein bis zwei Jahren ihre analogen Kameras eingemottet. „Seit zwei Jahren ist die Qualität der digitalen Kleinbildkameras schon mit analogen Kameras vergleichbar“, meint Ilgner, für den der Umstieg kein Problem war. „Man kann mehr machen, und die Materialkosten sind geringer.“ Aber wirklich auskosten lässt sich diese neue digitale Qualität laut den Profis nur, wenn man in den Rohdatenformaten (z. B. RAW) und nicht in komprimierten Formaten wie JPG fotografiert. Die Bearbeitung dieser digitalen Negative verlangt aber weitere Inves­titionen an Zeit für die Ausarbeitung der Fotos am Computer.

„Wichtiger, als viel Geld in Kameragehäuse zu stecken, sind gute Objektive“, empfiehlt Thomas Schauer. Da sollten aber die neuen, für die digitalen Kameras konstruierten Objektive genommen werden. Die alten, für analoge Apparate gebauten Optiken zeigen in Kombination mit digitalen Kameras mitunter erkennbare Verzeichnungen. Das Resümee Schauers fällt jedenfalls sehr positiv aus: „Wer die neue Kamerageneration richtig einsetzt, kann auch als Amateur Spitzenfotos schießen.“ .

Von Alfred Bankhamer

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