Josef Taus plant seinen Rückzug

Langsam, aber sicher löst sich der Ex-ÖVP-Politiker und Libro-Eigentümer Josef Taus von seinem Mischkonzern MTH und stellt die Weichen in Richtung Rückzug. Nun matchen sich dort die Kandidaten um seine Nachfolge.

Mit dem Älterwerden hat Josef Taus keine Probleme. Zumindest mit dem seiner Ex-Politikerkollegen nicht. Der ehemalige VP-Spitzenkandidat (NR-Wahl 1979, gegen Bruno Kreisky) bricht mit Vehemenz eine Lanze für Wolfgang Schüssel, hin und wieder medial infrage gestellter Klubobmann und ebenfalls Ex-Spitzenkandidat der ÖVP: „Wolfgang Schüssel ein Fossil, das zurücktreten soll? Der wird nie ein Fossil, selbst mit 90 nicht. Andere hingegen denken schon mit 40 Jahren nur mehr an die Pension.“

Wenn es allerdings um seine eigenen 75 Jährchen geht, da wird der strategische Kopf und Haupteigentümer der börsennotierten Management-Trust-Holding (MTH), eines ganzen Bauchladens an verschiedensten Unternehmensbeteiligungen aus Handel, Industrie und Finanz, in jüngster Zeit durchaus etwas nachdenklicher: „Mein Gott, eine Krankheit in unserem Alter überlebt man mit Glück noch. Aber die Arbeitskraft ist weg.“ Das klingt nicht nur nach dem mulmigen Gefühl vor einem anstehenden Zahnarztbesuch. Das klingt nach Regelung des Nachlasses, das klingt nach Ordnungschaffen in einem im Laufe der Zeit nicht immer nachvollziehbar gewachsenen Sammelsurium an Beteiligungen – und das ist es auch. Josef Taus will sich zunehmend aus dem operativen Geschäft zurückziehen, die MTH neu ausrichten und den oder die Nachfolger bestimmen. „Man muss alles so herrichten, dass Junge das Ruder übernehmen können – und das bereiten wir jetzt vor.“

Auch wenn leichter Zweifel angebracht ist, ob ein Typ wie Josef Taus tatsächlich Entscheidungsgewalt abgeben kann – er wäre jedenfalls keine Sekunde zu früh dran. Taus führt (mit Partner Friedrich Paschke, Techniker und Universitätsprofessor) einen mit drei Prozent Streubesitz an der Wiener Börse notierten Mischkonzern aus scheinbar willkürlich zusammengekauften Unternehmen. Im Bereich Handel finden sich mit Libro, Pagro und e.plus (ein Großhandelsunternehmen) die bekanntesten Marken. Der Industriezweig versammelt u. a. Hersteller von Zutrittssystemen für Parkplätze (Designa) oder Skiliftanlagen (Axess) und einen Maschinenbauer für die Autoindustrie (Krause & Mauser). Der Finanz-/Beratungsbereich wartet mit dem Venturekapitalunternehmen IPO, mehreren Beteiligungsfonds (Athena) und diversen Consultingunternehmen auf.

Alles miteinander ergibt das jedenfalls einen Konzern, der knapp unter den Top 100 der heimischen Unternehmen Platz finden würde. Allerdings, und das ist weniger ein Manko als bewusste Strategie – so rasende Performer haben sich in der MTH und rundherum bis dato noch nicht eingefunden, die richtigen Highflyer fehlen. Und das, obwohl Taus durchaus Risiko eingeht und sich in seiner Beteiligungsstrategie ausschließlich auf Sanierungskandidaten konzentrierte. Taus: „Was glauben Sie, als wir mit unserer Unternehmerkarriere begonnen haben, waren wir alle schon über 60 Jahre, und für andere Unternehmen hatten und haben wir einfach kein Geld.“ Doch ohne wirkliche Cash Cows in der Gruppe könnte sich schnell bemerkbar machen, dass der Mischkonzern mit seinen weitgehend synergielosen verschiedenen Standbeinen zwar durchaus branchenübergreifenden Risikoausgleich bietet, aber die Kräfte nicht in eine einzige Richtung gebündelt werden können. Libro macht nach dem Konkurs zwar einen soliden Eindruck, hat aber Schwierigkeiten, die bis zu einem Drittel des Sortiments gehenden Überschneidungen mit der Konzernschwester Pagro zu erklären. Anderenorts wiederum gibt es harten Wettbewerb bei den Zutrittssystemen (mit Skidata), eine zunehmend schwieriger werdende Situation in der Autoindustrie (Krause & Mauser) und das schwankende Geschäft eines Venturers (IPO). Und dass Taus’ Business nicht unriskant ist, zeigt die Vergangenheit. Das eine oder andere Engagement ging schief, unter anderen etwa beim Motorradhersteller KTM, bei der Elektrokette Makro-Markt und beim Akustikgerätehersteller AKG. Oder man geht bei Akquisitions­bemühungen leer aus: etwa bei der Dämmstoffsparte der RHI (Heraklith), bei der Elektrokette Cosmos, der Druckerei Strohal oder bei Bösendorfer. Da nutzt es auch nichts, wenn Taus betont, die langsame, aber sichere Wertsteigerung sei ihm lieber als kurzfristige Maximalgewinne.

Immerhin – die langsame Wertsteigerung konnte er bis dato durchaus umsetzen: Die Unternehmensgruppe ist in den 14 Jahren ihres Bestehens auf durchaus beachtliche 473,3 Millionen Euro (2007) Nettoumsatz gewachsen (als teilweiser Handelskonzern könnte Taus auch noch, wie üblich in Österreich, etwa 70 Millionen Umsatzsteuer dazurechnen), dazu kommen noch einmal rund 60 Millionen Euro aus dem außerhalb der MTH organisierten Druck- und Verlagsbereich (P&V-Holding) und Umsatzanteile aus seinen Venturekapitalfonds. Das Ebitda (also Gewinn vor Steuern und Abschreibungen) gibt Taus für 2007 mit eher bescheidenen 28 Millionen Euro an. Der Gewinn wird großteils im Konzern belassen – das freut die dortigen Manager. Martin Waldhäusl, Libro-Chef: „Mit privaten Eigentümern kann man halt nachhaltiger wirtschaften.“ Die Umsatzsteigerung zum Vorjahr (426 Millionen Euro) beträgt immerhin elf Prozent „organisches Wachstum“, wie Taus stolz anmerkt, für heuer wird ein Plus von knapp zehn Prozent angepeilt – und da sind mögliche Neuerwerbe nicht miteingerechnet.

Aber dennoch: Eine Entscheidung über die zukünftige Strategie der MTH ist tatsächlich überfällig, gesteht auch Taus – „Es geht darum, in welche Richtung sich unser Konzern weiterentwickeln soll“ – und sucht nach einem Schwerpunkt. Gefunden hat er ihn noch nicht, dafür leitet er zumindest einmal den Generationenwechsel ein. Und es ist keineswegs sicher, dass automatisch Schwiegersohn und Libro-Manager Martin Waldhäusl („Ganz brav“, Taus) das Ruder dort alleine in die Hand bekommt. Denn für den Wechsel erweitert Taus nämlich den Vorstand der MTH von zwei auf drei, „eventuell auch vier“ Personen: Zusätzlich zu Waldhäusl und dem langjährigen Finanzexperten im Konzern, Werner Weber, sitzt nun auch Thomas Waibl (Designa) im MTH-Vorstand. Gemeinsam mit ein paar anderen High-Potentials wie Roland Feichtl (Krause & Mauser) und auch der eigenen Tochter („Sie wird wohl müssen“, Taus) stehen alle nun auf der Watchlist für die Nachfolgeregelung. Das ist den meisten wohl mehr als bewusst. Designa-Chef Thomas Waibl: „Ich hätte nichts dagegen, mehr Verantwortung zu übernehmen.“ Taus: „Es geht um die richtigen Leute“, und nachdenklicher: „Es geht immer um die richtigen Leute.“

Auch an der Börse wäre man über eine klare Richtungsentscheidung in dem konturlosen Mischkonzern glücklich. Mangels Börsenstory und durchgehender Aktionärsinformation fordert der Interessenverband für Anleger (IVA) schon lange einen Rückzug von der Wiener Börse und ein Abfindungsangebot für den Streubesitz. Bisher ist die Kritik an dem mit Informationen eher sparsam umgehenden Konzernlenker Taus abgeprallt wie das Bemühen von Libro, endlich die Buchpreisbindung abzuschaffen. Aber in der jetzigen Umbruchphase könnte es auch da eine Neuorientierung geben. Immerhin ist auch der mit 40 Prozent der Anteile gar nicht so kleine Mitbesitzer der MTH, die Hypo-Unternehmensbeteiligungs AG (eine Gruppe privater und institutioneller Investoren unter der Führung der Hypo Vorarlberg), zunehmend unglücklich über die Situation. Hypo-Vorstand Harald Pöttinger: „Wenn wir nicht aktiver werden, macht eine Börsennotierung für die MTH eigentlich keinen Sinn.“ Wenn es nach ihm ginge, würde die MTH wohl lieber heute als morgen von der Börse verschwinden, lässt Pöttinger einen Vorstoß in diese Richtung erwarten: „Eine Entscheidung wird kommen müssen.“ Mit ein Grund für Pöttingers Unzufriedenheit wird wohl auch die restriktive Dividendenpolitik des Mehrheitseigentümers sein. Und so dürfte das Zurückfahren seiner 40-Prozent-Anteile auf eine plausible Sperrminorität ganz oben auf seiner To-do-Liste stehen. Damit wäre das Erbe des Querdenkers und in keine Schablone passenden Unternehmers wieder unantastbar im engsten Familien- und Bekanntenkreis gelandet. Wenn Menschen vom Schlage eines Josef Taus ihre Träume verwirklichen, haben nur wenige Personen an ihrer Seite Platz.

Von Markus Groll

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