Investment: Wir sind Heuschrecken

Private-Equity-Fonds zählen zu den exklusivsten Anlageformen. Über eine Hintertür können aber auch Privatanleger in die Welt des ganz großen Geldverdienens einsteigen.

Der bislang letzte Medienauftritt Christian Wildmosers fiel höchst einsilbig aus: „Ich wünsche den beiden Unternehmen für die Zukunft viel Erfolg.“ Zu mehr konnte oder wollte sich der Manager des Private-Equity-Fonds CVC, der versucht hatte den Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm zu übernehmen und gegen die voestalpine den Kürzeren zog, nicht mehr durchringen. Manch österreichischer Kleinanleger verfolgte das Schauspiel nicht ohne Häme. Während die milliardenschweren Fonds schon durch bloße Ankündigungen Kurs-Erdbeben auslösen, bleibt ihnen für den Fall einer Übernahme bloß die Hoffnung auf ein faires Ablöseangebot – und die Bestätigung des Vorurteils: „So richtig verdienen werden da ja doch wieder nur die Großen.“

Mit ihren exklusiven Einstiegsschwellen verwehren die meisten Private-Equity-Fonds selbst wohlhabenden Anlegern das Entree. Das lukrative M&A-Geschäft (Firmenfusionen und -übernahmen – Mergers & Akquisitions) ist die Domäne dieser Fonds – vom deutschen Vizekanzler Franz Müntefering wegen ihrer aggressiven Vorgangsweise respektlos als „Heuschrecken“ tituliert. Ungeachtet derartiger Vergleiche brummt das Geschäft wie nie zuvor: Allein im ersten Quartal bewegten Private-Equity-Fonds rund eine Billion Dollar.

Zu dieser viel geschmähten, aber wegen der hohen erzielbaren Profite ebenso viel beneideten Investment-Oberliga hat nur Zutritt, wer Millionen zu veranlagen hat. Selbst kleinere Fonds starten mit Mindesteinlagen in Millionenhöhe. „Bei uns beginnt es mit fünf Millionen Euro“, so Yves Dudli, Partner der Private-Equity-Gesellschaft capvis, die unter anderem den Börsegang von Polytec organisierte.

Niedrige Schwellen. Doch die Zeiten ändern sich. Die meisten der in Österreich zugelassenen Dach-Hedgefonds bieten inzwischen auch schon Kleinanlegern mit einem Einsatz von wenigen hundert Euro die Möglichkeit, wenigstens mittelbar am M&A-Business zu verdienen. „Rund zehn bis 15 Prozent der Anlegergelder in unserem Dachfonds sind im Bereich M&A investiert“, berichtet Markus Ploner, Geschäftsführer der Spängler KAG.

Hedgefonds dürfen in Österreich nämlich nicht direkt verkauft werden. Erlaubt sind nur so genannte „Dachfonds“ – also Konstruktionen, unter deren „Dach“ mehrere Subfonds zusammengefasst sind. Ein Teil dieser Subfonds kann sich im M&A-Bereich tummeln. Zweck dieser gesetzlichen Regelung ist es, eine möglichst breite Risikostreuung zu erzielen. „Einen Fonds, der sich ausschließlich mit dem Bereich M&A beschäftigt, würde ich einem Privatanleger ohnedies nicht empfehlen, weil das Risiko hier viel zu groß ist“, meint Mathias Bauer, Geschäftsführer von Raiffeisen Capital Management (RCM).

„In unserem Dach-Hedgefonds haben wir rund 15 Prozent im M&A-Bereich veranlagt. Derzeit läuft das sehr gut“, sieht Christoph Kampitsch, Head of Alternative Investments der Erste Bank, in diesem Bereich gute Investmentchancen, von denen auch Kleinanleger profitieren können. Von einer einseitigen Ausrichtung auf diesen Bereich hält er allerdings nicht viel, denn „es gibt auch Zeiten, da läuft hier gar nichts. Zwischen den Jahren 2000 und 2002 hat diese Strategie einfach ganz schlecht funktioniert.“

Gute Zahlen. Derzeit aber liefern die M&A-Strategien recht ordentliche Renditen. So weist der „event driven multy strategy“-Index von Tremont/Credit Suisse – dieser bildet noch am ehesten die Hedgefondsgewinne durch M&A-Aktivitäten ab – für das hektische erste Quartal einen Gewinn von rund 4,2 Prozent aus, was aufs Jahr gerechnet knapp 17 Prozent bedeuten würde. Trotz der heftigen Turbulenzen an den Börsen sind selbst im Februar kaum negative Performancezahlen unter den Tremont-Hedgefondsindizes zu finden. Ein Grund, warum Schweizer Banken diesem Bereich einige Aufmerksamkeit widmen. „In den von uns gemanagten Portfolios sind 20 bis 40 Prozent Hedgefonds enthalten“, so Eric Syz, Chef der Schweizer Privatbank Syz & Co. Auch österreichische Anleger können hier einsteigen. Johannes Berger-Sandhofer, der in Österreich die Fonds der Bank Syz vertreibt: „In Österreich sind drei Fonds steuerlich vertreten, die sich alle in unterschiedlichem Ausmaß mit M&A-Strategie beschäftigen.“ So setzt etwa der ACE Multi Arbitrage-Fonds zu rund 30 Prozent auf das Thema Firmenübernahmen und -verschmelzungen.

Wer das Risiko nicht scheut, der kann auch direkt auf die M&A-Strategie setzen. Kürzlich präsentierte das Hamburger Investmenthaus HCI einen geschlossenen Private-Equity-Dachfonds, der sich auch an gehobene Durchschnittsanleger wendet. Wenn die Private-Equity-Attacke auf Böhler-Uddeholm auch vorerst erfolglos bleib – einen Effekt hatte sie jedenfalls: Sie hat die Möglichkeit, an Übernahmen zu verdienen, wieder verstärkt ins Bewusstsein breiter Anlegerschichten gerückt.

VON FRANZ C. BAUER

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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