Investment: Aktien für stürmische Zeiten

Nicht immer sind die Papiere, die die höchste Dividendenrendite abwerfen, die besten. trend präsentiert jene Titel, die langfristig und sicher mehr als Sparbücher und Anleihen bringen.

Für Anleger kann es 2007 ungemütlich werden. Nach drei – besonders für die Wiener Börse – tollen Jahren wird die Luft langsam dünner. Angst vor wieder steigenden Energiepreisen, einer höheren Inflation und den Folgen einer prognostizierten Konjunkturdelle in den USA dämpfen die Risikofreudigkeit. Doch trotz der wachsenden Gefahren erscheinen die „sicheren“ Alternativen – Anleihen und Sparbücher – nicht wirklich verlockend. Zwischen zwei und drei Prozent bei Sparbüchern und weniger als vier Prozent bei Anleihen decken nach Abzug der KESt nur unwesentlich mehr als die Geldentwertung.

Also doch wieder Aktien? Sicher ist 2007 nur eines: Die Unsicherheit an den Börsen wird größer. Zahlreiche Analysten rechnen zwar mit einem insgesamt guten Aktienjahr, das die Nerven der Anleger allerdings durch größere Schwankungen strapazieren dürfte. „Die Märkte sind korrekturgefährdet“, warnt Helge Rechberger, Aktienanalyst der Raiffeisen Zentralbank (RZB), vor Gegenwind. Dennoch führt seiner Meinung nach auch heuer kein Weg an Beteiligungspapieren vorbei: „Für das Gesamtjahr sollten Anleger auf jeden Fall Aktien übergewichten.“ Allerdings wird dabei die Auswahl der Papiere eine größere Rolle spielen als in den doch überwiegend angenehmen Börsejahren seit 2002. Die Strategie, mit der immer mehr Anleger die raueren Börsezeiten überstehen, lautet: Kaufen Sie Aktien mit hoher Dividendenrendite.

Also jene Papiere, die eine hohe Ausschüttung je Aktie bezogen auf den Ausgabekurs bringen. Dafür sprechen einige gute Argumente:

• Argument Nummer eins: Lukrative Alternativen zu Aktien sind derzeit kaum zu finden. Erste-Chefanalyst Friedrich Mostböck erklärt: „Die Gewinnrenditen der Aktien liegen deutlich höher als die Renditen der Anleihen.“ Zwar schlägt sich dies nicht immer in höheren Dividenden nieder, doch das eingesetzte Geld wird bei Aktien besser verzinst als bei Anleihen. „In den vergangenen 20 Jahren haben Aktien im Vergleich mit Renten nicht so günstig abgeschnitten wie jetzt“, so RZB-Analyst Helge Rechberger. Der langfristige Renditevergleich spricht also klar für Aktien.

• Argument Nummer zwei: „Wir rechnen damit, dass heuer zahlreiche Unternehmen ihre Dividenden erhöhen“, prognostiziert Norbert Janisch von Raiffeisen Capital Management (RCM). Er managt einen Fonds, der ausschließlich nach Dividendenstrategie investiert.

• Argument Nummer drei: Aktien werden laut Analystenprognosen zwar auch heuer die Anleihen schlagen, doch die Volatilitäten werden größer. „Dividendenstarke Papiere weisen in diesem Umfeld üblicherweise niedrigere Kursschwankungen auf“, weiß Mostböck.

Auf den ersten Blick wirken die Argumente überzeugend und die Schlüsse, die Anleger daraus ziehen können, naheliegend: Man suche die Aktien, die die höchsten Dividendenrenditen aufweisen (eine etwas mühsame Recherchearbeit, aber zahlreiche Finanzportale im Internet bieten diese Information), und schon ist das perfekte Investment für turbulente Zeiten auf der Welt. Doch ganz so einfach geht’s nicht.

Kontinuität. „Eine hohe Dividendenrendite allein ist zu wenig“, warnt Norbert Janisch. „Es genügt nicht, dass ein Unternehmen viel ausschüttet, weil das Management keine Wachstumsmöglichkeiten sieht und ihm halt sonst nichts einfällt.“ Eine ausgewogene Balance zwischen Investitionen und Ausschüttung sei wichtig, und auch Dividenden-Eintagsfliegen haben keine Chance: Kontinuität ist wichtig.

Schließlich kommt es auch noch darauf an, die richtige Branche zu treffen. Monika Rosen, Chefanalystin im BA-CA Asset Management, nennt die Favoriten: „Heuer werden Telekom-Unternehmen, Ölaktien und Finanzwerte besonders interessant sein.“ Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Telekom-Aktien zählten vergangenes Jahr nicht gerade zu den Lieblingen der Anleger. Die teuren UMTS-Frequenzen (diese mussten im Jahr 2000 von den Unternehmen ersteigert werden, um neue Frequenzbereiche für Mehrwertdienste zu bekommen) drückten auf die Bilanzen. Doch nicht nur hohe Schulden vergraulten potenzielle Käufer. Das Festnetzgeschäft stagniert, und bei der Mobiltelefonie prägt ein Tarifkampf das Geschäft. Daher verlief das vergangene Jahr für die Telekom-Aktie nicht besonders erfreulich.

Dennoch – inzwischen konnten die Schuldenberge zum Teil abgetragen werden, die Gewinne erholten sich, und die nunmehr niedrigeren Kurse führen bei gleich hohen Ausschüttungen zu höheren Renditen, bezogen jeweils auf den Kaufkurs.

Ähnliches gilt für Ölaktien. Auch diese zählen laut Rosen zu den derzeit „rentabelsten“ Investments. „Ölkonzerne haben immer schon hohe Dividenden ausgeschüttet“, berichtet die Analystin. Mit der Vervielfachung der Erdölpreise sprudelten die Gewinne der Branche kräftiger denn je. Doch mit dem Ende des vergangenen Jahres einsetzenden Preisrückgang bei Erdöl gerieten auch die Kurse der Ölmultis unter Druck. Spekulanten hatten den Ölpreis zu hoch getrieben, und der erst spät einsetzende Winter führte zu schwächerer Nachfrage. Auch hier führten sinkende Kurse zu einem parallelen Steigen der Dividendenrenditen. „Wir rechnen aber damit, dass der Ölpreis wieder bis in die Region um 75 Dollar je Barrel steigt“, meint Rosen. Doch selbst ohne höhere Ölpreise und entsprechend positive Auswirkungen auf die Bilanzen der Förderunternehmen stellen die Renditen einiger Ölaktien biedere Sparbücher in den Schatten.

Starke Banken. Pikanterweise gilt dies auch für so manchen Anbieter von Sparbüchern – nämlich Banken. „Finanzwerte zählen heuer ebenfalls zum Kreis jener Aktien, die mit hohen Renditen locken“, erläutert Rosen. Vor allem britische Titel versprechen überdurchschnittliche Ausschüttungen. Institutionelle Anleger und vor allem Pensionsfonds drängen im angelsächsischen Raum auf hohe Dividenden. „Allerdings sollten Anleger hier auf die Zinsen achten. In Phasen stark steigender Zinsen leidet normalerweise die Performance der Finanzbranche“, weiß Rosen.

Was die Käufer von Dividendentiteln erwarten dürfen, umreißt Dividendenfonds-Manager Janisch: „Vor allem in Zeiten volatiler oder etwas schwächerer Börsen halten sich solche Aktien überdurchschnittlich gut.“ Nur ein Szenario könnte die Dividendenstrategie durchkreuzen. „Gefährlich wird es, wenn plötzlich eine besonders starke Nachfrage nach Wachstumstiteln einsetzt.“ In solchen Phasen kehren Anleger den konservativeren Aktien abrupt den Rücken. Zuletzt passierte das um 1999, als der Hype der Technologiewerte seinem Höhepunkt zustrebte. Aber eigentlich wären Anleger selbst damals mit Dividendenaktien besser gefahren. Der Absturz des Jahres 2001 holte so manchen High-Tech-Investor recht unsanft auf den Boden der Realität zurück.

VON FRANZ C. BAUER

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente