In der Anti-Burn-out-Zone: Zu Gast im
Häuschen von Eventmanager Hubert Neuper

Geerdet: Hubert Neuper ist Eventmanager, Skischulleiter, Skihüttenwirt, Buchautor und Prediger eines vernünftigen Lebensstils. Daheim ist der ehemalige Skispringer in einem süßen Häuschen in Bad Mitterndorf.

Von Othmar Pruckner

Strenge Diät ist angesagt. Kein Weizenmehl. Kein Kaffee. Kein Rindfleisch. Und vor allem: keine Schokolade. Als Claudia Neuper zur Freude des Besuchers einen ­Teller Schokoladekeks auf den Tisch stellt, stöhnt Hubert Neuper auf. Kurze Leid-Attacke, aber gleich hat er sich wieder im Griff. „Natürlich halte ich das durch“, sagt der ehe­malige Skispringer. Die Diät macht der „Süßesser“, weil’s ihm jetzt gerade passt, und vor allem weil’s ihm, bis auf kurze Momente der Entbehrung, einfach guttut. Hubert Neuper tut überhaupt nur mehr das, was ihm guttut. Das muss man zuallererst sagen und schreiben. Er macht das, was ihm Spaß macht. Alles andere zählt nicht mehr. Denn: „Das Leben ist keine Generalprobe.“ Der Erfolgsmensch, Überflieger, Weitenjäger hat seine Lektion ­gelernt. Noch immer ist der Absturz präsent. Er kann gar nicht anders, als darüber zu erzählen, über sein ganz persönliches Burn-out. Über das Gefühl, mit niemandem mehr reden zu können. Über die Flucht nach Nashville/Tennessee. Und über die langsame Rückkehr in den Alltag. Der heute ein bisschen anders ausschaut als früher.
Er nimmt sich, sagt er, nun bewusst mehr Zeit für schöne Dinge. Früher war das nämlich anders. Da zählte nur: Höher. Schneller. Weiter. Besser. Der Beste sein. Alles andere interessierte ihn nicht. Nach seiner Skifliegerkarriere wurde er Berufspilot. Er flog noch höher, noch schneller, noch weiter. Managte nebenbei die Österreichische Sporthilfe und internationale Sportevents. War ganz oben.

Ruhepol
Pausen gab es damals keine. Wozu auch? Man lebt nur einmal. Wohnen? Schöner leben? War nie ein Thema. Er wohnte sein halbes Leben lang im Internat, zuerst in Bad Goisern, dann im Skigymnasium in Stams. Er lebte in Sportheimen, Trainingszentren und Mittelklassehotels. Zigeunerte durch die große, weite Welt. Für trautes Heim, Glück allein war keine Zeit. „Das hat einfach keine Rolle gespielt.“ Jetzt aber ist es ihm wichtig. Sehr wichtig sogar.
Heute ist das süße kleine Haus mit der schönen Holzfassade – gebaut irgendwann in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, gekauft vom Vater und ihm gemeinsam anno 1980 – die Wohlfühlzone schlechthin. Sicher, er ist noch immer gerne unterwegs, auf Ibiza, auf den Golfplätzen rundherum, doch das Haus ist der Platz, wo er letztendlich zur Ruhe findet. Es ist wohlgemerkt kein Domizil zum Repräsentieren. Enger Stiegenaufgang, niedrige Decke, keine 100-Quadratmeter-Wohnsäle, sondern kleine Zimmer. Dafür aber ist es urgemütlich. „Darauf habe ich lange null Wert gelegt.“ Immer wieder kommt das Thema. Jetzt aber genießt er es, sich in den Charles-Eames-Lounge-Chair zu setzen, „der ist ideal zum Lesen“. Er blättert bewusst in schönen Wohnzeitschriften mit schönen Bildern. „Wichtig ist, die schönen Dinge wahrzunehmen.“ Das geht gut, hier im kleinen Haus in Bad Mitterndorf. Nachrichtenmagazine und Zeitungen liest er nicht mehr so gern, denn die berichten nur das Negative. Davon hat er ein für alle Mal genug, das brauche er wirklich nicht mehr.

Mit Distanz
Der Sessel, der gehört ihm, ihm ganz allein; bekommen hat er ihn von Claudia, seiner Frau, die mit ihm durch dick und dünn gegangen ist und sich, fast möchte man sagen: naturgemäß, schon immer für die schönen Dinge des Lebens und Wohnens interessiert hat. Er hat ihr den wunderbaren Holztisch gekauft, schon vor einiger Zeit. Der wurde von einem Tiroler Tischler gebaut, ganz nach einem alten Vorbild, ganz ohne Nägel, dafür mit schönen Einlegearbeiten. Und wenn hier auch nicht täglich Besucher aus und ein gehen, um die exzellenten Fleischlaberl von Claudia Neuper zu essen, so kommen doch ab und zu alte Freunde vorbei: Goldi Goldberger etwa oder auch Hansi Hinterseer. Mit dem hat sich der Hausherr auch schon darüber unterhalten, wie es ist, als großer Star in einer kleinen Gemeinde zu leben. Wie es ist, mit Neid und Missgunst fertigzuwerden, mit dem Gerede der Leute umzugehen. „Die glauben nämlich, du hast nur Glück.“ Er hat nicht immer glückliche Zeiten gehabt, und selbst jetzt ist im Ort, dem er doch mit seinem Skiflugevent ungeheure Aufmerksamkeit verschafft, nicht alles eitel Wonne. Er ist im Gemeinde­leben „nicht integriert“, sagt der Kulm-Manager, „ich bin nicht Teil des lokalen sozialen Lebens“. Zwar möchte er nicht weg, aber „man muss sich distanzieren“. Für allzu große Distanz aber reicht es doch nicht. Seine Pläne für die Tauplitz, dort, wo seine Skischule lebt und gedeiht, sind weit reichend. Für die Seilbahn hinauf fehlen nur noch zwei Millionen Euro. Den Kulm gibt’s vielleicht demnächst jährlich, nicht, wie bisher, alle zwei Jahre. Pläne über Pläne, und wöchentlich werden neue Ideen an ihn herangetragen. Die Mühen fürchtet er nicht, er weiß jetzt, wie man die viel zitierte ­Balance zwischen Arbeit und Leben hält.
Pläne gibt es freilich nicht nur für den Beruf, sondern auch fürs Daheim. „Leider haben wir noch keine Sauna“, klagt der angehende Fünfziger. „Obwohl wir im Garten genug Platz hätten, aber das wird immer hinausgeschoben.“ Priorität hat vorerst die neue Skihütte, hat seine neue Karriere als TV-Moderator bei Servus-TV. Aber träumen wird man ja noch dürfen. „Ja, die Sauna“, seufzt er, „die hätt ich echt gern.“

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