Im Wiener Stadthafen: Zu Gast in der Wohnung von T-Mobile-Chef Robert Chvátal

Vor zwanzig Jahren demonstrierte Robert Chvátal in Prag gegen das kommunistische Regime. Heute ist er CEO von T-Mobile und lebt mit seiner Familie in einer sonnigen Wohnung in Wien-Mariahilf.

Von Othmar Pruckner

Er steht zur Begrüßung am Gang, hält in einer Hand die Müslischüssel und winkt mit der anderen die Gäste herbei. „Entschuldigung, ich muss noch mein Frühstück fertig essen.“ Robert Chvátal ist, man kann das so sagen, ein lockerer Typ. Einer, der gern lacht, Anekdoten erzählt und Pointen setzt. Einer, der zumindest in privater Umgebung so ganz anders auftritt, als man sich das vom CEO eines Großunternehmens erwarten würde. Seit 2007 ist Chvátal für T-Mobile in Österreich und spricht die Sprache seines momentanen Wohnlandes schon nahezu perfekt. Nur manchmal „ böhmakelt“ der gebürtige Tscheche ein klein bisschen – und man ist nicht sicher, ob er diese netten Einsprengsel bewusst setzt, um nochmals sympathischer zu klingen. So sagt er etwa, als er von seinem gefühlten Hauptwohnsitz schwärmt, der „schicken Datscha in der Nähe von Prag“, dass ihm die Führung von zwei vollwertigen Haushalten – einer in Tschechien, der andere auf der Wiener Mariahilfer Straße – manchmal ein bisschen „schizophrenisch“ vorkomme. Noch netter kann man auf seine Herkunft nicht verweisen.

Einmal im Monat pendelt er mit seiner Familie, mit Frau Ivana und der zweieinhalbjährigen Tochter Karolina, nach Hause, dann sind sie für vierzig Stunden im Heimathafen fest verankert und denken manchmal daran, dass jenes hoch mobile Leben, das sie jetzt führen, für sie vor zwanzig Jahren noch schlicht unvorstellbar war.

Kurze Rückblende: November 1989, das Jahr der samtenen Revolution in der ČSSR. Der Student Robert Chvátal ist einer derjenigen, die gegen das überkommene kommunistische Regime protestieren – nicht als Zaungast, sondern mittendrin. „Man muss auch das Glück haben, bei historischen Ereignissen mit dabei zu sein“, sagt er. Der revolutionäre Schwung hat ihn seit damals nicht verlassen, er ist, mental und physisch, zu neuen Ufern aufgebrochen, hat die gewonnene Freiheit exzellent genützt und in seinem Siegeszug die halbe Welt erobert. „To explore the oceans, you have to leave the shores“, sagt er. Und beschreibt sich selbst als einen Menschen, den das Meer, die Seefahrt, die Ferne immer gelockt haben. Wie zur Bestätigung dieser Metapher sind in der Wiener Wohnung auch einige kleine Schiffsmodelle vertäut.

Als die berufliche Entscheidung für Wien gefallen war und man sich auf Wohnungssuche begab, war allen Beteiligten bald klar: Es muss eine zentrumsnahe Bleibe werden. Keine Zweit-Datscha am Strand des Wienerwalds, sondern: ein Ankerplatz nahe der City. „Dreizehn oder vierzehn“ Wohnungen haben die Chvátals angeschaut, und diese in der Mariahilfer Straße wurde erwählt, weil sie hell war. „Es ist schön, wenn die Sonne durch die Wohnung ziehen kann“, formuliert der stolze Hauptmieter.

Was ebenfalls zählte: die hohe Decke. „Das passt zu Wien, zur Kultur der Stadt.“ Von der lauten Geschäftsstraße hört und sieht man genau null, dafür schweift der Blick vom Balkon in einen parkähnlichen Hof. Spätestens jetzt fragt man sich, wo denn hier die Computer mit Flatscreen, die Mobilfunkgeräte der sechsten Generation, die BlackBerry- und iPhone-Sammlungen verborgen sein könnten. Doch auch auf Nachfrage ist von überbordender Technophilie in dieser großbürgerlichen Wohnung wenig zu erspähen. „Ich verbringe sehr viel Arbeitszeit mit sehr viel Technik“, erklärt Robert Chvátal, „sodass ich die Zeit zu Hause lieber mit meiner Tochter verbringe.“

Daheim, das heißt: Priorität für die Familie, praktizierte Work- Life-Balance. Füße hochlagern auf der schönen roten Liege aus dem schönen Tschechien. Wobei er gestehen muss: Während der Arbeitswoche sind die heimeligen Abende kurz oder gar nicht vorhanden. Immerhin aber kann der Top-Manager jeden Morgen sein Töchterchen in den Kindergarten bringen. Praktisch, dass er dabei keinen Umweg in Kauf nehmen muss – sein Unternehmen hat im T-Mobile-Center am Wiener Rennweg nämlich einen Betriebskindergarten eingerichtet. „Unser gemeinsamer Weg dorthin ist manchmal entspannend, manchmal auch nicht und manchmal eine besondere Herausforderung, nämlich dann, wenn die junge Dame nicht am Kindersitz Platz nehmen will“, witzelt der Papa. Man darf annehmen, dass das Vater-Tochter-Verhältnis trotz manch morgendlicher Konfliktsituation ziemlich entspannt ist.

Wenn Karolina nicht bei Papa und nicht im Kindergarten ist, dann ist sie in der Obhut von Mutter Ivana Chvátal. Sie war im früheren Leben Fernsehmoderatorin und kümmert sich in der aktuellen Phase vorwiegend ums Kind und alles andere, was zu einem glücklichen Leben gehört – nur nicht um mobile Kommunikation. „That ist really unimportant for me“, sagt die Tochter eines nach Dubai emigrierten Emirates-Piloten und lächelt dabei ihren Mann ganz bezaubernd an. Der fängt den Ball sehr geschickt auf: „Sie ist es, die mich ständig daran erinnert, dass es noch andere Dinge als die Mobiltelefonie gibt. Sie vergisst auch nie auf die soziale Verantwortung, die wir haben.“

Ab und zu machen die drei Chvátals einen Ausflug nach Kromeríz, auf Deutsch Kremsier, die Heimat von Frau Chvátal („Eine wunderschöne Stadt, Unesco-Heritage, müssen Sie sich anschauen!“). Dort spazieren sie gerne herum, besuchen Galerien und erlegen ab und zu ein Schnäppchen. Erst unlängst schaffte es auf diese Weise ein bemerkenswertes Bild in die Wiener Wohnung. Freude haben die Chvátals nicht nur mit dem Kunstwerk selbst, sondern auch mit dem günstigen Preis samt erhofft er Wertsteigerung: „Das hat nur zweihundert Euro gekostet. Freunde haben uns erklärt, dass die Künstlerin sicher bald sehr bekannt sein wird.“

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