Höfliche Roboter und clevere Kühlschränke:
Wie Forscher Einkäufe vereinfachen wollen

Im Supermarkt der Zukunft wird es Lebensmittel mit Gedächtnis geben, im modernen Warenhaus intelligente Umkleidekabinen. Woran die Forscher arbeiten, um das Einkaufen zu vereinfachen, und welche Konzerne schon jetzt damit beginnen, die neuesten Technologien einzusetzen.

Von Oliver Judex

Wenn Ally mit seinen markanten Augen unerwartet hinter einem Regal hervorlugt, kann man schon mal erschrecken. Ist ja nicht selbstverständlich, plötzlich einem 1,50 Meter großen, sprechenden Roboter gegenüberzustehen, der einen sodann höflich fragt: „Wollen Sie einmal sehen, was ich auf dem Kasten habe?“
Ally ist einer von zwei Innovationslotsen, die im Supermarkt „real,–“ im deutschen Tönisvorst am Niederrhein ihren Dienst schieben. Wer wissen will, wo die Fischabteilung ist, die dank Meeresrauschen mediterranes Flair vermittelt, oder wie man zur Selbstbedienungs-Kaffeebar kommt, der kann sich von Ally und Roger den Weg durch den Supermarkt der Zukunft weisen lassen. Dieser ist mit den modernsten Technologien bestückt, um sie im Echtbetrieb zu testen: von der intelligenten Tiefkühltruhe, die weiß, welche Produkte demnächst ablaufen, über den Einkaufsassistenten am Handy, mit dem man seine Waren selbst abrechnet, bis zum bargeldlosen Bezahlen mittels Fingerabdruck.
Der „real,– Future Store“ der Metro Group, zu der auch die Ketten Mediamarkt und Saturn zählen, ist die größte Forschungsinitiative des Einzelhandels. „Konzepte und Technologien, die sich hier bewähren, werden wir sukzessive an weiteren Standorten unserer Vertriebsmarken einsetzen“, erklärt Eckhard Cordes, Vorstandsvorsitzender der Metro AG, ohne sich allerdings auf konkrete Zeitpunkte festlegen zu wollen.
Im Prinzip geht es dabei immer um die Unterstützung der Konsumenten beim Einkaufen: um schneller die richtige Ware zu finden, um genauer über Produkte informiert zu werden, um bequemer an der Kasse zu zahlen.Vor allem eine Technologie steht dabei im Mittelpunkt: RFID, funkende Etiketten, die jedes Produkt mit einem individuellen Produktcode kennzeichnen. Über diesen Code ist jede einzelne Ware wie mit einer Seriennummer eindeutig identifizierbar. Was bisher der Vereinfachung der Lager- und Transportlogistik von Paletten und Containern vorbehalten war, beginnt nun in die Handelswelt des Endverbrauchers Einzug zu halten. So stattet der deutsche Modehersteller Gerry Weber ab dem Sommer jedes einzelne Kleidungsstück mit einem RFID-Chip aus. Auch alle Kassen der 185 Filialen werden noch heuer mit entsprechenden Lesegeräten ergänzt.
„Wir legen jetzt die Fundamente für viele spannende neue Entwicklungen“, sagt Christian von Grone, CIO von Gerry Weber International, „diese werden das Einkaufen zwar nicht revolutionieren, aber angenehmer gestalten. Es geht um die Schaffung eines neuen Einkaufserlebnisses“ – und damit um Kundenzufriedenheit und Kundenbindung. So arbeitet der Modekonzern bereits an intelligenten Umkleidekabinen, die den Kunden bei der Wahl des passenden Kleidungsstücks unterstützen. Auch die Orientierung im Geschäft soll erleichtert werden, zum Beispiel mit RFID-tauglichen Handys oder anderen mobilen Geräten. „Wenn eine Kundin eine Bluse an einer Puppe sieht, die sie gerne probieren möchte, hält sie das Gerät hin, der Code wird ausgelesen, und schon bekommt sie angezeigt, wo sie die Bluse im Geschäft findet“, erklärt von Grone, der davon ausgeht, dass bis zum tatsächlichen Einsatz derartiger Innovationen in den ersten Filialen nicht mehr als zwei, drei Jahre vergehen werden.

Noch zu teuer. Die mitdenkende Umkleidekabine ist eine Idee, die auch in Graz entwickelt wird. Das Forschungszentrum der Siemens IT Solutions & Services (SIS) arbeitet zusammen mit dem Grazer RFID-Spezialisten RF-iT-Solutions an verschiedenen Konzepten für das Einkaufen der Zukunft: zum Beispiel an einer Selbstbedienungskassa, bei der ein Scanner binnen weniger Sekun­den die Funketiketten aller Waren gleichzeitig auslesen kann. „Die Retailer haben Bedarf an Vereinfachung ihrer logistischen Prozesse“, erklärt Georg Schwondra, Leiter der RFID-Abteilung bei Siemens SIS. Die Produkte könnten damit aber auch fälschungssicher gemacht werden, und der Kunde würde keinen Kassazettel mehr aufheben müssen, um Garantieansprüche geltend zu machen. Schließlich existieren dann zu jedem einzelnen Teil exakte Daten von der Herstellung bis zum Verkaufsdatum.
Noch kosten die RFID-Chips allerdings zwischen sechs und 15 Cent pro Stück, was den Einsatz nur bei höherwertigen Produkten rentabel macht. So werden die Kleidungs- und Sportartikelbranche zu den Ersten zählen, die flächendeckend RFID einsetzen werden – und dann auch die innovativen Ideen für den Endkonsumenten nutzen. „Wir sind bereits mit einigen potenziellen Kunden im Gespräch, die unsere Konzepte auch umsetzen wollen“, sagt Schwondra und nennt Nike, s.Oliver und die deutsche Kette Sport-Scheck als Interessenten. „Unser Ziel ist es, bereits im Frühjahr 2011 mit den ersten Produkten am Markt zu sein.“
Mit zunehmendem Preisverfall der Funketiketten könnten aber in den nächsten Jahren nach und nach auch andere Warengruppen bis hin zum Joghurtbecher mit RFID ausgestattet werden. „Die Technologie muss sicher noch weiterentwickelt werden, um sie auch auf jedem Kaugummi einsetzen zu können“, erklärt Pascal Hagedorn, Leiter des Schweizer SAP Future Retail Centers, das etwa mit der Supermarktkette Migros eng zusammenarbeitet, „doch dann wird sie eine Schlüsseltechnologie für das Einkaufen der Zukunft sein – auch im Supermarkt.“ Wie lange das noch dauern wird, kann niemand ernsthaft voraussagen: Die Schätzungen der Experten bewegen sich zwischen fünf und 20 Jahren.
Sie gehen aber auch davon aus, dass der Druck der Retailer, die diese Technologie einsetzen wollen, stark marketinggetrieben sein wird. „Das Vertrauen in den Einzelhändler wird eine immer größere Rolle spielen“, prophezeit Antonio Krüger, Leiter des Innovation Retail Laboratory des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz. Er ist Spezialist für das digitale Produktgedächtnis, bei dem sämtliche Daten über Herkunft, Inhaltsstoffe oder Lagerung für jedes Produkt auf einem RFID-Chip gespeichert werden können. Auf diese Weise könne der Endkonsument exakt über die angebotene Ware informiert werden.
Für Krüger sind das ganz realistische Anwendungsmöglichkeiten: „Die Technologie gewährleistet, dass der Händler die immer höher werdenden Ansprüche des Konsumenten erfüllen kann.“ Das Informationsbedürfnis werde stets steigen, Qualität und Herkunft eine immer größere Rolle spielen. Krüger: „Es geht in der Zukunft immer mehr um Kundenzufriedenheit, Zeitersparnis – und natürlich auch um eine neue Erlebnisqualität.“

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