'Hochtoxische Instrumente': Warum Credit Default Swaps so gefährlich sind

Wie JPMorgan-Bankerin Blythe Masters (Bild) die Kreditversicherung CDS kreierte und warum diese Credit Default Swaps so gefährlich sind.

Im Jahr 1994 logierte eine Gruppe von JPMorgan-Bankern unter der Leitung der jungen Blythe Masters im Boca Raton Resort in Florida. Thema dieses Wochenendes war das Problem, dass die Investmentbank ihre Bilanz mit riesigen Krediten vollgestopft hatte und diese laut US-Recht mit Eigenkapital unterlegen musste. Die Lösung, auf die die smarten Banker kamen, schien genial: Sie kreierten eine Kreditversicherung, bei der das Kreditrisiko gegen eine gewisse Gebühr an Dritte weitergegeben wurde. Dadurch verschwand das Kreditrisiko aus den Büchern, und das frei gewordene Eigenkapital konnte für lukrativere Dinge eingesetzt werden. Der Credit Default Swap, CDS, war geboren.

Das neue Instrument startete wie eine Rakete. 2008 war der Markt bereits auf 62 Billionen US Dollar angestiegen. Doch dann kam im September die Lehman-Pleite, und es stellte sich heraus, dass Lehman zwar „nur“ eine Überschuldung von 155 Milliarden Dollar hatte, die jedoch mit CDS im Wert von 400 Milliarden versichert waren. Diese Versicherungen mussten nun ausbezahlt werden, und das wiederum brachte den Versicherungsgiganten AIG ins Wanken, der für viele dieser CDS geradegestanden war. Und weil CDS nicht reguliert sind und beliebig weiterverkauft werden können, wusste damals kein Mensch, wo die nächste CDS-Bombe hochgehen würde.

Kurz danach, im März 2009, schrieb Hedgefonds-Altmeister George Soros einen bemerkenswerten Kommentar im „Wall Street Journal“. Darin echauffierte er sich vor allem über die Tatsache, dass jeder einen CDS auf eine Anleihe abschließen kann, auch wenn er diese Anleihe gar nicht besitzt. Damit kann der CDS-Besitzer einen Dritten, zum Beispiel eine Firma oder einen Staat, weitgehend risikolos und mit geringem Kapitaleinsatz „shorten“, das heißt auf Verschlechterung der Bonität und fallende Kurse wetten. Soros: „Was die CDS so toxisch macht, ist die Tatsache, dass eine solche Spekulation zur selbst erfüllenden Prophezeiung werden kann.“

Es existiert sozusagen ein Anreizproblem: Da der Wert eines CDS steigt, wenn sich die Bonität des Schuldners verschlechtert, werden die Besitzer solcher Papiere danach trachten, die Bonität des Schuldners durch die Verbreitung nachteiliger Gerüchte auf den Finanzmärkten zu untergraben. Genau das könnte auch in der Causa Griechenland passiert sein, vermutete die deutsche Finanzmarktaufsicht BaFin und startete Anfang März 2010 Untersuchungen über die Verantwortung der Spekulanten für die Verschärfung der Schuldenkrise.

Deutschland preschte auch mit einem Verbot für „nackte“ (also leer verkaufte) CDS vor. „Das Problem ist, dass diese Wetten als Gradmesser dienen, an denen sich der Preis der Anleihen orientiert“, erklärt der deutsche Börsenprofi Dirk Müller, „dabei beziehen sich diese CDS nur auf einen winzigen Bruchteil der Anleihenmärkte und lassen sich daher wunderbar durch ganz wenige Spieler manipulieren.“

Im Fall von Griechenland beispielsweise sind nur rund drei Prozent der Anleihen mit CDS besichert. Da es aber derzeit noch erlaubt ist, einen CDS abzuschließen, ohne überhaupt eine Griechenland-Anleihe zu besitzen, oder einen CDS auf einen CDS abzuschließen, weiß niemand genau, wie viele dieser toxischen Papiere tatsächlich im Umlauf sind. Müller: „Das sind unregulierte Märkte, das heißt, diejenigen, die diese Verträge untereinander abgeschlossen haben, machen das nicht öffentlich.“ „Diejenigen“ haben auch einen Namen: Laut US-Finanzministerium kontrollierten Ende 2010 die fünf Großbanken JPMorgan, Bank of America, Citigroup, HSBC und Goldman Sachs rund die Hälfte des mittlerweile auf 28 Billionen US-Dollar geschrumpften CDS-Weltmarkts.

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