Helfende Milliarden der Gates-Stiftung:
Bill Gates führt einen Kreuzzug für das Gute

Bill Gates, der ehemals reichste Mann der Welt, führt einen Kreuzzug für das Gute. Mit der 36 Milliarden Dollar schweren „Bill & Melinda Gates Foundation“ will er die Menschheit von Krankheiten wie Malaria und Aids befreien, Entwicklungshilfe leisten und das ­Bildungsniveau in den USA heben.

Von Peter Sempelmann

Bill Gates ist immer noch der Alte geblieben. Wenn er im dunkelblauen Anzug am Rednerpult steht, in dem für ihn typischen, leicht knödeligen Ton referiert und die von der Nase rutschende Brille zurechtrückt, dann sieht man noch den ewig jung gebliebenen Computernarren vor sich, der über die Vorteile der neuesten Windows-Generation spricht. Irgendwie will es gar nicht recht ins Bild passen, dass er wie im Juli bei der Aids-Konferenz in Wien einen Vortrag über die Reduzierung des HIV-Infektionsrisikos durch Beschneidung von Männern hält.

Seit sich Gates im Juni 2008 von Microsoft zurückgezogen hat, das er in 33 Jahren zu einem multinationalen Konzern mit 93.000 Mitarbeitern und 62,5 Milliarden Dollar Jahresumsatz aufgebaut hatte, verfolgt er gemeinsam mit seiner Frau Melinda eine neue Mission. Mit der Bill & Melinda Gates Foundation, der mit einem Kapital von 36,4 Milliarden Euro mit Abstand finanzkräftigsten wohltätigen Stiftung der Welt, schickt sich die Gates-Familie nun an, die Menschheit voranzubringen. Die Ziele könnten kaum höhergesteckt sein: Krankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose sollen mit neuen Impfstoffen besiegt werden, eine radikale Reform der Landwirtschaft in Afrika und in Entwicklungsländern anderer Kontinente soll herbeigeführt und obendrein noch das amerikanische Bildungssystem revolutioniert und die Zahl der College-Absolventen in den USA verdoppelt werden.

Gates will dafür bis zu seinem Lebensende 90 bis 95 Prozent seines vom „Forbes“-Magazin auf 53 Milliarden Dollar geschätzten Vermögens in die Stiftung einbringen und über sie für konkrete Projekte spenden. Warren Buffett versprach, der Foundation insgesamt 31 Milliarden Dollar aus seinem Privatvermögen zu schenken. Bis zum Sommer 2010 hat er bereits 8,01 Milliarden überwiesen. Die Hilfen sollen schnell, unbürokratisch und effizient sein, ohne langwierige Ansuchen oder der Weltgesundheitsorganisation Rechenschaft zu schulden. Seit der Gründung der Stiftung wurden bereits rund 28 Milliarden Dollar ausbezahlt, und Jahr für Jahr werden weitere drei Milliarden gespendet.

Globale Entwicklungshilfe

Rund 2,5 Milliarden Menschen leben von weniger als zwei Dollar pro Tag. „Das macht das Leben zu einem täglichen Überlebenskampf. Wir wollen diese Bedingungen verbessern“, umreißt Bill Gates das Ziel des Global-Development-Programms der Stiftung. Sie verschenkt keine Decken oder Baumaterialien und stellt auch keine eigenen Hilfsprojekte auf die Beine, sondern fördert ausgewählte existierende Projekte oder gewährt staatlichen oder kommunalen Hilfsprogrammen finanzielle Unterstützung. 670.000 Dollar sind im Jahr 2009 in diverse Projekte geflossen, die eine Hilfe zur Selbsthilfe sein sollen, um das Bildungsniveau in den ärmsten Regionen zu heben und das Internet als Informationsmedium zu verbreiten.
Eines der wichtigsten Förderprogramme ist die Alliance for a Green Revolution in Africa (AGRA). Zur Gründung der Initiative wurden 100 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt und eine Partnerschaft mit der Rockefeller Foundation geschlossen. Weitere 250 Millionen sind bereits geflossen. Ziel der Initiative ist es, die Lebensbedingungen der Kleinbauern Afrikas zu verbessern. Sie werden mit Saatgut unterstützt, erhalten Hilfe bei der Bodenbearbeitung, bei Transport und Verkauf ihrer Produkte.
Um den Ärmsten Zugang zu erschwinglichen, aber dennoch effizienten Finanzdienstleistungen, Krediten oder Versicherungen zu geben, unterstützt die Gates Foundation Mikrofinanz­institute. Opportunity International, das ein Netzwerk von Banken in den ärmsten Regionen Afrikas aufbaut, wurde mit 5,5 Millionen Dollar unterstützt, 23,9 Millionen wurden an die Consultative Group to Assist the Poor (CGAP) überwiesen, die über Handys abwickelbare Finanzdienstleistungen entwickelt. Auch die Verbreitung des Internets und der Zugang zu Bildungseinrichtungen werden unterstützt, etwa mit 700.000 Dollar für öffentliche Internetzugänge und Büchereien in Botswana.

Weltgesundheit

Aids, Malaria, Polio, Tuberkulose und eine Reihe weiterer Infektionskrankheiten auslöschen zu wollen ist ein Ziel, das kaum realistisch erscheint. Mit ihren Milliarden konnte die Gates Foundation jedoch schon relativ viel bewegen. Großteils unterstützt die Stiftung medizinische Forschungsprojekte zur Herstellung günstiger Impfstoffe für die Entwicklungsländer. „Wenn man an Aids erkrankt ist und in eine Klinik geht, dann darf es nicht sein, dass man als Patient keine Medikamente bekommt, weil sie zu teuer sind“, meinte Bill Gates bei seinem Vortrag bei der Wiener Aids-Konferenz im Juni. „Die Medikamente kosten heute im günstigsten Fall rund 100 Dollar pro Jahr. Für die Menschen in den Entwicklungsländern ist das immer noch zu teuer.“ Die Gates-Stiftung setzt dort an, wo staatliche Fördermittel fehlen und die Entwicklungskosten neuer Impfstoffe von der Pharma­industrie nicht alleine übernommen werden können. 1,83 Milliarden Dollar hat sie 2009 dafür gespendet. Bis zum Jahr 2015, das von den Vereinten Nationen zur Jahrtausendwende in den Millennium Development Goals (MDG) als Ziel für die Entwicklung neuer Impfstoffe festgelegt wurde, sollen Ergebnisse vorliegen. Besonders weit fortgeschritten sind die Forschungen bei der Entwicklung eines neuen Polio-Impfstoffs. „In fünf Jahren werden wir der endgültigen Auslöschung des Polio-Virus einen entscheidenden Schritt näher gekommen sein“, gibt sich Jeff Raikes, CEO der Gates Foundation zuversichtlich. Die Impfstoffe sollen dann bereits an Millionen Säuglingen in den Entwicklungsländern zum Einsatz kommen und viele der jährlich zwei Millionen Polio-Todes­opfer verhindern. Im Jänner 2010 proklamierte Gates beim Weltwirtschaftsforum in Davos das „Jahrzehnt der Impfungen“ und sagte bis 2020 zehn Milliarden Dollar für die Entwicklung neuer Vakzine zu.

Bildung für die USA

Das USA-Programm zur Verbesserung des Bildungssystems in den Vereinigten Staaten ist die Keimzelle der Gates-Stiftung. Es wurde 1994 mit dem Hintergedanken, mehr Laptops und mehr Software in die Schulen Amerikas zu bringen, ins Leben gerufen. Heute ist man von dem wenig uneigennützigen Vorhaben weit abgerückt. Das erklärte Ziel der Foundation ist, dass allen jungen Menschen die Möglichkeit offensteht, ihr volles Potenzial zu entfalten. Im Jahr 2009 wurden dafür 489 Millionen Dollar ausgegeben. Die Ausgangslage ist schwierig. Nur zwei Fünftel der US-Bevölkerung im Alter unter 29 Jahren haben einen College-Abschluss. Das Ziel der Foundation ist, den Jugendlichen nach der High School eine ihrer Begabung entsprechende Weiterbildung zu ermöglichen, um die Chancen am Arbeitsmarkt zu steigern. Neben Bildungsprogrammen für Lehrer und Direktförderungen von Schulen – besonders wohltätig zeigt sich die Gates-Stiftung im Raum Seattle, der Heimatstadt der Familie – werden dabei Projekte unterstützt, die akademische Defizite ausmerzen und die Ausbildungszeiten verkürzen. So werden etwa Hilfsprogramme mitfinanziert, die Stipendien auszahlen. Leistungsstarke Schüler und Studenten aus einkommensschwachen Familien werden auch direkt mit Stipendien unterstützt. In den gesamten Vereinigten Staaten leistet die Gates Foundation Finanzhilfe bei der Bereitstellung kostenloser Computer- und Internetzugänge in Bibliotheken. Ähnliche Projekte wurden auch über das Entwicklungshilfeprogramm in Bulgarien, Polen und Lettland gesponsert.

Die Kritiker des Philanthropen

„Während sie einerseits Milliarden zur Bekämpfung von Krankheit und Armut auf der ganzen Welt ausgibt, investiert die Gates Foundation den Löwenanteil ihres Vermögens in Konzerne, die diese Ziele sabotierten – Umweltverpester, Ausbeuter, Sozialsünder.“ Diesen Vorwurf machte die „Los Angeles Times“ der Stiftung im Jänner 2007 und löste damit eine Diskussion um die ethischen Grundsätze der Organisation aus. Anderen wiederum erscheint die Foundation als ein zu einem globalen Goodwill-Konzern angewachsener Moloch, der mit seiner Finanzmacht etablierten Hilfsorganisationen in die Quere kommt. Was die Gates-Stiftung als effiziente und rasche Mittelvergabe sieht, halten Kritiker zudem für wenig transparent und unsystematisch. Dass die Gates Foundation niemandem – auch nicht der Weltgesundheitsorganisation – Rechenschaft darüber ablegt, welche Projekte sie in welcher Höhe unterstützt, lässt ebenso Kritik aufkommen wie der in den Statuten verankerte Grundsatz, Geldspenden nur von Privaten und ohne jegliche Auflagen anzunehmen.

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