Gründerzeit-Villa: Wem gehört ...

1879 errichtete Ringstraßenarchitekt Theophil Hansen im niederösterreichischen Ternitz für den Nägelfabrikanten Moritz Welzl einen Prachtbau im Mix von Großstadtarchitektur und Heimatstil. Ein Haus mit wechselvoller Geschichte. Heute gehört es Olga Okunev.

Ein geliebtes und belastendes Erbstück im Grünen. Wobei das Grüne der intime Rest eines weitläufigen Parks ist, und daher ist auch der Begriff „intim“ zu relativieren: Der Gartenpark mit mächtigen Buchsbaumhecken, zwei der berühmten Ginkobäume, rot- und weißbeerigen Maulbeerbäumen und einem Obstgarten ist noch immer 8500 Quadratmeter groß. Er liegt in einer Senke von St. Johann, einem kleinen, zu Ternitz gehörigen Ort. An einer Seite ist er vom „Stadtpark“ begrenzt. Jetzt. Nachdem ein weitläufiges Anwesen mit Ställen, die neugotische Fenster besaßen, einem großen Arbeiterhaus und zwei Glashäusern für exotische Pflanzen auf die Villa mit Gartengrund reduziert wurde. Chronisten wissen, dass seinerzeit Pfaue über den Rasen stolzierten. Ein Landsitz, den der dänische Architekt Theophil (Freiherr von) Hansen parallel zu seinem „Lebenswerk“, dem Wiener Parlament, erbaute.

Auch in Ternitz gelang ihm laut Gründerzeitvillen-Buchautor Mario Schwarz „ein Prachtbau – mit bemerkenswerten Elementen der großstädtischen Gründerzeitarchitektur und des Heimatstils“. Das Großstädtische drückt sich im Stuck der zwei Prunkräume im Mezzanin und im ersten Stock aus, in edlen Parkettböden, in schwarz-weißen Kehlheimer Platten im Stiegenhaus – der Heimatstil in üppiger Laubsägeornamentik an den Fassaden, dem dreigeschoßigen Turm und in einer großräumigen Holzveranda. Manches wurde im Lauf der Jahre modernisiert, vieles zerstört, da in der Nachkriegszeit die Russen dort einquartiert waren.

Die jetzige Besitzerin Olga Okunev kam als 12-Jährige „in den Herbstnebeln 1977“ zum ersten Mal mit ihrer Mutter, der Malerin Helga Philipp, nach St. Johann: „Helga hat lang gesucht, ein ländliches Atelier, einen Platz für ihre Bilder, einen Treffpunkt für Künstler, für Ausstellungen und Symposien.“ Die Gemeinde Ternitz wollte das Haus damals schleifen, mit Denkmalschutz hatte man es noch nicht so wie heute. Helga Philipp hat ein Architekturdenkmal für die Nachwelt bewahrt. „Sie hat sehr schnell mit der Gemeinde verhandelt“, erinnert sich die Tochter. „Die folgenden Jahre waren unglaublich lustig: für mich ein großes Jugendlager, für meine Mutter ein ständiger Besucherstrom. Ein offenes Haus mit Gästen und Festen, der Gironcoli war da, der Achleitner, die Kathi Noever und viele, viele andere mehr. Wir haben das Meiste selbst renoviert: den alten Verputz abgeschlagen, Wände abgekratzt, ausgemalt, Fenster verkittet, Böden abgeschliffen. „Ich hab Leitungen einstemmen gelernt und Dichtungsringe schneiden.“ Die Freunde wurden zum Helfen vergattert. Sie fanden es lustig. Im Sommer wurde im Teich gebadet, die Mutter pflegte den Gemüsegarten.

2002 ist Helga Philipp gestorben. Die Tochter arbeitet in der Kunstsektion des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur, ist unverheiratet, kinderlos. Sie kümmert sich auch um die Arbeit ihrer Mutter, um Ausstellungen, Leihgaben, Kataloge. Und um das Haus: ließ die Fassade renovieren, eine Zentralheizung einbauen. Mäht den Rasen – „sehr schnell, drum hab ich immer Blasen an den Händen“ –, schneidet Bäume, sammelt Nüsse, hat aber letztlich erkannt, dass sie „kein Landmensch“ ist: „Ich liebe dieses Haus, und der Garten ist im Sommer eine Pracht. Der Boden hat sehr viel Kraft hier. Aber es ist ein äußerst luxuriöser Wochenendsitz für jemanden, der keine Großfamilie hat.“ Okunev denkt daran, die Villa zu verkaufen. An einen Liebhaber mit Geld, der wirklich Freude daran hat.“ Eine Dokumentation über den Theophil-Hansen-Bau wird mitgeliefert.

Von Ro Raftl

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