Großes Paar: Udo Weixelbaumer will mit
kompostierbaren Schuhen die Welt erobern

Der Oberösterreicher Udo Weixelbaumer hat eine Idee. Aus dieser Idee macht er eine Weltmarke. Hofft er.

Von Othmar Pruckner

Nein. Größenwahnsinnig ist er nicht. Dafür aber, und das kann man schon so sagen, durch und durch beseelt von der Idee, ein „richtig gutes Produkt“ zu machen. Zwanzig Jahre diente er in unterschiedlichen, durchaus leitenden Funktionen in der ­Schuhindustrie. Davor, in einem früheren Leben, war er ­sogar als Hauptschullehrer angestellt. Doch: Genug ist nicht für alle Menschen genug. Und irgendwann einmal muss man etwas wirklich Gescheites machen. Sagt Udo Weixelbaumer. Weil man es nämlich sonst niemals mehr macht.
Letzte Besprechungen mit Stefano del Bondi, einem bekannten italienischen Schuhdesigner in Stra nahe Padua. Zwischenstation im Wiener „Kreativhaus“. Kurze Reise in die Schweiz zu einer ­
Weberei, die das Obermaterial seines ­geliebten Sneakers produzieren soll. ­Besprechung im tschechischen Zlin, wo die Kunststoff-Spritzgussteile erzeugt werden. Zurzeit ist Herr Weixelbaumer auf der Suche nach dem geeigneten Vertriebspartner, zuerst für Deutschland, Österreich und die Schweiz, gleichzeitig aber auch für die Niederlande und Kroatien und noch einige andere europäische Länder. Es reißt ihn herum, in der Hitze des Sommers. Gemeinsam mit seinem Partner Harry Parzer tüftelte der 49-jährige Familienvater über Jahre das Konzept des wiederverwertbaren Schuhwerks aus – und hofft nun, dass die Idee endlich Früchte trägt. Gerade jetzt, Mitte Juli, wurde die zur Idee gehörige GmbH ­gegründet. Und da hört jetzt auch der ökonomisch zweifelnde Pessimist genauer hin: Mit im Boot sind nämlich der Werber Alois Grill mit seiner „Younited“-Agentur und, man höre und staune, als Hauptgesellschafter ist der Ex-EPA-Chef Heinrich Schuster an Bord, der nicht nur vom Familiennamen her gesehen optimal ins Unternehmen passt, sondern auch mit seinem finanziellen Input den Laden ordentlich in Fahrt bringen konnte.
Die Idee hinter der Idee ist: hundert Prozent Biopolymer. Hundert Prozent biologisch abbaubar, hundert Prozent kompos­tierbar. Das sollen und werden die Badeschlapfen – pardon, Flip-Flops – und Sneakers der jungen Firma sein, das ist getestet und belegt. Wenn schon nicht auf dem bäuerlichen Misthaufen, so doch in einer geschredderten Form ist das von Weixelbaumer und Parzer entwickelte Material wiederverwertbar, sogar, sagt er, „als Kunstdünger fürs Blumenkistl“. Zwanzig Milliarden Paar Schuhe werden weltweit pro Jahr hergestellt, die allesamt nicht ­recycelt, sondern bestenfalls verbrannt werden können. „Wir sind da die Ersten, die das anders machen wollen.“

Kompostierbarer Kult. Der Markt ist ein beachtlicher und auch dementsprechend heiß umkämpft, doch Bangigkeit ist Weixelbaumers Sache nicht. Zwei- bis dreihunderttausend Stück Öko-Sneakers und Öko-Flip-Flops will der bedächtige Innviertler im ­ersten Jahr produzieren, „damit ist man schon international sichtbar“. Bald ­danach kann und soll es schon „in die Millionen“ gehen. Kleckern mögen andere, hier wird geklotzt, und zwar ordentlich. Denn Partner Alois Grill bäckt in der Regel nicht ­gerne kleine Brötchen. Der Werber und Gesellschafter ist von der Schuh-Mania ­erfasst und mindestens so überzeugt vom Erfolg des Projekts wie der Vater des ­Gedankens selbst.
Grill schnürt, wen wundert’s, das komplette Marketingpaket für das Produkt – und erfand zuallererst einmal einen passenden Namen. „Boombuz“ werden die kompostierbaren Dinger, die hoffentlich bald Kultstatus haben werden, heißen. Nicht blühend grün, bescheiden und bieder wird er die Marke in diversen Werbeauftritten präsentieren, sondern groß, mächtig, spektakulär, richtiggehend „boombuztisch“. Die Präsentationen, die Entwürfe für Webauftritte, Plakate, Folder, für Ladenpräsentationen, Soundclips und Schuhschachteln sind mehr oder weniger fertig. Ein halbjähriger Intensiv-Entwicklungsprozess liegt hinter dem Start-up mit Firmensitz im „Kreativhaus“ im schönen Floridsdorf, der weitere Fahrplan ist getaktet. Ab Winter wird produziert, ab dem Frühjahr 2011 im Einzelhandel verkauft; der Aufbau einer „Begeisterungsmarke“ hat begonnen. Sogar die Endverkaufspreise sind schon mehr oder weniger klar. Die Sneakers werden 59 bis 69 Euro kosten, die Schlapfen 29 bis 39 Euro. Damit bewegt man sich im „demokratischen Segment“, noch deutlich vom Luxusportal entfernt.
Fernziel ist es, eine Markenfamilie aufzubauen. Die optische Verkaufsuntermalung per Logo wird „wolkig, komfortabel, mit Wohlfühlfaktor ausgestattet“ sein. Und ­ansprechen will man nicht nur die brave Grün-Nische, sondern letztendlich die halbe, wenn nicht die ganze Welt. Denn schließlich trägt mindestens die halbe Welt Flip-Flops.
Das Ziel ist im Übrigen nicht die Rettung der Welt vor zu viel Badeschlapfenmüll, sondern Erfolg, und zwar weltweit. Ein im bes­ten Fall ähnlich großer, wie ihn Dietrich Mateschitz mit Red Bull vorgezaubert hat. Grill weiß, wovon er redet: „Das ist unsere Her­ausforderung, ein international erfolgreiches Produkt zu kreieren. Wir legen das ganz groß an, das ist keine kleine Sache.“

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