Gottes General: Caritas-Boss Franz Küberl
ist der trend-"Mann des Jahres" 2009

Hilfs-Arbeiter. Er gilt als „Lobbyist Gottes“ und ist doch erdverbunden wie kaum ein Zweiter. Er ist ein begnadeter Netzwerker, ein Vollprofi, der von seiner Mission beseelt ist. Er ist geschätzt, ein österreichisches Markenzeichen und zu allem Überfluss auch noch erfolgreich. Caritas-Boss Franz Küberl ist der trend-„Mann des Jahres“ 2009. Von Othmar Pruckner

Von Othmar Pruckner

Fast pünktlich! Fünf Minuten nach dreizehn Uhr biegt der schwarze Dienstwagen, Marke VW Passat-Kombi, in die Albert-Schweitzer-Gasse ein. Weit ist die Anreise aus dem Herzens Wiens bis an den Rand der Stadt, und bis zuletzt hat der Herr mit den weißen Haaren und dem dunklen Sakko telefoniert. Mit dem Generalsekretär, mit der Terminsekretärin, zuletzt mit der Großspenden-Verantwortlichen seines Unternehmens. Eine Viertelstunde vor dem aktuellen Termin setzte sie ihren Chef in Kenntnis, welches Programm hier im Herzen eines gesichtslosen Stadtrand-Shoppingcenters ablaufen soll. Zuletzt hat sie den Chauffeur bis zu jenem Bauwerk getotst, in dem auch der österreichische Ableger des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline seinen Firmensitz hat. Franz Küberl, 57, steigt aus dem Auto und ist auch schon drinnen. Riesenchristbaum, die halbe Belegschaft hat Aufstellung genommen. Kurze Begrüßung, Zeit ist kostbar, man kommt gleich zur Sache. Die Fotoapparate klicken; im Mittelpunkt steht er. Der Scheck. Franz Küberl ist gekommen, um gesammelte achttausenddreihundertsiebenundsiebzig Euro in Empfang zu nehmen. Ein freudiges Ereignis und gleichzeitig ein klassischer Routine­termin für einen der erfolgreichsten Geldeintreiber des Landes.
Mehr als fünfzehn Minuten sind nicht budgetiert, die aber werden gut genützt. Der aus Funk und Fernsehen bekannte Mann nimmt in seiner launigen Dankesrede spontan Bezug auf den Namensgeber der Straße, in der GlaxoSmithKline sein Quartier bezogen hat. Er streut ein Zitat Albert Schweitzers ein und schließt wie immer mit dem Hinweis darauf, dass ein Caritas-Präsident niemals Danke sagen dürfe, „ohne ein neuerliches Bitte gleich anzuschließen“. Freundliches Gelächter, schon löst sich die Versammlung auf. Ein paar Worte noch mit der PR-Beauftragten des Hauses, und schon geht’s ab zum nächsten Termin, zurück in die Stadt, ins Innenministerium, streng vertraulich. Danach ins Europahaus in die Wipplingerstraße, zu Richard Kühnel, dem Vertreter der EU-Kommission in Wien. Der Grund dieser Visite liegt auf der Hand: Das Jahr 2010 wurde europaweit zum Jahr der Bekämpfung der Armut ausgerufen, „und da ist die EU-Kommission ­natürlich eine wichtige Drehscheibe“.
In der Früh dieses ganz normalen Arbeitstags gab der „Generaldirektor Gottes“ – der Titel wurde bereits seinem Vorgänger in den neunziger Jahren verliehen – eine gemeinsame Pressekonferenz mit Greenpeace. Danach Foto- und Interviewtermine. Am späteren Nachmittag eine Aufzeichnung im ORF-Landesstudio Wien für „Licht ins Dunkel“. Im Auto erfährt Franz Küberl davon, dass der lange gewünschte Termin mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer endlich zustande kommt. „Ich brauch ihn aber g’wiss auch unter vier Augen“, schärft er der Terminmanagerin ein. – Ein Präsident ist on tour. Der Boss der heimischen Caritas ist, um ein möglicherweise falsches Bild gleich eingangs zurechtzurücken, kein Vertreter eines Bettelordens. Keiner, der mit dem Klingelbeutel durch die Lande zieht und gnadenhalber ab und zu im Fernsehen um fromme Gaben bitten darf. Hilfs-Arbeiter Franz Küberl ist im Gegenteil ein Manager, der recht unsentimental agieren kann. Denn schließlich muss der Laden laufen.

Sozial-Fighter on tour
Der Laden: Das ist die zu einem mächtigen Dienstleistungsunternehmen angewachsene Hilfsorganisation der katholischen Kirche, eine der besteingeführten Marken Österreichs. Nicht nur, weil die EU das nächste Jahr der Armutsbekämpfung gewidmet hat, steht die Caritas derzeit besonders im Blickpunkt. Ihr „Geschäft“ nimmt immer dann zu, wenn es in kommerziellen Unternehmen abnimmt. Schon 2009 stiegen die Betreuungsfälle der Caritas rasant. Und das wird sich 2010 – mit weiter steigender Arbeitslosigkeit – nicht ändern. Der oberste Manager muss soziale Brände löschen, die von manch „echtem“ Manager in den vergangenen Jahren ­gelegt wurden. Der Präsident ist eine der Symbolfiguren für die Bewältigung der Krise in Österreich.
Franz Küberl steht seit fünfzehn Jahren an der Spitze der Organisation, er dirigiert die neun Landesdirektions-Solisten ebenso wie das Orchester seiner engsten Mitarbeiter. Er spricht für 11.000 Pflegerinnen und Betreuerinnen, Sozialexperten, Juristen, PR-­Profis und Altenhelfer, für Entwicklungsarbeiter und Haussammler. Er ist Ansprechperson für 27.000 freiwillige Mitarbeiter – die nicht unwesentlich zum Geschäftserfolg des Konzerns der Nächstenliebe beitragen, die aber auch eine eigene, nicht leicht handhabbare kritische Masse darstellen. Franz Küberl weiß, warum er nächstens in eine fünfzig Kilometer entfernte Kleinstadt düst, um mit drei Haussammlern zu reden, die partout nicht die Caritas-Position in der Asylfrage verstehen wollen. Er hört auch hin, wenn ihm sein Vorgänger Helmut Schüller, jetzt Pfarrer in Probstdorf, den guten Rat gibt, „die Leute in den Pfarren ins Boot zu holen, die müssen ja verstehen, worum es der Caritas geht“.
Eifriges Bemühen darum, verstanden zu werden, ist dem Sozial-Fighter ohnedies nicht abzusprechen. Auf Achse ist er genug. Er fährt schon einmal extra nach Osttirol, um in einer kleinen Pfarrei einen Vortrag vor fünfzig Personen zu halten. Sechzig- bis siebzigtausend Autokilometer kommen so im Jahr zusammen. Mehrere tausend Kilometer ist er auf Schiene, nicht ohne das ­„Drama“ zu beklagen, dass „die ÖBB kaum mehr gute Schlafwägen führen“. Er jettet nach Deutschland, nach Afrika, nach Osteuropa. Reisefaul darf man als Caritas-Mann nicht sein. Schließlich gibt es neun Länder, die betreut werden wollen, und hunderte Projekte im Ausland, wo es Helfer sonder Zahl gibt, die motiviert und gelobt und auch getadelt werden müssen. Diäten gibt es keine, auch keine Bonuszahlungen. Honorare und Sitzungsgelder gehen als Spende an die Caritas. Der Verdienst, nach eigenen Angaben: 3700 Euro. Immerhin netto, immerhin vierzehnmal im Jahr.
Manchmal muss eine Geschäftsreise auch spontan und ohne lange Vorbereitungszeit möglich sein. Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner hat Küberl vor zwei Jahren mit einem knappen „Da können Sie gleich mitfliegen“ in seinen Privatjet geladen und in die Ukraine verfrachtet, zu einem Date, das selbst für den professionellen Spendenakquisiteur ein besonderes war: Gemeinsam mit zwei weiteren Oligarchen, dem Russen Oleg Deripaska und dem Ukrainer Alexander Jaroslawski, blätterte Haselsteiner locker zweihunderttausend Euro auf den Tisch, zur freien Verwendung für ein Kinderheim im ukrainischen Kharkov. Den Riesenscheck, der fürs Foto gebastelt wurde, gab Küberl nicht mehr her, sondern verfrachtete ihn ins Reisegepäck und nagelte ihn in seinem Büro in der Grazer Raimundgasse zur Erinnerung an die Wand.
Haselsteiner ist einer der treuesten Caritas-Spender. „So alle zwei Jahre bin ich bei ihm“, sagt Küberl. Aber auch bei anderen Wirtschaftsleuten steht der gebürtige Grazer in regelmäßigen Abständen auf der Dacke. Im Café Landtmann traf er vor Jahren Susanne Riess-Passer, gewesene Vizekanzlerin und aktuelle Wüstenrot-Chefin. Ohne lange Umschweife wurde bei einer Melange eine Großspende von 250.000 Euro abgeredet und finalisiert.

Der ehrgeizige Konzernherr
Dass er Leute zum Geldgeben animieren kann, ist damit bewiesen, aber wie führt der eloquente Smalltalker seinen Konzern? „Ich habe ihn nie wirklich bossy erlebt“, streut ihm Stefan Wallner rote Rosen, sein langjähriger, nun zu den Grünen emigrierter Generalsekretär. Freilich: Als braver Gutmensch allein kann man ein Unternehmen von derartiger Komplexität kaum so erfolgreich auf Wachstumskurs halten. ­Evident ist: Franz Küberl ist ehrgeizig und steht gern im Mittelpunkt. „Manchmal ist er ruppig und nervös. Da weiß man, dass man ihn besser in Ruh lässt“, korrigiert Caritas-Fundraiserin Gabriela Sonnleitner den Anschein von allzu großer Heiligkeit. „Nächstenliebe mal Professionalität“, diesem Motto hat sich Franz Küberl verschrieben, dieses Wort wird auch von allen Mitarbeitern reihum brav zitiert. Zum Profitum gehört auch, dass der Chef sich „manchmal vielleicht zu viel“ vornimmt, wie ein Mitarbeiter flüs­tert. Dass er von Projektreisen oft mit einem „heiligen Zorn“ zurückkehrt, ist auch amtsbekannt. Dass er nach solchen Besuchen an der Elendsfront lange Listen mit Verbesserungsvorschlägen schreibt und „die Mitarbeiter damit besonders piesackt“, auch das gehört zum Standardrepertoire des Top-Mannes.
„Locker bleiben“, rät Küberl gestressten Mitarbeitern gerne, nicht nur im Scherz. Er selber urteilt über sich, dass er im Laufe der Jahre an der Spitze des 500-Millionen-Euro-Unternehmens „kompakter, strenger, zielstrebiger“ geworden sei. Sogar „autokratische Züge“ kann er bei sich ausmachen – vor allem dann, „wenn eine Sache zu lange nicht entschieden wird“. Im Zweifelsfall, sagt er, „bin ich lieber meinen Mitarbeitern gegenüber unausstehlich als gegenüber denjenigen, für die wir da sind“. Böse wird er, wenn ihm etwas verschwiegen wird. „Womit ich nicht leben kann: wenn es ein Problem gibt und es mir nicht gesagt wird.“ Manchmal freilich kann er mit seiner Caritas auch Härte zeigen. Eine Vertreterin einer kleinen Hilfsorganisation klagt, dass die mächtige Institution „aus gemeinsamen Abmachungen ausschert“ und „vorwiegend eigene Konzerninteressen verfolgt“. Auch in der Frage der Regelung der 24-Stunden-Pflege verfolgte die Caritas durchaus eine von Eigeninteresse geprägte Linie – wie „off records“ beklagt wird.
Nicht alle Management-Fähigkeiten sind dem Autodidakten in die Wiege gelegt worden. Er hat einen langen Weg an der Spitze vieler Vereine und Betriebe hinter sich. Er war als Jugendlicher bei Friedensdemonstrationen mit dabei („nicht nur als Teilnehmer, sondern auch als Organisator“). Learning by Doing: Das war seine Strategie. Und er kann auch gut delegieren. „Er ist extrem inhaltsorientiert und braucht gute Leute, die seine Ideen umsetzen“, sagt Stefan Wallner, lange Jahre Küberls rechte Hand.
Extrem konsequent hat der kleine katholische Sozialarbeiter es geschafft, aus bescheidenen Verhältnissen bis ganz nach oben zu kommen. Dennoch: Nie ist er ganz zufrieden mit sich und dem Erreichten. „Ich bin kein Maximalist, aber ein Optimalist“, sagt der mit Abstand populärste Vertreter der heimischen katholischen Kirche. Sein Erfolgsweg ist ein permanenter Lernprozess: Mindes­tens zehnmal, so verrät der Autodidakt und Ehrendoktor, war er in den letzten Jahren im Tagungshaus Weingarten der Diözese Stuttgart zu Gast, einer elitären Bildungsstätte für Führungskräfte der katholischen Kirche und ihrer Vorfeldorganisationen.

Brennen, nicht verbrennen. Küberl ist einer, der selbst nach fünfzehn Jahren noch lichterloh für seine Sache brennt. Und manche Menschen aus seiner näheren Umgebung haben Angst, dass er irgendwann ausbrennen könnte. „Ich denk mir oft, es ist ein Wunder, dass er nicht zusammenklappt“, sagt etwa Gabriela Sonnleitner. Ein Herz-und-Nieren-Spezialist drückt es etwas direkter aus. „Sein Terminkalender ist übervoll. Er betreibt Raubbau an seinem Körper. Das kann aus medizinischer Sicht nicht mehr gesund sein“: So übermittelt ihm sein Freund und Hausarzt Klaus Kager eine ernste Warnung und wird sie beim gemeinsamen Silvesterspaziergang auf den Grazer Schöckl auffrischen. Kager und Küberl, das ist eine Männerfreundschaft, entstanden in der Zeit, als die mittlerweile erwachsenen Söhne miteinander in der Sandkiste spielten. Jetzt spielen die Väter füreinander Beichtvater. Sie besuchen nach dem sonntäglichen Kirchgang gern gemeinsam den Kirchenwirt, gehen in Konzerte und Theateraufführungen, „wobei Franz oft erst sehr kurz vor Vorstellungsbeginn vorfährt, aus dem Auto springt – und dann sofort ganz entspannt und privat sein kann“.
Wie schafft man es in einer solchen Position überhaupt, die viel zitierte Work-Life-Balance zu wahren? Nicht zum Workaholic oder, noch schlimmer, zum eiskalten Profi zu mutieren? Trotz mancher Sorge um den weniger heiligen als eiligen Manager überwiegt der Eindruck: Der gute Mann hat nicht verlernt zu leben. Seine Liebe gehört natürlich seiner Familie, seiner Frau, seinen zwei erwachsenen Söhnen. Diese hält er, so gut es geht, von öffentlichem Trubel fern. Abgesehen davon liebt er die Berge über alles. Gemeinsam mit Karl Holzknecht, einem Hauptschuldirektor aus dem Ötztal, werden alle Jahre wieder Drei- und auch Viertausender erobert. Großglockner, Wildspitze, aber auch Ortler, diverse Dolomiten- und Gesäuseberge, vieles ist schon absolviert, vieles steht noch am Sehnsuchtszettel. „Die Berge sind in den letzten Jahren niedriger geworden“, sagt Herr Holzknecht, aber die Gaudi auf den Hütten ist die gleiche wie früher: „Franz ist sehr schlagfertig, er versteht es, ganze Gesellschaften zu unterhalten.“ Ehrgeiz, auch in sportlicher Hinsicht, ist Franz Küberl nicht fremd. Eines seiner Lebensziele wartet noch auf Realisierung: die Eroberung des Kilimandscharo. „Das letzte Mal habe ich leider bei 5000 Metern umdrehen müssen.“
Die Berge sind das eine, seine Tarockrunden das andere. Früher ging’s bis drei Uhr Früh, jetzt längstens bis eins, „dafür fangen wir schon früher an“, sagt der Co-Veranstalter eines alljährlichen Tarock-Charity-Turniers. Vor zwei Jahren bekam er zum allgemeinen Gaudium als Letztplatzierter die „Schrauben“ in Form eines Fleischwolfs überreicht.
Neben seinen Tarockpartnern, neben Arzt Kager und Hauptschuldirektor Holzknecht zählen noch etliche andere Personen zu seinen Vertrauten. Franz Harnoncourt-Unverzagt etwa, Aufsichtsrat der Grazer Wechselseitigen und ehemals Kastner-&-Öhler-Vorstand. Mit ihm, dem Bruder des Dirigenten, fährt Küberl alljährlich einmal zum Gedankenaustausch ins Stift Vorau – eine Praxis, die ausgerechnet im Krisenjahr 2009 erstmals nicht umgesetzt wurde. Oder etwa Christian Rainer. Der Herausgeber des Nachrichtenmagazins „profil“ und begnadete „Seitenblicker“ reist mit Küberl immer wieder in Krisenregionen, teils aus journalistischem Interesse, teils aus ehrlichem Engagement, teils aus Freundschaft.

„Österreich entschlawinern“
Küberls soziales Netzwerk ist vielschichtig, in fast alle Richtungen offen. Und naturgemäß wird der „Kommunikator des Jahres 2005“ als streitbarer Diskutant von Medien gerne eingeladen. Als Kämpfer für sozialen Ausgleich, als Anwalt der Armen und Obdachlosen, als Fürsprecher der Flüchtlinge und Asylanten: Küberl argumentiert eingängig, versucht eine einfache Sprache zu sprechen, hat eine eigene Form der bildlichen Umschreibung gefunden. Sätze wie „Im Weltgugelhupf müssen Rosinen für alle drinnen sein“ merkt man sich ebenso gern wie den Sager, man müsse die Republik Österreich beizeiten „entschlawinern“.
Ein guter Selbstdarsteller wie er ist auch nicht abgeneigt, selbst Medienpolitik zu machen. Im wichtigen ORF-Stiftungsrat, dessen Mitglieder den Generaldirektor wählen, hat er Sitz und Stimme. Die vom BZÖ nominierte Stiftungsrätin Huberta Gheneff-Fürst lobt den „Lobbyisten Gottes“ über den grünen Klee. „Er meldet sich fast in jeder Causa zu Wort, natürlich ist die Sendung ‚kreuz & quer‘ ein Herzensanliegen von ihm“, plaudert sie aus der Schule. Und glaubt, dass er „von allen im Stiftungsrat geschätzt“ werde.
Damit dürfte sie allerdings nicht ganz richtig liegen. Der unabhängige Stiftungsrat Franz Küberl blieb nämlich auch bei der letzten Wahl des Generaldirektors unabhängig und wählte statt der amtierenden Chefin Monika Lindner den Außenseiter Wolfgang Lorenz, was Alexander Wrabetz zum Sieg verhalf – und Küberl bis heute im ÖVP- und Raiffeisen-Freundeskreis nicht wirklich hoch angerechnet wird. Seit damals gilt er in der rechten Reichshälfte tendenziell als Umfaller – was aber Raiffeisen nicht davon abhält, jährlich hunderttausend Euro an die Caritas zu überweisen.

Der vernünftige Rebell
Der 57-jährige Polit-Allrounder polarisiert zwangsläufig. Mit der FPÖ liegt er seit der Unterstützung für das „Lichtermeer“ im Clinch. „Ich orte bei ihm nicht nur Naivität, sondern im Bereich der Scheinasylanten, für die die Caritas ja spricht, auch beachtliche Geschäftsinteressen“, zürnt FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache. Auch in der Caritas näherstehenden Kreisen wird die Nase ob des politischen Engagements gerümpft. Der Unternehmer und Caritas-Aktivist Otto Hirsch etwa fragt ganz offen, „ob es der Auftrag der Caritas sein kann, Politik zu machen“. Vielen Mitarbeitern, die täglich mit schreienden Ungerechtigkeiten konfrontiert sind, ist Küberl hingegen noch viel zu leise.
Von der Konkurrenz kommen Lob und Bewunderung, nur ganz leise Kritik am unbestrittenen „Leithammel“ (Copyright: Rudolf Hundstorfer) der Non-Profit-Unternehmen. Ferry Mayer vom Roten Kreuz etwa könnte sich in der Zusammenarbeit mit dem Partner „noch größere Synergieeffekte“ vorstellen. Ernst Strasser, EU-Parlamentarier und Präsident des NÖ Hilfswerks, erinnert sich an seine Zeit als Innenminister, „in der ich mit ihm nicht immer einer Meinung war“, betont aber gleichzeitig, dass es „stets eine vertrauensvolle Gesprächsebene“ gab.
Viel Lob und viel Ehr’ kommen natürlich auch aus dem Kreis der Direktoren – wiewohl klar ist, dass es dort, wo es um die Verteilung von knappen Mitteln für nicht zu knappes Elend geht, oft zwangsläufig deftige Streitereien geben muss. Der Chef der größten Landesdirektion, der Wiener Michael Landau, betont, dass „zwischen uns beide kein Löschblattl passt“, und lobt Küberls Öffentlichkeitsarbeit: „Er übt die Sprecherrolle in der notwendigen Klarheit aus.“
Nein, Heiliger ist er keiner, der trend-„Mann des Jahres“, aber eine gute Figur. Ein Symbol für Zivilcourage und praktizierte Nächstenliebe. Ein Mann ohne falschen Fanatismus, ausgestattet mit dem nötigen Schuss Humor und ganz sicher ohne den leisesten Ansatz von Arroganz. Auch die Marktforscherin und Markenexpertin Helene Karmasin ist begeistert. Eine Organisation wie die Caritas, sagt sie, „braucht eine perfekte Verkörperung – und Küberl macht das sehr, sehr gut. Er erhebt gern seine mahnende Stimme. Bei dem, was er sagt, kann man meist zustimmen.“ Ihr Resümee: „Er getraut sich, seine Meinung zu sagen, genau das macht ihn sehr sympathisch. Er ist eben ein vernünftiger Rebell.“

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente