Gold & Co

Edelmetalle und Rohstoffe, Unternehmensanleihen und Staatspapiere – es gibt viele Möglichkeiten, die Inflation auszutricksen. Manche sind aber sehr gefährlich.

Gold glänzt wie nie zuvor. Der Preis des Edelmetalls pendelt sei Jahresbeginn um die 1800 Dollar je 31-Gramm-Unze. So teuer war Gold noch nie. Träger der geradezu unglaublichen Hausse sind zwei höchst unterschiedliche Gruppen von Anlegern: jene, die einem gefährlichen Irrtum auf den Leim gegangen sind – und jene, die eine riskante strategische Entscheidung getroffen haben. Angehörigen beider Gruppen ist der Hintergrund ihres Handelns meist nicht einmal bewusst.

Edelmetalle

Beginnen wir mit dem Irrtum. Da genügt ein Blick auf die Entwicklung des Goldpreises in den vergangenen 20 Jahren. Wer etwa im September 1980 eine Unze Gold erwarb, bezahlte dafür rund 660 Dollar. Exakt ein Jahr später lag der Unzenpreis bei 428 Dollar, und erst 2006 – also nach 26 Jahren – war der Einstandspreis wieder erreicht. Unter Berücksichtigung der Kaufkraft sieht die Sache noch wesentlich dramatischer aus: Da erreichte der Goldpreis erst heuer den kaufkraftbereinigten Stand von 1980. Der Irrtum zahlreicher Anleger lautet also: Gold ist jedenfalls eine sichere Anlageform. Stimmt nicht – bei Gold gibt es wie bei allen börsengehandelten Anlageformen Kursschwankungen, die mitunter auch ziemlich halsbrecherisch ausfallen können. Noch wesentlich heftigere Kursschwankungen sind bei Silber zu registrieren, das derzeit ebenfalls als sicherer Hafen hoch im Kurs steht. 1980 führte die Spekulation der texanischen Milliardärsbrüder Hunt zu einem Anstieg des Silberpreises bis in die Region um 50 Dollar, was etwa einer Verzehnfachung des Preises entsprach. Doch der Deal ging nicht auf, der Silberpreis stürzte wieder bis auf fünf Dollar ab und konnte erst ein Vierteljahrhundert nach der Hunt-Blase wieder nennenswert zulegen – auf derzeit rund 40 Dollar.

Komplexer laufen schon die Entscheidungsmechanismen bei jenen ab, die Gold als strategische Anlageform betrachten. Die Überlegung, die dahintersteht, erläutert Andreas Böger, Fondsmanager bei Absolute Portfolio Management, einer unabhängigen Vermögensverwaltung, die unter anderem für die Semperconstantia KAG den erfolgreichen Leonor-Fonds (siehe Kasten) verwaltet: „Die Wirtschaft ist derzeit von Überschuldung geprägt, welche entweder über Inflation – also Geld drucken – oder Deflation – also Kreditausfälle – abgebaut werden muss. Nur Gold wird in beiden Szenarien real an Wert gewinnen.“ Seiner Meinung nach unterscheide sich Gold damit von allen anderen Anlagekategorien wie Aktien, Anleihen, Rohstoffen und Immobilien, die alle von der Verfügbarkeit von Krediten abhingen. Wer diese sehr pointierte strategische Meinung teilt, liegt also mit Goldinvestments richtig. Physisches Gold und Goldminenaktien schlugen seit Ausbruch der Krise 2008 tatsächlich praktisch alle anderen Anlagekategorien, und auch Silber konnte sich gut halten.

Vier Wege führen zu einem Goldinvestment:

> Physisches Gold in Form von Barren und Münzen, wobei das 1-Unze-Stück – etwa der Philharmoniker – oder, für größere Beträge, der 1-Kilo-Barren kleineren Gewichten vorzuziehen ist.

> Gold in Form von Goldzertifikaten (ETFs), die wie Aktien oder Fonds gehandelt werden können. Wer sich vor einem Totalcrash des Wirtschafts- und Währungssystems fürchtet, sollte allerdings „echtes“ Gold bevorzugen, da ein Umwechseln der ETFs in physisches Gold von einem funktionierenden Bankensystem abhängt – und davon, dass alle ausgegebenen ETFs tatsächlich durch Gold gedeckt sind.

> Goldminenaktien, was allerdings eine Beschäftigung mit der Branche voraussetzt.

> Edelmetallfonds, die ihr Investment breit streuen und sowohl in physische Edelmetalle als auch in die fördernden Unternehmen investieren.

Asset-Allocation-Fonds

Andreas Böger hat seine Markteinschätzung in dem von ihm gemanagten Leonor-Fonds radikal umgesetzt: „Ich bin zu hundert Prozent im Gold.“ Allerdings ist er sich der Risiken durchaus bewusst: Sollte nämlich die Marktmeinung umschlagen oder sollten sich Lösungen für die Schuldenkrise abzeichnen, dann wird es zu einer dramatischen Absetzbewegung aus dem Edelmetall und einem entsprechenden Preisabsturz kommen. Intelligente Politik vorausgesetzt, muss das nicht mehr lange dauern. Laut einer umfangreichen Studie der Bertelsmann Stiftung brauchten Staaten bisher zwischen zwei und zehn Jahre, um aus diversen Schuldenfallen zu entrinnen. Aus jetziger Sicht lässt sich jedenfalls noch nicht abschätzen, wann Staatsschulden nicht mehr das dominierende Thema der Finanzbranche sein werden – sicher ist nur, dass sie
es irgendwann nicht mehr sind, und dann ist es hoch an der Zeit, sich vom Gold zu verabschieden. Wichtig sei für den Fonds daher „aktives Risikomanagement“ – also die ständige Neueinschätzung der Situation, verbunden mit einer sorgfältigen Beobachtung des Markts. Durchschnittsanleger seien damit überfordert und liefen ständig Gefahr, den Umschwung des Goldmarkts zu verschlafen.

Bemerkenswert ist die einseitige Ausrichtung des Leonor-Fonds umso mehr, als es sich dabei um einen so genannten Asset-Allocation-Fonds (bzw. „balanced fund“) handelt. Bei solchen Fonds versucht das Fondsmanagement, den der jeweiligen Marktsituation angepassten Mix aus verschiedenen Anlageklassen zu finden und im Fonds umzusetzen. Je nach Risikoneigung können Anleger dabei das Aktienengagement auf 75, 50 oder 25 Prozent beschränken. Vor allem für längerfristig orientierte Anleger ist das aber nicht sinnvoll, weil dadurch Renditechancen verschenkt werden – und immerhin kassieren die Fondsmanager ihre Verwaltungsgebühr ja dafür, dass sie sich den Kopf über den jeweils der Situation angepassten Vermögensmix zerbrechen.

Zur Wahl stehen dabei meist alle wesentlichen Anlagekategorien: Aktien, Anleihen, Immobilien, Edelmetalle, Rohstoffe und oft auch Hedgefonds. Dass es den besten Fondsmanagern geglückt ist, ihren hohen Freiheitsgrad gewinnbringend zu nutzen, zeigt die Tabelle „Asset-Allocation-Fonds“. Über die vergangenen drei Jahre schaffte jeder der fünf topgereihten Fonds eine Performance von mindestens rund zehn Pro zent – wobei sich die Performance-Unterschiede in Grenzen halten. Die Risiken, die mit der großen Freiheit für Fondsmanager verbunden sind, zeigt allerdings die 1-Jahres-Performance, die sich zwischen viereinhalb und gut 20 Prozent bewegt. Aktives Risikomanagement der Fonds verhindert jedenfalls Abstürze, die reine Aktieninvestments in den Jahren 2008 und 2009 mit sich brachten.

Rohstoffe

Praktisch alle Asset-Allocation-Fonds investieren auch in Rohstoffe. Die Überlegung dabei ist einigermaßen simpel: Die Weltbevölkerung nimmt zu, zusätzlich wächst in den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China eine konsumstarke Mittelschicht heran, die jetzt schon mehr Menschen zählt als die gesamte EU. Daher wird die Nachfrage nach Rohstoffen weiter zunehmen, und deren Preise werden steigen – an sich eine sichere Sache. Langfristig treffen solche Überlegungen zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit zu, Rohstoffe gelten als einer der Megatrends, die das Investmentuniversum der kommenden Jahrzehnte bestimmen werden. Doch kurzfristige Schwankungen machen Anlegern das Leben schwer. Außerdem ist ein Direktinvestment in Rohstoffe für Privatanleger kompliziert. Was bleibt, ist der – durchaus lukrative – Umweg über Rohstoffaktien – oder die Alternative, die Kursentwicklung von Rohstoffen über Zertifikate abzubilden.

Kritiker bemängeln hier zwar die mangelnde Kostentransparenz und den Umstand, dass Zertifikate die zugrunde liegende Ware oder den Index nicht immer exakt abbilden. Doch in den vergangenen Jahren hat sich hier einiges verbessert. Zu den aktiven Anbietern in Österreich zählen die Erste Group, Volksbanken Investment, die Raiffeisen Centrobank (RCB), die Bank Austria, die Royal Bank of Scotland, Credit Suisse und Société Générale. Anleger können hier aus einer breiten Palette verschiedener Produkte wählen, mit denen sich die unterschiedlichsten Marktmeinungen abbilden lassen.

Auf die hohen Rohölpreise setzt das Öl Bonus Zertifikat 14 der RCB (ISIN: AT0000A0P2K0), das am 19. September 2012 ausläuft und mit einer Bonusverzinsung von 15 Prozent lockt. Sie wird erreicht, wenn der Ölpreis nie unter die Barriere von 70 Prozent des Startwerts fällt. Jeder Rückgang des Ölpreises macht das Zertifikat billiger – wer bereit ist, hier ein etwas größeres Risiko einzugehen, sollte also mit dem Einstieg noch etwas zuwarten.

Eine interessante Chance, auf die neu berechneten Dow-Jones-Rohstoffindizes zu setzen, bietet die Société Générale mit einer neuen Zertifikatefamilie. Die SocGen-Zertifikate bilden Indizes ab, die die wichtigsten Rohstoffunternehmen wie Minengesellschaften, Wasseraufbereiter, Erdöl-, Gas- oder Kohleförderer umfassen: Der DJ-Global-Equity-Commodity-Index beinhaltet die 100 wichtigsten Unternehmen, die in Förderung und Produktion knapper und nachwachsender Rohstoffe tätig sind (ISIN: DE000SG2FC11), das Global-Equity-Energy-Zertifikat (ISIN: DE000SG2ENE4) bildet 33 Unternehmen aus der Energiewirtschaft ab, und mit dem Global-Equity-Agriculture-Zertifikat können Anleger auf die Kursentwicklung von 30 Aktien aus dem Agrarsektor setzen. Der Vorteil solcher Konstruktionen: Käufer müssen nicht die Entwicklung einzelner Aktien verfolgen, das Risiko ist über die wichtigsten Unternehmen eines ganzen Sektors gestreut.

Auch Anleger, die auf bestimmte Rohstoffe fokussieren wollen, finden bei den Zertifikaten passende Angebote. So bietet Volksbanken Investment Zertifikate unter anderem auf die Preisentwicklung von Sojabohnen (ISIN: AT000B058987) und Weizen (AT000B058979) an. Beide Zertifikate laufen bis 2013. Einen interessanten Einstiegspreis bietet das Silizium-Basket-Zertifikat (ISIN: AT0000A01FP0), das einen größeren Absturz hinter sich hat. Da es hier keine Laufzeitbegrenzung gibt, können Anleger bequem warten, bis sich die Kurse der darin zusammengefassten Siliziumhersteller wieder erholen.

Unternehmensanleihen

Mit einem Kursrisiko ist so ein Investment freilich immer verbunden. Sowohl Aktienkurse als auch die Notierungen von Rohstoffen können in Krisenzeiten auch mehrere Jahre auf Tauchstation bleiben. Wer dieses Risiko nicht eingehen möchte oder nicht die Geduld dazu hat, die auf jede Baisse folgende Erholung abzuwarten, kann dennoch Renditen erzielen, die Sparbuch & Co in den Schatten stellen. Unternehmensanleihen können zwar ebenfalls Kursschwankungen produzieren, doch diese fallen milder aus als bei Aktien, und überdies wird zu einem bestimmten Zeitpunkt ohnedies der Nominalbetrag fällig. Wer sein Geld nicht überraschend abziehen muss, hält das Papier einfach bis zum Laufzeitende durch. Das Risiko dabei: Vielleicht geht das Unternehmen, das die Anleihe aufgelegt hat, pleite. Sehr groß ist dieses Risiko derzeit aber nicht. Im durchaus nicht unproblematischen Jahr 2010 belief sich die Ausfallsquote im von der Bonität her schon alles andere als großartigen BB-Segment, das bereits nicht mehr als „investment grade“ gilt, auf 0,55 Prozent. Über alle Bonitätsklassen betrachtet, schätzt die Ratingagentur Moody’s die Ausfälle auf lediglich 1,5 Prozent.

Seit dem Ausbruch der Staatsschuldenkrise ist jedenfalls klar: Unternehmensanleihen, die jahrelang als eher weniger sicheres Investment galten, dienen in einem breit gestreuten Portfolio als verlässliche Renditelieferanten. Das Angebot hier ist allerdings für Privatanleger schmal, der Markt intransparent und die Gefahr, zur Unzeit einzusteigen, groß.

Als praktische Alternative zu Einzelinvestments bieten sich daher besonders in diesem Segment die Fonds an. Ein Blick auf deren Performance zeigt: Im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre ließen sich hier ganz ordentliche Renditen erzielen: Zwischen rund 7,6 und 9,5 Prozent brachten die besten Fonds der Branche. Doch das vergangene Jahr warf einige Schatten auf diese Anlageklasse: Selbst Fondsmanager, die ihre Kunden jahrelang mit überdurchschnittlichen Renditen verwöhnten, mussten plötzlich – leichte – Verluste erklären.

CEE-Anleihen

Zinsanhebungen wird es wohl auch in den Zentral- und Osteuropäischen Staaten so bald nicht geben. Deren Anleihen gerieten in den Griechenland-Strudel und verloren massiv an Wert. Doch die Kursschwankungen sind unbegründet. Selbst Ungarn als „schlechtestes“ CEE-Land liegt mit seinem Verschuldungsgrad deutlich unter dem Schnitt der Euroländer. Doch bei internationalen Investoren stehen Anleihen aus Mazedonien, Ungarn oder Polen niedriger im Kurs als beispielsweise deutsche oder österreichische Papiere – eine, wie Analysten immer wieder betonen, paradoxe Situation, aus der sich beachtliche Zusatzrenditen erzielen lassen.

Von Franz C. Bauer

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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