Private Banking: Die Jagd nach den Prozenten

Private Banking: Die Jagd nach den Prozenten

Der Mehrwert des professionellen Finanzmanagements, das Privatbanken über standardisierte Vermögensverwaltungsportefeuilles anbieten, fällt eher bescheiden aus. Aber nur auf den ersten Blick.

Der Tsunami vom November 2008, der nach der Lehman-Pleite die internationalen Finanzmärkte durcheinanderwirbelte, ist längst Geschichte, die raue See hat sich aber noch immer nicht beruhigt. Selbst die Profis der Privatbanken tun sich weiterhin schwer, unter den tückischen Bedingungen den gewünschten Kurs zu halten - wenngleich die meisten Kundenportfolios längst wieder deutlich über Wasser liegen.

trendINVEST hat die Anlageerfolge typischer Standardportfolios von 17 Privatbanken einander gegenübergestellt - also jene Vermögensverwaltungsangebote für Einsteiger oder für Kunden, für die sich die individuelle Einzelverwaltung des Vermögens noch nicht rechnet. Jeweils drei Kategorien wurden gelistet: konservativ, ausgewogen und dynamisch - wobei der Bogen von reinen Renten- bis zu reinen Aktien-Mandaten reicht. Die Tabellen geben Auskunft über die Veranlagungsrichtlinien und die erzielte Rendite per annum über ein, drei, fünf und zehn Jahre, zur besseren Orientierung sind die drei besten Ergebnisse immer farblich unterlegt (Details zum Gesamtangebot siehe Seite 136.)

Nachhaltig

Auf den ersten Blick fällt auf, dass einige Privatbanken ihre Verluste in den ausgewogenen und dynamischen Portefeuilles mit höheren Aktienquoten über fünf und zehn Jahre noch nicht wettmachen konnten. Rund die Hälfte hat den Kopf aber ziemlich nachhaltig über Wasser, auch über die langen Distanzen - allen voran die beiden global aufgestellten Finanzdienstleister Crédit Suisse und UBS, aber auch zwei regionale Player: Gutmann und die Private-Banking-Unit der Bank Austria (BA). Dabei könnte die Ausgangslage unterschiedlicher nicht sein: Während sich die Schweizer bei den weltweit eingesetzten Portfoliomodulen für Aktien, Renten usw. auf die Expertise Hunderter eigener Analysten stützen, setzt Gutmann, so Vorstandsmitglied und CIO Friedrich Strasser, schon beim Research auf externe Berater - als Basis für eigene Investmentideen oder zur Bestätigung oder Verwerfung derselben: "So ist es uns gelungen, kapitale Anlagefehler zu vermeiden, etwa den Kauf forderungsbesicherter Wertpapiere wie Asset Backed Securities vor der Finanzkrise oder den zu frühen Umstieg in kurzlaufende Staatsanleihen in jüngerer Zeit.“

Gemein ist den Top-Performern die "Offene Produktarchitektur“, bei der die besten Produkte in das jeweilige Portfolio aufgenommen werden und nicht nur die des eigenen Hauses - ein wichtiges Kriterium für die Wahl des Vermögensverwalters.

Die BA setzt das erst seit Anfang 2012 um: Davor hatte man lediglich Pioneer-Fonds eingesetzt, mittlerweile wurde die Palette auf elf "preferred partners“ erweitert.

Nicht 08/15

Generell gilt: Standard-Portfolios nutzen Möglichkeiten, die einem Privatkunden, selbst mit mehreren 100.000 Euro, sonst nicht zugänglich wären. Weitere Vorteile sind das Know-how, eine breite und professionelle Streuung, ein laufendes Monitoring, das rasches Reagieren erlaubt, und niedrigere Kosten dank höherem Volumen. "Sie nehmen die Emotion raus“, weiß Ingo Zima, Investment Consultant der UBS - das erlaube Disziplin und bremse die Jagd nach dem heißen Tipp.

"Standardisierte Vermögensverwaltungsportfolios sind kein 08/15-Produkt“, betont Meinhard Platzer, CEO der LGT Bank Österreich, "sie garantieren die Umsetzung eines Anlageprozesses unter definierten Risikoparametern.“ Was für alle gilt, hat hier eine besondere Komponente: "Im Gegensatz zum Mitbewerb setzen wir in unseren Portfolios auf acht mögliche Zukunftsszenarien und leiten davon die Renditeerwartungen für alle Anlageklassen ab.“

"Standardisiert sind die Rahmenbedingungen, die Struktur“, ergänzt Werner Zenz, Vorstandsmitglied des Bankhauses Spängler, "das Innenleben der Mandate ist höchst individuell.“ Vor zwei Jahren hat Spängler diese in Fondshüllen gepackt - primär aus steuerlichen Gründen (siehe Story "Steuerattacke" ), aber auch um die Kosten weiter zu reduzieren und den Aktionsradius zu erweitern: "Statt der individuellen Umschichtung auf den einzelnen Depots steuern wir nun Käufe und Verkäufe zentral und können etwa zur Absicherung von Währungsrisiken Derivate einsetzen, die bei Volumina von wenigen 100.000 Euro kaum effizient sind.“ Als Reaktion auf die heftigen Finanzmarktturbulenzen wurden jüngst auch Wertuntergrenzen eingeführt.

Ähnliche Strategiefonds-Konzepte verfolgt die seit November 2011 in Österreich präsente Zürcher Kantonalbank. Eine markante Alternative bietet die Capital Bank, die Mandate auch in Form von Zertifikaten anbietet.

Weil am Ende des Tages aber die Wertentwicklung nach Kosten ausschlaggebend ist, kommt den verrechneten Gebühren eine essenzielle Rolle zu: "All-in-Fees, die sämtliche Bearbeitungsgebühren, fremde Spesen und die Rückvergütung von Bestand-Fees umfassen, sind die ehrlichste Antwort der Privatbanken auf Transparenz“, weiß Zenz, der dieses Modell seit rund 15 Jahren umsetzt. Als fixe Größe sind sie im Vorhinein berechenbar und unabhängig von der Häufigkeit der Transaktionen.

Paradigmenwechsel

Beim Blick auf die Tabellen fällt weiters die unterschiedliche Interpretation von "konservativ“, "ausgewogen“ und "dynamisch“ auf - wobei die jeweilige Hausmeinung durchschimmert.

Zima von UBS ortet darin einen neuen Trend: "Wurde die breite Streuung bis vor Kurzem mehr als Lehrmeinung denn als Anlagerichtlinie wahrgenommen, so wird sie nun verstärkt umgesetzt.“ Für manche eine Erkenntnis aus der Not, für viele die logische Schlussfolgerung aus dem neuen Anlageumfeld - speziell im Anleihenbereich. "Risikolos definiert sich heute anders als früher“, bemerkt Oliver Prinz, Leiter Private Banking Asset Management der BA, angesichts der Verwerfungen auf den Bondmärkten. "Zugegeben: Mir wäre bei konservativen Mandaten eine breitere Diversifizierung vor allem über Aktien willkommen. Aber das Rentensegment bietet heute eine derart breite Spielwiese, dass auch mit Unternehmens- und Schwellenländerbonds ähnliche Renditen wie mit Aktien erzielt werden können.“

Henrik Herr, Leiter Private Banking von Crédit Suisse Österreich, geht mit dem Hausansatz noch weiter: "Mit, New Conservative‘ setzen wir nicht nur auf die Performance von Corporates, Lokalwährungsanleihen und High-Yield-Bonds, sondern auch auf Top-Picks aus dem Aktienbereich sowie Gold und Rohstoffe.“

Damit wird klar: Nach guten "Anleihenjahren“ wurde nun eine neue Ära eingeläutet. Vermögende Anleger, die ihre Entscheidungen auslagern wollen, sind gut beraten, breit aufgestellte Vermögensverwalter zu suchen. Wichtig dabei sind der Track Record, der Rückschlüsse auf die Güte der Vermögensverwaltung zulässt, und der ständige Austausch mit dem Berater.

Tabellen:

Die Performance der "konservativen" Portfolios

Die Performance der "ausgewogenen" Portfolios

Die Performance der "dynamischen" Portfolios

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