Pharma-Aktien: Die Dividendenpapiere locken mit günstigen Bewertungen

Auslaufende Patente und staatliche Preisdiktate machen der Medikamentenbranche zu schaffen. Doch die Bewertungen der Aktien sind günstig, jetzt könnte sich ein Investment als lohnend erweisen.

Pharma-Aktien: Die Dividendenpapiere locken mit günstigen Bewertungen

Es gibt nur wenige Produkte, die für sich das Attribut "unentbehrlich“ in Anspruch nehmen dürfen, und sparen lässt es sich praktisch überall. Wirklich überall? Hatten Sie schon einmal bohrende Zahnschmerzen? Oder quälende Migräne? Es wird wohl niemanden geben, der in dieser Situation nach dem Preis der rettenden Pillen fragt oder gar auf sie verzichtet. Klingt doch gut, wenn man Pharmaaktien besitzt, oder? Die Antwort lautet: leider nein - was die letzten Jahre betrifft. Pharmaaktien, über Jahrzehnte mit dem Image solider Gewinnbringer im Portfolio versehen, erweisen sich etwa seit dem Jahr 2000 als veritable Performance-Killer. Allein schon der Blick auf den Marktleader Pfizer stimmt melancholisch. 2003 notierte die Aktie noch bei rund 32 Euro. Bis 2009 hatte das Papier zwei Drittel seines Werts eingebüßt.

Doch die Trendwende scheint geglückt. "In der schwierigen Börsenphase ab 2008 haben sich die Pharmaaktien gut gehalten“, sieht Norbert Janisch, Manager des Healthcare-Aktienfonds von Raiffeisen Capital Management, mehr als nur einen Lichtblick für die Branche. Tatsächlich gibt es jetzt wieder gute Argumente, die für ein Investment sprechen.

Dividendenriesen

Gleich auf den ersten Blick auffällig sind die hohen Dividendenrenditen, mit denen Pharmakonzerne ihre Aktionäre verwöhnen. "Die Consensus-Schätzung für die Branche beträgt durchschnittlich 6,2 Prozent. Und das finanzieren die Unternehmen locker aus dem operativen Cash Flow“, berichtet Harald Kober, Manager des Espa Stock Pharma. Sogar Branchenprimus Pfizer bietet 3,6 Prozent - für einen Weltkonzern dieser Größe, der als "unsinkbares Schiff“ gilt, eine bemerkenswert hohe Ausschüttung. AstraZeneca, ebenfalls unter den Top Ten der Pharma-Branche lockt mit 6,2 Prozent, die Ausschüttungen kleinerer Pharmaunternehmen liegen teils deutlich darüber.

Apropos Cash Flow: Praktisch alle Unternehmen der Oberliga verfügen über eine hervorragende Bilanzstruktur und eine entsprechend solide Eigenkapitalbasis. Branchenüblich sind 40 Prozent Eigenkapital. Damit sind die Pharmakonzerne solider finanziert als die meisten anderen Branchen.

Positives gibt es auch vom Markt zu berichten. Dieser wächst nämlich ohne irgendein Zutun der Beteiligten automatisch: In den Industrieländern sorgt die zunehmende Überalterung für eine stetige Zunahme potenzieller Kunden für Blutdrucksenker, Diabetesmedikamente und Krebsmittel.

Hoffnungsmärkte

Ein noch größeres Potenzial liegt in den Entwicklungs- und Schwellenländern, und zwar aus drei Gründen: Erstens wächst dort die Bevölkerung schneller als in den "alten“ Industrienationen. Zweitens nimmt der Wohlstand zu, die kaufkräftige Mittelschicht der Schwellenländer ist jetzt bereits zahlenmäßig stärker als die Gesamtbevölkerung der EU. Drittens aber führt gerade dieser größere Wohlstand zur Zunahme von Zivilisationskrankheiten: Diabetes und Bluthochdruck sind in diesen Ländern im Vormarsch.

Den Argumenten für ein Engagement im Pharmasektor stehen allerdings auch gute Gründe gegenüber, vorsichtig zu sein.

Die größte Herausforderung für die Konzerne besteht darin, ständig neue Medikamente auf den Markt bringen zu müssen. Läuft der Patentschutz für die so genannten Blockbuster aus, die jeweils mehr als eine Milliarde Dollar zum Umsatz beitragen, dann bricht mit einem Mal ein Teil der Umsatz- und Gewinnbasis weg. Immer schneller springen dann nämlich Generikahersteller ein. Solche Generika - Nachahmermedikamente, die gleiche oder nur leicht modifizierte Wirkstoffe verwenden wie das Originalmedikament - sind weitaus billiger und verdrängen daher das Original rasch vom Markt, es sei denn, die Pharmakonzerne entschließen sich zu drastischen Preissenkungen, was wiederum die Gewinne schmelzen lässt. Die Patentbehörden verschärfen die Situation weiter, indem sie bei Patentverlängerungen immer strenger vorgehen: Genügte früher eine leichte Modifizierung eines Wirkstoffs als Alibihandlung, um eine Patentverlängerung zu erwirken, so verlangen die Ämter derzeit tatsächlich neue Wirkstoffe.

Teure Forschung

Ausschlaggebend für den künftigen Erfolg eines Pharmaunternehmens ist daher die Pipeline - also die Reihe jener Produkte, die sich noch im Entwicklungsstadium befinden. Diese wird aber immer dünner. Zurückzuführen ist das zum Teil auf die immer höheren Entwicklungskosten. Laut einer Studie der University of British Columbia kostete die Entwicklung eines neuen Medikaments bis zu dessen Markteinführung im Jahr 1980 noch 161 Millionen Dollar - 2009 waren es bereits 1,8 Milliarden, Tendenz: weiter steigend. Immer schärfere Auflagen für klinische Tests und aufwändigere Zulassungsverfahren treiben diese Kosten in die Höhe. Von den ersten Forschungsschritten bis zur Markteinführung eines Produkts dauert es oft zehn Jahre.

Vorbei sind aber auch die goldenen Zeiten für die Generikahersteller. Hier ist ein weltweiter Zeit- und Preiswettlauf entbrannt. Das Geschäft macht, wer als Erster mit einem Generikum auf den Markt kommt.

Nicht erst seit der Schuldenkrise, aber durch diese verstärkt, üben die Regierungen Druck auf die Pharmakonzerne aus, ihre Preise zu senken. In immer kürzeren Abständen verhandeln staatliche Gesundheitssysteme und Krankenkassen über weitere Ermäßigungen. Die Preisdurchsetzungsmacht eines Pharmaunternehmens hängt dabei von der Einzigartigkeit und Wirksamkeit eines Produkts ab. Außerdem versuchen Schwellenländer durch Zwangsmaßnahmen und politischen Druck, auch bei patentgeschützten Medikamenten massive Preissenkungen zu erwirken.

Ein ständiges Damoklesschwert für Pharmaunternehmen sind Schadenersatzklagen, die sich rasch zu dreistelligen Millionenbeträgen summieren können. So musste der US-Pharmariese Merck vergangenes Jahr 950 Millionen Dollar bezahlen, weil er ein Medikament zur Behandlung rheumatoider Arthritis verkauft hatte, das für diese Indikation noch nicht zugelassen war. 628 Millionen Dollar gingen allein zur Befriedigung der Forderungen von Zivilklägern auf.

"Eines ist schon klar: Das ungetrübt positive Bild, das Anleger früher von Pharmaaktien hatten, gibt es so nicht mehr“, resümiert Monika Rosen, Chefanalystin im UniCredit Bank Austria Private Banking. "Ihre Rolle als sicherer Hafen, auf den man blind vertrauen konnte, haben sie verloren. Man muss aber auch sagen, dass sich die Aktien in der Krise teils recht gut gehalten haben.“ Die Branche hat nämlich gelernt, mit den Herausforderungen zu leben. So haben die Konzerne etwa auf die erzwungenen Preissenkungen mit drastischen Rationalisierungsprogrammen reagiert.

Die spärlich beschickten Produkt-Pipelines wiederum versuchen die Manager der Big Player durch Kooperationen mit kleinen, innovativen Forschungsunternehmen zu füllen. Das vermindert das Risiko von Fehlschlägen und ermöglicht den Konzernen überdies, die Kosten für Forschung und Entwicklung zu kappen. Führt so eine Kooperation zum Erfolg, verfügen die großen Pharmaunternehmen über wohlgefüllte Kriegskassen, um ihren kleineren Partner zu übernehmen oder die Lizenzen und Vermarktungsrechte für ein neues Medikament abzulösen.

Billige Aktien

Dass diese Bemühungen nicht nur erfolgreich waren, sondern auch von den Anlegern honoriert wurden, zeigt ein Blick auf die Aktienkurse. Nach Jahren, in denen die Pharmaaktien hinter dem breiten Markt zurückblieben, schnitt der Sektor zuletzt wieder überdurchschnittlich ab. Aus Anlegersicht interessant ist dabei nicht nur die Performance, sondern auch die aktuelle Bewertung der Papiere: Diese werden mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund zehn gehandelt, also um etwa ein Drittel billiger als der Gesamtmarkt (siehe Tabelle ). Das ist zwar kein Garant für weitere Kursgewinne - aber es beruhigt und macht ein Investment weniger risikoreich.

Potenzmittel lassen die Kassen der Pharmakonzerne kräftig klingeln und locken Fälscher an

Im Sommer entdeckten thailändische Zöllner ein geheimes Versteck mit gezählten 326.750 Potenzpillen - gefälscht natürlich. Geschätzter Wert des Lagers, in dem die Beamten auch noch Sexartikel fanden: rund 2,5 Millionen Euro. Ein Klacks, glaubt man Marktbeobachtern, die davon ausgehen, dass mehr als die Hälfte der am Markt befindlichen Potenzpillen aus Fälscherlabors stammen. Für die Pharmakonzerne bleibt das Business mit den Glückspillen dennoch lukrativ. Der weltweite Umsatz dürfte um die 3,5 Milliarden Dollar pendeln. Tendenz: immer noch steigend, aber nicht mehr in dem Ausmaß wie früher.

Vier Unternehmen teilen sich das Geschäft. Weltweiter Marktführer ist nach wie vor Pfizer mit Viagra. Doch in Europa hat bereits Cialis, eine Entwicklung von Lily Pharma, die Nase vorn. Levitra, in Österreich auch unter dem Markennamen Vivanza verkauft, das von Bayer entwickelt wurde und gemeinsam mit GlaxoSmithKline vermarktet wird, bildet das Schlusslicht. In Österreich erzielten die Pharmakonzerne mit Potenzmitteln vergangenes Jahr einen Umsatz von 15,7 Millionen Euro. Cialis führt hier mit sechs Millionen vor Viagra (5,3 Millionen), Vivanza (2,5 Millionen) und Levitra (1,8 Millionen).

Zu Apotheken-Verkaufspreisen dürfte der Markt damit rund 30 Millionen Euro schwer sein. Über das Auslaufen des Patentschutzes breiten die Unternehmen zwar den Mantel des Schweigens, doch wird Viagra das erste Potenzmittel sein, bei dem Generika für eine Verbilligung sorgen. Der Wirkstoff wurde bereits 1998 geschützt, Patente laufen je nach Land zwischen 15 und 20 Jahre.

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