Mit dem Konto zum Konzert

Mit dem Konto zum Konzert

Die Banken locken Jungakademiker in spe mit jeder Menge Extras rund um das Konto - in der Hoffnung, dass sie später auch als zahlungskräftige Kundschaft erhalten bleiben.

Sebastian Kiss will sich gut auf sein Studium vorbereiten: Das Zimmer im Studentenheim ist fixiert, sogar die Koffer sind bereits gepackt. Denn in wenigen Tagen geht’s vom Ländle auf nach Wien zum Technikstudium. Da wäre nur noch zu klären, bei welcher Bank er sein Konto eröffnen soll, auf das ihm seine Eltern Monat für Monat das Studiengeld überweisen wollen. Die Angebote sind verführerisch: Sie reichen vom eleganten Etui für seinen Laptop samt Apple-Gutscheinen bis zu ermäßigten Tickets für Konzerte und Events. Er entscheidet sich für Lionel Richie - und damit für ein Bank-Austria-Konto. Wenn sein Lieblingskünstler am 22. November in der Wiener Stadthalle auftritt, will er fix dabei sein.

Kreatives Marketing

Die Banken haben sich längst darauf eingestellt, der jungen Klientel mehr zu bieten als ein nacktes Konto - und sind dabei mittlerweile enorm kreativ geworden. Mit durchdachten Goodies geht es auf Kundenfang in jener vielversprechenden Zielgruppe, die früh ans Haus gebunden werden soll, bevor sie später groß ins Verdienen kommt. Bei der Erste Bank und im Sparkassensektor etwa hat die Bankomatkarte neuerdings einen exklusiven Zusatznutzen: Sie gilt zugleich als internationaler ISIC-Studentenausweis, der weltweit mehr als 41.000 Ermäßigungen und Vorteile bietet - wie Sondertarife für internationale Linienflüge oder andere Transportmittel, Rabatte in Hotels, vergünstigten oder freien Eintritt in Museen, Theater, Kinos, Diskotheken oder gebührenfreien Währungstausch auf vielen Flughäfen.

Raiffeisen hält mit der European Youth Card dagegen, mit der man in den meisten europäischen Ländern in den Genuss von Rabatten für Reisen, Unterkünfte, Kultur-Events, Shopping und Services kommt. Eine besondere Spezialität von Raiffeisen ist das Yellow Café (vor den Wiener Unis), wo man sich rund um den Studienbeginn in gemütlicher Atmosphäre entspannen, aber auch Hilfe beim Studienbeginn und kompetente Beratung zum Studentenkonto in Anspruch nehmen kann. Außerdem gibt es eine kostenlose Mitgliedschaft im Raiffeisen Club mit Zugang zu zahlreichen Ticket-Ermäßigungen von durchschnittlich zehn Prozent. Studenten, die beim Ticketing-Programm gerne aus dem Vollen schöpfen wollen, sind übrigens auch bei der Bank Austria sehr gut aufgehoben: Sie hat Karten für rund 4000 Veranstaltungen pro Jahr im Angebot mit Ermäßigungen von bis zu 20 Prozent.

Die Palette der Zusatzleistungen reicht aber noch viel weiter. Und zwar von vergünstigten Versicherungspaketen, die speziell auf Studenten zugeschnitten sind (etwa für Privathaftpflicht oder Absicherung des Kontorahmens), über Kontoeröffnungsgeschenke bis hin zu Prämien für die Akquisition weiterer Studienkollegen (siehe Tabelle ).

Warum die Banken derart um angehende Studenten buhlen und sie mit Serviceleistungen locken, die weit über das reine Bankgeschäft hinausgehen, hat einen simplen Grund: Die finanzschwachen Neukunden werden über kurz oder lang eine Reihe von Dienstleistungen in Anspruch nehmen - von der Wohnraumfinanzierung bis hin zur Vorsorge. Als Akademiker werden sie sich später in die Gruppe der vermögensstarken Kunden einreihen. Dafür nehmen die Banken in Kauf, dass ein Studentenkonto für sie jahrelang ein Verlustgeschäft bleibt, wie Günther Haas, Leiter Marketing Privatkunden in der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, verrät: "Für uns ist das eine Investition in eine langjährige Kundenbeziehung.“

Der neue Lebensabschnitt ist zudem ein idealer Zeitpunkt, die junge Kundschaft an Bord zu holen. "Der Studienbeginn ist oft mit einem Wechsel des Wohnorts verbunden“, erklärt Rainer Hauser, in der Bank Austria verantwortlicher Vorstand für Privatkunden. Vor allem Studierende, die aus den Bundesländern kommen, überlegen gerade zu diesem Zeitpunkt neben ihrem Sprung in die Großstadt auch den Wechsel von der regionalen Sparkasse zu einer Großbank.

Einladende Konditionen

Zur Einrichtung eines Studentenkontos genügt die Vorlage der Inskriptionsbestätigung bis zum Studienabschluss. Die Altersgrenze beträgt je nach Institut 26 bis 30 Jahre. Die meisten Banken führen das Studentenkonto kostenlos. Die Bawag P.S.K. verrechnet nur dann eine Gebühr, wenn das Konto ins Minus gerutscht ist.

Auch die Guthabenverzinsung ist oft besser als bei herkömmlichen Girokonten oder täglich fälligen Sparbüchern. Am meisten zahlt die easybank, nämlich 1,25 Prozent. Rutscht der Kontosaldo jedoch ins Minus, dann ist es mit der Großzügigkeit der Banken schlagartig vorbei: Die Sollzinsen liegen derzeit in der Regel zwischen 8,25 und 9,50 Prozent. Notorische Überziehungen werden von den Banken aber ohnehin nicht gerne gesehen. Ein etwaiger Rahmen muss meist individuell ausgehandelt werden. Auch Darlehen werden eher restriktiv vergeben, sofern es nicht um Wohnraumfinanzierung geht, wie etwa bei der Bank Austria oder über den SuperschnellKredit der Bawag P.S.K.

Damit man als Student jederzeit über sein Geld verfügen kann, offerieren die Banken kostenloses Netbanking. "Funktionelles und leicht bedienbares e-Banking und eine mobile App spielen eine immer wichtigere Rolle“, weiß Peter Karst, Leiter des Bereichs Marketing und Produktentwicklung in der Bawag P.S.K. Um den persönlichen Kontakt zu halten, ohne dass der Student in die Filiale gehen muss, wird die Bank Austria demnächst sogar Video-Telefonie anbieten.

Raiffeisen bietet im Übrigen neben dem kostenlosen Standardkonto auch eine XL-Version zum Preis von 4,05 Euro pro Monat an, die aufgrund ihrer Sonderleistungen ganz schön attraktiv ist: Mit der kostenlosen Kreditkarte hat man bereits die Hälfte der sonst üblichen Jahreskosten eingespart. Zählt man die Mehrleistungen dazu (siehe Fußnote der Tabelle ), dann steigt man vermutlich besser aus als beim Gratiskonto. Trotzdem schließen nur fünf bis zehn Prozent der Studenten diese Variante ab, bedauert Marketingleiter Haas. Schließlich hat sich in den Köpfen der angehenden Jungakademiker längst die Meinung durchgesetzt, dass ein Studentenkonto kostenlos ist.

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