Geld vom Staat: Wie Sie beim Finanzminister einige tausend Euro abkassieren können

Nicht nur die Banken dürfen beim Finanzminister die Hand aufhalten - auch normale Bürger können beim Fiskus einige tausend Euro abkassieren.

Von Franz C. Bauer

Eigentlich ungerecht: Da verzocken die Banken rund um den Erdball einige tausend Milliarden Dollar, Euro oder was auch immer – und werden dann mit astronomischen Förderungen belohnt. Und wir? Immerhin: In Österreich dürfen sich auch private Haushalte über staatlichen Geldregen freuen. Insgesamt bis zu 6753 Euro kann heuer jeder Bürger vom Staat an direkten Förderungen kassieren. Doch bisweilen gestaltet sich der Weg zum rotweißroten Geldtopf einigermaßen mühsam. Und: Nicht alles, was gefördert wird, ist auch sinnvoll.

Die Komplizierte.
Die jüngste staatliche Förderung ist zugleich die komplizierteste: der „SanierungsScheck für thermische Sanierung“. Nicht nur sprachlich kommt diese Förderung eher holprig daher – der Weg dorthin ist auch einigermaßen steinig. Lohnend kann die Sache dennoch sein – vor allem, wenn ohnedies in Haus oder Wohnung Reparaturen oder Erneuerungsmaßnahmen anstehen.

Ziel der Förderung ist es, einerseits zu Energiesparinves­titionen zu ermutigen, andererseits aber auch Impulse für die Wirtschaft zu setzen. Freilich lassen sich bei etwas Fantasie und gutem Willen der ausführenden Handwerker unter dem Titel „Energiesparen“ auch durchaus andere nützliche Dinge unterbringen. Ihre alte Zentralheizung gibt demnächst den Geist auf? Sie überlegen, endlich Schallschutzfenster einzubauen – oder eine einbruchsichere Türe? Spricht doch nichts dagegen, dass die neue, geförderte Thermotüre nicht nur der Kälte, sondern auch Einbrechern den Weg in die Wohnung versperrt oder dass die alte Therme endlich durch eine effizientere, obendrein noch staatlich geförderte ersetzt wird.

Die erste Anlaufstelle ist die Bank. Dort erhalten Sie die entsprechenden Antragsformulare – ebenso wie bei allen Bausparkassen, denn diese allein sind mit der Abwicklung betraut. Nächster Weg: Besorgen Sie sich einen Energieausweis. Diesen erhalten Sie bei dazu berechtigten Installateuren, Bauunternehmungen oder Zivilingenieuren. Kosten: ab etwa 400 Euro. Wenn das betreffende Unternehmen die Arbeiten später selbst ausführt, geht es auch billiger. Anschließend Kostenvoranschläge einholen.

Nächster Schritt: Förderungsantrag, Energieausweis samt Rechnung und Kostenvoranschlag zur Bank bringen (Lichtbildausweis nicht vergessen!). Diese leitet die Unterlagen über die Bausparkassen an die Kommunalkredit weiter, über die später die Auszahlung erfolgt.

Nach ein bis zwei Monaten sollte das O.k. für die Durchführung („Förderzusage“) kommen. Dann endlich können die Arbeiten beginnen. Innerhalb von zwölf Monaten nach Förderzusage müssen Rechnungen, Zahlungsbelege und wieder einmal ein Formular – nämlich das „Endabrechnungsblatt“ – zur Bank. Diese leitet alle Unterlagen an die Kommunalkredit weiter. Nach der Prüfung überweist die Kommunalkredit – wieder über den Weg der Bausparkassen – die Prämie auf das Konto des Förderungswerbers.

Immerhin lassen sich auf diese Weise bis zu 5000 Euro an Förderungen ergattern. Voraussetzung dafür ist allerdings eine beträchtliche Eigenleistung: Der Staat übernimmt bei Privatpersoonen ein Fünftel der Ausgaben für Sanierungsmaßnahmen – was aber immerhin der Mehrwertsteuer entspricht. Dafür lohnt sich auch das „österreichische“ Procedere. Insgesamt stehen für diese Förderung 50 Millionen Euro zur Verfügung, das Geld sollte laut Schätzungen der Bausparkassen zumindest bis zum Jahresende problemlos reichen. Die Aktion endet – vorausgesetzt die dafür reservierte Summe ist nicht vorher schon aufgebraucht – aber auf jeden Fall am 31. Dezember 2010. Eine Verlängerung ist bei entsprechendem Erfolg möglich.

Voraussetzung: Thermische Verbesserungen in Haus oder Wohnung
Maximale Förderung: 5000 Euro Eigenleistung: 80 Prozent der Auftragssumme Die Einfache.

Eigentlich ist es ganz einfach, in Österreich die Seriosität einer Finanzberatung zu testen. Die erste Frage Ihres Visavis – egal, ob es sich um einen unabhängigen Finanzberater oder den Angestellten einer Bank handelt – sollte immer lauten: „Haben Sie einen Bausparvertrag?“ Mit einer unübertroffenen Kombination aus Sicherheit, überschaubarer Bindungsfrist und staatlich geförderter Rendite gelten Bausparverträge schon seit Jahren als eine der weltweit besten und lukrativsten Sparformen – und als österreichisches Kuriosum. Ähnliche Sparformen kennt man sonst nur noch in Deutschland. Einziger Nachteil: Mit einer höchsten geförderten Sparsumme von 1200 Euro pro Jahr lassen sich gerade einmal mickrige 48 Euro an Förderungen lukrieren. Allerdings müssten vergleichbare Sparbücher rund fünf Prozent bringen – eine Verzinsung, die derzeit vor allem für so geringe Beträge niemand erreicht.

Die Bausparprämie stellt die am weitesten verbreitete Möglichkeit dar, Geld vom Staat zu bekommen: Bei jeder Bank liegen Formulare für Bausparverträge auf. Die staatliche Prämie wird jährlich neu festgesetzt, sie kann zwischen zwei und acht Prozent betragen und orientiert sich am jeweils aktuellen Zinsniveau – so wie auch die Verzinsung für das angesparte Bausparguthaben einer jährlichen Anpassung unterliegt. Derzeit beträgt die Prämie vier Prozent, bei 1200 Euro Sparleistung sind das jährlich eben 48 Euro, die der Finanzminister jeweils im Herbst für das nächste Jahr neu festsetzt. Im Februar des Folge­jahres landet das Geld für das abgelaufene Jahr auf dem Konto. Die Förderung wird pro Kopf gewährt – zahlreiche Familien verfügen daher über exakt so viele Bausparverträge, wie es Familienmitglieder gibt.

Voraussetzung: Abschluss eines Bausparvertrags Maximale Förderung: 48 Euro p. a. Eigenleistung: bis 1200 Euro p. a.

Die Verunglückte.
An sich war die Idee ja ganz gut: Angesichts drohender Finanzierungs- und in weiterer Folge Versorgungslücken im Pensionssys­tem sollten die Österreicher mittels staatlicher Prämie für eine private Zusatzpension motiviert werden. Basis dieser Eigenvorsorge sollten eigens geschaffene Fonds sein, die ihr Geld zu einem beachtlichen Teil in österreichische Aktien investierten. Die „prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge“ war erfunden. Anfangs ging die Sache auch recht gut. Der Wiener Börse bescherten die Millionen aus der Zukunftsvorsorge einen beachtlichen Boom, alle Beteiligten konnten zufrieden sein. Doch die vorgeschriebene mindestens 40-prozentige Aktienquote erweist sich in der aktuellen Börsenkrise als Performance-Killer. Die Vorsorgefonds tauchten 2008 ins Minus (siehe Tabelle Seite 95). „Wir sind daher mit dem Finanzministerium im Gespräch, eine Senkung der Aktienquote auf 25 Prozent und längere Durchrechnungszeiträume zu erwirken“, berichtet Heinz Bednar, Geschäftsführer der Erste Sparinvest und Sprecher der österreichischen Fondsgesellschaften. Sinnvoll wäre eine höhere Aktienquote nur bei jüngeren Kunden oder am Laufzeitbeginn eines Vertrags. Angst um ihr Geld müssen die Pensionssparer allerdings nicht haben: Das Gesetz schreibt eine Kapitalgarantie vor, wobei eingezahltes Kapital und staatliche Prämie der Garantie unterliegen. Damit ist eine Performance von (nicht gerade üppigen) rund 0,9 Prozent auf jeden Fall garantiert. Wer jetzt einsteigt, hat die Chance, am nächsten Aufschwung zu verdienen. Ähnlich wie für Bausparverträge setzt der Finanzminister auch die Prämie für die Zukunftsvorsorge jährlich neu fest.

Voraussetzung: Abschluss eines Fonds-Ansparplans mit
mindestens zehnjähriger Laufzeit Maximale Förderung: 215,34 Euro p. a.
Eigenleistung: bis 2214 Euro p. a.

Die Sinnlose.
In der Abwicklung ähnlich einfach wie die Bausparprämie, im Gegensatz dazu aber nicht immer sinnvoll ist die so genannte Verschrottungsprämie. 1500 Euro winken jenen Autofahrern, die bereit sind, ihre alte Rostlaube gegen einen Neuwagen zu tauschen. Ziel der auf eine Gesamtfördersumme von 45 Millionen Euro limitierten Aktion war es, den Konsum in diesem Problembereich anzukurbeln. Den Finanzminister kostet die Sache nicht viel, denn der Handel muss die Hälfte der Prämie beisteuern. Nach einem anfänglichen Boom gleich nach dem Start ist das Geschäft nun abgeebbt. Außerdem gibt es bei zahlreichen kleineren Modellen lange Lieferfristen. Marktbeobachter schätzen, dass das Kontingent von 30.000 Autos bis weit in den Sommer reichen sollte. Aber: „Manche Kunden denken überhaupt nicht über den Wert ihres alten Autos nach. Ich habe schon Fahrzeuge zur Verschrottung bekommen, die sicher mehr als 4000 Euro wert waren“, warnt ein namhafter Autoimporteur. Bevor Sie Ihr Auto zur Verschrottung bringen, sollten Sie sich über dessen Marktwert informieren. Dabei helfen die Autofahrerclubs oder Internet-Autoseiten (etwa „autoscout24“).

Außerdem befürchten Autohändler, die Prämie begüns­tige nur Vorziehkäufe. „Ich glaube nicht, dass es jemanden gibt, der ernsthaft wegen der Prämie ein neues Auto kauft“, so der Importeur, der bezweifelt, dass dadurch österreichische Arbeitsplätze geschaffen werden. Der Kaufvertrag reicht übrigens nicht aus, der Neuwagen muss zugelassen sein. Achtung also bei Autos mit zu langer Lieferfrist – mit Pech fallen Sie um die Prämie um.

Voraussetzung: Kauf eines Neuwagens bei gleichzeitiger Rückgabe eines vor dem 1. Jänner 1996 zugelassenen Fahrzeugs mit gültigem „Pickerl“ Maximale Förderung: 1500 Euro Eigenleistung: Restpreis des Neuwagens nach Prämiel.

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