Geld vom Staat: Griechische Beinahepleite
belastet das Image von Staatsanleihen

Staatsanleihen galten immer als sicherer Geld-Hafen. Durch die Beinahepleite Griechenlands hat sich das geändert – zum Vorteil der Anleger.

Von Franz C. Bauer

Griechenland: Sommer, Sonne, Sand. Noch bis vor wenigen Wochen waren dies vermutlich die einzigen Assoziationen bei der Erwähnung des beliebten Urlaubsziels, ergänzt vielleicht noch durch „Akropolis“. Doch inzwischen ist ein weiteres S hinzugekommen: Staatspleite. Nachrichten über aus­ufernde Budgetdefizite und eine drückende Schuldenlast sorgten kurz vor Weihnachten für heftige Adrenalinstöße bei Anleihen­tradern und Sorgenfalten bei Anlegern. Können auch Staaten pleitegehen? Und droht vielleicht sogar im Euro-Raum ein Crash, der ausgerechnet jene Anlageform betrifft, die bisher als die sicherste gegolten hat?

„Natürlich haben die Berichte über Griechenland für Unsicherheit gesorgt, es hat ja sogar Reaktionen auch bei anderen Staatsanleihen gegeben, auch bei österreichischen. Aber ich würde mich als Anleger mit griechischen Anleihen schon noch wohlfühlen“, beruhigt Robert Senz, als Chief Investment Officer bei Raiffeisen Capital Management (RCM) für die Veranlagungsstrategie verantwortlich. Tatsache ist freilich: Das Image der Staatspapiere hat zumindest leichte Kratzer abbekommen – und zwar nicht erst seit der Griechenland-Story. Doch selbst daraus lässt sich Profit schlagen.

Fragliche Sicherheit An sich sollten Staatsanleihen – vor allem jene solventer Industriestaaten – ja die perfekte Möglichkeit bieten, Geld mit höchster Sicherheit durch die turbulentesten wirtschaftlichen Zeiten zu bringen. Anleger kassieren die Zinsen vom Staat, der als verlässlicher Zahler gilt.
Tatsächlich lässt sich die Anzahl der Staatspleiten in der westlichen Welt seit dem Zweiten Weltkrieg an den Fingern einer Hand abzählen. Und da die Renditen bei längerfristiger Beobachtung meist der Summe aus Inflation und Wirtschaftswachstum entsprechen, ist auch für Werterhalt gesorgt. Viel mehr kann man von einer „risikofreien“ Veranlagung nicht erwarten. Gegenüber Sparbüchern – dem schärfsten Mitbewerber um die Gunst der konservativsten Anleger – besitzen Staatsanleihen den Vorzug der höheren Sicherheit. Die Einlagensicherung bei Sparbüchern ist betragsmäßig begrenzt und überdies in normalen Zeiten durch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des jeweiligen Sicherheitssys­tems limitiert. Dazu kommt größere Flexibilität: Anleihen sind praktisch täglich handelbar, wer hingegen ein Sparbuch mit Bindungsfrist vorzeitig auflösen will, muss Strafzinsen bezahlen.
Doch keineswegs erst seit dem Griechenland-Debakel denken Investoren darüber nach, wie sicher Staatsanleihen wirklich sind. Die Ergebnisse dieses Nachdenkprozesses lassen interessante Chancen entstehen. Etwa bei den so genannten Risikoaufschlägen. Hier galt schon immer: Selbst in einem einheitlichen Währungsraum machen Investoren Unterschiede zwischen den Schuldnern. Als Maß aller Dinge gilt hier Deutschland. Als so genannte „benchmark“ legt die deutsche Bundesanleihe allen anderen Staaten die Messlatte vor. Wer deutsche Bundesanleihen kauft, erwirbt damit also die höchste Sicherheit, erhält dafür aber im Gegenzug auch die niedrigsten Zinsen. Ein weiteres Argument für Deutschland ist die höhere Liquidität des Marktes, für Privatanleger hat diese aber eine eher untergeordnete Bedeutung.

Obwohl Österreichs budgetäre Situation mit jener Deutschlands durchaus vergleichbar ist, werden österreichische Staatsanleihen bereits mit einem spürbaren Risikoaufschlag („spread“) gehandelt. Dieser belief sich vor Ausbruch der Finanzkrise auf rund 0,15 bis 0,2 Prozentpunkte (15 bis 20 Basispunkte) und pendelt derzeit zwischen 40 und 70 Basispunkten. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Griechenland-Probleme weitete sich dieser Risikoaufschlag kurzfristig noch weiter aus. „Da dürfte vor allem internationalen Investoren das starke Ost-Engagement der österreichischen Wirtschaft unheimlich geworden sein, vielleicht hat aber auch die ­Hypo-Alpe-Adria-Geschichte eine Rolle gespielt“, mutmaßt Senz.

Niveauvolle Renditen
Inzwischen ist hier aber wieder Normalität eingekehrt. Eingependelt hat sich auch der Renditeabstand zu Griechenland – allerdings auf hohem Niveau. Wer heute griechische Staatsanleihen kauft, erhält dafür im kurz laufenden Bereich – Tilgungstermin bis drei Jahre – eine um zweieinhalb Prozentpunkte höhere Rendite. Auch Gregor Hütter, Fondsmanager für Euro-Anleihen bei Pioneer Investment Austria, sieht darin eine gute Einstiegschance. „Wenn Griechenland ernste Probleme bekommt und pleitegeht, dann geraten als Nächste Portugal und Spanien ins Gerede. Das kann den übrigen Euro-Ländern nicht egal sein, und daher wird man alles unternehmen, um das zu verhindern.“ Dass die Anleger das Risiko bei Portugal und Spanien, aber auch Irland als gering einschätzen, ist auch an den Renditen der jeweiligen Staatsanleihen abzulesen. Immerhin – sie liegen höher als bei rotweißroten Papieren.

Bindungsangst
Bleibt die Frage, wie lang sich Anleger binden sollen. Die Renditen befinden sich auf historischen Tiefständen – da kann es wohl nur noch bergauf gehen, was unweigerlich zu Kursverlusten bei Anleihen führen würde. „So klar ist das nicht“, meint Edwin Trieblnig, Anleihenanalyst der Fondsgesellschaft Erste Spar­invest. „Wenn man sich das Beispiel Japan anschaut: Da gab es Anfang der 1990er Jahre, als die spekulative Blase an der Börse geplatzt war, zufällig ein ganz ähnliches Zinsniveau wie bei uns heute, und da hat auch niemand geglaubt, dass es weiter bergab gehen könnte.“ Tatsächlich aber sanken die Zinsen noch einmal massiv ab. „Es wird viel davon abhängen, welche Ausstiegsstrategie die Zentralbanken aus der momentan ultralockeren Geldpolitik haben. Meiner Meinung nach bleibt die Inflation niedrig – ich sehe auf keinen Fall eine Hyperinflation. Die Krise hat ein riesiges Loch in die Produktion gerissen. Momentan ist da der Spielraum für Zinserhöhungen eher gering“, so Trieblnig.

Zumindest für die nächsten zwei bis drei Jahre sollte sich daran wenig ändern, doch dann wächst die Unsicherheit. Abzulesen ist das an der „steilen“ Zinskurve: Die Zinsen für kurzfristiges Geld liegen um oder unter einem Prozent, jene für lang laufende Papiere – etwa zehnjährige Anleihen – bewegen sich hingegen um die vier Prozent. Im historischen Vergleich ist dieser Abstand hoch. Das günstigste Risiko/Rendite-Verhältnis bieten in diesem Umfeld ­Papiere, die noch zwei bis vier Jahre laufen.

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