Gehalts-Check für Einsteiger

Acht Jungakademiker zeigen, was sie verdienen. Die rosigen Zeiten für Berufsanfänger sind aber vorbei: Nach einer topaktuellen Studie verdienen sie heuer weniger als in den Jahren davor.

Es ist die Dialektik eines Supermarkt-Riesen: Im Laden die Preise minimal halten, dafür dem Personal maximale Gagen offerieren. Diese Erfahrung machte Roman Rasinger. Der Fachhochschulabsolvent (Wiener Neustadt) heuerte beim Diskonter Hofer an und erfuhr bereits im Rahmen des Einstellungsgesprächs seine Gehaltsentwicklung für die nächsten drei Jahre. Anfangs konnte er gar nicht glauben, was ihm vom Geschäftsführer skizziert wurde: Seine Einstiegsgage als Trainee betrage 4429 Euro brutto pro Monat. Im zweiten Jahr werde er 5561 Euro und dann, ab dem dritten Jahr, 7285 Euro verdienen.

Begonnen hat der Regionalverkaufsleiter, zuständig für fünf Filialen in Wien und eine in Klosterneuburg, im Oktober 2010. „Ich erhalte bei Hofer ein weit über dem üblichen Marktniveau liegendes Einkommen“, sagt der 30-Jährige. Nach dem FH-Studium hat Rasinger noch einen MBA an der Webster University absolviert: Das war aber nicht ausschlaggebend für das üppige Salär. Bei der Supermarktkette Hofer streifen alle Jungakademiker, egal wie alt, egal welchen Geschlechts und egal von welcher Studienrichtung sie kommen, die gleiche Startgage ein.

Von derartigen monatlichen Überweisungen können andere nur träumen. Eine aktuelle Gehaltsstudie des Beratungsunternehmens C2X zeigt, dass Absolventen-Durchschnittsgehälter (Universität, FH, AHS und HAK) weit darunterliegen. Ein einheitliches Bild, in welcher Branche pekuniäre Höchstleistungen geboten werden, gibt es nicht. Tendenziell zahlen aber große und wirtschaftlich potente Firmen mehr als kleinere. Und: Im öffentlichen Dienst, bei Anwälten und Steuerberatern sind die Einstiegsgehälter eher niedrig.

Lohnschwund für Jungspunde

Weiteres Detail der Studie: Die durchschnittlichen Anfangsgagen für junge Mitarbeiter steigen seit längerer Zeit nicht mehr. Heuer werden sie sogar leicht sinken. Drastisch nach unten rutschten auch die höchsten Gagen für Absolventen (siehe Tabelle ). Ein weiterer Grund für den Lohnschwund liegt darin, dass eine Vielzahl an Bachelors auf den Arbeitsmarkt drängen – die im Vergleich zu Magister/Master um 200 Euro pro Monat weniger kassieren.

Dennoch bietet sich derzeit für Beginner eine große Chance, weil Unternehmen offensichtlich im großen Stil ihre Personalstruktur ändern und teurere, ältere Kollegen gegen jüngere, schlechter bezahlte austauschen. Bruno Gangel (Bild), C2X-Chef und Verfasser der Gehaltsstudie, die im April publiziert wird: „Obwohl grundsätzlich die Gehaltsentwicklung gut ist, haben einige Unternehmen die Chance genutzt, bei Personalfluktuation ,billiger‘ einzukaufen. Die Anzahl der Unternehmen, die unterdurchschnittlich zahlen, hat in zwei Jahren um gut 20 Prozent zugelegt.“

In technischen Berufen allerdings wird weiterhin gut bezahlt. Das gilt auch für Einsteiger. Andrea Bachmaier ist dafür das beste Beispiel. Die promovierte Werkstoffwissenschafterin von der Montanuniversität in Leoben begann im Dezember 2011 beim Linzer Stahlkonzern Voestalpine als Forschungsingenieurin. Ihr Bruttomonatsgehalt liegt bei etwa 3400 Euro im ersten Berufsjahr. Die 27-jährige Forscherin hat in der Mindestzeit und mit Auszeichnung studiert und rät Jobsuchenden, sich für das Vorstellungsgespräch gut vorzubereiten: „Die Frage nach dem Gehalt taucht unweigerlich auf.

Ich habe viel mit Kollegen und Freunden darüber gesprochen und schon recht genau gewusst, was geboten wird.“ Einen Richtwert kann man auch bei der Gewerkschaft der Privatangestellten oder auf Berufsmessen eruieren. Denn das Einstiegsgehalt ist mehrfach relevant: Wer mit zu geringem Salär anfängt, erleidet im Karriereverlauf weitere Einbußen, da zumeist Gehaltssteigerungen und KV-Erhöhungen prozentuell bemessen werden.

Ein Gefühl für die Gehaltskarriere bringt diese Liste . So steigt etwa ein Controller zu Beginn seiner Laufbahn mit 2500 Euro ein. Nach fünf Jahren sollten bereits 3880 bis 4680 Euro monatlich am Konto landen.

Berücksichtigen sollte man aber auch topografische Differenzen. Darauf sollten Akademiker achten, die ins Ausland gehen. Einer, der das am eigenen Leib verspürt hat, ist Lasse Cziesla. Der gebürtige Bochumer hat an der renommierten Bauhochschule HAWK den Master of Arts in Bau- und Immobilienmanagement gemacht und ist nach Wien gezogen. „Ich rechnete aufgrund meiner fachspezifischen Ausbildung mit 4000 Euro mehr im Jahr, als ich jetzt bekomme“, sagt Cziesla. Der 25-jährige Immobilienfachmann, seit November 2011 bei der Immofinanz AG, verdient nun als „Asset Manager Logistics“ 2700 Euro pro Monat.

Transparente Gehälter

Karrierefördernd ist es, studienmäßig zu diversifizieren. Stella Hatzl hat aus Interesse deutsche Philologie inskribiert. „Mir war klar, dass ich nur mit Germanistik alleine keine Jobaussichten habe. Einen Beruf im Public-Relations-Bereich in großen Konzernen zu ergattern ist ohne wirtschaftliche Grundausbildung schwierig. Daher habe ich auch Internationale Betriebswirtschaft an der WU Wien abgeschlossen“, sagt Hatzl. Die 26-jährige Magistra ist seit vier Monaten bei der Immofinanz und im Team Corporate Communications. Sie verdient 3000 Euro brutto. Eine ähnliche Karriere legte Anna Sturm hin. Sie kam vom Massenstudium Publizistik, wechselte danach auf die Wirtschaftsuni, wo sie den Bachelor in BWL machte. Das verhalf der 24-Jährigen dazu, sich im Jänner bei A1 als Trainee einzuwählen. Ihr Verdienst: 2900 Euro im Monat.

Nicht nur die acht Jungakademiker, die dem trend ihre Gehälter offenlegten, zeigen, dass in Österreich in puncto Gehaltstransparenz einiges passiert. Seit Anfang des Jahres muss jedes Jobinserat ausgepreist sein. Allerdings: Publiziert werden nur die kollektivvertraglichen Mindestgehälter. Beispiel: „Sie bieten: Abgeschlossene technische Ausbildung (Uni, FH), zwei- bis dreijährige Berufserfahrung, verhandlungsfähiges Englisch, eventuell Ostsprachen. Mindestgehalt: 1624,95 Euro.“ Viele Bewerbungsschreiben landen da wohl nicht im Briefkasten, sondern im Mülleimer – obwohl die tatsächliche Bezahlung höher läge. „Früher oder später werden Gehaltsbandbreiten angegeben, wie sie auch in den USA üblich sind“, schätzt Vergütungsexpertin Maria Smid von Kienbaum Consultants.

Durchschnittliche Gehälter für Berufseinsteiger der jeweiligen Ausbildungseinrichtungen 2012

Gehaltsentwicklung

Von David Hell

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