Friendly Fire

Stressfaktor Weihnachten: Patchwork-Irrsinn, Beziehungsabrüstung und Liebeskummer-Leichen. Wie schon wieder überleben?

Honey, was möchtest du heuer zu Weihnachten“, fragt er sie vor dem flackernden Kaminfeuer. Sie: „Ich denke, ich möchte die Scheidung.“ Er: „Pfuuh, so viel wollte ich eigentlich gar nicht ausgeben.“ Ein gängiges Witzmodell unter Familienrechtsanwälten, die im Jänner ihren heißesten Geschäftsmonat haben: 30 Prozent der Scheidungsanträge werden nach den besinnlichen Tagen einge­reicht. Dass gerade die Feiertage zu Feuertagen mutieren und servicebedürftige Beziehungskonstrukte einem Crashtest aussetzen, ist zwar mühsam, aber zwingend logisch.

Schließlich lässt der verstärkte Idyllenterror, inklusive all der endorphintriefenden Glückskloß-Blicke unter dem Baum in der Merci- und Teekannen-Werbung, das eigene seelische Amstetten noch trister wirken als beispielsweise rund um den Weltspartag und Gedenkdaten für B-Schutzheilige. Und die Wucht dieser Erkenntnis mobilisiert auch die eigene Protestenergie gegen „den Friedhof der verpassten Gelegenheiten“, wie der Hollywood-Deserteur Daniel Day-Lewis einmal das Leben bezeichnete.

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen“, lautete das Credo des philosophischen Chefideologen der Linken, Theodor
Adorno. Doch, gibt es, lieber Herr Adorno, und das verursacht Stress. Und zwar keinen Eustress, der den Adrenalinlevel zum Tanzen bringt, sondern jene paralysierende und gleichzeitig panikproduzierende Form von Druck, der unter dem Begriff Disstress in die Forschung einging. Nicht Deadlines, internes Mobbing, Konkurrenzdruck und andere Tretminenfelder im Job stellen die Menschen nämlich vorrangig unter Negativ-Strom, sondern Beziehungen, die „wie Geranien von gestern aussehen“, wie Marcel Proust diesen Zustand der stagnierenden Ereignislosigkeit einmal beschrieb.

Mit den Worten „Bitte reparieren Sie meine Ehe“ pflegen die Frauen ihre überholungsbedürftigen Gatten vor den Paartherapeuten zu kippen.

Dass die zwischenmenschlichen Konstrukte immer öfter mehr Energie fressen als spenden, hängt aber nicht nur mit der Auflösung der tradierten Geschlechterrollen zusammen, sondern auch mit den erhöhten Anforderungen an das Prinzip Liebe. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts galt die Ehe als Versorgungssystem für die Frau, die ihrerseits für die Versorgung der Familie verantwortlich war. Emotionale und sexuelle Erfüllung waren in diesem Arrangement nicht zwingend inbegriffen.

Erst die sexuelle Revolution bereitete den Boden für die Überzeugung, dass ein Partner das gesamte Bedürfnisspektrum abzudecken habe: Seelenverwandtschaft, Sex, emotionale wie soziale Geborgenheit sowie das Zugeständnis von Freiräumen zur Selbstverwirklichung, die auch das Monogamiekonzept auf den Kopf stellten. Zu dem kommt, dass eine funktionierende Beziehung in der erfolgsobsessiven Ego-Gesellschaft genauso zum statussymbolischen Repertoire gehört wie eine florierende Karriere und die Finca auf Mallorca.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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