Fliegender Wechsel bei Austrian Airlines:
Peter Malanik soll Alfred Ötsch ablösen

Peter Malanik soll demnächst Alfred Ötsch an der Spitze der AUA ablösen. Der scheidende Kapitän wird fürstlich abgefertigt. Auf den neuen Mann wartet bis zur Absegnung des Lufthansa-Deals durch die EU noch eine Menge Arbeit. Auch die Belegschaft muss Malanik im Zaum halten.

Beim traditionellen Neujahrsempfang des Wiener Flughafens am 15. Jänner fehlte in diesem Jahr ein prominenter Gast. AUA-Chef Alfred Ötsch wurde zwar in der Eröffnungsrede begrüßt (um seine Abwesenheit zu kaschieren), doch er war nicht gekommen. Denn Lufthansa-Boss Wolfgang Mayrhuber hatte die AUA-Vorstände an diesem Tag in sein Feriendomizil nach Vorderstoder zu einer Klausur zitiert. Eines der Themen: die miesen Passagierzahlen seit Jahresbeginn.

Wie es aussieht, muss sich der Austrian-Kapitän darüber aber nicht mehr lange den Kopf zerbrechen. Mit der Ö-Airline ist es vorbei. Österreich ist bald draußen, und Ötsch noch früher. Er betonte zwar zuletzt bei diversen Gelegenheiten, auch nach dem AUA-Verkauf an die Lufthansa im Cockpit zu bleiben. Doch diese Aussage wird ungefähr so lange halten wie sein Statement im Frühjahr 2008, dass die AUA saniert sei. Wobei es sich damals um eine höchst peinliche Fehleinschätzung handelte, während die Strategie von Alfred Ötsch, sich nicht selbst aus dem Spiel zu nehmen, diesmal nachvollziehbar ist.

Bis dato wurde davon ausgegangen, dass Ötsch wenigstens bis zum so genannten Closing des Lufthansa-Deals an Bord bleibt. Dieses erfolgt nach dem Abschluss der EU-Wettbewerbsprüfung, also wohl nicht vor Juni 2009. So lange bleibt die ÖIAG noch Hauptaktionär der AUA. Es ist aber praktisch fix, dass die Ablöse des glücklosen Airline-Chefs viel früher erfolgen wird, nämlich schon im Februar. Wie der trend aus Unternehmenskreisen erfuhr, hat das Präsidium des AUA-Aufsichtsrats seine Gespräche über die Vertragsauflösung schon begonnen. Mit der Lufthansa ist das Vorgehen abgestimmt. Weder ÖIAG-Chef Peter Michaelis noch Mayr-huber wollen mit der Personalie Ötsch bis zur Jahresmitte warten, so wird berichtet. Sie möchten gleich ein Zeichen des Neubeginns setzen und bei den Mitarbeitern der AUA für Aufbruchsstimmung sorgen. Äußern will sich die ÖIAG dazu allerdings nicht.

Noch überraschender als die frühzeitige Ablöse von Alfred Ötsch ist die Nachfolgeregelung, auf die es jetzt hinausläuft. Als Favorit für den AUA-Spitzenposten gilt seit Längerem Andreas Bierwirth. Der Deutsche, der seit 1. April 2008 als Vorstand für Marketing und Vertrieb der AUA verantwortlich zeichnet, kommt von der Lufthansa und ist ein Vertrauter von Mayrhuber. Die Branche hat erwartet, dass Bierwirth zur Nummer eins in der AUA aufsteigen wird. Aber: Diese Rolle ist Peter Malanik, dem dritten AUA-Vorstand, zugedacht. Malanik, 47, und nicht der um zehn Jahre jüngere Bierwirth soll nach dem Ausscheiden von Ötsch das Steuer in Österreich übernehmen.

Der promovierte Jurist ist in der Öffentlichkeit bislang nahezu unbekannt, aber Peter Michaelis und seine Stellvertreter im ­Präsidium des AUA-Aufsichtsrats – der Kika/Leiner-Eigentümer Herbert Koch und der Ex-ÖIAG-Manager Rainer Wieltsch – ­favorisieren Malanik. Mit der Lufthansa hat man sich verständigt. Die Kranich-Airline braucht keinen Strahlemann als Austro-Statthalter, sondern einen verlässlichen Abwickler. Diese Vorgabe erfüllt der zurzeit für Flugbetrieb und Technik zuständige Malanik. Wahrscheinlich wird seine Zeit als AUA-Frontmann allerdings nur kurz währen – bis die Lufthansa auch formal dort einchecken darf und einen neuen Mann auf den Chefsessel hievt.

Peter Malanik kennt die AUA gut , und er genießt Respekt bei der völlig verunsicherten Belegschaft. Der gebürtige Mödlinger heuerte 1985 bei der AUA an. Schon vor seiner Bestellung zum Vorstand kümmerte sich Malanik als Generalsekretär der Fluglinie um Personal, Recht, internationale Beziehungen und Allianzen. Dazwischen war er bei der Association of European Airlines (AEA) in Brüssel tätig. Nebenberuflich lehrt der Manager als Lektor für Luftverkehrswirtschaft an der WU und als Dozent an der European Business School bei Frankfurt.

Malanik war der Verbindungsmann der AUA zum Allianzpartner Lufthansa. Künftig soll er der Kranich-Airline bei der Integration der neuen Österreich-Tochter in den Konzern behilflich sein. Ohne Einschnitte wird sich das nicht abspielen, auch wenn die Deutschen derzeit betonen, dass sie ohne betriebsbedingte Kündigungen durchkommen wollen. Malanik trauen die ÖIAG und Lufthansa-Chef Mayrhuber am ehesten zu, den Widerstand der Mitarbeiter in dieser schwierigen Phase in Grenzen zu halten. Denn er trat schon bisher im Dauerstreit zwischen AUA-Spitze und Betriebsräten immer wieder als Vermittler auf. „Malanik ist mehr Diplomat als Airliner“, analysiert ein Branchenkenner.

Schon jetzt einen beinharten Sanierer als AUA-Kapitän einzusetzen würde mehr Schaden anrichten als nützen. Das weiß auch die Lufthansa. Geplant ist allerdings, dem Vorstandsduo Malanik-Bierwirth einen sanierungserfahrenen Berater zur Seite zu stellen, der den Interessen der Lufthansa zur Durchsetzung verhilft. Heikel ist die Situation sowieso: Solange Brüssel kein Okay für den AUA-Deal gegeben hat, darf die Lufthansa in Österreich nicht mitreden. Auch Abstimmungen im Geschäft sind verboten. Allerdings haben ÖIAG, AUA und die Deutschen inoffiziell vereinbart, dass keine wichtigen (Personal-)Entscheidungen mehr gegen den Willen der Lufthansa getroffen werden.

Die vorbereitete Ablöse von Alfred Ötsch ist nicht nur ein Wunsch der Lufthansa. Auch das Verhältnis des AUA-Generals zu Peter Michaelis zeigt seit Längerem deutliche Zeichen von Zerrüttung. Der ÖIAG-Chef ärgerte sich immer wieder über Aussagen von Ötsch in der Öffentlichkeit und betrachtet diesen als notorischen Selbstdarsteller. Der entscheidende Bruch passierte, als Ötsch im Frühjahr 2008 Scheich Al Jaber als Investor für die AUA präsentierte. Die Staatsholding war von Beginn an skeptisch – und dann stinksauer, als sich der Scheich im Groll zurückzog und Ötsch der Falschinformation bezichtigte. Kurz nach dem Skandal musste Ötsch seinen Offenbarungseid leisten: Ein Überleben ohne starken Partner sei nicht mehr möglich. Seit damals sind seine Tage gezählt.

Die Troubles, die auf den ehemaligen Siemens-Vorstand Alfred Ötsch vor deutschen Gerichten im Zusammenhang mit dem Siemens-Schmiergeldskandal warten, spielen für seinen Abschied bei der AUA ebenfalls eine Rolle. Finanziell wird er hingegen nicht klagen müssen. Die rund 1,1 Millionen Euro Fixgehalt, die bis zum Ablauf seines Vertrags im Mai 2011 anfallen würden, kommen wohl jedenfalls zur Auszahlung. Gut möglich, dass zusätzlich ein paar hunderttausend Prämie drinnen sind: als Anerkennung dafür, dass Ötsch sich in den vergangenen Monaten klar für einen Verkauf an die Lufthansa ausgesprochen hat.

Einfach zu bewältigen wird die Situation für Malanik und Bierwirth nicht. Niki Lauda und Air Berlin bekämpfen bei der EU den Lufthansa-Einstieg (siehe Story Seite 6). Sie fordern strenge Auflagen und wollen, dass die AUA Streckenrechte an den Billig-Carrier NIKI abtreten muss. 200 Millionen Euro Überbrückungskredit für die AUA hat Brüssel am 20. Jänner genehmigt (die werden dann auf den 500-Millionen-Staatszuschuss angerechnet, den die EU noch eingehend prüft). Die internen Berechnungen gingen ursprünglich davon aus, dass die AUA bis zum Closing 130 Millionen zur Abdeckung von Verlusten verbraucht. Wegen des schlechten Geschäftsgangs könnten nun aber die ganzen 200 Millionen oder noch mehr weg sein – und der Lufthansa entsprechend weniger zur Tilgung alter AUA-Schulden bleiben. Im Gleichklang dazu sinkt die Bereitschaft der Deutschen, Auflagen zu akzeptieren. Im Extremfall könnte der Deal noch kippen. Dann wäre Ötsch vielleicht sogar froh, dass er diesen Super-GAU nicht mehr ausbaden muss.

Von Andreas Lampl

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