Finanzierung: Hypotheken-Hysterie

Dank der US-Krise wurden Immobilien-Kredite jetzt auch in Österreich erheblich teurer. Ein Bauplan zur Senkung der Kreditzinsen.

Hunderttausende österreichische Kreditnehmer werden in den nächsten Tagen von ihren Banken eher unerfreuliche Nachricht erhalten: Die laufende Verzinsung jener Kredite, die nicht durch eine Fixzinsvereinbarung abgesichert sind, steigt merklich – und das, obwohl die Europäische Zentralbank ihren Zinsanhebungszyklus zumindest momentan nicht fortsetzt. Hat die in Amerika durch so genannte Subprimes (Kreditnehmer minderer Bonität) ausgelöste Krise nun auch Österreich erreicht?

„So etwas wie Subprime-Kredite gibt es hierzulande eigentlich gar nicht“, wehrt Georg Kraft-Kinz, Vorstandsmitglied der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien (RLB NÖ-Wien), entschieden ab. „Konsequenzen wie in den USA existieren weder was die Privatkunden noch was die Geschäftskunden betrifft“, so der Bankmanager. „Die Kreditvergabe erfolgt hierzulande nach völlig anderen Kriterien.“

Warum aber werden Kredite dann teurer – wo doch sogar die Europäische Zentralbank ihre laut Analystenmeinung für den 5. September fix geplante Zinserhöhung ausfallen ließ? „Das liegt“, so Kraft-Kinz, „an der Komplexität des Kapitalmarktes. Natürlich ist mittelbar auch die Eurozone betroffen.“

Das Funktionieren des weltweiten Finanzsystems beruht nämlich darauf, dass die Banken einander kurzfristig und unbürokratisch Geld leihen. Doch dieser Mechanismus wurde durch die US-Hypothekarkrise empfindlich gestört. Vorsicht bis hin zu offenem Misstrauen blockiert die weltumspannenden Finanzströme. Das Ergebnis: Geld wird knapper – und damit auch teurer, und zwar ohne dass die Zentralbanken an der Zinsschraube drehen. „Wegen der weltweiten Nervosität haben sich die Zinsen für kurzfristige Euro-Ausleihungen zwischen Banken während der vergangenen drei bis vier Monate auf 4,7 Prozent erhöht“, berichtet Ludwig Kremser vom Kreditmanagement der RLB NÖ-Wien. Das bedeutet eine Verteuerung um rund 0,4 Prozentpunkte.

Warum aber müssen nun auch Kreditnehmer, die ihre Verträge schon lang vor dem Ausbruch der sommerlichen Krise abgeschlossen haben, darunter leiden? Wolfgang Schilk, Retail-Credit-Chef der Bank Austria Creditanstalt, erklärt die Zusammenhänge: „Durch die Liquiditätsdebatte sind die Zinssätze im kurzfristigen Bereich nach oben gegangen. Gerade diese Zinssätze werden aber oft als Basis für die Berechnung der laufenden Zinsen bei variablen Krediten herangezogen.“ Daher werden derzeit eben nicht nur neue Kredite teurer, sondern auch bereits bestehende. Österreichs Kreditnehmer erleiden sozusagen einen Kollateralschaden der amerikanischen Subprime-Krise.

Das Ergebnis: Die Eigenheimfinanzierung ist so kostspielig geworden wie seit rund einem halben Jahrzehnt nicht mehr. Bei Kunden durchschnittlich guter Bonität kalkulieren die Banken mit einem Aufschlag von 1,25 Prozentpunkten auf den Euribor1). Beträgt dieser 4,7 Prozent, wie dies während der vergangenen Wochen öfters der Fall war, dann kratzen die Kreditzinsen bereits an der magischen 6-Prozent-Marke.

Tatsächlich liegen die aktuellen Zinsen in dieser Gegend. „5,9 Prozent für Kredite mit variabler Verzinsung sind derzeit durchaus üblich“, berichtet Manfred Katzenschlager vom Produktmanagement Finanzierung der Erste Bank – das sind um immerhin rund zweieinhalb Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren. Damit sind variabel verzinste Kredite erstmals seit Langem teurer als Kredite mit Fixzinsvereinbarung. Um die 5,7 Prozent verlangt die Erste bei einer Zinsbindung von fünf Jahren. Bei einer zehnjährigen Fixzinsvereinbarung sind es 5,8 Prozent.2)

Gibt es einen Ausweg aus der Zinsenklemme?

Nur mäßig attraktiv sind derzeit jedenfalls die Alternativen zu den hohen Euro-Zinsen. Der Yen legte im Zuge der Börsenkorrektur kräftig zu, was Yen-Kredite massiv verteuerte, und auch der Franken wurde etwas stärker – was zumindest ausreichte, um potenziellen Franken-Kreditnehmern den Appetit auf ein Fremdwährungsabenteuer zu verderben. „Viele unserer Kunden sind mit Gewinn aus dem Franken ausgestiegen, die Lust auf neue Franken-Kredite hält sich momentan in Grenzen. Bei Neuabschlüssen liegen wir da bereits unter zehn Prozent“, weiß Kreditexperte Kremser. Einige risikofreudige Kreditnehmer versuchen sich derzeit in Yen-Finanzierungen. „Das können wohl nur Kunden sein, die den Kredit für eine Währungsspekulation nutzen wollen“, mutmaßt Erste-Bank-Manager Katzenschlager.

Um die 4,2 Prozent kostet derzeit ein Franken-Kredit – gegenüber den Euro-Konditionen ist das zwar immer noch günstiger, doch das Risiko einer Aufwertung (dann müssten Franken-Kreditnehmer einen höheren Euro-Betrag zurückzahlen) erscheint Neueinsteigern zu hoch. Schließlich rechnen Analysten auch noch mit zumindest einer Zinsanhebung durch die Schweizerische Nationalbank.

Was also tun? Auf Nummer sicher gehen alle, die einen Neukredit wollen, wenn sie eine zweijährige, höchstens aber fünfjährige Fixzinsvereinbarung treffen. Die Raten liegen dann auf dem Niveau der variablen Kredite. Selbst wenn die Euro-Zinsen wieder sinken, hält sich der Schaden in diesem Fall in Grenzen. Ebenfalls eine Absicherungsmöglichkeit bieten so genannte „Zinscaps“ (Festlegung einer Zinssatzobergrenze), wie sie von zahlreichen Banken angeboten werden. Damit erhöht sich die Zinsenbelastung allerdings um rund 0,4 Prozent. Interessant ist dies derzeit somit vor allem für Fremdwährungskredite. Euro-Kredite verteuern sich dadurch auf über sechs Prozent – also sind Bausparkredite schon billiger.

Von Franz C. Bauer

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