Feuer unterm Dach: Wie Sie zu Ihrer Feuerstelle im Wohnzimmer kommen

Kaum etwas schafft an langen Winterabenden behaglichere Stimmung als Ofenwärme und der Blick ins offene Feuer.

Von Ulrike Moser

Wenn es schon am frühen Nachmittag zu dämmern beginnt, die Schneeflocken vor dem Fenster tanzen und es draußen immer frostiger wird, ist es Zeit, es sich zu Hause gemütlich zu machen: mit einem guten Buch auf der Couch, einer Kuscheldecke und einer dampfenden Tasse Tee. Was jetzt noch fehlt, damit einen selbst ein langer Winter nicht mehr in die Depression treiben kann, ist das prasselnde Kaminfeuer im Wohnzimmer. Cocooning at it's best, sozusagen.

Diesen Luxus gönnen sich immer mehr Menschen, wie Zahlen aus Deutschland belegen. Dort hat sich die Zahl der Kaminöfen in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht. Dass das auch auf Österreich zutrifft, bestätigt man beim heimischen Kachelofenverband. Dessen Leiter, Thomas Schiffert, ist überzeugt, dass es mittlerweile nicht mehr nur um den durchaus archaischen Gedanken einer Behaglichkeit verströmenden Feuerstelle in den eigenen vier Wänden geht. Für immer mehr Besitzer von Heizkaminen und Kachelöfen rückt die Versorgungssicherheit in den Vordergrund. Schiffert: „Nicht nur wenn man selbst einen Wald besitzt, sondern auch wenn man Holz zukaufen muss, ist es eine günstige Heizmethode. Außerdem ist man unabhängig von Ölengpässen oder wenn Putin wieder einmal das Gas abdreht.“

Wer sich für einen Ofen entscheidet, hat die Qual der Wahl. Abgesehen von der persönlichen Präferenz, bestimmen auch die baulichen Gegebenheiten über die Art des Kamins, wobei es mittlerweile auch für schwierig angelegte Domizile geeignete Lösungen gibt.

Von Anfang an mitplanen. Wer den Neubau eines Hauses plant oder beim Kauf einer Wohnung im Rohbau noch Mitspracherecht bei der Planung hat, dem stehen alle Möglichkeiten offen. Auch wenn man sich nicht gleich für einen Kamin entscheidet, sondern vorerst nur mit dem Gedanken spielt, sich irgendwann einmal eine Feuerstelle zu gönnen, sollte man diese Überlegung bei der Planung von Anfang an berücksichtigen. Zwar lassen sich Kamine und Öfen oft noch nachträglich einbauen, allerdings bringt das gröbere Umbauarbeiten und damit höhere Kosten mit sich. Martin Scheibelhofer von Spirit of Fire in Fürstenfeld empfiehlt daher, bereits in der Planungsphase einen möglichen späteren Ofen mitzudenken: „Die Statik des Hauses muss natürlich mitspielen. Ein Kachelofen wiegt gut und gern 1000 Kilogramm. Das hält nicht jeder Untergrund aus. Ein offener Kamin hat hingegen nur die Hälfte des Gewichts.“ Soll es eine Fußbodenheizung geben, so müssen an der Stelle, an der der Ofen platziert werden soll, Heizrohre vermieden und Isolierung ausgespart werden. Kümmert man sich erst im Nachhinein darum, muss der Ofen auf Metallplatten gestellt werden oder mittels Wärmebildscan geschaut werden, wo denn nun die Heizschlingen tatsächlich verlaufen.

Bei einem Neubau ist der Hafner erster Ansprechpartner. Weiß man, welche Räume mit einem Ofen beheizt werden sollen, kann dieser berechnen, wie groß das Gerät und alle dafür nötigen Anschlüsse dimensioniert werden sollten. Entscheidet man sich erst nachträglich für einen Kamin, sollte man sich an den für das Haus zuständigen Rauchfangkehrer wenden. Er führt eine Dichtigkeitsprüfung des Rauchfangs durch und weiß anhand dieser Daten, was baulich tatsächlich möglich ist. Auf Basis dieser Vorgaben errechnet der Hafner schließlich die Eckdaten des Ofens.

Ausschlaggebend ist vor allem der Rauchfang. „Bei einem Kachelofen benötigt man mindestens 16 bis 18 Zentimeter Durchmesser. Wer sich hingegen für einen Heizkamin mit den immer beliebter werdenden großen Sichtfenstern entscheidet, benötigt gar bis zu 30 Zentimeter, um für den richtigen Zug des Kamins und damit eine bessere Verbrennung zu sorgen. Kann man es sich noch aussuchen, ist ein zentral positionierter Rauchfang von Vorteil“, so der Wiener Hafnermeister Gregor Gschlenk.

Sollen, wie etwa in Häusern in ländlichen Regionen üblich, gleich mehrere Räume mitgeheizt werden, ist ein Ofen, der vom Vorraum befeuert werden kann und Wärme an die umliegenden Räume abgibt, oft die beste Lösung. Wer sich für eine solche Variante entscheidet, muss kein Brennholz in die Wohnräume schleppen und erspart sich auf diese Weise auch einiges an Schmutz. Auch die Frage, wie Verbrennungsluft zum Ofen gelangt, muss im Vorfeld geklärt werden. Wegen immer dichterer Mauern und Fenster zirkuliert in vielen Häusern nicht mehr genügend Luft. „Vor allem in Niedrigenergiehäusern muss bei offenen Kaminen darauf geachtet werden, dass Zuluft unabhängig zugeführt werden kann und nicht aus dem Wohnraum abgesaugt wird“, weiß Clemens Fritzsche, Geschäftsführer von E. Fessler Kamine in Wien. In diesem Fall müssen eigene Luftzuleitungen zum Kamin mit eingeplant werden.

Qual der Wahl. Für welche Art Ofen man sich schlussendlich entscheidet, hängt einerseits von den technischen Voraussetzungen ab, andererseits auch vom persönlichen Geschmack und der Dicke der Geldbörse. Einen gut funktionierenden Ofen, der nicht nur wärmt, sondern auch heizt, bekommt man nicht unter 4000 Euro, ist Experte Martin Scheibelhofer überzeugt: „Es gibt zwar auch preiswertere Varianten, allerdings sind das in der Regel Öfen aus Beton. Ein solcher Ytong-Verbau isoliert allerdings und kann daher keine Wärme speichern. Dafür bläst er Feinstaub in die Wohnung oder ins Haus.“

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Ofenarten: dem traditionellen Kachelofen (Grundofen) und Kaminen. Der größte Unterschied zwischen den beiden Varianten liegt in der Beheizung. Während Grundöfen oft nur einmal am Tag befeuert werden müssen und dann kontinuierlich Wärme an ihre Umgebung abgeben, sind Kamine keine Dauerbrennöfen. Holz muss daher öfter nachgelegt werden. Die Entscheidung zwischen beiden Varianten wird Feuerliebhabern aber ohnehin meist von den bereits vorhandenen baulichen Gegebenheiten in Haus oder Wohnung abgenommen. Ein Kachelofen ist vor allem in Wohnungen oft schlicht und einfach zu schwer, sodass aus statischen Gründen nur ein Kamin infrage kommt. Hier lassen sich mehrere Varianten unterscheiden: Kaminöfen, Heizkamine und Speicherkamine. Sie sind leichter zu installieren als klassische Kachelöfen. Während diese immer nur vor Ort gesetzt werden können, lassen sich Kamine in der Hafnerei nach den Wünschen und Vorstellungen des Kunden fixfertig herstellen und müssen an ihrem Bestimmungsort lediglich noch angeschlossen werden. Zieht man irgendwann aus der Wohnung oder dem Haus aus, lassen sie sich im Gegensatz zu Kachelöfen mitunter sogar mitübersiedeln.

Besonders einfach funktioniert das bei Kaminöfen. Diese erwärmen sich sehr schnell und geben vor allem warme Luft an die Umgebung ab, heizen ist aber kaum möglich. Sie sind mit gusseisernen, schmiedeeisernen oder stählernen Einsätzen, in denen die Verbrennung stattfindet, erhältlich. Der Vorteil: Kaminöfen werden lediglich auf eine Brandschutzplatte gestellt und mittels Rauchrohr an den Schornstein angeschlossen und sind bereits ab 1500 Euro erhältlich.

Auch Heizkamine geben laut Experten zu 70 Prozent Konvektionswärme ab und heizen lediglich zu 30 Prozent. Ihr Wirkungsgrad wird allerdings durch Speckstein- oder Keramikummantelungen erhöht. Dabei gilt: je dicker die Ummantelung, desto mehr Wärme wird gespeichert und langsam und kontinuierlich an die Umgebung abgegeben. Heizkamine sind im Schnitt ab 5000 Euro erhältlich. Wer hingegen den Blick ins Feuer mit den Vorteilen eines Kachelgrundofens verbinden will, muss etwas mehr investieren. Ab 10.000 Euro bekommt man Speicherkamine, die außen verputzt, innen aber mit Kacheln verkleidet sind. Ein solcher Strahlungsmantel kann sich von der Wärmespeicherkapazität durchaus schon mit einem Kachelgrundofen messen.

Entscheidend ist dafür jedoch das Gewicht der eingebauten Keramik oder des Specksteins: je schwerer, desto länger die Speicherdauer. Bernhard Müller, Geschäftsführer von Rüegg Kamine, sieht den großen Vorteil von Kaminen darin, dass sie sich im Gegensatz zu einem Kachelofen schneller aufheizen: „Kommt man am Abend von der Arbeit nach Hause, muss man nicht erst zwei Stunden warten, bis sich der Ofen erwärmt, sondern kann das Feuererlebnis gleich genießen.“

Außerdem kämen sie mit ihren Glaskeramiktüren, durch die man das Feuer lodern sieht, dem Ideal des offenen Kamins am nächsten. Durch die Glastüren lässt sich obendrein das Risiko des Funkenflugs im Wohnraum reduzieren. Sind diese auch noch hinterlüftet, erspart man sich einiges an Putzarbeit.

Will man gleich mehrere Räume beheizen und dabei nicht ständig Holz nachlegen, bietet sich ein Kachelgrundofen an. Er gibt bis zu 24 Stunden lang Wärme ab, und selbst am nächsten Tag ist Aufheizen nicht zwingend notwendig. Daher benötigt er weniger Holz als ein Heizkamin, erweist sich aber beim Beheizen als relativ träge. Bis sich der Wärmespeicher im Inneren des Ofens aufgeladen hat, vergehen gut und gern eineinhalb Stunden. Der Kachelofen selbst wird vorwiegend aus Schamotte gefertigt, während der Feuerraum mit Kacheln ausgekleidet oder verputzt wird. Prinzipiell gilt: Geringe Wandstärken bedeuten kurze Aufheizzeiten, dafür aber geringe Wärmespeicherfähigkeit bei hohen Oberflächentemperaturen von etwa 100 Grad Celsius. Dicke Ummauerungen bringen eine lange Aufheizzeit mit sich, speichern Wärme lang und haben eine geringere Oberflächentemperatur von etwa 70 Grad Celsius.

Im Gegensatz zu einem Kamin ist die Verbrennung bei Kachelgrundöfen sehr sauber und eignet sich auch für jene, die nicht ständig Verbrennungsreste entsorgen wollen. Martin Scheibelhofer: „Öfter als ein-, zweimal pro Jahr muss die Asche nicht ausgeräumt werden.“ Je nach Größe und Ausführung schlägt ein Kachelofen mit 10.000 bis 20.000 Euro zu Buche. Wer sich allerdings gleich für einen Kachelofen mit Gesamtheizung fürs ganze Einfamilienhaus und der Möglichkeit, auch das Warmwasser auf diese Weise zu erzeugen, entscheidet, muss mit Anschaffungskosten von zumindest 25.000 Euro rechnen. Allerdings: Wird ein Ofen tatsächlich zur Heizunterstützung angeschafft, darf man sich über Länder- und teilweise sogar Gemeindeförderungen freuen.

Rauchfreie Alternative. Wer nicht ganz so viel für das wohlige Wohngefühl ausgeben, aber dennoch den Blick ins Feuer genießen möchte beziehungsweise wer sich aus baulichen Gründen den Traum von der Feuerstelle in den eigenen vier Wänden nicht erfüllen kann, der findet in (frei stehenden) Ethanolkaminen eine Lösung. Die Preise für eine solche Variante liegen je nach Ausführung bei rund 1000 Euro, aber auch weitaus günstigere Varianten wie kleine Feuerschüsseln sind schon ab 100 Euro zu haben.

Sie werden mit Bioalkohol betrieben, der zu 96 Prozent aus Biomasse besteht. „Dadurch ist der Brennvorgang völlig abgasfrei, und der Ofen kann auch ohne Kamin und Zuluft betrieben werden. Die Raumluft wird durch die rauch- und rußfreie Verbrennung nicht beeinträchtigt“, sagt Wolfgang Wallinger von Fiarco Designkamine, der sich auf Ethanolkamine spezialisiert hat. Allerdings: Überall dort, wo Wärme erzeugt wird, wird auch Staub angezogen, der in der Folge verbrennt und wie bei jeder anderen Feuerstelle auch einen gelblichen Film hinterlässt.

Viele Kamine sind mobil und lassen sich auch in andere Räume verschieben, ja sogar an die Wand hängen, und sorgen so im Sommer im Garten oder auf der Terrasse für Eindruck. Ein weiterer Vorteil: Das Feuer lässt sich genau regulieren. Geht man am Abend schlafen, dreht man den Ethanolkamin einfach ab, während eine herkömmliche Feuerstelle auch noch länger glosen kann und ängstliche Gemüter um den Schlaf bringt.

Mitunter werden sie sogar zusätzlich zu herkömmlichen Kaminen genutzt oder gar zweckentfremdet, weiß Clemens Fritzsche von E. Fessler Kamine: „Eine ältere Dame war das stete Einheizen so leid, dass sie kurzerhand einen Ethanolkamin in ihren offenen Kamin stellte. Mittlerweile genießt sie das Feuer zu Hause nur noch so.“

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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