Falsche Wahl bei Garantieprodukten

Garantieprodukte sind seit Jahren der große Renner. Jetzt stellt sich heraus, dass die meisten Anleger mit einem Sparbuch viel besser gefahren wären.

Ein Blick auf die Kurse von Garantiezertifikaten lässt so manchen Anleger erblassen: Viele der begebenen Papiere notieren inzwischen weit unter ihrem Startkurs von zumeist 100. Das heißt: Man hat vorderhand bis zu 25 oder 30 Prozent seines eingesetzten Kapitals verloren. Das ist die schlechte Nachricht – vor allem für jene, die jetzt ihr Investment liquidieren müssen. Die gute Nachricht: Am Ende der Laufzeit, also nach zumeist üblichen drei, vier, sieben oder acht Jahren, wird das Garantiezertifikat zumindest verlustfrei zum Kurs von 100 getilgt. Also alles paletti? Oder vielleicht doch nicht?

Bei der Kaufentscheidung für ein Garantiezertifikat ist oft eine Mischung aus Angst und Gier im Spiel. Dann greifen Anleger am liebsten zu Produkten, die als absolut sicher gelten, aber doch noch eine Chance auf einen Mehrertrag bieten. Das klingt jedenfalls gut. Wie sich jetzt herausstellt, hat sich die Chance auf Mehrertrag aber womöglich längst in Luft aufgelöst. Und das heißt: Per saldo steckt man letztlich doch einen Verlust ein. Denn wenn nicht mehr übrig bleibt als die Kapitalgarantie, bedeutet das: Man hat nicht nur nichts verdient, sondern auch noch jede Menge Spesen bezahlt. Mit einem Sparbuch dagegen, das die größte Garantie bietet, hätte man zwar bescheidene, aber zumindest sichere Zinsen dazuverdient. Kurzum: Das Kapital hätte wenigstens seinen Wert gehalten oder wäre sogar real gewachsen.

Dazu ein konkretes Beispiel: Wer 10.000 Euro Anfang 2003 in ein Garantiezertifikat investiert hat und Ende 2008 nur den Garantiewert erlöst, hat unter Berücksichtigung von Ausgabeaufschlag (Annahme: drei Prozent) und Depotgebühr (0,2 Prozent per annum plus Umsatzsteuer) nach sechs Jahren 4,4 Prozent verloren (minus 0,75 Prozent per annum). Wer dagegen 10.000 Euro über die gleiche Laufzeit auf ein Zwölfmonatssparbuch legte, hat zumindest einen Nettozinsertrag (nach Kest) von insgesamt 12,6 Prozent (zwei Prozent per annum) lukriert. Klar, dass die Emittenten von Garantiezertifikaten, in erster Linie die großen Banken wie Erste Bank oder Österreichische Volksbanken (ÖVAG) oder Bankentöchter wie Raiffeisen Centrobank (RCB), solche Vergleichsrechnungen gerne mit dem lapidaren Kommentar abtun, im Nachhinein sei man immer klüger.

Doch auch die meisten Garantiezertifikate verbinden nun einmal einen Mehrertrag mit steigenden Wertpapiermärkten – und sie zeichnen sich obendrein durch ein spezielles Merkmal aus. „Die Konstruktionen sind meist sehr komplex, für den Laien schwer verständlich und wenig transparent“, kritisiert Elisabeth Staudner, Geschäftsführerin der CPB Kapitalanlage. „Damit weiß man oft nicht, wo die Risken liegen.“ Ein weiteres Problem: Durch die unterschiedlichen Konstruktionen und Konditionen sind die Produkte untereinander kaum vergleichbar. Auch die Kosten sind völlig intransparent, weil sie feinsäuberlich in die Produkte hin­eingerechnet und – im Gegensatz zu Fonds – nicht explizit ausgewiesen werden.

Üblicherweise bestehen Garantiezertifikate aus zwei Komponenten: einer Nullkuponanleihe, deren Wert sich mit Zinseszinsen bis zum Ende der Laufzeit auf den Wert von 100 aufbaut, und einer Option. Sie ist das so genannte Spielkapital, das einen Zusatzertrag erwirtschaften kann, wenn alles gut läuft. Angenommen der Zinssatz beträgt fünf Prozent und die Laufzeit des Zertifikats fünf Jahre, dann gehen 78,35 Prozent des eingesetzten Kapitals in den Zero Bond, und 21,65 Prozent bleiben für die Option.

Aber damit es tatsächlich zum Zusatzertrag kommt , muss sich eine Reihe von Parametern während der Laufzeit optimal entwickeln. „Am wichtigsten ist das Underlying“, erklärt Heike Arbter, Produktmanagerin der RCB – also die Entwicklung der Wertpapiere, die der Option zugrunde liegen, in der Regel Aktien, Indices, Rohstoffe, Anleihen oder Währungen. Aber auch Zinsentwicklung, Volatilität, Bonität des Emittenten, Restlaufzeit und der richtige Emissionszeitpunkt spielen eine wichtige Rolle für die Chance, dass man am Ende tatsächlich etwas dazuverdient hat. Dass viele Papiere jetzt unter 100 notieren, überrascht daher nicht. Denn die Einflussfaktoren auf die beiden Basiskomponenten haben sich bei vielen Zertifikaten dummerweise zum Teil dramatisch verschlechtert: Die Kurse der Underlyings wie Aktien oder Immobilien, aber auch von Zinspapieren sind seit einem Jahr kräftig eingebrochen. „Das hat vor allem jene Zertifikate, die am Höhepunkt der Hausse emittiert wurden, stark unter Druck gebracht“, weiß Heinz Mayer, Vorstand der Schoellerbank.

Dazu kommt: „Die Zinsen sind in den letzten zwei bis drei Jahren von zwei auf fünf Prozent kräftig angestiegen, und damit ist der Wert der Nullkuponanleihen gefallen“, bedauert André Albrecht, Zertifikateexperte der Erste Bank. Den Zero-Bonds wird jetzt nämlich ein höherer Zinssatz zur Berechnung des aktuellen Barwerts zugrunde gelegt. Außerdem haben sich im Zuge der Sub­prime-Krise die Aufschläge, die so genannten Credit Spreads, für die emittierenden Banken, also die Anleiheschuldner, seit dem Vorjahr empfindlich erhöht. Mitunter hat sich auch die Bonität des Emittenten verschlechtert – wie etwa im Fall von Lehman Brothers, deren Zinsaufschläge sich von 50 bis 100 Basispunkten im Vorjahr auf inzwischen 250 bis 300 Basispunkte erhöht haben. Alle diese Entwicklungen drücken auf die Kurse der Garantiezertifikate.

Auch die Restlaufzeit spielt eine Rolle: Ist sie kurz, dann ist die Chance, dass noch ein Zusatzertrag erzielt wird, gering. Ist sie noch lang, dann steht es zwar besser um die Chancen, dass sich die Märk­te noch erholen, aber dafür fallen die Zinsänderungen stärker ins Gewicht. „Der starke Zinsanstieg der letzten Jahre hat auf Garantiezertifikate mit langer Restlaufzeit stärker negativ durchgeschlagen als auf jene mit kurzer“, resümiert Heinz Karasek, Leiter Equities und strukturierte Produkte von der Sal.-Oppenheim-Bank in Wien. Ein Kurs unter 100 heißt zwar nicht zwangsläufig, dass am Ende nur die Garantie ausbezahlt wird. „Das Schöne an den Optionen ist, dass die Chance auf Mehrertrag weiterbesteht“, freut sich Albrecht von der Erste Bank. Doch bei einer ganzen Reihe von Zertifikaten ist die Chance eher theoretischer Natur, „weil die Wahrscheinlichkeit einer Erholung sehr gering ist“, gibt Arbter von der RCB zu. Das gilt etwa für Immo Winner 1 (AT0000A04P42) oder Immo Winner 2 (AT0000A05410), die österreichische Immobilien als Basiswert haben, von der RCB im Vorjahr vor dem Kurseinbruch emittiert wurden und jetzt zum Kurs von rund 85 notieren.

„Auch der Blue Chip Bond 7 der RCB (AT0000453659) oder 3 Plus Ziel Garant III (AT0000440177) der ÖVAG sind praktisch tot“, ist Andreas Dolezal, Leiter der Zertifikateplattform der Capital Bank, überzeugt. Bei diesen beiden Produkten, die zu Kursen von rund 73 notieren, handelt es sich um so genannte kuponorientierte Garantiezertifikate, die nicht bei Tilgung einen möglichen Mehrertrag, sondern während der Laufzeit Zinsen ausschütten. Viele Anleger lassen sich davon blenden, dass für die ersten ein oder zwei Jahre hohe Kupons versprochen werden. Doch in der Folge gibt es nur noch variable Zinsen, die an einen Korb von 25 oder 30 Aktien und an eine Fülle von Konditionen geknüpft sind. Was auf den ersten Blick genial klingt, hat auf den zweiten einen ordentlichen Haken: Die Aktien korrelieren üblicherweise möglichst wenig miteinander. „Damit ist die Wahrscheinlichkeit überproportional groß, dass eine Aktie im Korb den Kupon kaputt macht“, weiß Dolezal. „Ein Index als Basiswert ist daher eine elegantere Variante.“
Staudner von der CPB Kapitalanlagegesellschaft appelliert an die Vernunft der Anleger: „Man sollte sich die Frage stellen, warum man mehr Zinsen bekommt. Denn in der Regel gibt es nicht mehr Ertrag ohne zusätzliches Risiko.“ So hat man etwa bei dem am 1. Dezember 2005 begebenen 3 Plus Ziel Garant III in den ers­ten beiden Jahren jeweils 8,25 Prozent Zinsen kassiert, also deutlich über dem Marktniveau. Zum nächsten Kupontermin am 1. Dezember 2008 wird man allerdings leer ausgehen. Denn die schlechteste Aktie hat derzeit rund 60 Prozent, die zweitschlechteste 33 Prozent im Vergleich zum Startwert verloren, und der jährliche Kupon wird bei einem Verlust einer einzigen Aktie von 31,66 Prozent obsolet. Gut möglich, dass man auch bis zum Ende der Laufzeit am 30. November 2015 keine weiteren Kupons erwirtschaftet und per saldo auf einen Zinsertrag von bloß 1,65 Prozent per annum kommt.

Auch der anlässlich der Fußball-EM am 20. Mai 2008 begebene und von Hans Krankl heftig beworbene Spar Garant Goleador (AT0000B0560007) der ÖVAG mit sechs Jahren Laufzeit und einem Kurs von 96 wird die in Aussicht gestellte Verzinsung von sieben Prozent vermutlich gleich im ersten Jahr verfehlen und nur die garantierten vier Prozent Zinsen abwerfen. Zum Vergleich: Bei der RLB Niederösterreich-Wien bekommt man für ein Zwölfmonatssparbuch immerhin 4,375 Prozent Zinsen. Was soll man also tun, wenn man jetzt nicht mit Verlust aussteigen will? Die Restlaufzeit aussitzen oder auf eine Kurserholung jenseits des Emissionskurses hoffen? So paradox es auch klingen mag: „Am besten heruntergeprügelte Garantiezertifikate mit überschaubarer Restlaufzeit nachkaufen und sich das Upside-Potenzial sichern“, empfiehlt Constantin Veyder-Malberg, Vorstand der Capital Bank. Denn ein Zertifikat mit einem aktuellen Kurs von 85 und drei Jahren Restlaufzeit bringt, bezogen auf die Tilgung zu 100, eine Rendite von 5,6 Prozent per annum – und das bei einer Behaltefrist von einem Jahr steuerfrei.

Von Eva-Maria Benisch

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