Fallen zwischen Start & Landung: Bei
Billigflieger sind Gebühren-Infos ratsam

Vor der Urlaubssaison sollten sich Flugreisende einen Überblick über ihre Rechte sowie über die zahlreichen versteckten Gebühren der Billigairlines verschaffen. trend hilft dabei.

Von Franz C. Bauer

Gelegenheiten, bei denen Menschen aus hochzivilisierten Gesellschaften heute noch Bekanntschaft mit elementaren Urgewalten machen können, sind eher rar – vor allem in Mitteleuropa. Fernab von turbulenten Tornadostraßen, vor möglichen Adria-Tsunamis durch die Alpen wohlbehütet und in angenehmer Entfernung zum nächsten Vulkan (und auch dieser, nämlich der Vesuv, köchelt bloß auf Sparflamme vor sich hin), lässt es sich sorglos leben. Jedenfalls hätte bis vor Kurzem wohl niemand gedacht, dass ausgerechnet ein Vulkanausbruch das ­Leben zahlreicher Österreicher nachhaltig beeinträchtigen und den Flugverkehr in unserem Luftraum temporär stilllegen könnte.
Dann kam der 14. April. Die Aktivitäten des isländischen Vulkans Eyjafjalla samt folgender Flug-Stornoorgie beschäftigten erst Vulkanologen, Meteorologen und Flugsicherheitstechniker – und relativ rasch auch Juristen und Konsumentenschützer. Diese dürften mit den Folgen der Ausfälle noch einige Zeit konfrontiert bleiben. „Die Zahl der Beschwerden hat sprunghaft zugenommen“, berichtet Michael-Christian Schmidt, Koordinator der Beschwerde- und Schlichtungsstelle für Fluggastrechte im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (Tel.: 01/711 62-9204). Immerhin mussten die Airlines rund 100.000 Flüge streichen und Legionen gestrandeter Flugpassagiere versorgen, unterbringen und wieder nach Hause transportieren.

Unschärfen. Funktioniert hat das teils recht gut, teils aber gar nicht. „Im Zuge der Vulkanprobleme hat sich herausgestellt, dass manche Billigairlines offenbar glauben, sie unterliegen nicht der Fluggastrechte-Verordnung der EU. Aber die gilt für alle“, stellt Maria Ecker vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) fest. Worauf die Konsumentenschützerin anspielt, erklärt Schmidt: „Die EU hat im Jahr 2004 die Verordnung 261 in Kraft gesetzt, die alle Rechte der Fluggäste definiert, zum Beispiel bei Verspätungen und der Streichung von Flügen – aber auch die Preisauszeichnung“ – eine Gelegenheit also, Preisgestaltung und Refundierungspraxis der Airlines unter die Lupe zu nehmen. Immerhin ist ja nicht abzusehen, wie lange der Vulkan noch Asche in die Luft bläst oder Streiks in Griechenland zu Ausfällen führen. Daher sollten Fluggäste zumindest die wichtigsten Punkte dieser Verordnung präsent haben. Das Problem dabei: „Der Text der Verordnung ist zum Teil sehr ungenau formuliert“, kritisiert VKI-Expertin Ecker.
Das beginnt schon bei der Definition des Geltungsbereichs. „Da die Unterscheidung zwischen Linienflugverkehr und Bedarfs­flugverkehr an Deutlichkeit verliert, sollte der Schutz sich nicht auf Fluggäste im Linienflugverkehr beschränken, sondern sich auch auf Fluggäste im Bedarfsflugverkehr, einschließlich Flügen im Rahmen von Pauschalreisen, erstrecken“, liest es sich im Verordnungstext. Aber was heißt in diesem Zusammenhang „sollte“? „Das ist geklärt. Natürlich fallen da zwingend auch die so genannten Billigairlines hinein“, erklärt Schmidt.
Hier drohen schon bei der Buchung erste Fußangeln. „Die Preise beziehen sich so gut wie immer auf eine Buchung per Internet. Manche Airlines bieten gar keine andere Möglichkeit – damit ist aber ein großer Personenkreis ausgeschlossen“, kritisiert Schmidt. Und obwohl bei einer Internetbuchung der Fluggast selbst „arbeitet“, verrechnen manche Airlines hier „Buchungsgebühren“ oder „Bearbeitungsgebühren“ – und diese sind im ausgewiesenen Grundpreis nicht immer enthalten. Noch teurer kann freilich eine telefonische Buchung kommen. So offerieren etwa die Austrian Airlines auf zahlreichen Strecken zehn Prozent der Sitzplätze als Billigangebot. Diese so genannten „redtickets“ können preislich locker mit den Billigairlines mithalten. Doch die computerlose Buchung über das AUA-Callcenter verteuert das ­Ticket um satte 45 Euro.
Unerwartete Zusatzkosten verursacht auch der Wunsch, beim Einstieg in das Flugzeug nicht um einen Sitzplatz kämpfen zu müssen. Bei klassischen Fluglinien können Passagiere bereits bei der Buchung ihren Sitzplatzwunsch bekannt geben. Spätestens am Check-in-Schalter wird aber immer ein Platz zugewiesen. Nicht so bei typischen Billigbombern wie easyjet und Ryanair. Für „normale“ Fluggäste gilt das Gesetz des Dschungels: Wer sich rascher durch die Kabinentür zwängt, ergattert vielleicht noch den Platz seiner Wahl. Es gibt zwar gegen Aufpreis die Möglichkeit eines „bevorzugten Boardings“, doch das macht die Gruppe der „Sitzplatz-Konkurrenten“ bloß kleiner, einen fixen Platz gibt es immer noch nicht.

Teure Überraschungen. Für Überraschungen sorgt manche Gepäcksbeförderungs-Praktik. Im Linienverkehr sind innereuropäisch 20 Kilo Freigepäck üblich. Billigairlines sehen das anders: Hier muss das Gepäck oft extra gebucht und bezahlt werden. Ein auf den ­ersten Blick günstiger Flugpreis kann sich auf diese Weise kräftig verteuern. Wer vergisst, gleich bei der Buchung das Fluggepäck zu berücksichtigen, muss noch deutlich tiefer in die Tasche greifen. Knausrig geben sich manche Airlines beim Gewicht des Gepäckstücks: Ryanair etwa – jene Fluglinie, die mit ihrer Überlegung, für Toilettenbenutzung Extragebühren zu verrechnen, für Erheiterung gesorgt hat – toleriert auf der Strecke Wien–London nur 15 Kilo.
Sorgen wie kürzlich Vulkane oder Streiks für Behinderungen im Flugverkehr, droht neuerliches Ungemach. Werden Flüge gestrichen, dann treffen zwar auch die Billigairlines die fünf in der EU-Verordnung festgeschriebenen Verpflichtungen, doch Pannen gibt es bereits bei der Erfüllung der ersten dieser Vorschriften: der Information. „Viele Billigflieger verfügen über keine eigenen Schalter auf den Flughäfen. Man bekommt da manchmal nur ­einen Zettel in die Hand gedrückt – mit dem Verweis auf eine Hotline, die aber durchaus kostenpflichtig sein kann. Dann hängt man in der Warteschleife, und die Kasse klingelt. Die großen Fluglinien haben dagegen Informationsschalter und eigene ­Angestellte für die Kundenbeziehungen“, so Schmidt.
Besonderes Pech haben dabei „gestrandete“ Passagiere: Billig­airlines informieren bevorzugt per Mail über Absagen und ­Ersatzflüge. Nicht jeder kann aber an seinem Reiseziel problemlos auf seine Mails zugreifen – und selbst wenn, ist das Ergebnis nicht immer hilfreich. So ließ etwa easyjet am Höhepunkt der Flugbehinderung seine überraschten Kunden per – offenbar ­automatisch generiertem – e-Mail wissen, es komme „due to ­adverse weather conditions early this year“ zu Verzögerungen bei der Beantwortung von Anfragen. Passagieren, die des Englischen nicht mächtig sind, ist damit nicht nur die gewünschte Information, sondern auch ein besonderer Gag entgangen: ­Immerhin verwies der Billigcarrier Mitte April, am Höhepunkt der Vulkanausbrüche, auf „widrige Wetterbedingungen zum Jahresanfang“ – eine Antwort mit zwar bescheidenem Informations-, aber um so höherem Unterhaltungswert.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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