Euro-Crash trifft Häuslbauer stark: Die Probleme mit den Fremdwährungskrediten

Wer mit einem Fremdwährungskredit Geld sparen wollte, hat derzeit nicht viel zu lachen. Der Euro sitzt in der Staatsschuldenfalle.

Von Franz C. Bauer

Zentralbankchefs und schlichte Staatsbürger plagen selten gemeinsame Sorgen. Doch seit einigen Wochen beschäftigen sowohl Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), als auch zahlreiche österreichische Häuslbauer düstere Gedanken über die Zukunft des Euro: Die europäische Gemeinschaftswährung ist ins Gerede gekommen. Während sich Trichet – zunehmend auch öffentlich – über die hohen Schulden der Euro-Staaten besorgt zeigt, sind die Ängste zahlreicher Kreditnehmer vielleicht banaler, aber dafür umso handfester: Wer Immobilienkäufe mit Fremdwährungskrediten finanziert hat, der wurde in den vergangenen Wochen spürbar ärmer.

Zeitbombe. Allein zwischen Mitte Dezember 2009 und Mitte Februar 2010 verlor der Euro gegenüber dem Schweizer Franken, der beliebtesten Fremdwährung für Kredite, rund vier Prozent seines Werts – was die ausstehende Kreditsumme im gleichen Ausmaß erhöhte. Laut jüngster Statistik der Oesterreichischen Nationalbank belaufen sich die Franken-Schulden der privaten Haushalte in Österreich auf umgerechnet rund 33,8 Milliarden Euro. (Zum Vergleich: Die Euro-Kreditsumme erreichte zum selben Zeitpunkt rund 84,5 Milliarden.) Jedes Prozent Franken-Aufwertung kostet die Österreicher somit etwa 340 Millionen Euro.
Als „tickende Zeitbombe“ bezeichnet denn auch die Arbeiterkammer Niederösterreich auf ihrer Homepage jede Finanzierung außerhalb des Euro. Peter Stummer, Chef des Devisenschuldenverwalters Apis, sieht ebenfalls Gefahr im Verzug: „Ein gewaltiges Unwetter braut sich über dem Euro zusammen. Für Fremdwährungskreditnehmer ist es allerhöchste Zeit, entweder in den Heimathafen zurückzukehren oder das Fremdwährungsrisiko professionell managen zu lassen.“ Da verwundert es kaum, dass die ­Finanzmarktaufsicht den heimischen Banken jüngst eindringlich nahelegte, doch ja keine Fremdwährungskredite mehr zu vergeben. Zumindest offiziell halten sich diese auch daran. „Wir bieten so etwas nicht mehr an und verkaufen auch auf direkte Anfragen keine Fremdwährungskredite“, erklärt Ludwig Kremser, für das Privatkundengeschäft der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien zuständig, „aber um ehrlich zu sein, werden solche Kredite derzeit auch kaum nachgefragt.“ Zeitungsberichte über drohende Staatspleiten der Euro-Länder Griechenland und in jüngerer Zeit auch Spanien und Portugal verschreckten die potenzielle Kundschaft. Doch sind die Ängste, der Euro könnte noch weiter abstürzen, berechtigt? Und was sollen Bankkunden unternehmen, die bereits einen Fremdwährungskredit laufen haben?

Bodenbildung. „An einen Totalabsturz des Euro und das Auseinanderbrechen des Währungsraums glaube ich nicht“, tritt Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt der Bank Austria, diversen Katastrophenszenarien entgegen. „Es gibt Anzeichen einer Bodenbildung“, sieht auch Valentin Hofstätter, Zins- und Währungsanalyst der Raiffeisen Zentralbank, das Ende der akuten Euro-Schwäche nahen. Das Problem dabei, so Hofstätter: „Grundsätzlich ist der Franken eine Aufwertungswährung. Bei langfristiger Betrachtung wird er gegenüber dem Euro tendenziell immer stärker.“ Um aber zu große Nachteile der Schweizer Industrie am Weltmarkt zu verhindern, versucht die Schweizer Nationalbank durch gezielte Interventionen, die eigene Währung zu schwächen. Damit begeben sich Franken-Kreditnehmer in die Hände der Schweizer Währungs­hüter und sind vom Erfolg des „Unternehmens Franken-Schwäche“ abhängig. Kurzfristige Kursschwankungen können die Schweizer Notenbanker aber nicht verhindern, und so hängt alles vom richtigen Zeitpunkt ab: Wer das Glück hat, seinen Fremdwährungskredit gerade bei einem Franken-Tief aufgenommen zu haben, der kann sogar jetzt noch im Plus liegen. Der einstige Zinsvorteil ist hingegen weitgehend dahingeschmolzen. Nach zahlreichen Zins­senkungen der EZB befinden sich sowohl Euro- als auch Franken-Zinsen auf Tauchstation. Franken-Kredite sind allerdings immer noch geringfügig billiger als Euro-Finanzierungen.

Zinsenbonus. Der Zeitpunkt für einen Wechsel aus dem Franken in den Euro – wie ihn manche Banken empfehlen – ist dennoch nicht günstig, da der Franken gerade jetzt besonders stark ist. „Bis zum Jahresende rechnen wir eher mit einer leichten Abschwächung der Schweizer Währung“, so Währungsanalyst Hofstätter.

Vorsichtige Kreditnehmer sollten dennoch in den Euro zurückwechseln. Da in den kommenden Wochen weitere negative Nachrichten aus Griechenland zu erwarten sind – das von der EU verordnete Sparprogramm der Regierung provoziert Streiks – und auch Portugal und Spanien kaum aus den Schlagzeilen kommen werden, ist mit weiterem Druck auf den Euro zu rechnen. Risikofreudigere können dagegen auf die von Analysten prophezeite Gegenbewegung warten und dann bei gutem Wind aussteigen. Wahrscheinlich ist auch, dass die Euro-Zinsen früher als jene im Schweizer Franken angehoben werden. Bringt die Konjunktur im Euro-Raum heuer keine negativen Überraschungen, dann wird die EZB die Leitsätze spätestens im ersten Quartal 2011 erhöhen.

Gefährlich bleiben hingegen endfällige Kredite, die an einen Tilgungsträger gebunden sind. Bei dieser Konstruktion bezahlen Kreditnehmer nur die (wegen des Zinstiefs niedrigen) Zinsen, anstatt einer laufenden Tilgung wird das Geld in einen so genannten „Tilgungsträger“ investiert. Die Hoffnung, dass die tolle Performance des Tilgungsträgers die Kreditschuld am Ende weiter schmälert und daher weniger zugezahlt werden muss, als man sich ausgeborgt hat, wurde durch die Finanzkrise aber in zahlreichen Fällen zunichtegemacht. „Wir raten derzeit ganz klar dazu, endfällige Kredite mit Tilgungsträger in einen normalen Abstattungskredit umzuwandeln“, so Privatkundenbetreuer Kremser. „Es hat sich nämlich herausgestellt, dass das Veranlagungsrisiko sogar noch größer ist als das Währungsrisiko.“

Yen-Hochschaubahn. Noch höher als das Risiko im Franken schätzen Analysten die kurzfristigen Gefahren eines Yen-Kredits ein. Umgerechnet rund zwei Milliarden Euro betragen die Schulden privater Haushalte in der japanischen Währung – und hier gab es allein in den ersten sechs Wochen dieses Jahres eine Abwertung des Euro um knapp neun Prozent. „Der japanischen Zentralbank ist der Euro-Kurs vollkommen egal. Da gibt es kein Gegensteuern, und wenn es an den Finanzmärkten wieder einmal zu Turbulenzen kommt, dann sind innerhalb kurzer Zeit Kursschwankungen bis zu 20 Prozent durchaus drinnen“, so Hofstätter. Langfristig zählt der Yen gegenüber dem Euro allerdings zu den Abwertungswährungen – wer bis jetzt noch nicht ausgestiegen ist, sollte zumindest auf die nächste Gegenbewegung der Yen-Hochschaubahn warten, um in den Heimathafen Euro zurückzukehren.

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