Es gibt auch ein Leben nach dem Crash:
Für Anleger wird 2009 ein spannendes Jahr

Vor wenigen Wochen ließ Selfmade-Milliardär und Investmentguru Warren Buffett – von der Financial Community nach seinem Wohnort gern als das „Orakel von Omaha“ bezeichnet – mit einer einigermaßen provokanten Aussage aufhorchen. „Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, sei gierig, wenn andere ängstlich sind“, lautet der jüngste Orakelspruch des 78-jährigen, der sich und seine Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway nach eigenen Angaben mit US-Aktien eindeckte. Denn, so schrieb Buffett in einem viel beachteten Beitrag für die „New York Times“, die meisten großen US-Konzerne würden in den nächsten fünf, zehn und 20 Jahren Rekordgewinne schreiben.

Seither gab der S&P-Index der 500 wichtigsten US-Aktien um fast zehn
Prozent nach. Pech gehabt, Herr Milliardär. Zu den Verlierern zählten
auch die von Buffett erworbenen Aktien von Goldman Sachs und General
Electric. Kann ein Orakel irren? Und wenn schon der reichste und genialste Investor der Welt offenbar schiefliegt – wie kommen dann ganz
normale Anleger ohne gröbere Blessuren durch das nächste Jahr?

„Das hängt von der jeweiligen Risikoneigung ab“, sieht Wolfgang Layr, Vorstand der Volksbank Wien und ehemaliger Fondsmanager des Jahres, keine Chance für simple Patentrezepte. Eines ist dem Investmntprofi aber klar: „Die Börse ist der beste Frühindikator für die Wirtschaft. Wir haben im Oktober die stärkste Korrektur seit den 1930er Jahren gesehen. Das bedeutet: Wir brauchen gar nicht mehr darüber diskutieren, ob eine Rezession kommt. Es ist nicht nur sicher, dass eine kommt, sondern sie wird auch noch heftig werden.“

Ein Umfeld, das vor allem für die Börsen einige Gefahren birgt. „Als normaler Anleger sollte man jetzt die Finger von Aktien lassen. Die Kursschwankungen sind viel zu hoch“, meint Susanne Höllinger, Leiterin des Privatbankgeschäfts in der Erste Bank. „Wer jetzt versucht zu spekulieren, der kann sehr, sehr viel Geld verlieren.“

6-12 Monate, bis Börse Boden gefunden hat
Ertappt – Warren Buffett kommt in die Jahre und macht Fehler. Oder vielleicht doch nicht? „Eines zeigen die aktuellen Börsenindizes schon deutlich: Da ist bereits eine saftige Rezession eingepreist. Die Aktienkurse nehmen derzeit einen kräftigen konjunkturellen Dämpfer vorweg. Dieser ist in den Kursen vielleicht noch nicht ganz berücksichtigt, aber das meiste ist schon drin“, glaubt Friedrich Mostböck, Chefanalyst der Erste Bank. „Ich gehe davon aus, dass es nach einer solchen Korrektur noch einmal sechs bis zwölf Monate dauert, bis die Börse den Boden gefunden hat“, glaubt Volksbank-Vorstand Layr. „Aber wer bereit ist, dieses Risiko auf sich zu nehmen, der kann im nächsten Jahr langsam beginnen, Positionen aufzubauen. Wenn man nach so einem Absturz
investiert, dann kann nicht mehr allzu viel passieren. Das Timing ist jetzt nicht mehr so wichtig.“ Und genau das dürfte sich auch Buffett gedacht haben. Die wichtigsten Weltbörsen liegen ohnedies schon zwischen
40 und 45 Prozent unter Wasser. Die Bomben bei den umstrittenen Investmentbanken sind entweder bereits hochgegangen oder entschärft, und die Stimmung an den Börsen schwankt zwischen Angst und Panik. Viel schlimmer kann es jetzt kaum noch kommen.

Das Szenario, vor dessen Hintergrund risikofreudige Anleger jetzt schon kaufen, ist allerdings eher heikel. „Ich rechne für 2009 mit Deflation. Das ist schlecht für den Konsum“, sieht Ulrich Baumann, Manager des Volksbank Pazifik Invest-Fonds, für konsumnahe Aktien eher schwarz. Tatsächlich tendierten die Wachstumsraten der vor allem in den USA viel beachteten Konsumausgaben derzeit gegen null. Für heuer prognostiziert das US-amerikanische Bureau of Economic Analysis gerade noch ein Wachstum von 0,7 Prozent. Im kommenden Jahr wird der US-Konsument als wichtiger Motor der Weltwirtschaft dann überhaupt ausfallen. Die Konsumausgaben werden voraussichtlich schrumpfen. „In der Deflation kauft niemand Dinge, die er nicht unbedingt braucht. Vor allem Konsumaktien werden das zu spüren bekommen“, so Baumann.

Und Asien?
Bleibt die Hoffnung auf Asien. Dort wächst seit einigen Jahren erstmals eine Mittelschicht heran, deren Konsumverhalten und Lebensgewohnheiten jenen in den USA und Europa ähneln. Allein in Indien und China dürften dieser Mittelschicht bereits mehr Menschen angehören, als insgesamt in der EU leben. Doch die Hoffnung, Asien allein könnte die Rettung bringen, zerstreut Fondsmanager Baumann. „Es ist zwar richtig, dass die Konsumausgaben in Indien und China stark zugenommen haben, aber die Mittelschicht ist dort von der Krise genauso betroffen wie die Konsumenten im Rest der Welt. Die Shopping Malls in Hongkong und China müssen derzeit dramatische Umsatzeinbrüche hinnehmen“, berichtet der Asienkenner.

Wal Mart als Gewinner
Monika Rosen, Chefanalystin im UniCredit Asset Management, findet dennoch einen Gewinner. Ganz ohne Konsum geht’s nämlich doch nicht: Wal Mart, der Welt größter Einzelhändler, legte heuer bis Mitte November eine nachgerade glänzende Performance von plus zehn Prozent aufs Börsenparkett. Damit blieb der Handelskonzern der einzige Gewinner im Dow-Jones-Index. „In solchen Situationen stellt sich immer die Frage: Wer gewinnt – Wal Mart oder Tiffany? Diesmal hat der Markt eindeutig entschieden“, so Rosen. Gut halten konnte sich auch McDonald’s – mit minus vier Prozent blieb der Kursverlust weit hinter dem Durchschnitt der US-Aktien zurück.

Anleger sollten 2009 aber vor allem jene Aktien und Sektoren suchen, die heuer besonders unter die Räder kamen. Da wären zunächst die Rohstoffe. „Derzeit kann die Spirale bei den Commodities noch weiter nach unten gehen. Wenn sich die Konjunktur abkühlt, dann werden die Rohstoffwerte weiter unter Druck geraten“, meint Fondsmanager Baumann. „Aber jetzt werden Lagerbestände abgebaut und Produktionen stillgelegt. Wenn das dreht, dann gibt es hier
eine besonders kräftige Gegenbewegung.“ Stillgelegt ist eine Mine nämlich schnell – sie wieder zu reaktivieren dauert hingegen
weitaus länger.

Von Franz C. Bauer

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